Gender-Unterstrich richtig schreiben
Gender-Unterstrich (Student_innen) – politisch geprägte Variante
Der Gender-Unterstrich, oft auch „Gender-Gap" (oder „Gender_Gap") genannt, zählt zu den seltener genutzten Genderformen. Seine Wurzeln liegen in der queer-feministischen Sprachdebatte: Die „Lücke" zwischen den Geschlechtern steht bewusst als Raum für non-binäre Identitäten. Auf dieser Seite erfährst du, wie du den Gender-Unterstrich richtig setzt.
Wohin gehört der Unterstrich?
- Im Plural: Student_innen, Forscher_innen, Lehrer_innen
- Im Singular: Student_in, Forscher_in, Lehrer_in
Beispiele im Satz
„Student_innen brauchen Orte zum Lernen und für den Austausch."
„Lehrer_innen begleiten die Student_innen durch den Lernprozess."
Stärken und Grenzen
- + Bezieht non-binäre Personen durch die „Lücke" ausdrücklich mit ein.
- + Theoretisch fundierte, politisch bewusst gewählte Schreibweise.
- − Seltener anzutreffen als das Sternchen und wirkt mitunter „aktivistisch".
- − Die Akzeptanz fällt an Hochschulen unterschiedlich aus.
Wann eignet sich der Unterstrich?
Sinnvoll ist er in Gender Studies, Soziologie, Cultural Studies und verwandten Disziplinen, in denen die queer-theoretische Konnotation zum Thema passt. In den übrigen Fächern greifen die meisten eher zum Sternchen oder zum Doppelpunkt.
Weitere Varianten stellen wir dir im Überblick Gendern in der wissenschaftlichen Arbeit vor.
Gender-Gap und Lesefluss
Der Gender-Unterstrich, auch als Gender-Gap bezeichnet, kam Anfang der 2000er-Jahre im deutschsprachigen queer-feministischen Diskurs auf. Im Gegensatz zum Binnen-I setzt der Unterstrich bewusst eine Lücke: einen Raum für alle, die sich der binären Zuordnung männlich/weiblich nicht fügen wollen.
Platziert wird er zwischen Wortstamm und weiblicher Endung, etwa bei Student_innen, Forscher_innen oder Lehrer_innen. Beim Vorlesen entsteht meist eine kurze Pause, ähnlich wie beim Gender-Doppelpunkt. In akademischen Texten begegnet der Unterstrich einem vor allem in den Gender Studies, der Soziologie und der Erziehungswissenschaft.
Lesbarkeitsstudien deuten darauf hin, dass der Unterstrich den Lesefluss ein wenig verlangsamt, allerdings schwächer als der Schrägstrich oder das Sternchen. Screenreader gehen unterschiedlich mit ihm um: Einige Programme sprechen ihn mit, andere überlesen ihn schlicht.
Praktisch bedeutet das: Wem Barrierefreiheit besonders am Herzen liegt, wählt eher den Doppelpunkt. Wer dagegen den politischen Anspruch des Gender-Gap in den Vordergrund stellt (die Lücke als Raum für alle Geschlechter), bleibt beim Unterstrich.
Kläre vor der Entscheidung am besten mit deinem Lehrstuhl, ob es feste Vorgaben gibt, und ziehe die gewählte Form danach konsequent durch die gesamte Arbeit. Ein ständiger Wechsel zwischen Unterstrich und Sternchen fällt im akademischen Korrektorat der Abschlussarbeit sofort auf und kann als formaler Mangel in die Bewertung einfließen.
Setzt du den Gender-Unterstrich in einer Bachelorarbeit ein, lohnt sich eine kurze Fußnote oder Vorbemerkung, um deine Wahl zu erklären. Das beugt Missverständnissen beim Korrektor vor und zeigt, dass du die Form bewusst und reflektiert eingesetzt hast.
Die passende Form für ein bestimmtes Wort findest du im Gender-Wörterbuch: über 250 Berufs- und Personenbezeichnungen von A bis Z, jeweils mit neutraler Alternative.