Woher stammt das Wort Husar?

Husar: Herkunft und Wortgeschichte im Überblick

Lesezeit ca. 7 Min. · zuletzt aktualisiert: 9. Oktober 2026 · Wortherkunft

Husar bezeichnet einen Reitersoldaten der leichten Kavallerie. Der Weg des Wortes führt über das Ungarische weit zurück, und am Anfang der Kette steht nach DWDS und Duden ein Wort für Seeräuber.

Kurze Antwort

Husar geht auf ungarisch huszár zurück, und das Ungarische hat das Wort nach DWDS und Duden von einem Wort für Seeräuber übernommen. Das DWDS nennt für huszár die Bedeutung bewaffneter leichter Reiter, zuvor In-Diensten-Stehender oder berittener Räuber, und führt diese Form auf kroatisch husar, gusar (Seeräuber, Pirat) zurück, das wiederum auf mittellateinisch cursarius beruht. Der Duden nennt ebenfalls ungarisch huszár, sieht die Vorstufe aber in älter serbisch husar, gusar (Seeräuber) und dahinter in italienisch corsaro. Das Wiktionary geht einen kürzeren Weg und nennt nur die Entlehnung im 15. Jahrhundert aus ungarisch huszár, das es mit Lanzenreiter übersetzt, ohne weitere Vorstufen zu nennen.

Am Anfang der Geschichte steht ein Wort für den Seeräuber, den Freibeuter, der auf schnellen Schiffen unterwegs war. Dieses Wort wanderte über mehrere Sprachen in den Südosten Europas und wurde dort zunächst zur Bezeichnung für einen berittenen Räuber, einen Mann, der ähnlich unberechenbar und gefürchtet auftrat wie der Seeräuber zur See, nur eben zu Pferd. Aus diesem berittenen Räuber wurde im Ungarischen schließlich der Reitersoldat, der bewaffnete leichte Reiter, und in dieser Bedeutung kam das Wort ins Deutsche. Wie viele Fremdwörter aus dem Lateinischen hat auch Husar einen langen Weg hinter sich, bis zurück zu cursus. Der Sprung vom Räuber zum regulären Soldaten zeigt, wie stark sich die Bedeutung eines Wortes mit der gesellschaftlichen Rolle verändern kann, die es beschreibt.

Husar: Herkunft und Wortgeschichte: der Ablauf in drei Schritten

Welche Stufen führen zu Husar

Der Weg des Wortes lässt sich über mehrere Sprachstufen nachzeichnen, wobei die Quellen nicht bei jeder Stufe eine Zeitangabe machen. Wie bei der Herkunft von Pirat steht auch bei Husar ein Wort für Seeräuber am Anfang der Kette.

Tabelle: Stufe, Form, Sprache, Zeit
StufeFormSpracheZeit
1cursuslateinischohne Datierung
2cursarius, corsariusmittellateinischohne Datierung
3corsaro (nur Duden)italienischohne Datierung
4husar, gusar, Seeräuber (nur DWDS)kroatischohne Datierung
5huszár, bewaffneter leichter Reiterungarischohne Datierung
6Husardeutsch15. Jahrhundert (DWDS, Wiktionary)

Nach Angabe des DWDS wurde aus dem Seeräuber im Ungarischen zunächst ein berittener Räuber, bevor sich daraus der bewaffnete leichte Reiter entwickelte, und diese Reiter dienten in der Reiterei unter Matthias Corvinus. Laut DWDS steht das Wort im 15. Jahrhundert für den berittenen ungarischen Soldaten und im 16. Jahrhundert für eine leichte Reitertruppe allgemein. Der Duden setzt an der Stelle, an der das DWDS kroatisch husar, gusar nennt, ein älteres serbisches husar, gusar an, und statt des mittellateinischen cursarius nennt er italienisch corsaro als Vorstufe. Dieser Unterschied betrifft sowohl die slawische als auch die romanische Zwischenstufe.

Was ist gesichert, was weicht ab

DWDS und Duden erzählen die Herkunft von Husar auf ähnliche Weise: Beide gehen vom ungarischen huszár aus und sehen dahinter ein Wort für den Seeräuber, nur mit unterschiedlichen Zwischenstufen. Auch die Herkunft von Kapitän zeigt, wie ein Wort für einen Rang oder eine Truppe viele Sprachen durchläuft. Das Wiktionary geht einen anderen Weg: Es nennt nur die Entlehnung im 15. Jahrhundert aus ungarisch huszár, übersetzt dieses Wort aber mit Lanzenreiter. Diese Bedeutung weicht vom DWDS ab, das für dieselbe ungarische Form bewaffneter leichter Reiter angibt.

Der Vorbehalt bei der Herkunft liegt an zwei Stellen. Erstens nennen DWDS und Duden unterschiedliche Zwischenstufen zwischen dem Seeräuber-Wort und dem Ungarischen, einmal kroatisch und mittellateinisch cursarius, einmal serbisch und italienisch corsaro. Zweitens nennt das Wiktionary vor dem Ungarischen gar keine Vorstufen und übersetzt huszár anders als das DWDS. Welche Angabe zutrifft, ist offen.

  • ungarisch huszár (DWDS, Duden, Wiktionary)
  • kroatisch husar, gusar (nur DWDS)
  • serbisch husar, gusar (nur Duden)
  • mittellateinisch cursarius (nur DWDS)
  • italienisch corsaro (nur Duden)
  • lateinisch cursus (nur DWDS)

Diese Stufen stammen jeweils aus einer einzelnen der drei genannten Quellen.

Verwandte Wörter und Zusammensetzungen

Husar zählt zu den Wörtern, die in der Übersicht der Lehnwörter im Deutschen stehen und über das Ungarische aus dem Mittelmeerraum kamen. Das Wiktionary nennt dazu eine Reihe von Wortbildungen, die im Deutschen aus Husar entstanden sind, etwa für Kleidungsstücke, militärische Einheiten und übertragene Bedeutungen. Daneben führt es Gegenwörter, also Bezeichnungen für andere Reitertruppen.

  • Husarenmütze (Wiktionary)
  • Husarenregiment (Wiktionary)
  • Husarenritt (Wiktionary)
  • Husarenstreich (Wiktionary)
  • Husarenstück (Wiktionary)
  • Korsar (DWDS, Duden)

Das DWDS stellt eine Verwandtschaft zu Korsar her, also zu dem Wort, das im Deutschen heute für den Seeräuber steht. Diese Verwandtschaft erklärt sich daraus, dass beide Wörter letztlich auf dieselbe mittellateinische Wurzel zurückgehen, die Rede ist in beiden Fällen von einer Herkunft, die mit dem Räuber auf See beginnt. Husar und Korsar laufen damit in der Wortgeschichte an einer frühen Stelle zusammen, bevor sich ihre Bedeutungen in unterschiedliche Richtungen entwickelt haben, der eine zum Reiter an Land, der andere zum Räuber auf dem Wasser. Als Gegenwörter nennt das Wiktionary Dragoner, Karabinier, Kürassier und Ulan, also andere Bezeichnungen für Reitersoldaten mit jeweils eigener Ausrüstung und Rolle. Die Zusammensetzungen mit Husar zeigen, wie das Grundwort im Deutschen weiterlebt und auf unterschiedliche Bereiche ausstrahlt, von der Uniform über die militärische Einheit bis zur übertragenen Redewendung.

Husar im heutigen Sprachgebrauch

Husar ist im heutigen Deutsch ein Substantiv, maskulin, mit dem Genitiv des Husaren und dem Plural die Husaren. Das DWDS und der Duden führen es als Bezeichnung für den Reitersoldaten der leichten Kavallerie. Das DWDS unterscheidet dabei zwei zeitliche Stufen der Bedeutung: im 15. Jahrhundert stand das Wort für einen berittenen ungarischen Soldaten, im 16. Jahrhundert für einen Angehörigen einer leichten Reitertruppe allgemein. In der Wortherkunft ist Husar ein Beispiel für ein Wort, das vom Seeräuber zum Reitersoldaten wurde, eine Entwicklung, die sich in der heutigen Bedeutung nicht mehr unmittelbar zeigt.

Der Husar ritt an der Spitze der Kolonne. Die Husaren sammelten sich am Rand des Feldes. Mit seinem Einfall gelang ihm ein regelrechtes Husarenstück.

Das Wort Husarenstück trägt dabei eine eigenständige, bildhafte Bedeutung, die über den einzelnen Soldaten hinausgeht. Die Entwicklung vom Räuber zum Reiter, die DWDS und Duden für die Herkunft beschreiben, spiegelt sich im heutigen Wort nicht mehr direkt, lebt aber in der Vielfalt der Zusammensetzungen weiter, die sich um Husar gebildet haben. So bleibt Husar im Deutschen fest mit dem Bild des berittenen Soldaten verbunden, während die ursprüngliche Bedeutung des Seeräubers nur über die Herkunft des Wortes sichtbar wird.

Husar: Herkunft und Wortgeschichte: Prüfliste mit vier Punkten

Was an der Herkunft offen bleibt

Ein kurzer Merksatz fasst den gesicherten Teil der Herkunft zusammen: von lateinisch cursus über mittellateinisch cursarius und ungarisch huszár zu Husar, im 15. Jahrhundert ins Deutsche entlehnt. Einige Punkte an dieser Kette bleiben offen.

  • Ob der Weg über kroatisch oder serbisch und über mittellateinisch cursarius oder italienisch corsaro lief, ist nicht geklärt, da DWDS und Duden hier unterschiedliche Zwischenstufen nennen.
  • Ob das Wiktionary mit der Übersetzung Lanzenreiter einen eigenen Sinn trifft, der neben bewaffneter leichter Reiter steht, ist nicht geklärt.
  • Wann genau das Wort im Deutschen zuerst auftrat, ist nur als 15. Jahrhundert angegeben, ein genauerer Zeitpunkt ist nicht bekannt.
  • Wie aus dem Wort für den Seeräuber im Ungarischen der Reitersoldat wurde, bleibt im Einzelnen unklar, auch wenn der berittene Räuber als Zwischenschritt genannt wird.

Diese offenen Punkte betreffen vor allem die genaue Abfolge der Zwischenstufen und die Zeitpunkte der einzelnen Entlehnungen. Die Herleitung stimmt im Kern überein, weicht aber in den Zwischenstufen ab: Die grobe Linie vom Seeräuber über den berittenen Räuber zum Reitersoldaten ist erkennbar, die einzelnen Stationen werden je nach Nachschlagewerk unterschiedlich benannt.

Quellen und Stand

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Häufige Fragen zur Herkunft von Husar

Was bedeutet das ungarische Wort huszár ursprünglich?

Das DWDS übersetzt huszár mit bewaffneter leichter Reiter und nennt als frühere Bedeutung In-Diensten-Stehender oder berittener Räuber. Das Wiktionary übersetzt dieselbe ungarische Form dagegen mit Lanzenreiter. Beide Angaben stehen hier nebeneinander, ohne dass eine von ihnen als die richtige dargestellt wird.

Woher stammt das Wort Korsar im Vergleich zu Husar?

Das DWDS stellt eine Verwandtschaft zwischen Husar und Korsar her, da beide Wörter auf die mittellateinische Form cursarius zurückgehen. Während sich Korsar im Deutschen als Bezeichnung für den Seeräuber hielt, entwickelte sich aus derselben Wurzel über das Ungarische die Bedeutung des Reitersoldaten.

Welche zeitliche Einordnung geben die Quellen für Husar?

Das DWDS nennt für den berittenen ungarischen Soldaten das 15. Jahrhundert und für die leichte Reitertruppe das 16. Jahrhundert. Das Wiktionary nennt für die Entlehnung aus ungarisch huszár ebenfalls das 15. Jahrhundert. Für die früheren Sprachstufen wie lateinisch, mittellateinisch oder kroatisch gibt es keine Zeitangabe.

Nennt der Duden dieselbe Zwischenstufe wie das DWDS?

Nein. Der Duden nennt als Zwischenstufe älter serbisch husar, gusar und dahinter italienisch corsaro, während das DWDS kroatisch husar, gusar und mittellateinisch cursarius angibt. Beide Angaben stammen aus unterschiedlichen Nachschlagewerken und werden hier nicht zu einer gemeinsamen Herleitung zusammengeführt.

Welche Wortbildungen mit Husar führt das Wiktionary auf?

Das Wiktionary nennt unter anderem Husarenmütze, Husarenregiment, Husarenritt, Husarenstreich, Husarenstück und Husarenuniform. Dazu führt es die Gegenwörter Dragoner, Karabinier, Kürassier und Ulan als andere Bezeichnungen für Reitersoldaten.

Welche grammatischen Angaben macht der Duden zu Husar?

Der Duden führt Husar als Substantiv, maskulin, mit dem Genitiv des Husaren und dem Plural die Husaren. Als Bedeutung nennt er den Reitersoldaten der leichten Kavallerie.

Stimmen DWDS, Duden und Wiktionary bei der Herkunft überein?

Alle drei nennen ungarisch huszár als unmittelbare Vorstufe des deutschen Husar. Bei den Stufen davor weichen sie ab: DWDS und Duden nennen unterschiedliche slawische und romanische Zwischenformen, das Wiktionary nennt vor dem Ungarischen keine weiteren Vorstufen.

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