Woher stammt das Wort Husar?
Husar: Herkunft und Wortgeschichte im Überblick
Husar bezeichnet einen Reitersoldaten der leichten Kavallerie. Der Weg des Wortes führt über das Ungarische weit zurück, und am Anfang der Kette steht nach DWDS und Duden ein Wort für Seeräuber.
Kurze Antwort
Husar geht auf ungarisch huszár zurück, und das Ungarische hat das Wort nach DWDS und Duden von einem Wort für Seeräuber übernommen. Das DWDS nennt für huszár die Bedeutung bewaffneter leichter Reiter, zuvor In-Diensten-Stehender oder berittener Räuber, und führt diese Form auf kroatisch husar, gusar (Seeräuber, Pirat) zurück, das wiederum auf mittellateinisch cursarius beruht. Der Duden nennt ebenfalls ungarisch huszár, sieht die Vorstufe aber in älter serbisch husar, gusar (Seeräuber) und dahinter in italienisch corsaro. Das Wiktionary geht einen kürzeren Weg und nennt nur die Entlehnung im 15. Jahrhundert aus ungarisch huszár, das es mit Lanzenreiter übersetzt, ohne weitere Vorstufen zu nennen.
Am Anfang der Geschichte steht ein Wort für den Seeräuber, den Freibeuter, der auf schnellen Schiffen unterwegs war. Dieses Wort wanderte über mehrere Sprachen in den Südosten Europas und wurde dort zunächst zur Bezeichnung für einen berittenen Räuber, einen Mann, der ähnlich unberechenbar und gefürchtet auftrat wie der Seeräuber zur See, nur eben zu Pferd. Aus diesem berittenen Räuber wurde im Ungarischen schließlich der Reitersoldat, der bewaffnete leichte Reiter, und in dieser Bedeutung kam das Wort ins Deutsche. Wie viele Fremdwörter aus dem Lateinischen hat auch Husar einen langen Weg hinter sich, bis zurück zu cursus. Der Sprung vom Räuber zum regulären Soldaten zeigt, wie stark sich die Bedeutung eines Wortes mit der gesellschaftlichen Rolle verändern kann, die es beschreibt.

Welche Stufen führen zu Husar
Der Weg des Wortes lässt sich über mehrere Sprachstufen nachzeichnen, wobei die Quellen nicht bei jeder Stufe eine Zeitangabe machen. Wie bei der Herkunft von Pirat steht auch bei Husar ein Wort für Seeräuber am Anfang der Kette.
| Stufe | Form | Sprache | Zeit |
|---|---|---|---|
| 1 | cursus | lateinisch | ohne Datierung |
| 2 | cursarius, corsarius | mittellateinisch | ohne Datierung |
| 3 | corsaro (nur Duden) | italienisch | ohne Datierung |
| 4 | husar, gusar, Seeräuber (nur DWDS) | kroatisch | ohne Datierung |
| 5 | huszár, bewaffneter leichter Reiter | ungarisch | ohne Datierung |
| 6 | Husar | deutsch | 15. Jahrhundert (DWDS, Wiktionary) |
Nach Angabe des DWDS wurde aus dem Seeräuber im Ungarischen zunächst ein berittener Räuber, bevor sich daraus der bewaffnete leichte Reiter entwickelte, und diese Reiter dienten in der Reiterei unter Matthias Corvinus. Laut DWDS steht das Wort im 15. Jahrhundert für den berittenen ungarischen Soldaten und im 16. Jahrhundert für eine leichte Reitertruppe allgemein. Der Duden setzt an der Stelle, an der das DWDS kroatisch husar, gusar nennt, ein älteres serbisches husar, gusar an, und statt des mittellateinischen cursarius nennt er italienisch corsaro als Vorstufe. Dieser Unterschied betrifft sowohl die slawische als auch die romanische Zwischenstufe.
Was ist gesichert, was weicht ab
DWDS und Duden erzählen die Herkunft von Husar auf ähnliche Weise: Beide gehen vom ungarischen huszár aus und sehen dahinter ein Wort für den Seeräuber, nur mit unterschiedlichen Zwischenstufen. Auch die Herkunft von Kapitän zeigt, wie ein Wort für einen Rang oder eine Truppe viele Sprachen durchläuft. Das Wiktionary geht einen anderen Weg: Es nennt nur die Entlehnung im 15. Jahrhundert aus ungarisch huszár, übersetzt dieses Wort aber mit Lanzenreiter. Diese Bedeutung weicht vom DWDS ab, das für dieselbe ungarische Form bewaffneter leichter Reiter angibt.
Der Vorbehalt bei der Herkunft liegt an zwei Stellen. Erstens nennen DWDS und Duden unterschiedliche Zwischenstufen zwischen dem Seeräuber-Wort und dem Ungarischen, einmal kroatisch und mittellateinisch cursarius, einmal serbisch und italienisch corsaro. Zweitens nennt das Wiktionary vor dem Ungarischen gar keine Vorstufen und übersetzt huszár anders als das DWDS. Welche Angabe zutrifft, ist offen.
- ungarisch huszár (DWDS, Duden, Wiktionary)
- kroatisch husar, gusar (nur DWDS)
- serbisch husar, gusar (nur Duden)
- mittellateinisch cursarius (nur DWDS)
- italienisch corsaro (nur Duden)
- lateinisch cursus (nur DWDS)
Diese Stufen stammen jeweils aus einer einzelnen der drei genannten Quellen.
Verwandte Wörter und Zusammensetzungen
Husar zählt zu den Wörtern, die in der Übersicht der Lehnwörter im Deutschen stehen und über das Ungarische aus dem Mittelmeerraum kamen. Das Wiktionary nennt dazu eine Reihe von Wortbildungen, die im Deutschen aus Husar entstanden sind, etwa für Kleidungsstücke, militärische Einheiten und übertragene Bedeutungen. Daneben führt es Gegenwörter, also Bezeichnungen für andere Reitertruppen.
- Husarenmütze (Wiktionary)
- Husarenregiment (Wiktionary)
- Husarenritt (Wiktionary)
- Husarenstreich (Wiktionary)
- Husarenstück (Wiktionary)
- Korsar (DWDS, Duden)
Das DWDS stellt eine Verwandtschaft zu Korsar her, also zu dem Wort, das im Deutschen heute für den Seeräuber steht. Diese Verwandtschaft erklärt sich daraus, dass beide Wörter letztlich auf dieselbe mittellateinische Wurzel zurückgehen, die Rede ist in beiden Fällen von einer Herkunft, die mit dem Räuber auf See beginnt. Husar und Korsar laufen damit in der Wortgeschichte an einer frühen Stelle zusammen, bevor sich ihre Bedeutungen in unterschiedliche Richtungen entwickelt haben, der eine zum Reiter an Land, der andere zum Räuber auf dem Wasser. Als Gegenwörter nennt das Wiktionary Dragoner, Karabinier, Kürassier und Ulan, also andere Bezeichnungen für Reitersoldaten mit jeweils eigener Ausrüstung und Rolle. Die Zusammensetzungen mit Husar zeigen, wie das Grundwort im Deutschen weiterlebt und auf unterschiedliche Bereiche ausstrahlt, von der Uniform über die militärische Einheit bis zur übertragenen Redewendung.
Husar im heutigen Sprachgebrauch
Husar ist im heutigen Deutsch ein Substantiv, maskulin, mit dem Genitiv des Husaren und dem Plural die Husaren. Das DWDS und der Duden führen es als Bezeichnung für den Reitersoldaten der leichten Kavallerie. Das DWDS unterscheidet dabei zwei zeitliche Stufen der Bedeutung: im 15. Jahrhundert stand das Wort für einen berittenen ungarischen Soldaten, im 16. Jahrhundert für einen Angehörigen einer leichten Reitertruppe allgemein. In der Wortherkunft ist Husar ein Beispiel für ein Wort, das vom Seeräuber zum Reitersoldaten wurde, eine Entwicklung, die sich in der heutigen Bedeutung nicht mehr unmittelbar zeigt.
Der Husar ritt an der Spitze der Kolonne. Die Husaren sammelten sich am Rand des Feldes. Mit seinem Einfall gelang ihm ein regelrechtes Husarenstück.
Das Wort Husarenstück trägt dabei eine eigenständige, bildhafte Bedeutung, die über den einzelnen Soldaten hinausgeht. Die Entwicklung vom Räuber zum Reiter, die DWDS und Duden für die Herkunft beschreiben, spiegelt sich im heutigen Wort nicht mehr direkt, lebt aber in der Vielfalt der Zusammensetzungen weiter, die sich um Husar gebildet haben. So bleibt Husar im Deutschen fest mit dem Bild des berittenen Soldaten verbunden, während die ursprüngliche Bedeutung des Seeräubers nur über die Herkunft des Wortes sichtbar wird.

Was an der Herkunft offen bleibt
Ein kurzer Merksatz fasst den gesicherten Teil der Herkunft zusammen: von lateinisch cursus über mittellateinisch cursarius und ungarisch huszár zu Husar, im 15. Jahrhundert ins Deutsche entlehnt. Einige Punkte an dieser Kette bleiben offen.
- Ob der Weg über kroatisch oder serbisch und über mittellateinisch cursarius oder italienisch corsaro lief, ist nicht geklärt, da DWDS und Duden hier unterschiedliche Zwischenstufen nennen.
- Ob das Wiktionary mit der Übersetzung Lanzenreiter einen eigenen Sinn trifft, der neben bewaffneter leichter Reiter steht, ist nicht geklärt.
- Wann genau das Wort im Deutschen zuerst auftrat, ist nur als 15. Jahrhundert angegeben, ein genauerer Zeitpunkt ist nicht bekannt.
- Wie aus dem Wort für den Seeräuber im Ungarischen der Reitersoldat wurde, bleibt im Einzelnen unklar, auch wenn der berittene Räuber als Zwischenschritt genannt wird.
Diese offenen Punkte betreffen vor allem die genaue Abfolge der Zwischenstufen und die Zeitpunkte der einzelnen Entlehnungen. Die Herleitung stimmt im Kern überein, weicht aber in den Zwischenstufen ab: Die grobe Linie vom Seeräuber über den berittenen Räuber zum Reitersoldaten ist erkennbar, die einzelnen Stationen werden je nach Nachschlagewerk unterschiedlich benannt.
Quellen und Stand
- DWDS: Husar, Etymologie nach Pfeifer: www.dwds.de (geprüft am 2026-10-09)
- Duden: Husar, Herkunft, Grammatik: www.duden.de (geprüft am 2026-10-09)
- Wiktionary: Husar, Herkunft: de.wiktionary.org (geprüft am 2026-10-09)