Deskriptive Statistik

Deskriptive Statistik – Daten beschreiben

Lesezeit ca. 3 Min. · zuletzt aktualisiert: 26. April 2026 · alle Statistik-Themen

Deskriptive Statistik beschreibt die Daten, ohne Schlüsse über die Population zu ziehen. Sie ist der erste Schritt jeder quantitativen Auswertung – bevor du Hypothesen testest, willst du wissen, wie deine Daten aussehen. Wir zeigen dir die wichtigsten Maße: Mittelwert, Median, Modus, Standardabweichung, Verteilung.

Maße der zentralen Tendenz

  • Mittelwert (M): Summe aller Werte geteilt durch Anzahl. Empfindlich für Ausreißer.
  • Median: Mittlerer Wert, wenn alle sortiert. Robust gegen Ausreißer.
  • Modus: Häufigster Wert. Bei kategorialen Daten oft die einzige sinnvolle Tendenz.

Beispiel

Datensatz: 18, 19, 20, 20, 21, 22, 23, 25, 67 (eine 67-jährige Person als Ausreißer)

Mittelwert M = 26.1 (verzerrt durch Ausreißer)
Median = 21 (gibt typische Mitte besser wieder)
Modus = 20 (häufigster Wert)

Maße der Streuung

  • Standardabweichung (SD): Durchschnittliche Abweichung vom Mittelwert. Standard-Streuungsmaß.
  • Varianz: SD zum Quadrat. Wird in mathematischen Formeln verwendet, weniger für Berichte.
  • Spannweite: Max minus Min. Sehr empfindlich für Ausreißer.
  • Interquartilabstand: 75. minus 25. Perzentil. Robust gegen Ausreißer.

Verteilungsformen

  • Normalverteilung: symmetrische Glocke. Mittelwert = Median = Modus.
  • Schiefe Verteilung: Asymmetrisch, oft mit langem rechten oder linken Schwanz.
  • Bimodale Verteilung: Zwei Häufungspunkte, oft Hinweis auf zwei verschiedene Subgruppen.

Wie du die Normalverteilung mit symmetrischer Glockenkurve erkennst und prüfst, zeigt dir die separate Anleitung.

Welches Maß wann?

  • Intervall- oder verhältnisskaliert, normalverteilt: Mittelwert + SD.
  • Intervall- oder verhältnisskaliert, schief: Median + Interquartilabstand.
  • Ordinal: Median + Interquartilabstand (Mittelwert ist eigentlich nicht zulässig).
  • Nominal: Modus + Häufigkeitstabelle.

Bericht in der Bachelorarbeit

Standard-Format für eine Stichprobenbeschreibung:

„Die Stichprobe besteht aus 240 Erstsemestern (M_Alter = 20.1, SD = 1.8; 65 % weiblich, 33 % männlich, 2 % divers). Der durchschnittliche Lernerfolg-Wert lag bei M = 4.21 (SD = 0.78), Median = 4.20, mit einer Spannweite von 1 bis 5."

Häufige Fehler

  • Mittelwert berichtet, obwohl Median besser passt (bei schiefen Verteilungen).
  • Standardabweichung vergessen – nur Mittelwert nennen ist unvollständig.
  • Häufigkeiten ohne Prozente – „65 weibliche Personen" ist weniger informativ als „65 % weiblich (n = 156)".
  • Verteilung nicht visualisiert – Histogramm gehört zur Stichprobenbeschreibung.

Mehr typische Stolperfallen findest du im Beitrag zu häufigen Fehlern in Bachelorarbeit und Masterarbeit. Im Lektorat wird die korrekte Notation deskriptiver Statistik geprüft.

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Häufige Fragen zur deskriptiven Statistik

Mittelwert oder Median – was ist „besser"?

Bei normalverteilten Daten Mittelwert (er nutzt mehr Information). Bei schiefen oder Ausreißern Median (er ist robuster). Im Zweifel beides berichten.

Wie berichte ich Likert-Skalen-Mittelwerte?

Streng genommen sind Likert-Skalen ordinal – also wäre Median korrekt. In der Praxis behandelt man sie meist als intervall und berichtet Mittelwert + SD. Das ist akzeptiert, sollte aber im Methodik-Teil erwähnt werden.

Was sind Quartile?

Quartile teilen die Verteilung in vier gleich große Abschnitte. Q1 = 25. Perzentil, Q2 = Median = 50. Perzentil, Q3 = 75. Perzentil. Der Interquartilabstand (Q3 − Q1) ist ein robustes Streuungsmaß.

Wie viele Stellen nach dem Komma?

Standard: zwei Nachkommastellen. „M = 4.21, SD = 0.78". Bei p-Werten oft drei Stellen oder die exakte Zahl. Mehr Nachkommastellen suggerieren Genauigkeit, die deine Daten gar nicht liefern.

Wo gehört deskriptive Statistik in die Arbeit?

Im Ergebnisteil – meist als erstes, vor den Hypothesentests. Du beschreibst zuerst die Stichprobe und die Hauptvariablen, danach kommen die inferenzstatistischen Auswertungen. Mehr im Beitrag Ergebnisteil Bachelorarbeit.

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