Empirische Forschung
Empirische Forschung – Definition, Methoden, Vorgehen
Empirische Forschung bedeutet: Du erhebst eigene Daten und wertest sie systematisch aus. Das Gegenteil ist die Literaturarbeit, die mit bereits publizierten Daten arbeitet. In der Bachelor- und Masterarbeit ist die empirische Arbeit oft die anspruchsvollere Variante – sie setzt eigene Datenerhebung, methodisches Wissen und Auswertungssoftware voraus. Wir zeigen dir, was empirische Forschung umfasst, welche Methoden zählen und worauf du achten solltest.
Definition
Empirisch (von griechisch „empeiría" = Erfahrung) bedeutet: auf Erfahrung basiert, durch Beobachtung gewonnen. Eine empirische Studie sammelt eigene Daten, analysiert sie und zieht Schlüsse. Im Gegensatz zur reinen Theoriearbeit, die nur mit publizierter Literatur arbeitet.
Empirische Methoden im Überblick
- Befragung – Online-Survey, Telefoninterview, persönliches Interview.
- Beobachtung – teilnehmend, nicht-teilnehmend, strukturiert, unstrukturiert.
- Experiment – kontrollierte Manipulation einer Variable.
- Inhaltsanalyse – systematische Auswertung bestehender Texte (z. B. Zeitungsartikel, Social Media).
- Sekundärdatenanalyse – Auswertung bereits existierender Datensätze (z. B. ALLBUS, SOEP).

Quantitativ vs. qualitativ
Empirische Forschung kann quantitativ (Zahlen, Statistik) oder qualitativ (Texte, Interpretation) sein. Mehr im Methodik-Hub.
Standard-Vorgehen einer empirischen Bachelorarbeit
- Forschungsfrage formulieren.
- Literaturrecherche und theoretischer Hintergrund.
- Hypothesen oder Forschungsfragen ableiten.
- Methodisches Vorgehen planen.
- Datenerhebung durchführen.
- Daten auswerten.
- Ergebnisse darstellen.
- Diskussion und Fazit.
Vor- und Nachteile gegenüber Literaturarbeit
- Vorteile: Eigene Daten, neue Erkenntnisse, oft praxisnah, höhere Bewertungschancen bei guter Umsetzung.
- Nachteile: Aufwändiger, methodisch anspruchsvoller, Risiko bei Datenproblemen (zu kleine Stichprobe, technische Pannen).

Datenschutz und Ethik
Bei empirischer Forschung mit Personen brauchst du DSGVO-konforme Einwilligung, ggf. Anonymisierung, sichere Datenspeicherung. Bei sensiblen Themen oder vulnerablen Gruppen oft auch ein Ethikvotum. Schau in den Vorgaben deines Lehrstuhls.
Häufige Fehler
- Methodik passt nicht zur Forschungsfrage.
- Stichprobe zu klein.
- Datenschutz nicht bedacht – fehlt oft in der Methodik.
- Auswertungssoftware nicht beherrscht – Statistik-Lernen unterschätzt.
Mehr typische Stolperfallen findest du in unserem Beitrag zu häufigen Fehlern in Bachelorarbeit und Masterarbeit. Bei der Endkorrektur prüfen wir im professionellen Lektorat auch die methodische Konsistenz.
Qualitativ oder quantitativ: die Frage entscheidet
Die Methodenwahl folgt nicht der Vorliebe, sondern der Fragestellung. Fragen nach dem Wie und Warum, nach Deutungen und Prozessen, führen zu qualitativen Verfahren. Fragen nach Häufigkeit, Zusammenhang und Unterschied führen zu quantitativen.
Ein verbreiteter Fehler ist die Mischung ohne Begründung: eine Umfrage mit dreißig Antworten, deren Ergebnisse in Prozent berichtet werden. Bei dieser Größe ist die Prozentangabe irreführend, weil eine einzelne Person schon über drei Prozentpunkte entscheidet. Entweder größere Stichprobe oder qualitative Auswertung mit Zitaten.
Was den Methodenteil prüfbar macht
Ein Methodenteil ist dann vollständig, wenn eine dritte Person die Untersuchung wiederholen könnte. Dazu gehören: Erhebungszeitraum, Zugang zum Feld, Auswahl der Fälle mit Begründung, Instrument mit Quelle, Umgang mit Ausfällen und das Auswertungsverfahren mit Software.
Der häufigste Mangel ist die fehlende Begründung der Auswahl. „Es wurden zwölf Personen befragt“ sagt nicht, warum diese zwölf. Auch eine Gelegenheitsstichprobe ist zulässig, sie muss nur als solche benannt und in den Grenzen der Arbeit aufgegriffen werden.
Wie groß die Stichprobe sein muss
Eine allgemeingültige Zahl gibt es nicht, die nötige Größe hängt am Verfahren. Für einen Mittelwertvergleich zwischen zwei Gruppen brauchst du andere Fallzahlen als für eine Regression mit sechs Prädiktoren. Wer die Fallzahl erst nach der Erhebung klärt, hat den Test unter Umständen umsonst gerechnet.
Der praktische Weg: Lege vor der Erhebung fest, welchen Test du rechnen willst, und kläre die Mindestfallzahl mit deiner Betreuung oder über eine Poweranalyse. In qualitativen Arbeiten tritt an diese Stelle die Sättigung: Du erhebst, bis neue Fälle keine neuen Kategorien mehr bringen, und beschreibst, woran du das festgemacht hast.