Woher stammt das Wort Gurke?
Gurke: Herkunft und Wortgeschichte im Überblick
Das Wort Gurke hat einen langen Weg zurückgelegt, bevor es im Deutschen ankam. Der Name führt vom Altgriechischen über das Mittelgriechische und das Altpolnische bis zum ersten Beleg im Ostmitteldeutschen um 1500.
Kurze Antwort: Woher kommt Gurke?
Gurke ist um 1500 im Ostmitteldeutschen belegt und aus dem Altpolnischen ogurek entlehnt, das über das Mittelgriechische auf agouros (grün, unreif) zurückgeht. Wie bei der Herkunft von Kartoffel handelt es sich bei Gurke um den Namen einer Gemüsepflanze, deren Wort einen weiten Weg hinter sich hat.
Das DWDS stützt sich auf die Etymologie nach Pfeifer und nennt Gurke als zuerst im Ostmitteldeutschen um 1500 belegt. Das Wort sei sicherlich aus altpolnisch ogurek, polnisch ogórek, entlehnt, das seinerseits auf mittelgriechisch agouros zurückgeht. Der Duden beschreibt die Herkunft etwas anders: Er führt sie auf das Westslawische zurück und vergleicht dabei polnisch ogórek mit tschechisch okurka, beide zu griechisch aoros, unreif. Beide Quellen stimmen im griechischen Kern überein, unterscheiden sich aber in der Beschreibung der slawischen Zwischenstufe. Das DWDS benennt konkret das Altpolnische, der Duden spricht allgemeiner vom Westslawischen und zieht den Vergleich mit dem Tschechischen heran.
Auffällig ist der Gedanke der Unreife, der im Wort selbst steckt. Der Duden vermerkt, dass die Gurke grün, also unreif geerntet wird, und stellt damit eine Verbindung zwischen der Erntepraxis und der ursprünglichen Wortbedeutung her. Diese Verbindung betrifft das Wort und seine Herkunft, nicht eine botanische Eigenschaft der heutigen Sorten. Woher die Bezeichnung für die unreife Frucht kommt, lässt sich damit sprachlich nachvollziehen, auch wenn die Quellen keine Aussage dazu treffen, wann die Pflanze selbst nach Mitteleuropa kam.
Heute meint Gurke in erster Linie das Gemüse und die Pflanze. Das DWDS führt die rankenbildende Salat- und Gemüsepflanze sowie die walzenförmige Frucht als zentrale Bedeutungen. Der Duden beschreibt die Gurke ebenso als Gemüse- und Salatpflanze mit länglichen, grünen oder grüngelblichen Früchten. Die Herkunft des Namens und die heutige Bedeutung bilden damit zwei getrennte, aber zusammenhängende Ebenen: Das Wort trägt die alte Idee der Unreife in sich, die laut Duden mit der grün geernteten Frucht zusammenhängt.

Welche Stufen führen zum deutschen Wort Gurke?
Der Weg des Wortes Gurke lässt sich in mehreren Stufen nachzeichnen, die von den Quellen unterschiedlich detailliert beschrieben werden. Wie die Fremdwörter aus dem Griechischen hat Gurke einen griechischen Ursprung, kam aber über das Mittelgriechische und die slawischen Sprachen ins Deutsche. Die folgende Tabelle ordnet die einzelnen Stufen, so wie sie in den Quellen genannt werden.
| Stufe | Form | Sprache | Zeit |
|---|---|---|---|
| 1 | aoros (unzeitig, unreif) | Altgriechisch | ohne Datierung |
| 2 | agouros (grün, unreif) | Mittelgriechisch | ohne Datierung |
| 3 | angourion (Verkleinerungsbildung) | Mittelgriechisch | ohne Datierung |
| 4 | ogurek, ogórek | Altpolnisch, Polnisch | ohne Datierung |
| 5 | Gurke | Deutsch | zuerst im Ostmitteldeutschen um 1500 belegt |
Nach DWDS und Wiktionary kam die Entlehnung ins Deutsche aus dem Altpolnischen ogurek. Das Mittelgriechische ist dabei nur die weiter zurückliegende Stufe, aus der sich über das Altpolnische erst das deutsche Wort entwickelt hat. Die Zwischenstufe angourion wird vom DWDS als nasalierte Verkleinerungsbildung zu agouros beschrieben, die dann in die slawischen Sprachen gelangt ist und dort als Bezeichnung der Gurke erscheint.
Das Wiktionary macht eine Angabe, die DWDS und Duden nicht machen: Das Wort wird demnach auch auf altpersisch angorah zurückgeführt. Die Formulierung wird zurückgeführt markiert diese Angabe als unsicher. Das Altpersische ist damit eine Zwischenstufe, die ausschließlich das Wiktionary anführt, während DWDS und Duden ihren Weg mit dem Mittelgriechischen beginnen lassen.
Was ist bei der Herkunft gesichert, was nicht?
Alle drei Quellen, DWDS, Duden und Wiktionary, nennen mittelgriechisch agouros (grün, unreif) und griechisch aoros als sprachlichen Ausgangspunkt. In diesem Kernpunkt stimmen die Nachschlagewerke überein. Unterschiede zeigen sich bei der slawischen Zwischenstufe: DWDS und Wiktionary nennen konkret das Altpolnische mit der Form ogurek, der Duden spricht breiter vom Westslawischen und stellt polnisch ogórek neben tschechisch okurka. Gurke ist eines der Lehnwörter im Deutschen, die über das Polnische in den ostmitteldeutschen Raum kamen, zumindest nach der Darstellung von DWDS und Wiktionary.
Ein wichtiger Vorbehalt betrifft den Grad der Sicherheit, mit dem die einzelnen Stufen formuliert werden. Das DWDS schreibt für die Entlehnung aus dem Altpolnischen ausdrücklich sicherlich, was auf eine recht gut begründete Annahme hindeutet. Die Rückführung auf altpersisch angorah dagegen steht nur beim Wiktionary, und zwar mit der vorsichtigeren Wendung wird zurückgeführt. Diese Angabe ist weniger gesichert als die Entlehnung aus dem Altpolnischen, denn die Quelle markiert sie selbst zurückhaltender.
Die folgende Liste stellt die einzelnen Deutungen und ihre jeweilige Quelle nebeneinander:
- Mittelgriechisch agouros (grün, unreif) als gemeinsames Ausgangswort, genannt von DWDS, Duden und Wiktionary
- Entlehnung aus dem Altpolnischen um 1500 im Ostmitteldeutschen, genannt von DWDS und Wiktionary
- Das Westslawische mit Vergleich zu polnisch und tschechisch, genannt vom Duden
- Rückführung auf altpersisch angorah, nur beim Wiktionary und mit der Wendung wird zurückgeführt
Die drei Nachschlagewerke stimmen in der Grundaussage überein, unterscheiden sich aber in der Tiefe der Zwischenstufen. Der griechische Ursprung über agouros gilt in allen drei Quellen als Ausgangspunkt, während die genaue slawische Vermittlung und die persische Spur unterschiedlich fest belegt sind.
Welche verwandten Wörter und Varianten gibt es?
Gurke steckt in vielen Komposita, etwa in Essiggurke, Gewürzgurke und Spreewaldgurke. Diese Zusammensetzungen benennen jeweils eine bestimmte Zubereitungsart oder Herkunftsregion der Gurke als Gemüse. Das Wiktionary führt daneben auch Salatgurke und Schmorgurke als weitere Unterbegriffe. Zur Verkleinerung von Gurke nennt das Wiktionary die Form Gürkchen.
Das Wiktionary führt auch Synonyme für Gurke: Kukumer für den süddeutschen Raum und Unmurke für Ostösterreich. Zinken steht im Wiktionary als übertragene Bezeichnung für eine lange Nase. Die übertragene Bedeutung einer großen Nase nennen DWDS, Duden und Wiktionary neben der botanischen Grundbedeutung. Die übertragene Bedeutung einer unfähigen Sache, Person oder Gruppe führt dagegen allein das Wiktionary.
DWDS und Wiktionary belegen folgende verwandte Wörter und Formen:
- Essiggurke, Gewürzgurke, Salatgurke, Schmorgurke, Spreewaldgurke als Komposita (DWDS, Wiktionary)
- Gürkchen als Verkleinerungsform (Wiktionary)
- Kukumer als süddeutsche Bezeichnung (Wiktionary)
- Unmurke als ostösterreichische Bezeichnung (Wiktionary)
- Zinken als übertragene Bezeichnung für eine lange Nase (Wiktionary)
Das entlehnte Grundwort Gurke hat sich im Deutschen mit anderen Wortbestandteilen zu einer Reihe von Komposita verbunden, die jeweils eine Zubereitung oder eine Herkunftsregion benennen. Die regionalen Synonyme Kukumer und Unmurke zeigen, dass Gurke in einigen Gebieten neben anderen Bezeichnungen steht. Zur genauen sprachlichen Herleitung dieser Synonyme machen DWDS, Duden und Wiktionary keine weiteren Angaben.
Wie wird Gurke heute verwendet?
Gurke ist ein feminines Substantiv mit der Pluralform Gurken. In der heutigen Verwendung bezeichnet das Wort nach DWDS und Duden vor allem das Gemüse und die zugehörige Pflanze. Das DWDS nennt dabei die rankenbildende Salat- und Gemüsepflanze sowie die walzenförmige oder schlangenförmige Frucht als zentrale Bedeutungen. Der Duden beschreibt die Gurke ähnlich als Gemüse- und Salatpflanze mit fleischigen, länglichen, grünen oder grüngelblichen Früchten.
Im Satz lässt sich das Wort in diesem Sinn zum Beispiel so verwenden: Die Gurke liegt geschält auf dem Brett. Für den Salat schneidet sie die Gurke in dünne Scheiben. Im Garten rankt die Gurke an einem Gitter entlang. Diese drei Beispielsätze zeigen das Wort jeweils im Sinn des Gemüses beziehungsweise der Pflanze, ohne dass dabei eine Aussage zur Häufigkeit des Gebrauchs gemacht wird.
Neben der Grundbedeutung kennt das Wort auch übertragene, scherzhafte Verwendungen, die DWDS, Duden und Wiktionary jeweils in ähnlicher Form tragen. Das DWDS beschreibt diesen Gebrauch als salopp und scherzhaft, etwa wenn mit Gurke eine lange Nase oder ein Mensch gemeint ist. Der Duden führt ebenfalls die übertragene Bedeutung einer großen Nase. Das Wiktionary nennt zusätzlich die übertragene Bedeutung einer unfähigen Sache, Person oder Gruppe. Diese Verwendungen liegen deutlich außerhalb der botanischen Grundbedeutung und werden von den Quellen ausdrücklich als scherzhafter oder salopper Gebrauch markiert.
Die Grundbedeutung von Gurke als Gemüse und Pflanze wird nach DWDS und Duden jeweils als erste Bedeutung angeführt. Die übertragenen Bedeutungen werden von DWDS, Duden und Wiktionary ausdrücklich als scherzhaft oder salopp markiert und stehen damit neben der botanischen Grundbedeutung.

Was bleibt bei der Herkunft offen?
DWDS, Duden und Wiktionary lassen einige Fragen zur Herkunft von Gurke offen:
- Ob die Gurke als Pflanze selbst oder nur ihr Name zuerst nach Mitteleuropa kam, sagt keine der Quellen
- Die Zeitangabe um 1500 gilt ausschließlich für den Erstbeleg des Wortes im Ostmitteldeutschen, nicht für den Anbau der Pflanze
- Ob das altpersische Wort angorah tatsächlich eine Rolle spielt, sagt allein das Wiktionary, und zwar mit der vorsichtigen Formulierung wird zurückgeführt
- Wie verbreitet das Wort Gurke in einzelnen Regionen im Vergleich zu Synonymen wie Kukumer oder Unmurke ist, sagt keine der Quellen
DWDS, Duden und Wiktionary stimmen in zentralen Stufen überein, etwa beim mittelgriechischen agouros als Ausgangspunkt, lassen aber die genannten Fragen offen oder markieren sie als unsicher. Der Weg von altgriechisch aoros über mittelgriechisch agouros und altpolnisch ogurek führt um 1500 ins Ostmitteldeutsche und bildet die von mehr als einer Quelle belegte Grundlinie der Wortherkunft von Gurke. Die persische Spur und die genaue regionale Verbreitung der Synonyme bleiben nach aktuellem Quellenstand offen.
Quellen und Stand
- DWDS: Gurke, Etymologie nach Pfeifer, Bedeutung: www.dwds.de (geprüft am 2026-10-04)
- Duden: Gurke, Rechtschreibung, Bedeutung, Herkunft: www.duden.de (geprüft am 2026-10-04)
- Wiktionary: Gurke, Herkunft, Bedeutungen: de.wiktionary.org (geprüft am 2026-10-04)