Woher kommt Hokuspokus? Herkunft des Zauberworts
Hokuspokus Herkunft: woher das Zauberwort kommt
Hokuspokus kennen die meisten als Zauberspruch oder als abwertenden Begriff für Unsinn und Täuschung. Woher das Wort wirklich kommt, ist bis heute nicht sicher geklärt. DWDS und Duden nennen zwei Vermutungen, keine davon ist gesichert.
Woher kommt Hokuspokus?
Die Herkunft von Hokuspokus ist nicht geklärt, es gibt aber zwei Vermutungen. Das DWDS stuft das Wort als Zauberwort ungeklärter Herkunft ein und nennt nach dem Etymologischen Wörterbuch von Wolfgang Pfeifer zwei Möglichkeiten: Vielleicht geht das Wort auf eine Zersprechung der lateinischen Messformel hoc est corpus meum zurück. Als zweite Möglichkeit gilt eine 1563 bezeugte pseudolateinische Zauberformel: hax, pax, max, deus adimax. Beide Deutungen stehen unter dem Vorbehalt vielleicht und sind damit nicht als gesichert zu betrachten.
Der Duden formuliert seine Einschätzung etwas bestimmter: Hokuspokus sei wahrscheinlich verstümmelt aus der pseudolateinischen Formel hax, pax, max, deus adimax entstanden. Auch beim Duden bleibt das Wort wahrscheinlich als Einschränkung erhalten. Eine gesicherte Herkunft bietet keine der beiden Quellen.
Schriftliche Belege aus England zeigen das Wort oder sehr ähnliche Formen zwischen 1624 und 1634. Das DWDS verzeichnet nach Pfeifer die Form hocas pocas aus dem Jahr 1624 und hokos pokos aus 1625, jeweils als Bezeichnung für einen Taschenspieler. Im Jahr 1632 erscheint Hocuspocus als Zauberformel, und 1634 trägt ein englisches Buch den Titel Hocus Pocus junior. Diese frühen Belege zeigen, dass das Wort als Klang- und Zauberformel schon früh im Umlauf war, lange bevor es in einer einheitlichen Schreibweise festgelegt wurde.
Als Zauberspruch steht Hokuspokus wie eine Interjektion allein im Satz, ohne dass es in eine grammatische Satzstruktur eingebettet werden muss. Diese Eigenschaft teilt es mit anderen Ausrufen und Beschwörungsformeln, die ihre Wirkung nicht über ihren Inhalt, sondern über ihren Klang entfalten sollen. Der Ruf funktioniert schon durch sein Klingen, durch den Rhythmus der zwei Silbenblöcke, unabhängig davon, ob der Sprecher seine Bedeutung kennt oder seine Herkunft erklären kann.

Wie kam Hokuspokus ins Deutsche?
Die frühesten schriftlichen Nachweise für das Wort und seine Vorläufer reichen in England bis ins frühe 17. Jahrhundert zurück. Das DWDS gibt nach dem Etymologischen Wörterbuch von Wolfgang Pfeifer eine Reihe von Belegstellen an, die zeigen, wie das Wort in wechselnden Schreibweisen auftauchte. Auffällig ist, dass im deutschen Sprachraum einige Formen zeitlich vor der deutschen Buchübersetzung von 1667 liegen.
| Stufe | Form | Sprache | Zeit |
|---|---|---|---|
| 1 | hocas pocas | Englisch | 1624 |
| 2 | hokos pokos | Englisch | 1625 |
| 3 | Ox box | Deutsch | 1628 |
| 4 | Hocuspocus (Zauberformel) | Englisch | 1632 |
| 5 | Hocus Pocus junior (Buchtitel) | Englisch | 1634 |
| 6 | niederländische Übersetzung desselben Buches | Niederländisch | 1634 |
| 7 | Ocos Bocos | Deutsch | 1640 |
| 8 | Hogges und Pogges | Deutsch | 1654 |
| 9 | Hocus Pocus junior oder Taschenspielkunst (Buchübersetzung) | Deutsch | 1667 |
Bemerkenswert ist, dass die deutschen Formen Ox box (1628), Ocos Bocos (1640) und Hogges und Pogges (1654) alle zeitlich vor der deutschen Buchübersetzung von 1667 liegen. Das DWDS bezeichnet den Ursprung des Ausdrucks trotz dieser frühen deutschen Nachweise ausdrücklich als ungeklärt. Ob Hokuspokus zu den Lehnwörtern im Deutschen zählt, lässt sich nach den Quellen nicht sicher sagen, weil das DWDS keine ausdrückliche Entlehnungsrichtung nennt. Es bleibt offen, ob die deutschen Formen aus dem Englischen übernommen wurden oder sich parallel dazu entwickelt haben. Wer die Reihenfolge der Belege genau nachvollziehen will, sollte die Originalstellen im DWDS-Eintrag selbst nachlesen, statt sich auf eine einzelne Zwischenstufe zu verlassen.
Die sehr unterschiedlichen Schreibweisen in kurzer Zeit fallen auf: Ox box, Ocos Bocos, Hogges und Pogges sind kaum als Varianten desselben Wortes erkennbar, wenn man sie nebeneinanderstellt. Als eigene Einordnung lässt sich sagen: Diese Vielfalt deutet darauf hin, dass das Wort zunächst mündlich weitergegeben wurde und jeder Schreibende es so aufzeichnete, wie er es gehört hatte. Ein klingendes Wort, das durch seinen Rhythmus wirkt, legt sich nicht leicht auf eine einzige Schreibform fest. Diese Beobachtung ist eine eigene Einordnung und geht über das hinaus, was die zitierten Quellen ausdrücklich belegen.
Wie hat sich die Bedeutung von Hokuspokus entwickelt?
Das Wort Hokuspokus hat im Laufe der Zeit mehrere Bedeutungsebenen entwickelt. Ausgangspunkt war nach DWDS und Pfeifer die Verwendung als Zauberformel bei Zauberkunststücken und Taschenspieler-Vorführungen. Aus dieser konkreten Bühnenfunktion wuchs eine übertragene Bedeutung: Das DWDS verzeichnet Gaukelei, fauler Zauber und Blendwerk. Das eWDG von 1969 nennt umgangssprachlich außerdem Unfug, Allotria und Faxen. Der Duden führt neben Zauberwort und Gaukelei auch Trick, unnützer Zierrat (abwertend) und kindlichen Unfug auf. Das Wort hat damit den Weg von der konkreten Formel zur allgemeinen Bezeichnung für etwas, das nicht ernst zu nehmen ist oder wertlos wirkt, genommen.
- Zauberformel bei Zauberkunststücken: Der Zauberer auf der Bühne ruft Hokuspokus, damit das Publikum auf den entscheidenden Moment wartet.
- Gaukelei, fauler Zauber, Blendwerk: Die Werbeversprechen des Unternehmens seien reiner Hokuspokus, befanden die Tester, nichts davon halte einer Prüfung stand.
- Unnützer Zierrat (abwertend): Den ganzen Hokuspokus mit der aufwendigen Vergoldung braucht niemand, wenn das eigentliche Produkt enttäuscht.
- Unfug, Allotria, Faxen: Hört auf mit dem Hokuspokus und fangt endlich an, ernsthaft an der Aufgabe zu arbeiten.
Eine besondere Wendung ist Hokuspokus Fidibus, die der Duden als scherzhafte Zauberformel ausweist. Sie verlängert den ursprünglichen Ausruf um einen weiteren Klanganhang und verstärkt damit den spielerischen Charakter des Ausdrucks. Zauberformeln wie Hokuspokus Fidibus stehen den Redewendungen einfach erklärt nahe, weil sie feste, formelhaft wiederholte Ausdrücke sind, die in einem bestimmten Kontext ihre eigene Bedeutung tragen. Die Wendung wird scherzhaft gebraucht und erhebt keinen Anspruch auf tatsächliche magische Wirkung. Sie ist ein Zeichen dafür, dass das Wort längst seinen Weg aus der Bühnenzauberei in die Alltagssprache gefunden hat.
Varianten, Synonyme und grammatische Form
Das Wort Hokuspokus taucht in seiner Geschichte in sehr unterschiedlichen Schreibweisen auf. Aus den frühen Belegen nach DWDS kennen wir hocas pocas, Hocuspocus, Ox box und Ocos Bocos als Varianten, die zeigen, wie wenig festgelegt die Schreibung in den ersten Jahrhunderten war. Nach dem Wiktionary handelt es sich bei der Wortform um eine Reduplikation, genauer eine Reimdoppelung: Der zweite Teil pokus klingt ähnlich wie hokus, ohne dass er eine eigene Bedeutung trägt. Diese Bauweise ist typisch für Klangnachahmungen und Zauberformeln, die durch ihren Rhythmus wirken sollen.
Grammatisch ist Hokuspokus ein Maskulinum: der Hokuspokus, Genitiv des Hokuspokus. Das DWDS weist darauf hin, dass das Wort nur im Singular vorkommt; einen Plural gibt es nicht. Wer Synonyme kostenlos finden will, etwa zu Hokuspokus oder Schwindel, kann dort weitersuchen; der Duden selbst nennt Abrakadabra, Abraxas und Simsalabim als Synonyme für die Verwendung als Zauberformel.
- Abrakadabra: Eine weitere Zauberformel mit ähnlicher Funktion; vom Duden als direktes Synonym zu Hokuspokus genannt, klanglich anders aufgebaut, aber im Gebrauch vergleichbar.
- Simsalabim: Ebenfalls eine Bühnenformel aus der Zauberei; der Duden führt sie als Synonym auf, sie wirkt etwas weicher und melodischer als Hokuspokus.
- Abraxas: Ursprünglich ein Begriff aus der Gnosis, heute vom Duden ebenfalls als Synonym für Hokuspokus im Sinne von Zauberformel gelistet.
- Schwindel, Scharlatanerie, Mumpitz, Quatsch: Sinnverwandte Wörter nach Wiktionary; sie zeigen die übertragene Bedeutung von Täuschung und Unsinn, sind aber selbst keine Zauberformeln.
Die frühen Schreibvarianten und die modernen Synonyme zeigen gemeinsam, wie weit das Bedeutungsspektrum von Hokuspokus reicht: von der feierlichen Bühnenformel bis zum Ausdruck für alltäglichen Unsinn. Wörter, die aus fremden Sprachen ins Deutsche übergegangen sind, werden als Lehnwörter im Deutschen bezeichnet; bei Hokuspokus ist diese Einordnung wegen der ungeklärten Herkunft jedoch nicht eindeutig möglich. Die Lautähnlichkeit der Synonyme Abrakadabra und Simsalabim deutet darauf hin, dass solche Formeln durch ihren Klang und Rhythmus überzeugen sollen, nicht durch ihren Inhalt.
Hokuspokus in der Gegenwartssprache
Im heutigen Deutsch begegnet Hokuspokus in klar unterscheidbaren Verwendungsweisen. Als Substantiv steht Hokuspokus im Maskulinum, bei der Zauberformel auch ohne Artikel, nämlich dann, wenn das Wort als reiner Ausruf steht und nicht in einen Satz eingebettet ist. Das DWDS stuft die erste Bedeutung, also Gaukelei und fauler Zauber, ausdrücklich als abwertend ein. Die Verwendung als Zauberformel trägt nach DWDS die Stilmarkierung umgangssprachlich und scherzhaft. Wer das Wort also ernst meint, muss auf den Kontext achten, denn die Bedeutungsebenen unterscheiden sich deutlich.
Die folgenden eigenen Beispielsätze zeigen die wichtigsten Gebrauchsweisen:
- Als Zauberformel: Hokuspokus! ruft der Zauberer, und das Tuch fällt scheinbar von selbst vom Tisch.
- Als Gaukelei: Die angebliche Wunderkur sei schlichter Hokuspokus, befand die Fachzeitschrift nach einer Prüfung der Belege.
- Als unnützer Zierrat (abwertend): Den ganzen Hokuspokus mit der aufwendigen Sonderverpackung hätte man sich sparen können, der Inhalt zählt.
- Als Unfug: Jetzt macht mal Schluss mit dem Hokuspokus und erklärt, was wirklich passiert ist.
- Hokuspokus Fidibus: Mit einem fröhlichen Hokuspokus Fidibus beendet der Großvater das Kasperletheater, und alle Kinder lachen.
Das Wort lässt sich auch als Kritik an etwas Unseriosem einsetzen: Wer einen politischen Plan als Hokuspokus bezeichnet, sagt damit, dass er auf Schein und Ablenkung statt auf Substanz beruht. Diese abwertende Nuance ist nach DWDS Teil der ersten Bedeutung. Hokuspokus steht in diesem Gebrauch nicht als sachliche Beschreibung, sondern als Wertung für etwas, das man für wirkungslos, trügerisch oder nicht ernstzunehmen hält. Damit ist das Wort heute weniger Zauberformel als vielmehr ein Mittel der sprachlichen Kritik.

Was die Quellen nicht sagen
Wer nach einer sicheren Herkunft von Hokuspokus sucht, findet sie in keiner der einschlägigen Quellen. Das DWDS hält ausdrücklich fest, dass die Herkunft des Ausdrucks ungeklärt ist. Die Formulierungen vielleicht und wahrscheinlich in den Quellenangaben markieren Vermutungen, keine gesicherten Erkenntnisse. Besonders wichtig ist, dass die Deutung, das Wort gehe auf die Messformel hoc est corpus meum zurück, ausschließlich beim DWDS als eine von zwei Möglichkeiten genannt wird. Der Duden erwähnt diese Messformel-Deutung nicht; er nennt allein die pseudolateinische Formel hax, pax, max, deus adimax und verwendet dabei das Wort wahrscheinlich. Besonders irreführend wäre es, eine der Deutungen als gesicherte Tatsache darzustellen, da selbst führende Wörterbücher keinen Konsens gefunden haben.
- Belegt: Im Englischen sind hocas pocas (1624) und hokos pokos (1625) durch zeitgenössische Schriftquellen gesichert; etwas später, im Jahr 1632, erscheint Hocuspocus als eigenständige Zauberformel. Auf deutscher Seite tauchen zwischen 1628 und 1654 mehrere abweichende Schreibformen auf, etwa Ox box, Ocos Bocos und Hogges und Pogges.
- Vermutet: Entweder eine Zersprechung der Messformel hoc est corpus meum (DWDS nach Pfeifer, als eine von zwei Möglichkeiten) oder eine Herkunft aus der pseudolateinischen Formel hax, pax, max, deus adimax (DWDS und Duden).
- Offen: Der tatsächliche Ursprung des Wortes ist ungeklärt; keine der genannten Deutungen gilt als gesichert belegt.
Mehr zu Wortbedeutungen und offenen Herkunftsfragen steht dort, wo etymologische Wörterbücher und Nachschlagewerke systematisch zusammengestellt sind. Gerade bei alten Zauberformeln fehlen oft schriftliche Belege aus der Zeit, bevor das Wort aufgeschrieben wurde, was eine sichere Herleitung kaum möglich macht. Als Merksatz gilt: Wer Hokuspokus erklärt, sollte die Einschränkungen vielleicht und wahrscheinlich der Quellen nie weglassen, denn sie sind kein Stilmittel, sondern der tatsächliche Befund des Forschungsstands.
Quellen und Stand
- DWDS: Hokuspokus, Etymologie nach Pfeifer: www.dwds.de (geprüft am 2026-10-01)
- Duden: Hokuspokus, Rechtschreibung, Bedeutung, Definition, Herkunft: www.duden.de (geprüft am 2026-10-01)
- Wiktionary: Hokuspokus: de.wiktionary.org (geprüft am 2026-10-01)
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