Genus bei Fremdwörtern: Regeln und Beispiele

Entsprechungswort, Endung und Herkunftssprache als drei Wege

Lesezeit ca. 6 Min. · aktualisiert: 14. Juni 2026 · zurück zum Blog

Das Genus bei Fremdwörtern wird im Deutschen neu vergeben, denn ein übernommenes Wort bringt sein Geschlecht selten mit. Drei Wege führen zum Ergebnis: das deutsche Entsprechungswort, die Endung und die Herkunftssprache. Meist entscheidet der erste: die E-Mail folgt der Post, das Meeting dem Treffen, der Job dem Beruf. Wo zwei Entsprechungswörter gleich nahe liegen, entstehen die bekannten Doppelformen wie der oder das Laptop.

Der erste Weg: das Entsprechungswort

Ein Fremdwort übernimmt meist das Geschlecht des deutschen Wortes für dieselbe Sache. Dieses Wort heißt Entsprechungswort.

Beispiele: die E-Mail (die Post), das Meeting (das Treffen), der Job (der Beruf), die App (die Anwendung), der Song (der Gesang), das Team (das Kollektiv oder die Mannschaft, wobei hier das Neutrum gewonnen hat).

Liegen zwei Entsprechungswörter gleich nahe, entstehen Doppelformen: der Laptop (der Computer) und das Laptop (das Gerät). Beide sind dann zulässig.

Fehlt ein Entsprechungswort ganz, setzt sich meist das Neutrum durch, weil es die unauffälligste Zuordnung ist.

Der zweite Weg: die Endung

Manche Endungen legen das Geschlecht unabhängig von der Bedeutung fest. Das gilt auch für übernommene Wörter.

Feminin: -ion (die Funktion), -tät (die Qualität), -ur (die Struktur), -anz (die Toleranz), -enz (die Konferenz), -age (die Montage), -ette (die Serviette).

Maskulin: -or (der Motor), -ismus (der Kapitalismus), -ent (der Student), -ant (der Praktikant), -ist (der Jurist), -eur (der Ingenieur).

Neutral: -um (das Museum), -ment (das Dokument), -ma (das Thema), -at in vielen Fällen (das Referat).

Genus bei Fremdwörtern: drei Wege zum richtigen Artikel
Genus bei Fremdwörtern im Überblick.

Der dritte Weg: die Herkunftssprache

Bei lateinischen und griechischen Fachbegriffen wird oft das ursprüngliche Geschlecht übernommen: das Virus war im Lateinischen neutral, und das ist bis heute die fachsprachliche Form.

Bei Wörtern aus dem Französischen wirkt das französische Geschlecht gelegentlich nach: die Chance, die Nuance, die Etage sind auch dort feminin.

Das Englische liefert dagegen keine Vorgabe, weil es kein Geschlecht kennt. Deshalb schwanken englische Entlehnungen besonders häufig.

Bei Wörtern aus dem Italienischen entscheidet meist die Endung: das Konto, das Risiko, die Pizza, der Espresso. Alle vier folgen dem deutschen Muster für die jeweilige Endung.

Häufige Fehler und Zweifelsfälle

Die E-Mail oder das E-Mail: Standardsprachlich feminin, in Österreich und der Schweiz auch neutral. Beide sind verzeichnet.

Der oder das Blog: Beide zulässig, der Blog ist häufiger. Dasselbe gilt für Podcast und Laptop.

Das Team: Neutral, obwohl die Mannschaft feminin wäre. Hier hat sich das englische Wort ohne klare Entsprechung durchgesetzt.

Der Account: Maskulin, weil der Zugang das Entsprechungswort ist, nicht das Konto. Bei ähnlichen Wörtern lohnt der Blick auf die tatsächliche Verwendung.

Die Mail: Kurzform von E-Mail und ebenfalls feminin. Die Form das Mail ist regional und in Österreich verbreitet.

Der Plural übernommener Wörter

Englische Wörter bilden den Plural meist mit s: die Teams, die Jobs, die Apps, die Meetings. Bei Endung auf -er bleiben sie endungslos: die Computer, die Manager.

Lateinische und griechische Fachbegriffe behalten oft ihre Beugung: das Datum, die Daten; das Lexikon, die Lexika; die Basis, die Basen.

Italienische Wörter werden meist eingedeutscht: das Konto, die Konten; die Pizza, die Pizzen oder Pizzas. Beide Formen sind zulässig.

Ein Apostroph gehört in keinen Fall: die Teams, nicht die Team's. Diese Schreibung stammt aus dem Englischen und ist im Deutschen falsch.

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Fremdwörter in Fachtexten

In wissenschaftlichen Arbeiten sind lateinische und griechische Begriffe der Regelfall, und ihre Beugung ist ein eigener Prüfpunkt. Kriterium, Datum, Modus und Praktikum folgen eigenen Mustern.

Bei englischen Fachbegriffen lohnt der Blick auf die deutsche Entsprechung. Wo eine besteht, ist sie oft die bessere Wahl: Stichprobe statt Sample, Zielsetzung statt Objective.

Wo der englische Begriff der Fachterminus ist, bleibt er stehen. Dann sollte er einmal eingeführt und durchgehend gleich gebeugt werden.

Ein Wechsel zwischen deutscher und englischer Bezeichnung im selben Text erzeugt den Eindruck, es handle sich um verschiedene Dinge. Diese Beanstandung ist in Gutachten häufig.

Fazit: Genus bei Fremdwörtern auf einen Blick

Drei Wege führen zum Geschlecht: das deutsche Entsprechungswort, die Endung und die Herkunftssprache. Meist entscheidet der erste.

Wo zwei Entsprechungswörter gleich nahe liegen, entstehen Doppelformen. Englische Wörter schwanken besonders oft, weil das Englische kein Geschlecht kennt.

Im Zusammenhang „Genus bei Fremdwörtern: Regeln und Beispiele“ werden die zentralen Punkte gebündelt.

Passend dazu diese Seiten Fremdwörter Deklination, Genus bei Abkürzungen und Schwankendes Genus.

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Häufige Fragen zum Genus bei Fremdwörtern

Wie bekommen Fremdwörter ihr Geschlecht?

Meist über das deutsche Entsprechungswort, daneben über die Endung und die Herkunftssprache.

Warum schwanken englische Wörter so oft?

Weil das Englische kein Geschlecht kennt und keine Vorgabe liefert. Entscheidend ist dann allein das deutsche Entsprechungswort.

Heißt es die oder das E-Mail?

Standardsprachlich die E-Mail. In Österreich und der Schweiz ist das E-Mail verbreitet und ebenfalls korrekt.

Wie bilden englische Wörter den Plural?

Meist mit s: die Teams, die Jobs. Bei Endung auf -er bleiben sie endungslos: die Computer.

Gehört ein Apostroph in den Plural?

Nein. Es heißt die Teams, nicht die Team's. Diese Schreibung stammt aus dem Englischen.

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