Woher kommt das Wort Ganove wirklich?

Ganove: Herkunft und Wortgeschichte im Überblick

Lesezeit ca. 7 Min. · zuletzt aktualisiert: 2. Oktober 2026 · Wortherkunft

Ganove klingt deutsch, geht aber über jiddisch ganew auf hebräisch gannav (Dieb) zurück; der Singular ist aus einem jiddischen Plural rückgebildet.

Woher kommt Ganove?

Ganove stammt aus der Gaunersprache und geht über jiddisch ganew auf hebräisch gannav (Dieb) zurück. Der deutsche Singular Ganove wurde aus einer jiddischen Pluralform rückgebildet, die wie eine deutsche Mehrzahl auf -en aussah. Das DWDS, das sich dabei auf die Arbeit von Wolfgang Pfeifer stützt, nennt als unmittelbare Vorstufe jiddisch ganeff und daneben das hebräische Wort gannav für Dieb. Dort steht auch, dass der Plural ganoven als vermeintlich deutsche Pluralform gelesen wurde und daraus der Singular Ganove entstand. Der Duden gibt für Ganove eine ähnliche Kette an: aus der Gaunersprache, jiddisch ganew, hebräisch gannav. Beide Wörterbücher führen die Herkunft damit über das Jiddische zu einer hebräischen Wurzel, auch wenn sie im Detail unterschiedliche jiddische Schreibweisen nennen. Rotwelsch und Jiddisch bilden dabei den Hintergrund, über den das Wort ins Deutsche gelangt ist. Wie bei der Herkunft von Chuzpe stammt auch Ganove aus dem Jiddischen und damit letztlich aus dem Hebräischen. Im heutigen Sprachgebrauch bezeichnet Ganove laut DWDS und Duden einen Verbrecher, einen Betrüger oder einen Angehörigen der Unterwelt, mit einem abwertenden, umgangssprachlichen Klang. Die Grundbedeutung Dieb beziehungsweise Betrüger zieht sich dabei laut DWDS und Duden durch die gesamte Wortgeschichte.

Ganove zählt damit zu den Wörtern, die sich beim Thema Lehnwörter im Deutschen einordnen lassen, denn hier blieb eine ursprünglich jiddische Pluralendung im heutigen deutschen Singular erhalten. Diese Verbindung aus Gaunersprache, Jiddisch und Hebräisch zeigt, wie eng die Wortgeschichte von Ganove mit mehreren Sprachen verknüpft ist; die Kette Hebräisch, Jiddisch, Gaunersprache verläuft dabei bei DWDS und Duden gleich. Die Grundbedeutung Dieb beziehungsweise Betrüger bleibt dabei laut DWDS und Duden über die gesamte Wortgeschichte hinweg erkennbar.

Ganove: Herkunft und Wortgeschichte: der Ablauf in drei Schritten

Welche Stufen führen zu Ganove?

Der Weg von Ganove ins Deutsche lässt sich in mehreren Stufen nachzeichnen, die von den Quellen unterschiedlich genau datiert werden. Am Anfang steht laut DWDS und Duden das hebräische Wort gannav für Dieb, zu dem die Wörterbücher keine Datierung angeben. Aus dem hebräischen Plural gannavim für Diebe entwickelte sich im Jiddischen die Form ganovem beziehungsweise ganoven, ebenfalls ohne genaue Zeitangabe. Im Rotwelschen ist daneben die Form genf(f)en für stehlen oder mausen schon im 16. Jahrhundert bezeugt, und die Form ganeff für Dieb, Spitzbube oder Betrüger ist dort seit dem 17. Jahrhundert nachweisbar. Aus dieser Kette entstand schließlich der deutsche Singular Ganove.

Tabelle: Stufe, Form, Sprache, Zeit
StufeFormSpracheZeit
1gannav (Dieb)Hebräischohne Datierung
2gannavim (Plural, Diebe)Hebräischohne Datierung
3genf(f)en (stehlen, mausen)Rotwelsch16. Jahrhundert
4ganeff (Dieb, Spitzbube, Betrüger)Jiddisch, im Rotwelschenseit dem 17. Jahrhundert bezeugt
5ganovem, ganoven (Plural)Jiddischohne Datierung
6Ganove (rückgebildeter Singular)Deutschim 19. Jahrhundert in die Allgemeinsprache aufgenommen

Wie das DWDS erklärt, wurde die jiddische Pluralform ganoven im Deutschen als vermeintlich deutsche Pluralform auf -en missverstanden. Weil die Endung -en im Deutschen Pluralformen kennzeichnet, entstand daraus ein neuer, vermeintlich passender Singular: Ganove. Dieser so entstandene Singular wurde laut DWDS im 19. Jahrhundert in die Allgemeinsprache aufgenommen. Das Wiktionary ergänzt eine eigene Angabe: Danach ist Ganove seit dem 20. Jahrhundert bezeugt und stellt eine Rückbildung aus dem Plural des unter Ganeff behandelten rotwelschen Wortes dar, das auf die westjiddische Pluralform ganovim für Diebe zurückgeht. Diese Zusatzangabe betrifft die Bezeugung des Wortes und nicht zwingend denselben Zeitpunkt wie die vom DWDS genannte Aufnahme in die Allgemeinsprache. Wie bei der Herkunft von Zores kommt auch bei Ganove die Form aus dem Jiddischen, hier mit dem hebräischen Wort für den Dieb als Ausgangspunkt. Beide Wege, über das Rotwelsche und über das allgemeine Jiddische, laufen damit letztlich auf dieselbe hebräische Wurzel zu.

Was ist gesichert, was nicht?

Die drei genutzten Quellen, DWDS, Duden und Wiktionary, stimmen in einem zentralen Punkt überein: Sie führen Ganove über eine Kette von Hebräisch über Jiddisch zu Rotwelsch beziehungsweise Gaunersprache und schließlich ins Deutsche. DWDS und Wiktionary gehen einen Schritt weiter und beschreiben zusätzlich, wie der deutsche Singular Ganove aus einem jiddischen Plural rückgebildet wurde. Der Duden nennt diese Rückbildung nicht, sondern beschränkt sich auf die knappere Angabe, Ganove stamme aus der Gaunersprache, jiddisch ganew, hebräisch gannav. Die Herkunft von Ganove ist damit über alle drei Quellen hinweg einheitlich, nur die Zahl der genannten Zwischenschritte unterscheidet sich.

Ein Punkt verlangt genaues Lesen: Das DWDS nennt die Aufnahme des Singulars Ganove in die Allgemeinsprache im 19. Jahrhundert, während das Wiktionary das Wort nur seit dem 20. Jahrhundert bezeugt sieht. Diese beiden Angaben beziehen sich nicht zwingend auf denselben Vorgang und sollten nicht zu einer einzigen Jahreszahl verschmolzen werden. Bei Ganove sind damit folgende Punkte belegt:

  • gannav, Dieb (DWDS, Duden, Wiktionary)
  • Rückbildung des Singulars Ganove aus einem Plural (DWDS, Wiktionary)
  • Bedeutung eines gerissenen, als vornehm getarnten Gauners (DWDS)

Ganove ist ein Beispiel dafür, dass eine fremde Pluralendung zum Teil eines deutschen Singulars wurde. Im DWDS stehen die jiddische Pluralform ganoven und der rückgebildete Singular Ganove unmittelbar nebeneinander. Ganove bezeichnet dem DWDS zufolge auch einen gerissenen, als vornehm getarnten Gauner. Der Vergleich der drei Quellen macht insgesamt deutlich, dass die Grundrichtung der Herkunft gesichert ist, während einzelne Datierungen und die Frage der Rückbildung je nach Quelle unterschiedlich ausführlich behandelt werden. Diese Übereinstimmung gilt für den gesamten Herkunftsweg von Ganove, vom Hebräischen bis zum heutigen Gebrauch.

Welche verwandten Wörter gibt es?

Neben Ganove selbst nennen die Quellen eine Reihe verwandter Formen. Laut Wiktionary existiert mit Ganeff eine ältere, rotwelsche Form, die zugleich als Synonym für Österreich genannt wird. Als weibliche Form von Ganove führt das Wiktionary Ganovin an. Ganove ist ein maskulines Substantiv, das im Genitiv und im Plural die Form Ganoven hat. Dazu kommen mehrere Zusammensetzungen mit Ganove als Bestandteil: Ganovenbande, Ganovenehre, Ganovensprache, Ganovenstück und Ganoventrick werden von DWDS und Wiktionary genannt.

Auch im Bedeutungsfeld steht Ganove nicht allein. Als Synonyme und sinnverwandte Wörter führen DWDS und Wiktionary unter anderem folgende Begriffe:

  • Gauner (DWDS, Wiktionary)
  • Dieb (DWDS, Wiktionary)
  • Halunke (Wiktionary)
  • Spitzbube (DWDS, Wiktionary)
  • Betrüger (DWDS, Wiktionary)
  • Verbrecher (DWDS, Wiktionary)

Als Gegenwörter nennt das Wiktionary Ehrenmann und Wohltäter, also Begriffe, die das Gegenteil der mit Ganove verbundenen Unehrlichkeit ausdrücken. Diese Gegenüberstellung zeigt den Gegensatz zwischen den von den Quellen genannten Begriffen. Die genannten Synonyme reichen von der eher neutralen Bezeichnung Dieb bis zur deutlich abwertenden Bezeichnung Halunke. Die Zusammensetzungen mit Ganove als Erstglied, etwa Ganovenehre oder Ganovensprache, übertragen die Grundbedeutung auf ganze Bereiche, etwa auf einen eigenen Ehrenkodex oder eine eigene Sprechweise innerhalb einer solchen Gruppe. Diese Ableitungen zeigen, dass Ganove im Deutschen als eigenständiges Wort mit mehreren Zusammensetzungen verwendet wird, obwohl die Wurzel selbst außerhalb des Deutschen liegt.

Wie wird Ganove heute gebraucht?

Im heutigen Sprachgebrauch wird Ganove laut DWDS und Duden umgangssprachlich oder salopp und abwertend verwendet. Gemeint ist damit ein Verbrecher, ein Betrüger oder ein Angehöriger der Unterwelt. Die Quellen führen dazu sinngemäß Beispiele wie einen Ganoven dingfest machen oder ein ausgemachter Ganove an, und auch die Verwendung als Schimpfwort ist belegt.

Im Alltag bezeichnet Ganove eine Person, der unehrliches oder kriminelles Verhalten vorgeworfen wird, wie folgende Beispiele zeigen: Der Anwalt nannte seinen Mandanten vor Gericht einen Ganoven. In dem Film wird der Hauptdarsteller zunächst als harmloser Geschäftsmann vorgestellt, entpuppt sich aber als Ganove. Die Nachbarn nannten den Mann, der mit falschen Versprechen Geld einsammelte, hinter seinem Rücken einen Ganoven. In allen drei Fällen bezeichnet Ganove eine Person, der unehrliches oder kriminelles Verhalten vorgeworfen wird.

Der Duden nennt Ganove ausdrücklich auch als Wort, das als Schimpfwort gebraucht werden kann, während das DWDS die Färbung des Wortes als salopp und abwertend beschreibt. Beide Angaben passen zusammen: Ganove ist kein neutraler Fachbegriff, sondern ein Wort mit einer deutlich negativen, umgangssprachlichen Note. Ganove klingt im Alltag völlig deutsch, trägt aber eine jiddische und hebräische Wurzel, wie sie die Fremdwörterliste für viele Wörter zeigt. Wer das Wort verwendet, wählt damit laut Duden und DWDS eine umgangssprachliche, wertende Bezeichnung.

Ganove: Herkunft und Wortgeschichte: Prüfliste mit vier Punkten

Was bleibt bei Ganove offen?

Trotz der übereinstimmenden Grundlinie bleiben bei der Herkunft von Ganove einige Punkte offen, die sich aus den drei genutzten Quellen nicht abschließend klären lassen:

  • Ob die Aufnahme des Singulars in die Allgemeinsprache im 19. Jahrhundert (DWDS) oder die Bezeugung erst seit dem 20. Jahrhundert (Wiktionary) den Zeitpunkt der Wortentstehung besser trifft, lassen die beiden Quellen nebeneinander stehen, ohne dass sich daraus eine einzige gesicherte Jahreszahl ergibt.
  • Der Duden nennt die Rückbildung aus dem jiddischen Plural nicht, sodass offenbleibt, ob diese Erklärung in seiner knapperen Darstellung bewusst ausgelassen wurde.
  • Wie verbreitet das Wort in einzelnen Regionen des deutschen Sprachraums ist, sagt keine der genutzten Quellen.

Die Grundrichtung der Herkunft ist geklärt, der genaue Zeitpunkt der Entstehung bleibt zwischen den Quellen unterschiedlich beschrieben. Als Merksatz lässt sich die Wortgeschichte so zusammenfassen: Aus hebräisch gannav führt der Weg über jiddisch ganew und den Plural ganoven in die Gaunersprache, und aus dieser Pluralform wurde schließlich der deutsche Singular Ganove rückgebildet.

Quellen und Stand

Im Zusammenhang „Woher kommt das Wort Ganove wirklich?“ werden die zentralen Punkte gebündelt.

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Häufige Fragen zur Herkunft von Ganove

Ist Ganove ursprünglich ein deutsches Wort?

Nein. Laut Duden stammt Ganove aus der Gaunersprache, über jiddisch ganew und letztlich aus hebräisch gannav. Erst der Singular selbst wurde im Deutschen aus einer jiddischen Pluralform rückgebildet.

Was bedeutet das hebräische Wort gannav?

DWDS und Duden geben gannav als hebräisches Wort für Dieb an. Es steht am Anfang der Wortkette, die über Jiddisch und Gaunersprache zu Ganove führt.

Warum heißt es Ganove und nicht Ganov?

Laut DWDS entstand der Singular Ganove durch Rückbildung aus der jiddischen Pluralform ganoven, die wie eine deutsche Mehrzahl auf -en aussah und deshalb als Singular neu gedeutet wurde.

Gibt es eine weibliche Form von Ganove?

Ja, das Wiktionary führt Ganovin als weibliche Form von Ganove.

Nennt der Duden Ganove auch als Schimpfwort?

Ja, der Duden führt Ganove mit dem Zusatzbeispiel dieser Ganove ausdrücklich auch als Verwendung in Form eines Schimpfworts an.

Welche Wortart hat Ganove und wie lautet der Plural?

Ganove ist laut DWDS ein maskulines Substantiv mit dem Genitiv Ganoven und dem Plural Ganoven.

Nennen alle drei Quellen dieselbe Datierung?

Nein. Das DWDS nennt die Aufnahme des Singulars in die Allgemeinsprache im 19. Jahrhundert, das Wiktionary dagegen nur eine Bezeugung seit dem 20. Jahrhundert. Der Duden nennt gar keine Jahreszahl.

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