Narrative Interviews nachvollziehbar auswerten
Narratives Interview auswerten
Die Auswertung eines narrativen Interviews richtet den Blick auf die Aussagen im Interview. Eine nachvollziehbare Darstellung verbindet Interviewstruktur, Dokumentation, Auswahl der Teilnehmenden und die begründete Wahl der Auswertungsmethode.
Einordnung der Auswertung im wissenschaftlichen Arbeiten
Ein narratives Interview wird in der Quelle als Methode der empirischen Sozialforschung eingeordnet. Bei der Auswertung eines narrativen Interviews liegt die Beantwortung der Fragestellungen bei den Forschenden: Sie werten Aussagen aus und interpretieren sie. Die Antworten der befragten Personen übernehmen diese Auswertung und Interpretation nicht selbst. Für wissenschaftliches Schreiben bedeutet das, die eigene Auswertung als Arbeitsschritt sichtbar zu formulieren und Aussagen nicht mit einer fertigen Antwort auf die Fragestellung gleichzusetzen.
Die fachliche Darstellung kann deshalb zwischen dem, was im Interview gesagt wurde, und dem, was daraus durch die Auswertung erschlossen wird, unterscheiden. Beschreibe nur, was für die Arbeit dokumentiert oder entschieden wurde. Wenn ein Punkt nicht aus den vorhandenen Unterlagen hervorgeht, ermittle ihn anhand der Aufzeichnung, des Transkripts oder der verwendeten methodischen Fachliteratur, bevor du ihn in den Text aufnimmst.
Für die Orientierung im Text lassen sich Bestandteile einer wissenschaftlichen Arbeit als benachbarter Prüfpunkt lesen: Halte die Beschreibung des Interviews, der Teilnehmenden und der Auswertungsmethode getrennt fest. Wer eine Hausarbeit schreiben oder eine Masterarbeit schreiben möchte, kann dieselbe Trennung für die eigene Darstellung nutzen. Eine Forschungsfrage formulieren und wissenschaftliche Argumentation sind dabei sichtbare Arbeitsaufträge: Notiere, welche Aussagen ausgewertet werden, wie die Methode ausgewählt wurde und welche Interpretation daraus folgt.
Eine Gliederung einer Hausarbeit kann diese Angaben unter klaren Überschriften ordnen. Prüfe für den eigenen Text, ob die Interviewdokumentation, die Beschreibung der Teilnehmenden und die Auswahl der Auswertungsmethode an den jeweils vorgesehenen Stellen stehen. Angaben, die nicht vorliegen, werden nicht ergänzt. Stattdessen lautet die konkrete Prüfhandlung: Vergleiche den Text mit dem Interviewmaterial und mit der Begründung der gewählten Methode.

Aufbau, Merkmale und Bestandteile des narrativen Interviews
Die Quelle beschreibt die Struktur eines narrativen Interviews in vier aufeinanderfolgenden Teilen. Den Anfang bildet eine offene Eingangserzählung. Sie kann eine biografische Erzählung oder relevante Abschnitte einer Biografie zum Gegenstand haben. Danach folgt ein immanenter Nachfrageteil mit Fragen zur Eingangserzählung. Anschließend steht ein exmanenter Nachfrageteil, für den ein thematischer Leitfaden vorab vorbereitet wird. Den Abschluss bildet eine Bilanzierungsphase.
- Offene Eingangserzählung: Halte fest, welche Erzählung am Beginn steht. Das Ergebnis dieses Schritts ist ein benannter Ausgangspunkt für die weitere Interviewstruktur.
- Immanente Nachfragen: Ordne Fragen der vorangegangenen Eingangserzählung zu. Das Ergebnis ist eine nachvollziehbare Verbindung zwischen Erzählung und Nachfrageteil.
- Exmanente Nachfragen: Weise den vorbereiteten Leitfaden als thematischen Nachfrageteil aus. Das Ergebnis ist die dokumentierte Stelle, an der der Leitfaden eingesetzt wird.
- Bilanzierungsphase: Benenne diesen abschließenden Teil der Struktur. Das Ergebnis ist eine vollständige Beschreibung der vier genannten Bestandteile.
Zur Anwendung gehört außerdem die Dokumentation: Beschreibe das Setting des Interviews, die Art der Aufzeichnung und das System der Transkription. Nenne, wie die Interviewteilnehmer*innen ausgewählt wurden, und führe Ein- und Ausschlusskriterien auf. Informationen zu den Teilnehmenden, die für die Interpretation wichtig sind, werden kurz dargestellt. Das Ergebnis ist keine zusätzliche Deutung, sondern eine dokumentierte Grundlage für die Auswertung.
Die Auswertungsmethode wird ausgewählt und beschrieben. Die Quelle nennt für eine Einzelfallanalyse Segmentierung, strukturelle Beschreibung, analytische Abstraktion und Kategorienbildung. Sie nennt außerdem für Grounded Theory offenes, axiales und selektives Kodieren sowie die Entwicklung einer Kernkategorie. Die Auswahl wird auf Grundlage entsprechender Empfehlungen methodischer Fachliteratur begründet. Methoden wissenschaftlicher Arbeiten und qualitative und quantitative Forschung können als Begriffe für die weitere Recherche dienen; prüfe dabei die konkrete Fachliteratur zur tatsächlich gewählten Methode.
Ablauf von Dokumentation bis Interpretation
- Interviewstruktur festhalten: Prüfe, ob offene Eingangserzählung, immanenter Nachfrageteil, exmanenter Nachfrageteil und Bilanzierungsphase beschrieben sind. Ergebnis: Die Struktur des Interviews ist in der Reihenfolge der Quelle festgehalten.
- Durchführung dokumentieren: Beschreibe das Setting, die Aufzeichnung und das Transkriptionssystem. Ergebnis: Die Dokumentation enthält die drei von der Quelle genannten Angaben.
- Teilnehmende beschreiben: Halte die Auswahl der Interviewteilnehmer*innen, Ein- und Ausschlusskriterien sowie für die Interpretation wichtige Informationen kurz fest. Ergebnis: Die Angaben zu den Teilnehmenden sind für den Text gebündelt.
- Auswertungsmethode auswählen: Entscheide zwischen den in der Quelle genannten Beispielen nur auf Grundlage passender Empfehlungen methodischer Fachliteratur. Ergebnis: Die gewählte Methode ist benannt und ihre Auswahl begründet.
- Auswertung darstellen: Beschreibe die Methode detailliert im Hinblick auf die einzelne Auswertung und interpretiere die Aussagen. Ergebnis: Die Antwort auf die Fragestellungen wird als Auswertung und Interpretation durch die Forschenden dargestellt.
Arbeite beim Schreiben mit überprüfbaren Formulierungen. Wenn du eine Segmentierung, strukturelle Beschreibung, analytische Abstraktion, Kategorienbildung, offenes Kodieren, axiales Kodieren, selektives Kodieren oder eine Kernkategorie erwähnst, ermittle in der methodischen Fachliteratur, wie der konkrete Arbeitsschritt für deine gewählte Methode beschrieben wird. Ergänze keine Verfahrensschritte, solange dafür keine Grundlage vorliegt.
Für die formale Bearbeitung lassen sich Literaturverzeichnis erstellen, Quellenangaben richtig zitieren und Zitierweisen als einzelne Prüfaufgaben notieren. Falls eine deutsche Zitierweise oder Harvard-Zitierweise verwendet werden soll, ermittle die Vorgaben in den maßgeblichen Unterlagen und wende sie erst danach im eigenen Text an. Diese Prüfung betrifft die Darstellung von Quellen; sie ersetzt nicht die Begründung der Auswertungsmethode.
Kurzes durchgängiges Anwendungsbeispiel
Eine Person erstellt einen Text zu einem narrativen Interview. Zuerst schreibt sie unter der Interviewstruktur: „Das Interview beginnt mit einer offenen Eingangserzählung. Danach folgen immanente Nachfragen zur Erzählung, ein exmanenter Nachfrageteil mit vorbereitetem Leitfaden und eine Bilanzierungsphase.“ Damit ist die in der Quelle genannte Reihenfolge sichtbar.
Danach ergänzt die Person eine knappe Dokumentation des Settings, der Aufzeichnung und des verwendeten Transkriptionssystems. In einem getrennten Abschnitt hält sie fest, wie die Interviewteilnehmer*innen ausgewählt wurden, welche Ein- und Ausschlusskriterien aufgeführt sind und welche Informationen für die Interpretation genannt werden. Wo diese Angaben fehlen, prüft sie das vorhandene Material, statt Einzelheiten zu erfinden.
Für die Auswertung entscheidet die Person nicht allein anhand eines Namens. Sie liest entsprechende Empfehlungen methodischer Fachliteratur, benennt anschließend die ausgewählte Auswertungsmethode und erläutert die Entscheidung im Text. Danach richtet sie die Interpretation auf Aussagen aus dem Interview. Die befragte Person wird dabei nicht als Instanz dargestellt, die die Fragestellung auswertet. Das Ergebnis des Beispiels ist ein Text, der Struktur, Dokumentation, Auswahl der Teilnehmenden, Methodenentscheidung und Interpretation getrennt erkennen lässt.
Vor der Abgabe prüft die Person den eigenen Umgang mit Übernahmen. Sie markiert Stellen, an denen fremde Formulierungen oder Quellen verwendet wurden, und führt die konkrete Prüfung Plagiat vermeiden aus. Für Aussagen über die Methode zieht sie die verwendete Fachliteratur heran. Für Angaben, die nur im Interviewmaterial stehen können, gleicht sie ihren Text mit diesem Material ab.

Qualität prüfen: Inhaltliche Abgrenzung und formale Kontrolle
Definition prüfen: Steht im Text, dass das narrative Interview in der Quelle als Methode der empirischen Sozialforschung behandelt wird? Steht ebenso, dass Forschende Aussagen auswerten und interpretieren? Wenn nicht, ergänze nur diese belegte Einordnung oder ermittle eine weitere belastbare Grundlage.
Zentrale Merkmale prüfen: Kontrolliere die vier Teile der Interviewstruktur: offene Eingangserzählung, immanenter Nachfrageteil, exmanenter Nachfrageteil und Bilanzierungsphase. Prüfe außerdem, ob bei der Dokumentation Setting, Aufzeichnung und Transkriptionssystem genannt sind. Das Ergebnis der Kontrolle ist eine Gegenüberstellung des eigenen Textes mit den ausdrücklich genannten Punkten.
Anwendung prüfen: Kontrolliere, ob die Auswahl der Teilnehmenden, Ein- und Ausschlusskriterien sowie wichtige Informationen für die Interpretation beschrieben sind. Prüfe danach, ob die Auswertungsmethode benannt, anhand entsprechender methodischer Fachliteratur begründet und detailliert für die einzelne Auswertung dargestellt wurde. Fehlt ein Nachweis im Material, setze eine konkrete Prüfhandlung: Ermittle die Angabe vor einer Ergänzung.
Abgrenzung prüfen: Trenne die Interviewaussagen von der Auswertung und Interpretation durch die Forschenden. Trenne außerdem die Beschreibung der Interviewstruktur von der Begründung der Auswertungsmethode. Diese Abgrenzung betrifft den Inhalt des Textes.
Formale Prüfung: Prüfe separat die eigenen Quellenangaben, das Literaturverzeichnis und die gewählte Zitierweise anhand der dafür maßgeblichen Vorgaben. Kontrolliere anschließend, ob die Formulierung im eigenen Text klar zwischen Dokumentation, Methodenwahl und Interpretation unterscheidet. Diese formale Kontrolle ersetzt keine inhaltliche Prüfung der Aussagen.
Quellen und Stand
- Narratives Interview: www.uni-flensburg.de (geprüft am 2026-08-24)
Bei „Narrative Interviews nachvollziehbar auswerten“ werden zusätzlich „fachlich“ eingeordnet.