Woher das Wort Flitterwochen wirklich stammt
Flitterwochen: Herkunft und Wortgeschichte im Überblick
Flitterwochen steht seit dem 16. Jahrhundert für die ersten Wochen nach der Hochzeit. Das Verb flittern im Sinn von kosen liegt dem Wort zugrunde, und DWDS, Duden und Wiktionary verfolgen die Sprachstufen bis ins Althochdeutsche.
Woher kommt das Wort Flitterwochen?
Flitterwochen ist seit dem 16. Jahrhundert belegt und gehört zu flittern im Sinn von kosen, bedeutet also eigentlich Kosewochen. Das Wort bezeichnet die ersten Wochen nach der Hochzeit und trägt eine alte Vorstellung von Zärtlichkeit und Nähe in sich. Das DWDS nennt in seiner Etymologie nach Pfeifer genau diese Zeitspanne, die ersten Wochen nach der Hochzeit im 16. Jahrhundert, und stellt das Wort zu flittern im Sinn von kosen. Der Duden geht bei der Herleitung einen eigenen, aber inhaltlich verwandten Weg und nennt das mittelhochdeutsche vlittern, das für flüstern, kichern und liebkosen steht. Der Duden bezeichnet diese Wortbildung ausdrücklich als lautmalend, und beide Quellen kommen am Ende auf dieselbe Deutung: eigentlich Kosewochen. Für die heutige Bedeutung reicht das bereits aus: Flitterwochen meint die erste Zeit nach der Eheschließung, in der ein Paar frisch verheiratet ist. Wie die Herkunft von Mahlzeit zeigt, trägt auch Flitterwochen einen Zeitbegriff im Wort, hier die Wochen, die direkt nach einem bestimmten Ereignis liegen. Diese Bauweise aus einer Empfindung und einer Zeitangabe ist kein Zufall, sondern Teil eines alten Musters der deutschen Wortbildung, das beide Quellen für dieses Wort bestätigen. Damit gehört Flitterwochen zu flittern im Sinn von kosen, und beide Nachschlagewerke kommen auf dieselbe Grundbedeutung, auch wenn sie die Zwischenstufen unterschiedlich benennen.

Welche Stufen führen zum Wort Flitterwochen?
Der Weg des Wortes Flitterwochen ins heutige Deutsch lässt sich über mehrere Sprachstufen nachzeichnen, die das DWDS in seinem Eintrag zu flittern auflistet. Jede Stufe trägt eine eigene Bedeutung, die sich von schmeicheln über kichern bis zu kosen und schließlich zu glitzern entwickelt. Die Lautformen reichen vom althochdeutschen flitarazzen bis zum frühneuhochdeutschen vlittern, jeweils mit eigener Zeitstufe.
| Stufe | Form | Sprache | Zeit |
|---|---|---|---|
| 1 | flitarazzen (mit Worten schmeicheln, liebkosen) | Althochdeutsch | 11. Jahrhundert |
| 2 | flettern, gevlitter (leise lachen, kichern, Gekicher) | Mittelhochdeutsch | ohne Datierung |
| 3 | vlittern (flattern, flüstern, kichern, dann kosen, schmeicheln) | Frühneuhochdeutsch | 16. Jahrhundert |
| 4 | Flitterwochen (die ersten Wochen nach der Hochzeit) | Neuhochdeutsch | 16. Jahrhundert |
| 5 | Flitter (kleine glitzernde Blechmünze, später auch glitzern) | Neuhochdeutsch | 16. Jahrhundert, Bedeutung glitzern 18. Jahrhundert |
Das DWDS verbindet flittern an mehreren Stellen mit unsteter Bewegung und stellt es wohl ablautend zu flattern, während Flitterwochen nach Pfeifer eigenständig zu flittern im Sinn von kosen gehört. Die beiden Bedeutungsstränge, einerseits die unstete Bewegung, andererseits das Kosen, laufen im DWDS also nebeneinander her, ohne dass die Quelle sie gegeneinander ausspielt. Das Wiktionary ergänzt dazu eine formale Einordnung: Flitterwochen ist dort ein Determinativkompositum aus dem Stamm des Verbs flittern im Sinn von kosen und dem Substantiv Wochen, belegt seit dem 16. Jahrhundert. Wie bei der Herkunft von Weihnachten ist auch hier eine Zeit nach einem Anlass benannt, bei Flitterwochen die Zeit nach der Hochzeit. Der Weg ins heutige Deutsch zeigt damit eine Kette von Lautformen, die sich über Jahrhunderte wandelten, während der Kern der Bedeutung, nämlich Zuwendung und Nähe, über alle Stufen hinweg erhalten blieb.
Was ist belegt und was nur wahrscheinlich?
Bei der Herkunft von Flitterwochen unterscheiden die Quellen zwischen dem, was sie als gesichert darstellen, und dem, was sie nur als Vermutung kennzeichnen. DWDS, Duden und Wiktionary verbinden Flitterwochen mit flittern im Sinn von kosen. Der Duden nennt diese Verbindung lautmalend, eine Einordnung, die sich auf den Klang des Verbs bezieht. Das DWDS dagegen setzt bei der Verwandtschaft zu flattern einen Vorbehalt und stellt flittern nur wohl ablautend zu flattern, formuliert also vorsichtiger als beim Zusammenhang mit kosen. Bei der Verbindung mit kosen bleibt kein Vorbehalt stehen, beim Ablaut zu flattern dagegen schon, markiert durch das Wort wohl. Ein weiteres Beispiel dafür ist Flittchen: Das DWDS datiert das Wort auf das 18. Jahrhundert und nennt es wohl hierher gehörig, ordnet es also nur mit Einschränkung der Wortfamilie von flittern zu, ohne das als gesicherten Befund auszugeben. Das Wiktionary nennt Flitterwochen ein Determinativkompositum, das heißt eines der Komposita, bei denen der erste Teil den zweiten näher bestimmt, hier also flittern die Wochen. Diese Einordnung betrifft die Wortbildung und nicht die Bedeutungsgeschichte, sie steht aber im gleichen Eintrag wie die Datierung auf das 16. Jahrhundert. Die folgende Liste nennt die Verbindung mit kosen, den Vorbehalt beim Ablaut zu flattern und den lautmalenden Ursprung.
- Verbindung mit kosen: so genannt von DWDS, Duden und Wiktionary gleichermaßen
- Ablaut zu flattern: nur wohl, laut DWDS, also als Vermutung formuliert
- Lautmalender Ursprung: diese Einordnung nennt der Duden ausdrücklich
- Zugehörigkeit von Flittchen: ebenfalls nur wohl, laut DWDS
Die Herkunft von Flitterwochen ist damit teils gesichert, nämlich die Verbindung zu kosen, die alle drei Quellen tragen, und teils nur als Vermutung belegt, wie die Randbemerkungen mit wohl zu flattern und zu Flittchen zeigen.
Welche verwandten Wörter gibt es?
Rund um Flitterwochen führt das DWDS mehrere verwandte Wörter, die alle auf das Verb flittern zurückgehen. Dazu zählen flittern selbst, das Substantiv Flitter sowie, mit dem erwähnten Vorbehalt wohl, Flittchen. Außerdem nennt das DWDS die Wortbildung Flitterwöchner, die auch im Wiktionary als Flitterwöchner und Flitterwöchnerin auftaucht, also in einer männlichen und einer weiblichen Form. Als Vergleichsformen aus einer anderen Sprache nennt das DWDS zudem englisch to flitter für flattern und flittermouse für Fledermaus, beides Wörter, die denselben Bewegungsbegriff tragen wie das deutsche flittern. Diese Formen stehen im DWDS als Vergleich, nicht als direkte Übersetzung von Flitterwochen. Für die ersten Wochen nach der Hochzeit lassen sich Synonyme kostenlos finden wie Honeymoon und Honigmond, beide genannt von Duden und Wiktionary, dazu kommt Hochzeitsreise, ebenfalls bei Duden und Wiktionary belegt. Tändelwochen führt dagegen allein das Wiktionary als weiteres Synonym. Das Wiktionary führt zusätzlich eine zweite Bedeutung: Analog zu Urlaub kann das Wort auch für die Reise selbst stehen, eine Erweiterung, die ausschließlich in dieser Quelle so benannt ist. Die folgende Liste stellt die wichtigsten verwandten und synonymen Wörter zusammen.
- flittern, Flitter, Flittchen (DWDS)
- Flitterwöchner, Flitterwöchnerin (DWDS, Wiktionary)
- Honeymoon, Honigmond (Duden, Wiktionary)
- Hochzeitsreise (Duden, Wiktionary), Tändelwochen (Wiktionary)
Diese Übersicht zeigt, wie eng das Wortfeld um Flitterwochen mit dem Ausgangsverb flittern verknüpft bleibt, von der direkten Ableitung Flitter über die Personenbezeichnung Flitterwöchner bis zu den Synonymen, die dieselbe Lebensphase auf andere Weise benennen.
Wie wird das Wort heute verwendet?
Flitterwochen ist ein Substantiv, das nur im Plural vorkommt, so führt es der Duden als reines Pluralwort. Im eWDG von 1967 wird die Bedeutung scherzhaft als die ersten Wochen der Ehe umschrieben, ein Hinweis darauf, dass dem Wort schon damals ein heiterer Unterton zugeschrieben wurde. Als Beispiel nennt der Duden sinngemäß die Wendung, die Flitterwochen in Italien zu verbringen, das Wiktionary führt dazu die charakteristische Wortkombination in die Flitterwochen fahren. Im heutigen Sprachgebrauch lässt sich das Wort in ganz unterschiedlichen Sätzen unterbringen, etwa so: Nach der Hochzeitsfeier packten sie die Koffer für die Flitterwochen. Die Flitterwochen führten das Paar an die Küste. Für die Flitterwochen hatten sie sich ein kleines Haus am See gemietet. Alle drei Sätze setzen das Wort im Plural ein, so wie es als reines Pluralwort gebraucht wird. Laut Wiktionary meint Flitterwochen auch die Reise selbst, als Ergänzung zur ersten Bedeutung, dem Zeitraum nach der Hochzeit. Im Satzbau verhält sich das Wort wie jedes andere Pluralwort: Es verlangt den Plural bei Artikel und Verb, eine Singularform im strengen Sinn gibt es nach dieser Quellenlage nicht.

Was bleibt offen?
Die Geschichte von Flitterwochen ist an mehreren Stellen nicht geklärt.
- Seit wann die Hochzeitsreise zu den Flitterwochen gehört, sagen die Quellen nicht
- Wie der Ausdruck genau für die Dauer von mehreren Wochen entstand, steht nicht in den Quellen
- Die Zugehörigkeit von Flittchen zur selben Wortfamilie ist nur wohl, nach Pfeifer, angegeben
Die Herkunft einzelner Verwandter wie Flittchen ist nicht endgültig geklärt, und zur Dauer der Flitterwochen gibt es keine Angabe. Am Ende lässt sich die Herkunft des Wortes in einem Satz zusammenfassen: Flitterwochen gehört zu flittern im Sinn von kosen, seit dem 16. Jahrhundert belegt, eigentlich Kosewochen.
Quellen und Stand
- DWDS: Flitterwoche, Etymologie nach Pfeifer, Bedeutung: www.dwds.de (geprüft am 2026-10-02)
- Duden: Flitterwochen, Rechtschreibung, Bedeutung, Herkunft: www.duden.de (geprüft am 2026-10-02)
- Wiktionary: Flitterwochen, Herkunft, Synonyme: de.wiktionary.org (geprüft am 2026-10-02)
Die Einordnung „Woher das Wort Flitterwochen wirklich stammt“ fasst den vollständigen Zusammenhang zusammen.