Literaturrecherche systematisch – Datenbanken und Strategie
Literaturrecherche – Strategie, Datenbanken, Tools
Die Literaturrecherche ist der Grundstein jeder Bachelor- oder Masterarbeit. Wer hier strukturiert vorgeht, spart später Wochen Zeit. Wer ungeordnet sucht, hat am Ende mehrere hundert PDFs auf der Festplatte und keinen Überblick. Dieser Beitrag zeigt, wie eine systematische Literaturrecherche funktioniert: Suchstrategie, wichtige Datenbanken, Such-Operatoren, Verwaltung der Treffer.
Schritt 1: Suchbegriffe entwickeln
Beginne mit deiner Forschungsfrage und identifiziere die zentralen Begriffe. Pro Begriff sammelst du Synonyme, englische Übersetzungen, Ober- und Unterbegriffe. Beispiel: für „Hybridarbeit" auch „Remote Work", „Telearbeit", „Mobile Work", „flexibles Arbeiten". Aus diesen Begriffen baust du Suchanfragen mit Boolean-Operatoren.
Schritt 2: Boolean-Operatoren nutzen
- AND – beide Begriffe müssen vorkommen: „Hybridarbeit AND Mitarbeiterbindung".
- OR – einer der Begriffe genügt: „Hybridarbeit OR Telearbeit".
- NOT – schließt einen Begriff aus.
- Anführungszeichen – exakter Phrase-Match: „remote work".
- Asterisk * – Wortstamm-Suche: „arbeit*" findet auch „arbeiten".
Wichtige wissenschaftliche Datenbanken
- Google Scholar – Einstieg, breite Abdeckung.
- Web of Science – Premium-Datenbank, sehr breite wissenschaftliche Abdeckung.
- Scopus – Elsevier-Datenbank mit Zitierdaten.
- EBSCO Business Source / WiSo – für Wirtschaft und Sozialwissenschaften.
- JSTOR – Geistes- und Sozialwissenschaften.
- PubMed – Medizin und Lebenswissenschaften.
- SpringerLink, ScienceDirect, Wiley – Verlagsdatenbanken.
- OPAC der Hochschulbibliothek – Bestand der eigenen Hochschule.
Suchstrategie nach PRISMA
Bei systematischen Reviews wird die PRISMA-Methodik genutzt: dokumentiere jede Suche (Datenbank, Suchstring, Datum, Treffer), filtere nach Ein-/Ausschlusskriterien, zähle Treffer pro Stufe. Für eine Bachelorarbeit reicht eine vereinfachte Form, aber das systematische Dokumentieren ist hilfreich.
Schneeball-Suche
Ergänzend zur Datenbanksuche die Schneeball-Methode: in einer relevanten Quelle die zitierten Quellen prüfen (Rückwärts-Schneeball) und in Google Scholar nachschauen, wer diese Quelle zitiert (Vorwärts-Schneeball). So findest du auch Quellen, die deine Suchbegriffe nicht direkt nutzen.
Treffer bewerten
- Aktualität (Erscheinungsjahr, idealerweise unter 10 Jahre).
- Wissenschaftlichkeit (peer-reviewed Journal, akademischer Verlag).
- Zitationen (oft zitierte Quellen sind etabliert).
- Kontext (passt die Studie methodisch und thematisch?).
Zitate und Notizen verwalten
Mit jedem Treffer: Volltextsuche → Quellendaten in Literaturverwaltung importieren → Notizen anlegen. Mehr zur Tool-Wahl unter Citavi vs. Zotero.
Häufige Fehler
- Nur Google Scholar nutzen – wichtige Datenbanken fehlen.
- Ohne Suchstrategie suchen – endlose, unstrukturierte Recherche.
- Treffer nicht dokumentieren.
- Quellen nur überfliegen – am Ende fehlt der Kontext.
- Englische Quellen ignorieren.
KI für die Recherche?
Tools wie Elicit oder ResearchRabbit nutzen KI, um aus einer Saatquelle relevante andere Quellen vorzuschlagen. Praktisch als Ergänzung. ChatGPT halluziniert oft Quellen, die es nicht gibt – jede vermeintliche Quelle muss in der Originaldatenbank verifiziert werden. Mehr unter ChatGPT in der Bachelorarbeit.