Schlussredaktion als letzte Stufe vor der Veröffentlichung
Was nach Lektorat und Korrektorat noch zu prüfen bleibt
Im Verlagsalltag sind Lektorat, Korrektorat und Schlussredaktion drei getrennte Arbeitsgänge in fester Reihenfolge. Die Schlussredaktion kommt zuletzt, nach dem Satz, und prüft Dinge, die vorher noch gar nicht existierten: Umbrüche, Seitenzahlen, Kolumnentitel, Registerverweise.
Die Reihenfolge und warum sie feststeht
Zuerst das Lektorat: Aufbau, Argumentation, Verständlichkeit, Stil. Dann das Korrektorat: Rechtschreibung, Zeichensetzung, Grammatik, Einheitlichkeit. Erst danach der Satz, und ganz am Ende die Schlussredaktion an der gesetzten Fahne.
Diese Reihenfolge ist keine Konvention, sondern ergibt sich aus der Sache: Wer einen Absatz nach dem Satz umformuliert, verändert den Umbruch und damit alles, was die Schlussredaktion gerade geprüft hat. Aus demselben Grund sind inhaltliche Änderungen in der Schlussredaktion unerwünscht.

Was die Schlussredaktion konkret prüft
Am gesetzten Dokument werden Dinge sichtbar, die im Manuskript nicht existieren: Schusterjungen und Hurenkinder, also einzelne Zeilen, die allein am Seitenanfang oder Seitenende stehen, ungünstige Trennungen, falsche Kolumnentitel nach einem Kapitelwechsel, verrutschte Bildunterschriften und Seitenzahlen im Inhaltsverzeichnis, die nach dem letzten Satzlauf nicht mehr stimmen.
Dazu kommt der Registerabgleich: Jeder Eintrag im Sach- oder Personenregister muss auf die Seite zeigen, auf der der Begriff tatsächlich steht. Nach jedem neuen Satzlauf verschieben sich diese Seiten.
Geprüft werden außerdem die Elemente, die niemand liest und die trotzdem jeder bemerkt, wenn sie fehlen: Impressumsangaben, Copyrightzeile, Auflagenvermerk und die Nummerierung der Kapitel im Vergleich zum Inhaltsverzeichnis.
Der Unterschied zum Korrektorat
Beide Arbeitsgänge suchen Fehler, aber an verschiedenen Objekten. Das Korrektorat prüft den Text, die Schlussredaktion prüft die Darstellung des Textes. Ein Kommafehler ist Sache des Korrektorats, eine falsche Silbentrennung Sache der Schlussredaktion, weil sie erst beim Satz entsteht.
Ebenso getrennt bleibt die Zuständigkeit: Das Korrektorat arbeitet im Manuskript, die Schlussredaktion an der gesetzten Seite.
In der Praxis überschneiden sich beide: Wer die Fahne liest, findet auch noch Tippfehler. Die Schlussredaktion ersetzt das Korrektorat aber nicht, weil ihr Blick auf die Seite gerichtet ist und nicht auf den Satzbau.

Wann sich der zusätzliche Durchgang lohnt
Bei allem, was gedruckt wird oder als festes PDF veröffentlicht wird: Bücher, Geschäftsberichte, Broschüren, Kataloge, Dissertationsdrucke. Sobald ein Text nach der Veröffentlichung nicht mehr korrigierbar ist, ist der letzte Blick auf die gesetzte Fassung die günstigste Versicherung im Prozess.
Bei Webtexten ist der Aufwand meist nicht gerechtfertigt, weil sich dort jederzeit nachbessern lässt und der Umbruch ohnehin vom Gerät abhängt.
Eine Ausnahme sind PDFs, die zum Herunterladen angeboten werden. Sie verhalten sich wie Druckerzeugnisse: Einmal verteilt, lassen sie sich nicht mehr einsammeln, und eine korrigierte Fassung existiert dann neben der alten weiter.
Wie wir das anbieten
Wir arbeiten die Fahne als PDF durch und liefern die Anmerkungen als Kommentare zurück, sodass Ihr Satz sie direkt abarbeiten kann. Abgerechnet wird über das kostenlose Geschäftskonto nach Normseiten, ab 1,90 € für den reinen Prüfdurchgang.
Sinnvoll ist ein fester Ablauf: Lektorat und Korrektorat vor dem Satz, dann ein Prüfdurchgang an der ersten Fahne und ein kurzer Nachlauf an der korrigierten Fassung. Weiterführend: Lektorat oder Korrektorat, Geschäftsbericht und B2B-Konditionen.