Einen Systematic Review transparent und reproduzierbar schreiben
Planung, Screening und Synthese nach klaren Regeln
Ein Systematic Review beantwortet eine eng gefasste Forschungsfrage durch eine vorab geplante, umfassende und nachvollziehbare Suche nach geeigneten Studien. Der Ablauf reicht vom Protokoll über das Screening bis zur Synthese. Auswahl und Auswertung folgen festgelegten Kriterien. PRISMA 2020 unterstützt die Berichterstattung mit Checkliste und Flussdiagramm, ersetzt aber nicht das fachliche Review-Protokoll. Hier lernst du, wie du Frage, Suche, Screening, Qualitätsbewertung und Synthese sauber aufbaust.
Begriff und Erkenntnisziel
Der entscheidende Unterschied zu einer gewöhnlichen Literaturübersicht liegt in der vorab festgelegten Methode. Datenbanken, Suchstrings, Ein- und Ausschlusskriterien sowie Auswertung werden so dokumentiert, dass andere den Weg nachvollziehen können. Ein Systematic Review kann Studien qualitativ zusammenführen oder zusätzlich eine statistische Metaanalyse enthalten. Nicht jeder Review ist daher eine Metaanalyse, und nicht jede umfangreiche Literatursuche erfüllt automatisch die Anforderungen an einen systematischen Review.
Vorbereitung und Abgrenzung
Erstelle möglichst vor Beginn ein Protokoll. Darin stehen Forschungsfrage, Zielpopulation oder Untersuchungsgegenstand, relevante Interventionen oder Konzepte, Vergleich, Outcomes, Studiendesigns und geplante Analyse. Das PICO-Schema ist in vielen medizinischen Fragen hilfreich, passt aber nicht zu jedem Fach. Plane auch den Umgang mit Dubletten, Mehrfachpublikationen und fehlenden Volltexten. Änderungen am Protokoll sollten später begründet und datiert dokumentiert werden.

Vorgehen Schritt für Schritt
- Frage und Review-Protokoll festlegen
- Suchstrategie für mehrere geeignete Datenbanken entwickeln
- Titel und Abstracts nach Kriterien screenen
- Volltexte prüfen und Ausschlussgründe erfassen
- Qualität bewerten und Ergebnisse synthetisieren
Halte alle methodischen Festlegungen, Anpassungen und begründeten Sonderfälle laufend in einem Protokoll fest. So kannst du das Methodenkapitel später direkt aus dem tatsächlichen Vorgehen ableiten, statt dich auf dein Gedächtnis zu verlassen.
Durchgehendes Beispiel
Ein Review untersucht, ob digitale Lernkarten den langfristigen Wortschatzerwerb bei Erwachsenen verbessern. Die Suche kombiniert Begriffe zu Lernkarten, Wortschatz, Erwachsenen und kontrollierten Studien. Nach dem Entfernen von Dubletten werden Titel und Abstracts gesichtet. Für ausgeschlossene Volltexte wird jeweils ein Grund dokumentiert. Die eingeschlossenen Studien werden nicht nur nach Ergebnis, sondern auch nach Stichprobe, Vergleichsgruppe, Messzeitpunkt und Verzerrungsrisiko gegenübergestellt.
Häufige Fehler vermeiden
- Suchstrategie nach bekannten Ergebnissen verändern
- nur eine bequem erreichbare Datenbank durchsuchen
- Ausschlussgründe im Volltextscreening nicht dokumentieren
- Studienqualität und Ergebnisgröße gleichsetzen
Berichte Suchstrings vollständig, nenne das letzte Suchdatum und zeige den Auswahlfluss. Eine zweite prüfende Person reduziert Auswahlfehler, ist in kleinen Abschlussarbeiten aber nicht immer verfügbar. Wenn du allein screenst, dokumentiere diesen Umstand als Grenze und nutze klare Entscheidungsregeln. Die Qualitätsbewertung muss zum Studiendesign passen. Bei zu heterogenen Studien ist eine strukturierte narrative Synthese oft aussagekräftiger als eine erzwungene gemeinsame Kennzahl.

Dokumentation im Methodik- oder Hauptkapitel
Das Thema Systematic Review schreiben sollte in der fertigen Arbeit nicht nur als Methodenname oder Überschrift auftauchen. Erkläre zuerst, weshalb das Vorgehen zur Forschungsfrage passt, welches Material einbezogen wird und nach welchen Regeln du Entscheidungen triffst. Danach beschreibst du die tatsächliche Durchführung in der Reihenfolge, in der sie für das Verständnis nötig ist. Abweichungen vom ursprünglichen Plan gehören ebenfalls in die Dokumentation, besonders wenn sie Auswahl oder Ergebnis beeinflussen können.
Trenne Verfahrensbeschreibung, Ergebnis und Bewertung. Die Beschreibung beantwortet, wie du vorgegangen bist. Der Ergebnisteil zeigt, was dabei herauskam. Erst die Diskussion ordnet Aussagekraft, Alternativen und Grenzen ein. Diese Trennung verhindert, dass nachträgliche Deutungen wie vorher festgelegte Regeln wirken. Tabellen, Protokolle oder Anhänge können Details aufnehmen, müssen aber im Fließtext eingeführt und an der passenden Stelle ausgewertet werden.
Fragen vor der Abgabe
Kontrolliere dein Kapitel nicht nur sprachlich, sondern auch als nachvollziehbaren Weg. Die folgenden Fragen machen daraus einen Abgabecheck:
- Ist der Schritt „Frage und Review-Protokoll festlegen“ im Text so erklärt, dass eine fachkundige Person die Entscheidung nachvollziehen kann?
- Ist der Schritt „Suchstrategie für mehrere geeignete Datenbanken entwickeln“ im Text so erklärt, dass eine fachkundige Person die Entscheidung nachvollziehen kann?
- Ist der Schritt „Titel und Abstracts nach Kriterien screenen“ im Text so erklärt, dass eine fachkundige Person die Entscheidung nachvollziehen kann?
- Ist der Schritt „Volltexte prüfen und Ausschlussgründe erfassen“ im Text so erklärt, dass eine fachkundige Person die Entscheidung nachvollziehen kann?
- Ist der Schritt „Qualität bewerten und Ergebnisse synthetisieren“ im Text so erklärt, dass eine fachkundige Person die Entscheidung nachvollziehen kann?
- Hast du dokumentiert, wie du diesen Fehler vermeidest: „Suchstrategie nach bekannten Ergebnissen verändern“?
- Hast du dokumentiert, wie du diesen Fehler vermeidest: „nur eine bequem erreichbare Datenbank durchsuchen“?
- Hast du dokumentiert, wie du diesen Fehler vermeidest: „Ausschlussgründe im Volltextscreening nicht dokumentieren“?
- Hast du dokumentiert, wie du diesen Fehler vermeidest: „Studienqualität und Ergebnisgröße gleichsetzen“?
Kannst du eine Frage nicht mit einer konkreten Passage aus deinem Text beantworten, fehlt meist eine Begründung, eine klare Definition oder eine Quelle. Füge die nötigen Details genau an der Stelle ein, an der die Entscheidung fällt. Ein nachträglicher Hinweis im Fazit gleicht methodische Lücken im Hauptteil nicht aus.
Quellen und passende Vertiefungen
Maßgeblich für die Berichterstattung ist die offizielle PRISMA-2020-Leitlinie. Sie enthält eine 27-Punkte-Checkliste und Vorlagen für den Studienfluss.
Passende Ratgeber: Literaturarbeit, Scoping Review, Metaanalyse, systematische Literaturrecherche.