Preisindex Lektorat und Korrektorat: die Normseite entscheidet
Warum aus fünf Prozent Preisunterschied 46 Prozent werden
Für diesen Preisindex haben wir die Preisseiten von 68 Anbietern für Lektorat und Korrektorat ausgewertet. Das wichtigste Ergebnis steht nicht in den Preisen selbst, sondern in ihrer Bezugsgröße: Was eine Normseite ist, legt jeder Anbieter selbst fest, und die Spanne reicht von 1.300 bis 1.800 Zeichen. Wer Seitenpreise direkt vergleicht, vergleicht deshalb unterschiedlich große Seiten. Was eine Normseite wirklich kostet, zeigt sich erst nach der Umrechnung.
Eine Normseite ist keine festgelegte Größe
Im Verlagswesen bezeichnet die Normseite traditionell eine Seite mit 30 Zeilen zu 60 Anschlägen, also 1.800 Zeichen einschließlich Leerzeichen. Verbindlich ist das nirgends. Jeder Anbieter darf den Begriff für sich definieren, und genau das passiert.
In unserer Erhebung fanden sich fünf verschiedene Definitionen:
- 1.300 Zeichen bei einem Anbieter
- 1.500 Zeichen bei sechs Anbietern
- 1.600 Zeichen bei drei Anbietern
- 1.650 Zeichen bei einem Anbieter
- 1.800 Zeichen bei uns
Der Unterschied zwischen 1.300 und 1.800 Zeichen beträgt 38 Prozent. Bei gleichem Seitenpreis zahlt man beim ersten Anbieter also gut ein Drittel mehr für denselben Text, ohne dass das im Preis sichtbar wäre. Manche Anbieter definieren die Seite gar nicht: Auf deren Preisseiten steht ein Betrag je Seite, ohne dass irgendwo stünde, was eine Seite ist.
Der Preisindex im Überblick
Damit die Zahlen vergleichbar werden, rechnet der Preisindex jeden Preis auf eine Seite mit 1.800 Zeichen um. Die linke Preisspalte zeigt, was der Anbieter aufruft, die rechte, was dieser Preis auf einheitlicher Grundlage bedeutet.
| Anbieter | Zeichen je Seite | Korrektorat Liste → je 1.800 Zeichen | Lektorat Liste → je 1.800 Zeichen |
|---|---|---|---|
| lektorat-dissertation.de u. a. | 1.600 | 1,19 € → 1,34 € | 1,79 € → 2,01 € |
| korrektur.de | 1.800 | 1,90 € → 1,90 € | 4,90 € → 4,90 € |
| editorio.de | 1.650 | 1,95 € → 2,13 € | 2,90 € → 3,16 € |
| zeichenmanufaktur.de | 1.300 | 2,00 € → 2,77 € | 3,00 € → 4,15 € |
| lektorat-wissenschaft.de | 1.500 | 2,50 € → 3,00 € | 4,00 € → 4,80 € |
| neis-wissenschaft.de | 1.500 | 2,80 € → 3,36 € | 3,80 € → 4,56 € |
| projekt-lektorat.de | 1.500 | 2,89 € → 3,47 € | 4,79 € → 5,75 € |
| sandra-meinzenbach.de | 1.500 | 3,60 € → 4,32 € | 4,30 € → 5,16 € |
| lektorat-westhoff.de | 1.500 | 4,00 € → 4,80 € | 6,00 € → 7,20 € |
| hauptstadtstudio-freier-lektoren.de | 1.600 | 5,00 € → 5,62 € | 5,50 € → 6,19 € |
| mokreutzberg.de | 1.500 | 5,50 € → 6,60 € | 6,50 € → 7,80 € |
| lektorat-plus.de | nicht angegeben | 3,50 € → nicht berechenbar | 4,50 € → nicht berechenbar |
| bachelorprint.de | je Wort | - | 0,016 €/Wort → 4,00 € |
Auf einheitlicher Grundlage kostet ein Korrektorat zwischen 1,34 und 6,60 Euro je 1.800 Zeichen, der Median der Reihe liegt bei 3,36 Euro. Für ein Lektorat reicht die Spanne von 2,01 bis 7,80 Euro bei einem Median von 4,85 Euro. Die Sortierung ändert sich durch die Umrechnung spürbar: Anbieter, die auf den ersten Blick günstig wirken, rutschen nach hinten, sobald man berücksichtigt, wie viel Text auf ihre Seite passt.

Aus fünf Prozent Unterschied werden 46 Prozent
Das Rechenbeispiel macht den Effekt greifbar. Eine Bachelorarbeit mit 100.000 Zeichen Fließtext, ein Korrektorat, zwei Anbieter:
- 2,00 Euro je Seite bei 1.300 Zeichen: Die Arbeit umfasst 77 Seiten, das Korrektorat kostet 154 Euro.
- 1,90 Euro je Seite bei 1.800 Zeichen: Dieselbe Arbeit umfasst 56 Seiten, das Korrektorat kostet 106 Euro.
Auf dem Preisschild trennen die beiden fünf Prozent, auf der Rechnung 46. Genau darin liegt der Effekt: Die Umrechnung verändert nicht die Reihenfolge, sondern die Abstände, und zwar erheblich.
Das ist auch die ehrliche Einschränkung dieser Auswertung: In unserer Erhebung gibt es keinen Fall, in dem ein Anbieter mit niedrigerem Seitenpreis nach der Umrechnung teurer wird als einer mit höherem. Wer auf der Seitenpreisliste vorne liegt, liegt auch nach der Umrechnung vorne. Was sich ändert, ist der Betrag, um den es geht.
Wer Angebote einholt, sollte deshalb nie nach dem Seitenpreis fragen, sondern nach dem Gesamtpreis für die konkrete Zeichenzahl. Die eigene Zeichenzahl steht in Word unter Überprüfen und Wörter zählen, maßgeblich ist der Wert einschließlich Leerzeichen.
Fünf Anbieter, ein Preisgefüge
Bei der Erhebung fiel auf, dass fünf Domains exakt dieselben Preise nennen: 1,19 Euro fürs Korrektorat, 1,79 Euro fürs Lektorat, 9,52 Euro fürs Umschreiben und 23,80 Euro für die Übersetzung, jeweils als Startpreis je Normseite mit 1.600 Zeichen.
Solche Übereinstimmungen bis auf den Cent, einschließlich derselben Sonderleistungen und derselben Formulierungen, entstehen nicht durch Zufall im Wettbewerb. Für den Index werten wir die fünf Domains deshalb als eine Position. Wer mehrere Angebote vergleicht, sollte darauf achten: Drei Angebote von drei Websites können vom selben Unternehmen stammen, und dann ist es kein Vergleich mehr.
Mehr als die Hälfte nennt gar keinen Preis
Von den 68 untersuchten Anbietern war auf 30 Websites überhaupt ein Preis zu finden. Bei den übrigen 38 endet die Suche entweder bei einem Anfrageformular oder bei einem Rechner, der erst nach Eingabe von Seitenzahl und Fach eine Zahl ausgibt.
Beides ist legitim, weil der Aufwand tatsächlich vom Text abhängt. Für Vergleiche bedeutet es aber: Bei 56 Prozent der untersuchten Anbieter lässt sich der Preis nicht nachschlagen, sondern nur erfragen. Wer drei Angebote braucht, investiert entsprechend Zeit, und die Angebote kommen dann in unterschiedlichen Bezugsgrößen zurück.
Was dieser Index nicht zeigt
Drei Einschränkungen gehören zu jeder Zahl in der Tabelle:
- Startpreise: Viele Angaben sind ab-Preise für die längste Lieferzeit und den kleinsten Leistungsumfang. Der tatsächliche Preis liegt oft darüber. Eine Anbieterin schreibt selbst, dass ihr Schnitt über dem genannten Mindestwert liegt.
- Steuerbasis: Manche Anbieter weisen brutto aus, manche netto, viele gar nichts. Zwischen 4,00 Euro netto und 4,00 Euro brutto liegen 19 Prozent. Wir haben die Angaben nicht stillschweigend angeglichen, sondern in den Erhebungsdaten festgehalten, was jeweils dransteht.
- Leistungsumfang: Korrektorat heißt nicht überall dasselbe. Ob Formatierung, Verzeichnisse oder eine zweite Durchsicht enthalten sind, unterscheidet sich erheblich und lässt sich nicht in einer Zahl abbilden.
Der Preisindex vergleicht deshalb keine Qualität, sondern ausschließlich Preisangaben auf einer gemeinsamen Bezugsgröße.

Was am Ende auf der Rechnung steht
Ein Preisindex aus Listenpreisen hat eine Schwachstelle: Listenpreise sind eine Sache, der Betrag im Bestellvorgang eine andere. Deshalb haben wir dasselbe Dokument bei mehreren Anbietern durch die Bestellstrecke geschickt: 90.049 Zeichen, 11.499 Wörter, genau 50 Seiten zu 1.800 Zeichen, jeweils Korrektorat in der günstigsten Stufe und mit der längsten Lieferzeit. Bestellt wurde nichts, jeder Durchgang endete vor dem Bezahlschritt.
| Anbieter | Endpreis für dieses Dokument | Preis sichtbar ohne Konto |
|---|---|---|
| korrektur.de | 96,90 € | ja |
| lektorat-plus.de | 160,99 € | ja |
| scribbr.de | nicht ermittelbar | nein, Konto und Telefonnummer nötig |
| 1a-studi.de | nicht ermittelbar | eigenes Bestellsystem |
| bachelorprint.de | nicht ermittelbar | Upload im eingebetteten Shop |
| editorio.de | entfällt | keine Onlinebestellung |
Drei Dinge sind dabei aufgefallen.
Versteckte Gebühren gab es nicht. Bei den beiden Anbietern, deren Endpreis wir gesehen haben, stand genau der Leistungspreis in der Summe. Keine Bearbeitungsgebühr, kein Servicezuschlag, kein Mindestbestellwert. Die verbreitete Sorge, im Bestellvorgang komme noch etwas dazu, hat sich hier nicht bestätigt.
Die Bezugsgröße verschiebt sich trotzdem weiter. lektorat-plus rechnet nicht nach Zeichen, sondern je 250 Wörter. Für unser Dokument ergibt das 3,22 Euro je 1.800 Zeichen, also weniger als der Listenpreis von 3,50 Euro vermuten lässt. Bei einem Text mit kürzeren Wörtern kippt das Verhältnis ins Gegenteil. Der Preis hängt dort also nicht nur an der Textmenge, sondern am Schreibstil.
Zwei von sechs Anbietern nennen den Endpreis ohne Hürde. Bei Scribbr erscheint keine Zahl, bevor man ein Konto angelegt und eine Telefonnummer hinterlassen hat. Bei einem weiteren Anbieter lief zum Erhebungszeitpunkt zusätzlich ein Rabattcode über 20 Prozent, sodass Listenpreis und tatsächlich gezahlter Preis dort ohnehin dauerhaft auseinanderliegen dürften.
Andere Abrechnungsmodelle zur Einordnung
Neben der Abrechnung je Seite gibt es zwei Modelle, die sich der Umrechnung entziehen und die wir deshalb getrennt notieren.
KI-Abonnements rechnen nach Textmenge im Monat. Ein Anbieter nennt umgerechnet 0,49 Euro je Normseite bei 20.000 Wörtern im Monat. Das ist etwa ein Viertel des günstigsten menschlichen Korrektorats im Index. Was dabei geprüft wird und was nicht, zeigt unser Blindtest der Korrekturprogramme.
Ghostwriting ist ein anderes Geschäft und liegt entsprechend höher: Die erhobenen Startpreise beginnen bei 35 Euro je Seite und reichen je nach Fach bis 87 Euro. Der Abstand zum Lektorat beträgt damit etwa den Faktor zehn bis zwanzig.
Methodik
Grundlage sind die öffentlich zugänglichen Preisseiten von 68 Anbietern aus den Bereichen akademisches Lektorat, Buch- und Unternehmenslektorat sowie Formatierung, erhoben am 28. Juli 2026. Jede Seite wurde automatisiert abgerufen und archiviert; Seiten, die ihre Preise per Skript nachladen, zusätzlich über einen Browser.
Für den Abschnitt zur Rechnung haben wir Testbestellungen durchgeführt: dasselbe Dokument, jeweils bis zur letzten Seite vor der Zahlung. Es wurde nie bestellt und kein Zahlungsmittel hinterlegt. Wo ein Konto verlangt war, haben wir es unter einem Pseudonym mit einem Postfach unter eigener Kontrolle angelegt, wie bei einem Testkauf üblich.
Die Werte in der Tabelle stammen nicht aus der automatischen Auswertung, sondern wurden von Hand aus den Preisseiten übernommen und mit Quellenlink festgehalten. Aufgenommen wurde jeweils der günstigste ausgewiesene Tarif für Studierende bei Standardlieferzeit. Umgerechnet wird linear auf 1.800 Zeichen; bei Abrechnung je Wort mit 250 Wörtern je Bezugsseite.
Die Erhebung wird wiederholt, damit die Werte im Zeitverlauf vergleichbar bleiben. Diese Seite behält dabei ihre Adresse, geändert wird nur der Stand.
Weiterführend: Was eine Normseite ist, unsere Preise, Preisvergleich Korrektorat und der Unterschied zwischen Lektorat und Korrektorat.