Narrative Literaturrecherche richtig einordnen
Narrative Literaturrecherche: Definition und Abgrenzung
Diese Seite erklärt die narrative Literaturrecherche, grenzt sie von systematischer Literaturrecherche und Scoping Review ab und zeigt ein nachvollziehbares Vorgehen für eine Abschlussarbeit.
Was eine narrative Literaturrecherche kennzeichnet
Eine narrative Literaturrecherche fasst Ergebnisse einzelner Studien zu einem Thema zusammen. Nach dem Glossar des Bundesamts für Strahlenschutz werden die eingeschlossenen Studien dabei nicht nach einem systematischen Verfahren auf Qualität geprüft, und die Auswahl folgt keinem vorher festgelegten systematischen Weg. Systematische Literaturrecherche steht demgegenüber für eine umfassende Suche mit dem Ziel, die vorhandene Evidenz möglichst vollständig zu erfassen. Die narrative Recherche ist weniger vollständig angelegt, kann dafür aber einen schnellen Überblick ermöglichen. Die Auswahl kann stärker von der Einschätzung der schreibenden Person abhängen.
Damit liegt ihr Schwerpunkt auf der Einordnung ausgewählter Befunde, nicht auf einer vollständigen Bewertung des Forschungsstands. Gegenüber einem systematischen Review ist der Aufwand geringer, zugleich besteht ein höheres Risiko einer subjektiv geprägten Auswahl. Die Bezeichnung ist keine Zusage, dass diese Form für eine konkrete Abschlussarbeit ausreicht. Ermitteln Sie Anforderungen aus den offiziellen Unterlagen Ihres Fachbereichs und besprechen Sie die passende Reviewform mit der betreuenden Person.
Für eine nachvollziehbare Arbeit wird die Fragestellung klar benannt und auf ein prüfbares Thema begrenzt. Im Leitfaden der Freien Universität Berlin für Bachelorarbeiten im Schwerpunkt Schulpädagogik wird diese Reviewform als qualitative Bewertung empirischer Einzelstudien zu einer zuvor präzisierten Fragestellung beschrieben. Dort stehen breite Darstellung und Reflexion theoretischer, methodischer und empirischer Aspekte im Vordergrund. Der Leitfaden nennt für Bachelorarbeiten etwa fünf Studien, ausgewählt nach begründeten und vorab bestimmten Kriterien. Im Methodenteil werden Suchbegriffe, Datenbanken, Operatoren und die Begründung der Auswahl festgehalten. So bleibt das Vorgehen erklärbar, ohne ein systematisches Screening-Protokoll zu behaupten.

Narrative und systematische Suche im Vergleich
Cochrane Deutschland beschreibt für systematische Übersichtsarbeiten eine umfassende Suchstrategie. Ihr Ziel ist ein möglichst vollständiges Bild der vorhandenen Evidenz. Dazu können Schlagwortsysteme und Studiendesign-Filter in mehreren Datenbanken eingesetzt werden, darunter MEDLINE, CENTRAL und Epistemonikos. Die umfassende Suche bildet nach der dort beschriebenen Einordnung eine wesentliche Grundlage für Evidenzsynthesen wie Leitlinien, Health Technology Assessments und systematische Übersichtsarbeiten.
Eine eher fokussierte und gezieltere Suche ohne diesen Anspruch auf Vollständigkeit wird von Cochrane als Gegenstück zur umfassenden Strategie beschrieben. Genau darin liegt die Abgrenzung zur narrativen Herangehensweise: Sie kann die Suche schmaler auf eine Fragestellung und ausgewählte Studien ausrichten, beansprucht dann aber kein vollständiges Bild der Evidenz. Eine solche Beschreibung sagt nicht, dass die fokussierte Suche in jedem Fach gleich bewertet wird. Prüfen Sie daher die Anforderungen des eigenen Fachbereichs.
Systematic Review ist die Bezeichnung für die im Abschnitt beschriebenen systematischen Übersichtsarbeiten und dient hier als Abgrenzung zum eigenen Reviewtyp. Bei einer narrativen Literaturrecherche sollten Sie nicht durch eine allgemeine Formulierung den Eindruck erwecken, eine umfassende systematische Suche durchgeführt zu haben. Dokumentieren Sie stattdessen, welche Suchbegriffe, Datenbanken und Operatoren Sie verwendet haben. Erklären Sie außerdem, weshalb die ausgewählten Studien zur Fragestellung passen. So wird der Unterschied zwischen einer gezielten Recherche und dem Vollständigkeitsanspruch systematischer Übersichtsarbeiten im Text erkennbar.
Narrative Literaturrecherche und Scoping Review
Scoping Review bezeichnet im Praxisleitfaden der Universitätsmedizin und Universitätsbibliothek Mainz einen Reviewtyp, der Größe und Umfang der verfügbaren Forschungsliteratur bewertet. Außerdem soll er Lücken und weiteren Forschungsbedarf ermitteln. Der Leitfaden beschreibt dieses Vorgehen in der Regel ohne ein formales Qualitätsbewertungsverfahren wie bei einem systematischen Review. Der Rechercheumfang kann dabei von einer zeitlichen Begrenzung abhängen. Diese Einordnung bezieht sich auf die Typologie dieses Praxisleitfadens und darf nicht ohne Prüfung auf jeden Fachbereich übertragen werden.
Die narrative Literaturrecherche verfolgt in der hier verwendeten Abgrenzung einen anderen Zweck. Sie fasst Ergebnisse einzelner Studien zu einem bestimmten Thema zusammen, ohne die Studienqualität systematisch zu bewerten oder einem vordefinierten Suchweg zu folgen. Der Mainzer Leitfaden führt ein unsystematisches beziehungsweise narratives Review in einer Ausschlusstabelle ausdrücklich als Publikationstyp auf, der aus einer systematischen Übersicht ausgeschlossen wird.
Der gleiche Leitfaden verwendet narrativ an anderer Stelle auch für eine qualitative Zusammenfassung von Ergebnissen innerhalb systematischer Reviews, wenn keine Metaanalyse möglich ist. Dort steht narrativ als Gegenbegriff zu quantitativ aggregierend und bezeichnet nicht dieselbe eigenständige Reviewart. Prüfen Sie deshalb, welche Bedeutung der Begriff im verwendeten Leitfaden hat. Halten Sie im Methodenteil fest, ob Sie eine eigenständige narrative Literaturrecherche beschreiben oder eine narrative Zusammenfassung als Bestandteil eines anderen Reviews verwenden. Scoping Review, narrative Literaturrecherche und systematischer Review sollten dabei nicht ohne Definition gleichgesetzt werden.
Stärken und Schwächen für eine Abschlussarbeit
Das Bundesamt für Strahlenschutz nennt als Stärke der narrativen Literaturrecherche die Eignung für einen schnellen Überblick über ein Thema. Der Ansatz kann Ergebnisse einzelner Studien zusammenführen und theoretische, methodische sowie empirische Aspekte eines Forschungsfeldes darstellen. Der geringere Aufwand gegenüber einem systematischen Review ist mit einem höheren Risiko subjektiver Auswahl verbunden. Dieses Risiko ergibt sich daraus, dass kein vordefinierter systematischer Auswahlweg vorgegeben ist und die Entscheidung stärker von der Einschätzung der schreibenden Person abhängen kann.
Für eine Abschlussarbeit folgt daraus keine allgemeine Aussage, dass diese Reviewform ausreicht. Der Glossareintrag ordnet sie vor allem einer ersten Orientierung oder einem einleitenden Überblick zu. Eine abschließende vollständige Bewertung des Forschungsstands wird dort eher einer systematischen Vorgehensweise zugeordnet. Prüfen Sie deshalb, welche Fragestellung Sie bearbeiten und welche Reviewform der Leitfaden Ihres Fachbereichs beschreibt.
Der Leitfaden der Freien Universität Berlin zu Bachelorarbeiten im Schwerpunkt Schulpädagogik nennt als üblichen Umfang etwa fünf Studien. Diese Studien sollen nach begründeten, vorab festgelegten Kriterien ausgewählt werden. Der Leitfaden beschreibt dieses Vorgehen als deutlich weniger streng als ein systematischer Review, aber weiterhin mit klarer Fragestellung, Auswahlbegründung und Diskussion. Diese Angabe gehört zum genannten Leitfaden und ist keine allgemeine Vorgabe. Forschungsstand kann die Ergebnisse der ausgewählten Studien zusammenführen, wenn die Auswahl, die Fragestellung und die Grenzen der Recherche im Text erkennbar bleiben.
Vorgehen ohne PRISMA-Systematik dokumentieren
PRISMA-Checkliste: Der Leitfaden der Freien Universität Berlin fordert für die dort beschriebene narrative Reviewform kein systematisches Screening-Protokoll. Im Methodenteil verlangt der Leitfaden die Angabe der verwendeten Suchbegriffe, der genutzten Datenbanken und der eingesetzten Operatoren. Außerdem soll die Begründung der Studienauswahl genannt werden. Diese Aussage gilt für den genannten Leitfaden und ist keine allgemeine Regel für jede Hochschule oder jedes Fach.
Beginnen Sie mit einer präzise formulierten Fragestellung. Laut dem Leitfaden muss sie auf ein prüfbares Thema begrenzt sein. Diese Begrenzung macht die spätere Auswahl der Studien nachvollziehbar. Notieren Sie anschließend die Suchbegriffe und die Datenbanken, die Sie tatsächlich genutzt haben. Halten Sie auch die eingesetzten Operatoren fest. Beschreiben Sie danach, nach welchen vorab begründeten Kriterien Sie Studien ausgewählt haben. Die Dokumentation muss zu dem Vorgehen passen, das Sie wirklich durchgeführt haben.
Im Methodenteil können Sie diese Angaben in einer kurzen Reihenfolge zusammenführen: Fragestellung, Suchbegriffe, Datenbanken, Operatoren und Auswahlbegründung. Ergänzen Sie, welche Grenzen sich aus dem nicht vordefinierten Suchweg ergeben. Behaupten Sie keine Vollständigkeit, wenn der Leitfaden diese nicht verlangt und Ihre Recherche sie nicht belegt. Prüfen Sie vor der Abgabe die Vorgaben des Fachbereichs und klären Sie offene Punkte mit der betreuenden Person.
Die Reviewarten in einer Übersicht
Die folgende Übersicht stellt die narrative Literaturrecherche und die systematische Literaturrecherche anhand der in den Hochschulleitfäden belegten Merkmale gegenüber. Die narrative Form fasst Ergebnisse einzelner Studien zusammen, ohne einem vordefinierten systematischen Suchweg zu folgen oder die Qualität der Studien systematisch zu bewerten. Cochrane Deutschland beschreibt für systematische Übersichtsarbeiten dagegen eine umfassende Suche, die ein möglichst vollständiges Bild der vorhandenen Evidenz liefern soll.
| Merkmal | Narrative Literaturrecherche | Systematische Literaturrecherche |
|---|---|---|
| Suchstrategie | Kein vordefinierter systematischer Suchweg; eine gezielte Suche ohne Vollständigkeitsanspruch ist das Gegenstück zur umfassenden Strategie. | Umfassende Suchstrategie mit dem Ziel eines möglichst vollständigen Bildes der vorhandenen Evidenz; dazu können Schlagwortsysteme und Studiendesign-Filter in mehreren Datenbanken eingesetzt werden. |
| Qualitätsbewertung | Die Qualität der einbezogenen Studien wird nicht systematisch bewertet. | Für die Qualitätsbewertung der systematischen Literaturrecherche enthalten die hier dargestellten Angaben keine Aussage. |
| Eignung | Besonders geeignet für einen schnellen Überblick, eine erste Orientierung oder einen einleitenden Überblick. | Auf eine vollständige Bewertung der vorhandenen Evidenz in einer systematischen Übersicht ausgerichtet. |
Literaturdatenbanken sind in beiden Beschreibungen Teil der Recherche, aber die Suchstrategie verfolgt nicht dasselbe Ziel. Für die eigene Arbeit sollte die Tabelle nicht als allgemeine Zulassungsregel verstanden werden. Prüfen Sie den fachbezogenen Leitfaden und beschreiben Sie Ihre tatsächlich verwendeten Datenbanken. Wenn Sie eine narrative Literaturrecherche durchführen, erläutern Sie außerdem, warum die ausgewählten Studien zur Fragestellung beitragen. So bleiben die Unterschiede zwischen gezielter Suche und umfassender systematischer Strategie erkennbar.

Schritte für eine nachvollziehbare Recherche
Ein nachvollziehbarer Ablauf beginnt mit einer klar begrenzten Fragestellung. Die folgenden Schritte orientieren sich an den in den Hochschulleitfäden genannten Angaben zur Fragestellung, Recherche und Auswahl. Sie ersetzen keine Prüfung des Leitfadens, der für Ihre Arbeit gilt.
- Schritt 1: Begrenzen Sie die Fragestellung präzise auf ein prüfbares Thema, bevor die Suche beginnt. Formulieren Sie, welche Ergebnisse einzelner Studien Sie zu diesem Thema zusammenfassen wollen. Eine solche Eingrenzung schafft den Bezugspunkt für die spätere Auswahl.
- Schritt 2: Notieren Sie die verwendeten Suchbegriffe, die genutzten Datenbanken und die eingesetzten Operatoren. Das gilt auch dann, wenn kein systematisches Screening-Protokoll gefordert wird. Halten Sie die Angaben während der Recherche fest, damit der Methodenteil das tatsächliche Vorgehen wiedergibt.
- Schritt 3: Stellen Sie die ausgewählten Studien nach begründeten, vorab festgelegten Kriterien zusammen. Begründen Sie die Auswahl im Methodenteil kurz und nennen Sie den Bezug zur Fragestellung. Die Auswahlbegründung macht sichtbar, weshalb die Studien einbezogen wurden.
Ordnen Sie die Ergebnisse anschließend als qualitative Zusammenfassung der ausgewählten Studien. Vermeiden Sie dabei den Anspruch, mit einer gezielten narrativen Suche ein vollständiges Bild der Evidenz zu liefern. Beschreiben Sie stattdessen, welchen Überblick die Recherche ermöglicht und welche Grenze sich aus dem Suchweg ergibt. Besprechen Sie die geplante Reviewform und die konkrete Dokumentation mit der betreuenden Person. Prüfen Sie zusätzlich den Leitfaden Ihres Fachbereichs, bevor Sie die Methode endgültig festlegen.
Quellen und Stand
- Quelle: Freie Universität Berlin, Leitfaden zur Erstellung von Bachelorarbeiten (Narratives Review, Schulpädagogik): www.ewi-psy.fu-berlin.de (geprüft am 2026-09-16)
- Quelle: Bundesamt für Strahlenschutz, Glossareintrag Narratives Review: www.bfs.de (geprüft am 2026-09-16)
- Quelle: Cochrane Deutschland, Fachinformationsseite Systematische Literaturrecherche: www.cochrane.de (geprüft am 2026-09-16)
- Quelle: Universitätsmedizin und Universitätsbibliothek Mainz, Praxisleitfaden Systematische Reviews: openscience.ub.uni-mainz.de (geprüft am 2026-09-16)
Die Einordnung „Narrative Literaturrecherche richtig einordnen“ fasst den vollständigen Zusammenhang zusammen.