Narrative Analyse in sechs Arbeitsschritten umsetzen
Narrative Analyse durchführen
Eine narrative Analyse lässt sich als dokumentierter Arbeitsablauf bearbeiten. Die hier dargestellte Reihenfolge verbindet formale Textarbeit, Inhaltsbeschreibung, Abstraktion, Wissensanalyse, Vergleich und Modellbildung mit klar festgehaltenen Entscheidungen.
Die Analyse als sichtbar gemachter Arbeitsweg
Wer eine Narrative Analyse durchführen will, arbeitet nicht nur auf ein Endergebnis hin. Halte auch fest, wie du vom Material zu diesem Ergebnis gelangst. Die Hildesheimer Beschreibung ordnet die Arbeit in sechs Schritte: Zuerst stehen formale Textanalyse und Segmentierung, danach eine strukturelle Inhaltsbeschreibung. Es folgen analytische Abstraktion und Wissensanalyse. Anschließend kommen kontrastive Vergleiche, bevor die theoretische Modellbildung den Ablauf abschließt.
Nutze diese Reihenfolge als Arbeitsgerüst und schreibe zu jedem Schritt auf, welches Material du bearbeitest, welche Auswertungseinheit du festlegst und welche Entscheidung du triffst. Wenn du von der vorgesehenen Reihenfolge abweichst, notiere die Abweichung an der Stelle, an der sie entsteht. So bleibt der Arbeitsweg lesbar, statt Entscheidungen erst am Schluss nachzutragen.
Für wissenschaftliches Schreiben ist es hilfreich, die einzelnen Arbeitsschritte sprachlich klar voneinander zu trennen. Die Bestandteile einer wissenschaftlichen Arbeit lassen sich ebenfalls daraufhin prüfen, ob Material, Vorgehen und Ergebnis erkennbar voneinander abgegrenzt sind. Wenn du eine Hausarbeit schreiben möchtest, notiere die sechs Schritte vor dem Ausformulieren als eigene Arbeitsstationen. Beim Masterarbeit schreiben hilft dieselbe Stationenfolge dabei, die Analyse nicht mit der abschließenden Modellbildung zu verwechseln.
Beginne nur mit Aussagen, die du am Material und an deinen dokumentierten Arbeitsschritten zeigen kannst. Ergänze keine Behauptung über Ursachen, Wirkungen oder Verallgemeinerungen, wenn sie nicht aus deiner Auswertung hervorgeht. Formuliere stattdessen konkret, welches Segment, welche Inhaltsbeschreibung, welche Abstraktion oder welcher Vergleich gerade vorliegt.

Material, Einheiten und sechs Schritte vorbereiten
Für die Vorbereitung kannst du zunächst dein Material und die Einheiten beschreiben, mit denen du arbeiten möchtest. Diese Angaben sind eine eigene Arbeitshilfe für deinen Text, keine zusätzliche Vorgabe der Methode. Notiere auch die Frage, die du mit dem Material verfolgen willst. Beim Thema Forschungsfrage formulieren hilft eine Frage, die sich auf die ausgewählten Texte bezieht. Halte deine Arbeitsentscheidungen so fest, dass du sie beim Schreiben wiederfindest.
Die belegte Abfolge umfasst sechs Schritte. Beginne mit der formalen Untersuchung des Textes und seiner Gliederung in Segmente. Danach folgt eine Beschreibung von Struktur und Inhalt. Daran schließen sich die analytische Abstraktion und die Wissensanalyse an. Anschließend vergleichst du Fälle kontrastiv. Den letzten Schritt bildet die theoretische Modellbildung.
- Formale Untersuchung und Segmentierung: Bearbeite die formale Seite des Textes und teile ihn in Abschnitte.
- Struktur und Inhalt beschreiben: Formuliere eine Beschreibung entlang der Abschnitte.
- Analytisch abstrahieren: Arbeite mit einer Abstraktion auf Grundlage der Beschreibung.
- Wissen analysieren: Führe die Wissensanalyse aus.
- Fälle kontrastiv vergleichen: Stelle die Fälle gegenüber.
- Theoretisch modellieren: Entwickle die Modellbildung als abschließenden Arbeitsschritt.
Für die eigene Planung kannst du neben den sechs Schritten eine Liste mit Material, Einheiten, Entscheidungen und möglichen Änderungen führen. Sie dient dir als Orientierung beim Bearbeiten und beim späteren Überarbeiten. Wenn du einen Arbeitsschritt anders anordnest oder eine Einheit anders fasst, kannst du diese Änderung für deinen eigenen Überblick vermerken. Die sechs genannten Schritte und ihre Reihenfolge bleiben dabei sichtbar.
Für die wissenschaftliche Argumentation kannst du Beobachtungen, Beschreibungen, Abstraktionen, Vergleiche und Modellbildung in getrennten Abschnitten darstellen. Auch die Gliederung einer Hausarbeit kann Material, Vorgehen und Ergebnis voneinander absetzen. Diese Darstellungsentscheidungen sind redaktionelle Hilfen für den eigenen Text; die Quelle belegt die Reihenfolge der sechs Analyseschritte.
Zum Schluss kannst du deinen Entwurf selbst darauf ansehen, ob Material, Einheiten, Reihenfolge und eigene Entscheidungen klar lesbar sind. Dieser Qualitätscheck ist eine redaktionelle Prüfhilfe. Er ergänzt die beschriebene Analyse, ohne einen weiteren methodischen Schritt zu behaupten.
Schritt für Schritt mit einem greifbaren Zwischenergebnis
- Material beschreiben: Benenne die Texte, mit denen du arbeiten willst, und entscheide für deinen Entwurf, welche Abschnitte du unterscheidest. Eigene Arbeitshilfe: Eine kurze Ausgangsnotiz kann dir beim Schreiben Orientierung geben.
- Formal untersuchen und segmentieren: Bearbeite die formale Seite des Textes und gliedere ihn in Segmente. Ergebnis im Arbeitsgang: Du arbeitest mit einem segmentierten Text.
- Inhalt strukturell beschreiben: Beschreibe den Inhalt entlang der Segmente. Ergebnis im Arbeitsgang: Es liegt eine strukturelle Inhaltsbeschreibung vor.
- Analytisch abstrahieren: Gehe von der Beschreibung zu einer analytischen Abstraktion über. Ergebnis im Arbeitsgang: Die Abstraktion ist als eigener Schritt erkennbar.
- Wissen analysieren: Führe danach die Wissensanalyse durch. Ergebnis im Arbeitsgang: Die Wissensanalyse folgt auf die Abstraktion.
- Kontrastiv vergleichen: Stelle die Fälle einander gegenüber. Ergebnis im Arbeitsgang: Der Vergleich steht nach der Wissensanalyse.
- Theoretisch modellieren: Schließe die Folge mit der theoretischen Modellbildung ab. Eigene Arbeitshilfe: Du kannst deinen Entwurf anschließend auf Material, Einteilungen und die sichtbare Reihenfolge durchsehen.
Die Schritte von der formalen Untersuchung bis zur Modellbildung folgen der belegten Reihenfolge. Die Hinweise zu Ausgangsnotizen und zur Durchsicht sind dagegen selbst entwickelte redaktionelle Arbeitshilfen. Sie beschreiben eine Möglichkeit, den eigenen Text zu ordnen, und fügen der Quelle keine Dokumentations- oder Kontrollpflicht hinzu. Wenn du einen Entwurf änderst, kannst du die Änderung für deinen eigenen Überblick festhalten.
Beim Thema Literaturverzeichnis erstellen kannst du die verwendeten Quellen getrennt von den Analyseschritten notieren. Für Quellenangaben richtig zitieren kannst du deine Übernahmen anhand der von dir gewählten Form überprüfen. Zitierweisen, die deutsche Zitierweise und die Harvard-Zitierweise sind benannte Themen, die du in einer gesonderten Durchsicht deines Textes behandeln kannst. Methoden wissenschaftlicher Arbeiten bietet einen Rahmen, in dem du den Ablauf neben anderen Vorgehensweisen betrachten kannst. Qualitative und quantitative Forschung kannst du ebenfalls getrennt von der hier beschriebenen Schrittfolge einordnen. Dabei bleibt qualitative und quantitative Forschung als Themenbezeichnung neben dem Ablauf stehen.
Die zusätzlichen Hinweise ändern weder die Anzahl noch die Abfolge der sechs Arbeitsschritte. Sie helfen nur bei der Redaktion einer eigenen Darstellung. Für die Analyse selbst bleiben formale Textarbeit und Segmentierung, Inhaltsbeschreibung, Abstraktion, Wissensanalyse, kontrastiver Vergleich und theoretische Modellbildung die sichtbare Reihenfolge.
Ein kurzes durchgängiges Anwendungsbeispiel
Eine Studentin arbeitet mit zwei Erzähltexten. Für ihren eigenen Überblick schreibt sie auf, welche Texte sie betrachtet und welche Abschnitte sie im Entwurf unterscheidet. Diese Notiz ist ihre Arbeitshilfe. Danach beginnt sie mit der formalen Untersuchung und segmentiert beide Texte. Ihr erster Arbeitsstand enthält die gegliederten Texte.
Sie beschreibt anschließend Struktur und Inhalt der einzelnen Segmente. Aus dieser Beschreibung entwickelt sie in einem nächsten Arbeitsgang eine analytische Abstraktion. Danach führt sie die Wissensanalyse durch. Die Studentin hält in ihrem Entwurf fest, an welchem Abschnitt sie gerade arbeitet; diese Notizen erläutern ihre eigene Bearbeitung und sind keine Behauptung über eine zusätzliche Methodenpflicht.
Im nächsten Schritt stellt sie die beiden Fälle kontrastiv gegenüber. Sie bemerkt beim Schreiben, dass sie einen Abschnitt anders abgrenzen möchte. Für ihren eigenen Überblick vermerkt sie die Änderung und bearbeitet den Text weiter. Nach dem Vergleich arbeitet sie an der theoretischen Modellbildung. So erscheint im Beispiel die Abfolge von formaler Untersuchung, Segmentierung, Inhaltsbeschreibung, Abstraktion, Wissensanalyse, Vergleich und Modellbildung.
Zum Abschluss liest sie ihren Text noch einmal mit einer selbst gewählten Prüfliste. Sie sieht nach, ob die sechs Arbeitsschritte im Beispiel erkennbar bleiben und ob sie ihre eigenen Entscheidungen verständlich formuliert hat. Diese Prüfung ist eine redaktionelle Hilfe, nicht Teil der belegten Schrittfolge. Beim Thema Plagiat vermeiden kontrolliert sie außerdem ihren eigenen Text und die von ihr verwendeten Quellenangaben. Das Beispiel ist eine mögliche Anwendung mit zwei Texten; es ersetzt keine eigene Bearbeitung des gewählten Materials.

Abgrenzung und formale Prüfung getrennt kontrollieren
Die folgende Prüfung ist eine redaktionelle Prüfhilfe für deinen eigenen Entwurf. Sie ist kein zusätzlicher, durch die Quelle festgelegter Schritt der narrativen Analyse. Teile die Durchsicht in zwei Bereiche: Zuerst schaust du auf die Darstellung deines Arbeitswegs. Danach prüfst du die Form deines Textes getrennt davon.
Für den ersten Bereich kannst du kontrollieren, ob du Material und Auswertungseinheiten verständlich benannt hast. Sieh nach, ob die sechs Analyseschritte in der belegten Reihenfolge erkennbar sind: Zuerst stehen die formale Textanalyse und die Segmentierung. Danach folgt die strukturelle Beschreibung des Inhalts. Es schließen sich analytische Abstraktion und Wissensanalyse an. Darauf folgen kontrastive Vergleiche; am Ende steht die theoretische Modellbildung. Diese Liste dient der Orientierung beim Überarbeiten und ergänzt die Quellenbeschreibung nicht um eine Pflicht zur Abschlusskontrolle.
- Hast du Material und die gewählten Einheiten im Entwurf so beschrieben, dass du deine Darstellung lesen kannst?
- Sind formale Untersuchung und Segmentierung am Anfang des dargestellten Arbeitswegs zu finden?
- Folgen danach Inhaltsbeschreibung, analytische Abstraktion und Wissensanalyse?
- Stehen kontrastive Vergleiche vor der theoretischen Modellbildung?
- Kannst du eigene Entscheidungen oder Änderungen in deinem Entwurf bei Bedarf verständlich erläutern?
- Ist das Ergebnis als dein abschließender Textteil von den vorher beschriebenen Arbeitsschritten unterscheidbar?
Der zweite Bereich betrifft nur die Form deines eigenen Textes. Lies ihn auf die Kongruenz von Artikel, Adjektiv und Substantiv. Prüfe den Kasus nach Präpositionen, Singular und Plural, eindeutige Pronomenbezüge sowie deutsche Komposita. Kontrolliere außerdem, ob du die Namen der sechs Schritte im gesamten Entwurf gleich verwendest. Diese Durchsicht prüft deinen Wortlaut; sie trifft keine Aussage über Sprachregeln außerhalb deines Textes und begründet keine zusätzliche Methodenpflicht.
Wenn dir beim Lesen ein Punkt unklar bleibt, kannst du die betreffende Stelle im Entwurf erneut ansehen. Vergleiche dann deine Darstellung mit dem Material, deiner Einteilung oder der Reihenfolge der sechs Schritte. Bei einer Änderung kannst du für deinen eigenen Überblick notieren, was du im Entwurf angepasst hast. Diese Notiz ist eine redaktionelle Arbeitshilfe. Die Abgrenzung des Arbeitswegs und die sprachliche Durchsicht bleiben zwei verschiedene Prüfgänge.
Ein kurzer Abschlussblick kann daher beides getrennt erfassen: die sichtbare Reihenfolge der Analyse und die Formulierung des eigenen Textes. So bleibt nachvollziehbar, worauf sich die Methode bezieht und was du zusätzlich für die Redaktion deines Entwurfs prüfst.
Quellen und Stand
- Migration und Bildungsbiographie.: hilpub.uni-hildesheim.de (geprüft am 2026-08-25)
Der Überblick „Narrative Analyse in sechs Arbeitsschritten umsetzen“ ordnet das Thema vollständig ein.