Forschungslücke finden – Anleitung mit Tipps

Forschungslücke identifizieren in der Literatur

Lesezeit ca. 4 Min. · aktualisiert: 11. Juli 2026 · zurück zum Blog

Jede originelle wissenschaftliche Arbeit steht und fällt damit, eine Forschungslücke zu identifizieren. Wer keine benennt, riskiert eine Frage zu bearbeiten, die längst geklärt ist. In dieser Anleitung erfährst du anhand konkreter Methoden und Beispiele, wie sich eine Forschungslücke Schritt für Schritt aufspüren, sauber formulieren und zu einer tragfähigen Forschungsfrage ausbauen lässt. Eine klar benannte Lücke schützt dich am zuverlässigsten vor einer schwachen Bewertung.

Was ist eine Forschungslücke?

Eine Forschungslücke ist ein klar abgrenzbarer Bereich eines Forschungsfeldes, zu dem bisher keine oder nur unzureichende Erkenntnisse vorliegen. Du kannst sie identifizieren, indem du den vorhandenen Forschungsstand systematisch prüfst und erkennst, welche methodischen, geografischen, zeitlichen oder inhaltlichen Aspekte offenbleiben. Diese Anleitung zeigt dir mit konkreten Methoden und Beispielen, wie du eine Forschungslücke finden und sinnvoll für deine eigene wissenschaftliche Arbeit nutzen kannst.

Mit welchen Methoden lässt sich eine Forschungslücke finden?

  • Sichte die Literatur systematisch und notiere, bei welchen Teilfragen der aktuelle Forschungsstand lückenhaft bleibt.
  • Prüfe Reviews und Meta-Analysen, weil sie offene Forschungslücken häufig ausdrücklich benennen.
  • Werte aktuelle Konferenzbeiträge aus, in denen neu entstandene Forschungsfragen früh diskutiert werden.
  • Lies die „Future Research"-Abschnitte am Ende von Studien und sammle die dort genannten offenen Fragen.
  • Vergleiche Probleme aus der Praxis mit den vorhandenen Erklärungen und achte auf bisher unerklärte Phänomene.
  • Übertrage ältere Studien auf neue Zusammenhänge und prüfe, ob ihre Befunde 2026 weiterhin tragen.
Forschungslücke finden Anleitung in 5 Schritten

Vier Arten von Forschungslücken unterscheiden

  • Empirische Lücke: Für ein Phänomen sind keine oder deutlich zu wenige Daten vorhanden.
  • Theoretische Lücke: Ein geeignetes theoretisches Modell zur Erklärung des Phänomens fehlt bislang.
  • Methodische Lücke: Vorhandene Studien beruhen auf einer fragwürdigen Methodik.
  • Kontextuelle Lücke: Es gibt zwar Studien, jedoch nicht für deutsche Hochschulen, KMUs oder das Jahr 2026.

Ordne deine Forschungslücke einer dieser Arten zu und benenne sie eindeutig. So wird nachvollziehbar, welche Erkenntnis genau fehlt und weshalb deine Untersuchung einen begründeten Beitrag zum Forschungsstand leisten kann.

Konkrete Beispiele für Forschungslücken

Diese Beispiele zeigen die Abgrenzung: „Hybridarbeit ist häufig in Großkonzernen erforscht, im mittelständischen IT-Sektor dagegen kaum" beschreibt eine kontextuelle Lücke. „Untersuchungen zu ChatGPT in der Bachelorarbeit stützen sich meist auf Selbstauskünfte, eine belastbare Methodik fehlt" kennzeichnet eine methodische Lücke. „Bislang existiert kein integriertes Modell, das Hybridarbeit, Mitarbeiterbindung und Führung zusammenführt" ist ein Beispiel für eine theoretische Lücke.

Wie wird aus der Forschungslücke eine Forschungsfrage?

Formuliere zunächst präzise, was die Literatur bereits erklärt und welcher Aspekt noch offen ist. Aus diesem fehlenden Erkenntnisbaustein leitest du anschließend deine Forschungsfrage ab. Ohne klar identifizierte Lücke besteht das Risiko, eine bereits beantwortete Frage erneut zu bearbeiten. Wie du sie passend zuspitzt, erfährst du unter Forschungsfrage präzise formulieren. Forschungslücke und Forschungsfrage müssen inhaltlich direkt zusammenpassen.

Wie eng sollte die Forschungslücke eingegrenzt sein?

Für eine Bachelorarbeit eignet sich eine eng zugeschnittene Forschungslücke besser als ein breites, kaum zu bewältigendes Vorhaben. „Die Lücke in der Hybridarbeits-Forschung" ist zu allgemein. „Die Lücke der Hybridarbeits-Forschung in mittelständischen IT-Unternehmen in NRW" grenzt dagegen Thema, Branche und Region konkret ein. Als praktische Anleitung gilt: Begrenze die Lücke so, dass sie mit dem Umfang und den Methoden deiner Arbeit realistisch untersucht werden kann.

Vier Typen von Forschungslücken in der Bachelorarbeit

Wo steht die Forschungslücke in der Bachelorarbeit?

Die identifizierte Forschungslücke gehört in die Einleitung der Bachelorarbeit und steht dort unmittelbar vor der Forschungsfrage. Zuerst skizzierst du den Forschungsstand, dann belegst du den offenen Aspekt und leitest daraus deine Frage ab. Den Aufbau erklärt Einleitung verfassen. Auch im Exposé solltest du die Lücke ausdrücklich benennen. Hinweise dazu findest du unter Exposé verfassen.

Tipps für eine nachvollziehbare Lückenanalyse

  • Belege die Forschungslücke mit geeigneten Quellen, anstatt sie lediglich zu behaupten.
  • Nenne ausdrücklich, ob die Lücke empirisch, theoretisch, methodisch oder kontextuell ist.
  • Leite deine Forschungsfrage logisch und erkennbar aus der Forschungslücke ab.
  • Wähle eine realistisch bearbeitbare Lücke und vermeide zu breit angelegte Themen.
  • Stimme die Lücke mit deinem Betreuer ab, weil sie mitunter neuer erscheint, als sie tatsächlich ist.

Häufige Fehler beim Identifizieren einer Forschungslücke

  • Die gewählte Lücke ist zu groß, um sie im Rahmen einer Bachelorarbeit zu schließen.
  • Als Begründung steht nur eine Behauptung, während belastbare Quellen als Nachweis fehlen.
  • Die vermeintliche Lücke ist bereits untersucht, weil relevante Studien bei der Recherche übersehen wurden.
  • Die Forschungslücke wird zwar benannt, passt inhaltlich aber nicht zur Forschungsfrage.
  • Konkrete Beispiele fehlen, sodass die beschriebene Forschungslücke unklar bleibt.

Die Lückenanalyse Schritt für Schritt formulieren

Verfasse vorab eine kurze Lückenanalyse, um die Forschungslücke sicher zu identifizieren. Halte zuerst fest, welche Erkenntnisse bereits vorliegen. Beschreibe danach präzise, was noch nicht untersucht ist, und begründe schließlich, weshalb dieser offene Aspekt relevant ist. Oft genügt dafür eine halbe Seite, die du später in die Einleitung oder das Exposé übernimmst. Eine klare Anleitung mit Methoden und Beispielen ist dabei hilfreicher als der Versuch, den gesamten Forschungsstand vollständig abzubilden.

Eine klar bestimmte Forschungslücke bildet den Ausgangspunkt deiner Thesis. Weitere Anleitungen für die nächsten Schritte des wissenschaftlichen Schreibprozesses findest du gebündelt in unserer Akademie.

Häufige Fragen zum Finden einer Forschungslücke

Wie viele Forschungslücken braucht eine Bachelorarbeit?

Eine einzelne, konkret abgegrenzte Forschungslücke ist ausreichend. Der Versuch, mehrere Lücken zugleich zu bearbeiten, führt meist zu einem Umfang, der für eine Bachelorarbeit zu groß ist.

Wie lässt sich eine Forschungslücke belegen?

Nutze die Methoden der systematischen Literaturrecherche, durchsuche relevante Datenbanken und zeige anhand der Ergebnisse, dass einschlägige Studien fehlen. Aussagen und Beispiele aus Reviews sowie Meta-Analysen können diesen Nachweis zusätzlich stützen.

Was hilft, wenn ich keine Forschungslücke finde?

Grenze deine Forschungsfrage nach Region, Branche oder Zeitraum stärker ein oder prüfe einen anderen Forschungstyp. Du kannst außerdem untersuchen, ob sich die Ergebnisse älterer Studien auf einen neuen Kontext übertragen lassen.

Ist eine kontextuelle Forschungslücke ausreichend?

Ja. Eine kontextuelle Lücke, etwa „für Deutschland bislang nicht untersucht", lässt sich überschaubar eingrenzen und ist deshalb für eine Bachelorarbeit oft eine passende Wahl.

Wo wird die Forschungslücke in der Bachelorarbeit genannt?

Du nennst sie in der Einleitung unmittelbar vor der Forschungsfrage. Da die Forschungslücke auch in das Exposé gehört, solltest du sie möglichst früh identifizieren und präzise eingrenzen.

Dürfen mehrere Studierende dieselbe Forschungslücke untersuchen?

Grundsätzlich ja, sofern sich die verwendeten Methoden oder Stichproben unterscheiden. Wer dieselbe Lücke mit denselben Methoden wie eine andere Bachelorarbeit untersucht, leistet keine eigenständige Forschung.

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