Woher stammt das Wort Granate?
Granate: Herkunft und Wortgeschichte im Überblick
Granate ist eines der Wörter, bei denen eine Frucht zum Namen für ein Sprenggeschoss wurde. Von lateinisch granatum über italienisch granata kam das Wort um 1600 ins Deutsche und verlor dabei seinen Bezug zur Frucht.
Woher kommt das Wort Granate?
Granate geht auf italienisch granata zurück, das eigentlich Granatapfel bedeutet. Das Geschoss wurde nach Form und Füllung der Frucht benannt. Das DWDS nennt nach Pfeifer die Entlehnung um 1600 aus italienisch granata, einem Kollektivplural zu lateinisch granatum, und beschreibt die Übertragung nach der äußeren Form und dem Bau der Frucht. Der Duden nennt für die Bedeutung Sprenggeschoss italienisch granata und ordnet dem Wort den Hinweis zu, dass es ursprünglich ein von Grenadieren geschleudertes Wurfgeschoss mit Pulverkörnern war, eigentlich Granatapfel. Das Wiktionary nennt die Entlehnung aus dem Italienischen.
Der Kern der Geschichte lässt sich einfach erzählen. Am Anfang steht die Frucht mit ihren vielen Kernen im Inneren. Diese Form, dicht gefüllt und von einer festen Schale umschlossen, wurde zum Bild für ein Geschoss, das innen mit einer Ladung gefüllt ist und beim Platzen seine Wirkung entfaltet. Wie viele Fremdwörter aus dem Lateinischen geht auch Granate auf eine alte Pflanzenbezeichnung zurück, hier granatum. Aus diesem lateinischen Wort für den Granatapfel entwickelte sich über das Italienische ein Name, der dann im Deutschen für ein ganz anderes Objekt verwendet wurde, nämlich für das Sprenggeschoss. Die Ähnlichkeit zwischen Frucht und Geschoss lag demnach nicht im Zweck, sondern im Aussehen und im inneren Aufbau. So wurde ein Wort aus dem Bereich der Pflanzen zu einem Begriff aus dem Bereich der Waffen, ohne dass sich die Lautform dabei grundlegend änderte. Granate blieb klanglich nah an granata, veränderte aber vollständig seine Bedeutung und seinen Gebrauch im Alltag der Sprache.

Die Stationen von granatum zu Granate
Der Weg des Wortes lässt sich in mehreren Schritten nachzeichnen, von der lateinischen Pflanzenbezeichnung bis zur deutschen Form. Wie bei der Herkunft von Tornado lässt sich auch bei Granate ein Weg über das Italienische beschreiben, der zeigt, wie ein Wort aus einer romanischen Sprache ins Deutsche übernommen wurde.
| Stufe | Form | Sprache | Zeit |
|---|---|---|---|
| 1 | granatum | lateinisch | ohne Datierung |
| 2 | granata | lateinisch (Kollektivplural) | ohne Datierung |
| 3 | granata | italienisch | ohne Datierung |
| 4 | Granate | deutsch | um 1600, so DWDS |
| 5 | Handgranate | deutsch | 17. Jahrhundert, so DWDS |
Die Frucht mit ihren vielen Kernen wurde zum Bild für das Geschoss mit seinen vielen Sprengstücken. Das DWDS stellt diese Benennung als Übertragung nach der äußeren Form und dem Bau der Frucht dar, also nicht als zufällige Namensgleichheit, sondern als bewusste Anlehnung an das Aussehen des Granatapfels. Der Duden ergänzt dazu einen eigenen Hinweis: Dort wird die Granate als ursprünglich von Grenadieren geschleudertes Wurfgeschoss mit Pulverkörnern beschrieben, eigentlich Granatapfel. Dieser Hinweis auf die Grenadiere steht nur beim Duden und wird hier als dessen Angabe wiedergegeben, nicht als zusätzliche eigene Deutung. Die Pulverkörner im Inneren des Geschosses entsprechen dabei den Kernen im Inneren der Frucht, was die Namensübertragung nachvollziehbar macht. So verbindet der Weg ins Deutsche eine botanische Herkunft mit einer militärischen Verwendung, die sich erst später, um 1600, im deutschen Wortschatz festsetzte.
Was die Quellen sicher sagen und wo sie vorsichtig bleiben
Die Herleitung aus dem Granatapfel nennen das DWDS, der Duden und das Wiktionary, wenn auch mit unterschiedlicher Betonung. Das DWDS beschreibt die Entlehnung aus italienisch granata und stellt die Übertragung als eine nach der äußeren Form und dem Bau der Frucht dar. Der Duden nennt dieselbe italienische Form granata und verbindet sie mit den Grenadieren und den Pulverkörnern. Das Wiktionary nennt die Entlehnung aus dem Italienischen ebenfalls, kennzeichnet die Benennung nach dem Apfel aber als vermutlich, weil das Geschoss wie die Frucht mit Pulver statt mit Körnern gefüllt ist. Auch die Herkunft von Kapitän zeigt, wie Wörter des Krieges über das Italienische ins Deutsche kamen, und wie bei Granate bleibt dabei nicht jede Einzelheit der Benennung restlos geklärt. Neben der Hauptbedeutung als Sprenggeschoss nennt das Wiktionary noch eine Bedeutung aus der Heraldik und eine umgangssprachliche für eine beeindruckend schöne Frau.
Die Erklärung der Benennung ist nicht bei allen drei Quellen gleich fest formuliert: beim Wiktionary bleibt sie eine Vermutung, beim DWDS eine Übertragung nach Form und Bau, beim Duden eine Verbindung zu den Grenadieren.
- lateinisch granatum (DWDS)
- lateinisch granata (DWDS)
- italienisch granata (DWDS, Duden, Wiktionary)
- Granatapfel (DWDS, Duden)
- Grenadiere (nur Duden)
- Pulverkörner (nur Duden)
Der Granatapfel ist in allen drei Erklärungen der Ausgangspunkt der Namensgebung. Die Frucht mit ihren Kernen bildete das sprachliche Bild, das auf das Geschoss mit seiner Ladung übertragen wurde. Dass diese Übertragung entweder durch das Aussehen allein, durch die Pulverfüllung oder durch den Gebrauch durch Grenadiere erfolgte, ist zwischen den Quellen nicht einheitlich beschrieben.
Verwandte Wörter und weitere Bedeutungen
Aus Granate sind weitere Wörter und Bedeutungen hervorgegangen. Das DWDS führt Handgranate als Bildung aus dem 17. Jahrhundert an, also als jüngere Form, die auf der bereits eingedeutschten Granate aufbaut. Das Wiktionary nennt zusätzlich zwei Nebenbedeutungen: eine Verwendung in der Heraldik und eine umgangssprachliche Verwendung für eine beeindruckend schöne Frau. Granate zählt zu den Wörtern, die in der Übersicht der Lehnwörter im Deutschen stehen und durch Übertragung vom Aussehen einer Frucht entstanden, was die Verbindung zwischen Botanik, Militär und Alltagssprache in einem einzigen Wortstamm zeigt.
- Handgranate (DWDS)
- Granatapfel (DWDS, Duden)
- Grenadier (Duden, in der Erklärung)
- Heraldik-Bedeutung (Wiktionary)
- umgangssprachliche Bedeutung für eine schöne Frau (Wiktionary)
Ein einziges Ausgangswort hat so mehrere Bedeutungsstränge hervorgebracht. Die militärische Bedeutung des Sprenggeschosses und die Nebenbedeutungen aus Heraldik und Alltagssprache bestehen eigenständig nebeneinander. Der Grenadier, bei dem der Duden die Herkunft mit dem Wurfgeschoss verknüpft, gehört ebenfalls in dieses Umfeld. Das Nebeneinander von Frucht, Waffe und Mensch zeigt, wie ein Bild über Jahrhunderte in verschiedene Richtungen wirken kann.
Granate im heutigen Sprachgebrauch
Granate ist im Deutschen ein Substantiv und wird feminin verwendet, also die Granate. Die Grundbedeutung, die sowohl das DWDS als auch der Duden nennen, ist die eines Sprenggeschosses. In der Wortherkunft ist Granate ein Beispiel dafür, wie ein Bild aus der Natur zum Kriegsgerät wird, denn aus der Frucht mit vielen Kernen wurde sprachlich das Geschoss mit seiner Ladung.
Im Satz lässt sich das Wort auf verschiedene Weise einsetzen. Ein Beispiel für das Geschoss selbst: Die Granate blieb im feuchten Boden stecken, ohne zu explodieren. Ein Beispiel für die Mehrzahl: Die Soldaten zählten die Granaten, die während der Übung abgefeuert worden waren. Ein Beispiel für die zusammengesetzte Form: Er trug die Handgranate am Gürtel, bevor er sie in der Übung einsetzte.
Die Bedeutungsentwicklung vom Granatapfel zum Sprenggeschoss bleibt im heutigen Gebrauch unsichtbar. Die Verbindung zur Frucht lebt nur noch in der Herkunft des Wortes selbst weiter, nicht in der alltäglichen Verwendung. Dass ein Wort aus dem Pflanzenreich auf diese Weise zu einem militärischen Fachbegriff wurde, zeigt, wie stark sich Wortbedeutungen im Lauf der Zeit von ihrem Ursprung entfernen können, während die Lautform weitgehend erhalten bleibt.

Was an der Herkunft offenbleibt
Nicht jede Einzelheit der Wortgeschichte von Granate ist gleich fest belegt. Einige Punkte bleiben unsicher oder stehen nur bei einer der Quellen.
- Ob die Benennung wirklich wegen der Pulverfüllung entstand, ist beim Wiktionary nur vermutlich.
- Ob die Grenadiere den Namen prägten, nennt nur der Duden.
- Wann genau die Handgranate dazukam, steht beim DWDS nur als 17. Jahrhundert.
- Die Wege zwischen den Bedeutungen Frucht, Geschoss und Heraldik sind nicht im Einzelnen geklärt.
Als Merksatz lässt sich der Weg des Wortes so zusammenfassen: von lateinisch granatum über italienisch granata zu Granate, um 1600 entlehnt. Die Frucht steht am Anfang, das Geschoss am vorläufigen Ende dieser Entwicklung, und beide Bedeutungen bestehen im heutigen Sprachgebrauch nebeneinander, auch wenn die Frucht sprachlich kaum noch sichtbar ist.
Quellen und Stand
- DWDS: Granate, Etymologie nach Pfeifer: www.dwds.de (geprüft am 2026-10-09)
- Duden: Granate, Herkunft, Grammatik: www.duden.de (geprüft am 2026-10-09)
- Wiktionary: Granate, Herkunft: de.wiktionary.org (geprüft am 2026-10-09)