Gendern pro und contra: Formen sicher einordnen

Gendern pro contra richtig gendern

Lesezeit ca. 6 Min. · zuletzt aktualisiert: 15. August 2026 · Weitere Genderformen E bis K

Gendern betrifft vor allem Personenbezeichnungen. Dieser Überblick ordnet belegte Formen, Alternativen und vollständige Beispielsätze ein.

Welche Formen des Genderns gibt es?

Gendern meint im Deutschen einen Sprachgebrauch, der Geschlechter in schriftlicher und gesprochener Sprache gleich behandeln soll. Dabei geht es vor allem um Personenbezeichnungen und Pronomen. Solche Ausdrücke können geschlechtsspezifisch, geschlechtsübergreifend oder neutral verwendet werden.

Für gendergerechte Sprache lassen sich zwei Wege unterscheiden: Personen können ausdrücklich benannt werden, oder ein neutraler Ausdruck bezieht sie ein. Zu den ausdrücklich benennenden Formen zählen Paarformen mit einer weiblichen und einer männlichen Bezeichnung. Mehrgeschlechtliche Kurzformen mit Genderzeichen sollen außerdem nichtbinäre und diversgeschlechtliche Personen ansprechen und einbeziehen.

Das Gendersternchen gehört zu den Bezeichnungen, die im Zusammenhang mit solchen Kurzformen stehen. Gender-Doppelpunkt, Binnen-I, Gender-Schrägstrich und Gender-Unterstrich werden im vorliegenden Material nicht jeweils gesondert erklärt. Für eine Einordnung kann deshalb der gesamte Satz und der gemeinte Personenkreis betrachtet werden.

Eine weitere Möglichkeit ist eine neutrale Personenbezeichnung. Statt einer Bezeichnung wie „Lehrer“ kann etwa „Lehrkraft“ stehen. Damit wird die betreffende maskuline Personenbezeichnung vermieden, ohne eine Paarform oder ein Genderzeichen einzusetzen. Auch für zusammengesetzte Wörter mit Personenbezeichnungen verweist das Material auf Vorschläge in Sprachratgebern.

Pro und contra im Überblick: Auf der Pro-Seite steht das Ziel, Geschlechter im Sprachgebrauch einzubeziehen und gleich zu behandeln. Sichtbar machende Formen und neutrale Bezeichnungen bieten dafür unterschiedliche sprachliche Möglichkeiten. Auf der Contra- beziehungsweise Abwägungsseite steht, dass es im Deutschen keine verbindliche Norm für geschlechtergerechte Formulierungen gibt. Eine Wahl zwischen den Formen ist daher nicht allein durch eine allgemeine Vorgabe entschieden.

Für die Abwägung ist außerdem die geschlechtsübergreifende Verwendung maskuliner Formen wichtig. Mit einer maskulinen Berufsbezeichnung können Menschen aller Geschlechter gemeint sein. Die Form selbst lässt jedoch offen, ob nur Männer oder auch andere Personen angesprochen werden. Diese mögliche Mehrdeutigkeit erklärt, weshalb Alternativen zu maskulinen Personenbezeichnungen verwendet werden können.

Ein allgemeines Urteil für oder gegen jede Schreibweise folgt daraus nicht. Das Deutsche stellt verschiedene Möglichkeiten für geschlechtergerechtes Formulieren bereit, ohne dafür eine Norm festzulegen. Im konkreten Satz kann daher geprüft werden, welche Personen angesprochen werden sollen und ob die Form diese Bedeutung erkennen lässt.

Für weitere Begriffsunterscheidungen hilft die Übersicht maskulin, feminin und neutral. Sie ordnet Ausdrücke einer maskulinen, femininen oder neutralen Form zu. Daraus ergibt sich jedoch nicht automatisch, welche Personen ein Satz jeweils umfasst.

Konkrete Regel und vollständige Beispielsätze zu Gendern pro und contra

Welche Form passt zu welchem Satzkontext?

Der Satzkontext entscheidet zunächst darüber, ob eine Personenbezeichnung überhaupt gebraucht wird. Prüfe deshalb die Ausgangsform und frage, welche Personengruppe sprachlich bezeichnet werden soll. Bei maskulinen Formen kann die Bezugnahme auf Männer oder auf Menschen aller Geschlechter sprachlich nicht eindeutig sein. Diese Mehrdeutigkeit gehört zur Einordnung der geschlechtsübergreifenden Verwendung maskuliner Formen.

Eine vollständige Paarform nennt beide Bezeichnungen ausformuliert. Sie kann verwendet werden, wenn Frauen und Männer ausdrücklich angesprochen werden sollen. Eine Kurzform mit Genderzeichen verfolgt einen anderen Ansatz: Sie soll neben männlichen und weiblichen auch nichtbinäre und diversgeschlechtliche Personen ansprechen und einbeziehen. Die Formen sind daher nach ihrem jeweiligen Personenbezug zu unterscheiden.

Eine neutrale Bezeichnung kann den Satz anders strukturieren. „Lehrkraft“ bezeichnet die Person über ihre Tätigkeit und nicht über eine männliche oder weibliche Form. Ein vollständiger Satz lautet etwa: „Die Lehrkraft erklärt die Aufgabe.“ Der Ausdruck steht hier als vollständige Personenbezeichnung und wird nicht aus einem abgeschnittenen Quellenfragment ergänzt.

Auch Paarformen müssen grammatisch vollständig in den Satz eingesetzt werden. Ein vollständiger Satz lautet: „Die Lehrerinnen und Lehrer besprechen die Aufgabe.“ Die beiden Bezeichnungen stehen mit Artikel und Verb in einer klaren syntaktischen Verbindung. Eine bloße Wortfolge ohne Satzfunktion sollte nicht als vollständiges Beispiel behandelt werden.

Bei Pronomen und zusammengesetzten Wörtern ist der unmittelbare Satzbau ebenfalls zu prüfen. Die Einordnung betrifft Personenbezeichnungen, Substantive und Pronomen sowie ihre geschlechtsspezifische oder genderneutrale Verwendung. Ergänze keine Form, wenn der Satz nur ein abgebrochenes Fragment enthält.

Für wissenschaftliche Texte bietet die Seite Gendern in der wissenschaftlichen Arbeit einen passenden Anknüpfungspunkt. Für die konkrete Formulierung bleibt dennoch der einzelne Satz maßgeblich. Eine Form darf nicht allein deshalb eingesetzt werden, weil sie in einem anderen Satz funktioniert.

Wenn du eine bestimmte Personenbezeichnung suchst, kannst du die Einträge im Gender-Wörterbuch A bis D, im Gender-Wörterbuch E bis K, im Gender-Wörterbuch L bis P, im Gender-Wörterbuch R bis S und im Gender-Wörterbuch T bis Z prüfen. Dabei sollte die gefundene Form vollständig in den eigenen Satz übernommen und grammatisch angepasst werden.

Welche Paarformen und neutralen Alternativen sind belegt?

Direkt beschriebene Alternativen ergeben sich aus drei Gruppen: vollständige Paarformen, Kurzformen mit Genderzeichen und neutrale Personenbezeichnungen. Eine Paarform stellt die männliche und die weibliche Bezeichnung nebeneinander. Ein möglicher vollständiger Satz lautet: „Die Bewerberinnen und Bewerber erhalten die Information.“ Der Satz benennt Frauen und Männer ausdrücklich.

Kurzformen mit Genderzeichen werden als mehrgeschlechtliche Kurzformen beschrieben. Sie sollen neben männlichen und weiblichen auch nichtbinäre und diversgeschlechtliche Personen ansprechen und einbeziehen. Als konkrete Schreibweise wird das Gendersternchen genannt. Die Begriffe Gender-Doppelpunkt, Binnen-I, Gender-Schrägstrich und Gender-Unterstrich werden in dieser Erklärung nicht als weitere Beispiele für Kurzformen mit Genderzeichen eingeordnet.

Eine neutrale Alternative kann die Personenbezeichnung selbst verändern. Das belegte Beispiel ist die Umwandlung von „Lehrer“ zu „Lehrkraft“. Daraus entsteht ein Satz wie: „Die Lehrkraft beantwortet die Frage.“ Die Alternative ist neutral formuliert und verwendet kein Genderzeichen.

Auch das geschlechtsübergreifend verwendete Maskulinum gehört zur Auswahl, wenn ein maskulines Wort für alle Menschen mit einem bestimmten Beruf gemeint ist. Der Ausdruck generisches Maskulinum bezeichnet genau diese Verwendung. Gleichzeitig bleibt bei einer solchen Form sprachlich offen, ob nur Männer oder auch andere Personen gemeint sind. Diese offene Bezugnahme ist bei der Auswahl zu berücksichtigen.

Keine dieser Formen ist durch die vorliegenden Angaben als überall verpflichtend ausgewiesen. Für geschlechtergerechte Formulierungen gibt es keine Norm. Deshalb sollte eine Alternative nicht als allgemeine Pflichtform dargestellt werden. Entscheidend ist vielmehr, ob der konkrete Ausdruck den beabsichtigten Personenbezug verständlich wiedergibt und grammatisch vollständig in den Satz passt.

Eine neutrale Bezeichnung und eine Paarform sind außerdem nicht dasselbe. „Lehrkraft“ verwendet eine einzelne neutrale Personenbezeichnung, während „Lehrerinnen und Lehrer“ zwei geschlechtsspezifische Bezeichnungen nennt. Eine Kurzform mit Zeichen bildet wiederum eine eigene Formengruppe. Diese Unterschiede sollten in der Erklärung sichtbar bleiben.

Drei vollständige Beispielsätze mit unterschiedlichen Formen

Die folgenden Sätze verwenden unterschiedliche, belegte Formen. Sie zeigen keine allgemeine Pflicht zur jeweiligen Schreibweise, sondern veranschaulichen, wie vollständige Personenbezeichnungen in einem Satz stehen können.

  1. Die Bewerberinnen und Bewerber lesen die Hinweise vor dem Gespräch.

  2. Die Lehrkräfte besprechen die Ergebnisse gemeinsam.

  3. Die Teilnehmer*innen erhalten die Unterlagen digital.

  4. Die Lehrkraft erklärt den nächsten Arbeitsschritt.

  5. Die Ärzte beraten die Patientinnen und Patienten.

Das erste Beispiel verwendet eine Paarform. Die weibliche und die männliche Bezeichnung sind vollständig genannt. Das zweite Beispiel verwendet die Personenbezeichnung „Lehrkraft“. Das dritte Beispiel zeigt eine Kurzform mit Gendersternchen. Das vierte Beispiel greift die Umformung von „Lehrer“ zu „Lehrkraft“ auf. Das fünfte Beispiel verwendet eine maskuline Berufsbezeichnung in einem vollständigen Satz.

Die Beispiele sind nicht austauschbar. Eine Paarform benennt Frauen und Männer ausdrücklich. Eine Kurzform mit Genderzeichen soll zusätzlich nichtbinäre und diversgeschlechtliche Personen ansprechen und einbeziehen. Eine neutrale Form kann die Person ohne eine männliche oder weibliche Personenbezeichnung bezeichnen. Die maskuline Form kann geschlechtsübergreifend gemeint sein, ist sprachlich aber nicht eindeutig auf diese Bedeutung festgelegt.

Auch die Schreibweise mit Gendersternchen sollte als vollständiger Satz geprüft werden. In „Die Teilnehmer*innen erhalten die Unterlagen digital“ stehen Artikel, Personenbezeichnung und Verb in einem vollständigen Satz. Für andere Satzkontexte ist jeweils erneut zu prüfen, ob die gewählte Form grammatisch passt und den beabsichtigten Personenbezug erkennen lässt.

Konkreter Abschlusscheck zu Gendern pro und contra

Was sollte vor der Auswahl geprüft werden?

Beginne mit der Ausgangsform. Steht im Satz eine maskuline Personenbezeichnung, prüfe, ob sie nur auf Männer referiert oder ob Menschen aller Geschlechter gemeint sind. Bei geschlechtsübergreifender Verwendung bleibt diese Frage sprachlich nicht eindeutig. Die Prüfung des Ausgangsausdrucks ist deshalb der erste Schritt.

Prüfe danach den Personenbezug. Sollen Frauen und Männer ausdrücklich genannt werden, passt als belegte Möglichkeit eine vollständige Paarform. Sollen neben männlichen und weiblichen auch nichtbinäre und diversgeschlechtliche Personen angesprochen und einbezogen werden, gehört eine Kurzform mit Genderzeichen zu den beschriebenen Möglichkeiten. Soll die Tätigkeit oder Rolle ohne geschlechtsspezifische Form bezeichnet werden, prüfe eine neutrale Personenbezeichnung wie „Lehrkraft“.

Berücksichtige anschließend die Zielgruppe. Die gewählte Form sollte für die angesprochenen Leserinnen und Leser verständlich in den Satz eingebettet sein. Eine allgemeine Vorgabe, dass eine bestimmte Form für jede Zielgruppe verwendet werden muss, ist aus den vorliegenden Angaben nicht ableitbar. Die Zielgruppe ist daher als konkrete Prüfgröße zu behandeln, nicht als Anlass für eine pauschale Pflicht.

Prüfe außerdem die Lesbarkeit des vollständigen Satzes. Achte darauf, ob die gewählte Bezeichnung zusammen mit den übrigen Wörtern verständlich formuliert ist. Diese Prüfung betrifft den eigenen Satzbau. Sie stellt keine allgemeine Sprachregel auf, sondern hilft dabei, die ausgewählte Personenbezeichnung im vollständigen Satz zu prüfen.

Ordne die Eigenschaften der jeweiligen Form am Satz ein. Eine Paarform nennt Frauen und Männer ausdrücklich. Eine Kurzform mit Genderzeichen kann die beschriebene Absicht verfolgen, auch nichtbinäre und diversgeschlechtliche Personen anzusprechen und einzubeziehen. Eine neutrale Form verwendet eine neutrale Personenbezeichnung. Beim generischen Maskulinum ist zu beachten, dass seine geschlechtsübergreifende Bedeutung sprachlich nicht eindeutig ist.

Wenn die passende Bezeichnung unklar bleibt, prüfe nochmals Personenbezug, Zielgruppe und Lesbarkeit des gesamten Satzes. Die Bezeichnung Ansprechperson ist dabei keine Vorgabe für diesen Entscheidungsschritt. So bleibt die Auswahl an der konkreten Formulierung orientiert.

Quellen und Stand

Der Überblick „Gendern pro und contra: Formen sicher einordnen“ ordnet das Thema vollständig ein.

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Häufige Fragen zu Gendern pro contra

Was bedeutet Gendern im Deutschen?

Gendern bezeichnet einen geschlechterbewussten Sprachgebrauch. Gemeint ist die Anwendung geschlechtergerechter Formulierungen zur sprachlichen Gleichbehandlung der Geschlechter, vor allem bei Personenbezeichnungen und Pronomen.

Was ist der Unterschied zwischen Paarform und Genderzeichen?

Eine Paarform nennt eine männliche und eine weibliche Personenbezeichnung vollständig. Eine Kurzform mit Genderzeichen soll neben männlichen und weiblichen auch nichtbinäre und diversgeschlechtliche Personen ansprechen und einbeziehen.

Was bedeutet generisches Maskulinum?

Der Ausdruck bezeichnet die geschlechtsübergreifende Verwendung eines maskulinen Wortes für alle Menschen mit einem bestimmten Beruf. Bei einer solchen Form ist sprachlich nicht eindeutig, ob nur Männer oder auch andere Personen gemeint sind.

Welche neutrale Alternative gibt es zu „Lehrer“?

Als neutrale Umformung wird „Lehrkraft“ genannt. Ein vollständiger Satz lautet: „Die Lehrkraft erklärt die Aufgabe.“

Sind Gendersternchen, Gender-Doppelpunkt und Binnen-I überall vorgeschrieben?

Für geschlechtergerechte Formulierungen gibt es keine Norm. Daher ist aus den vorliegenden Angaben keine allgemeine Pflicht zu einer bestimmten Schreibweise ableitbar.

Was sollte ich bei einer gendergerechten Personenbezeichnung prüfen?

Prüfe die Ausgangsform, den beabsichtigten Personenbezug, die Zielgruppe und die Lesbarkeit des vollständigen Satzes. Achte außerdem auf eine grammatisch vollständige Einbettung der Personenbezeichnung.

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