Genitiv: der zweite Fall mit Fragen und Beispielen
Der Wessen-Fall, seine Endungen und die zugehörigen Präpositionen
Der Genitiv ist der zweite der vier deutschen Fälle und wird mit wessen erfragt. Er drückt vor allem Zugehörigkeit aus: das Buch des Studenten. Über kaum einen Fall wird so viel geschrieben, meist mit der Behauptung, er sterbe aus. Das trifft für die gesprochene Sprache teilweise zu, für die Schriftsprache nicht: In wissenschaftlichen Arbeiten, Verträgen und Berichten ist er die Normalform, und der Ersatz durch von wirkt dort umgangssprachlich.
Genitiv: die Definition und die Frage
Der Genitiv heißt auf Deutsch Wessen-Fall oder zweiter Fall. Die Kontrollfrage lautet: Wessen?
Beispiel: Das Buch des Studenten liegt auf dem Tisch. Wessen Buch? Des Studenten. Damit steht des Studenten im Genitiv.
Seine Hauptaufgabe ist das Attribut, also die nähere Bestimmung eines Substantivs. Daneben verlangen einige Verben und viele Präpositionen diesen Fall.
Die Endungen im Detail
Bei maskulinen und neutralen Substantiven tritt im Singular ein s oder es an: des Buches, des Tages, des Autos, des Vaters.
Die längere Form auf -es steht nach s, ß, x, z und nach mehreren Konsonanten: des Hauses, des Flusses, des Textes. Sonst ist meist beides möglich, und die kürzere Form überwiegt.
Feminine Substantive bleiben unverändert: der Frau, der Arbeit, der Universität. Nur der Artikel zeigt den Fall an.
Im Plural ändert sich das Substantiv nie: der Bücher, der Studenten, der Häuser. Auch hier trägt der Artikel die ganze Information.

Präpositionen mit dem zweiten Fall
Häufig sind wegen, während, trotz, statt, innerhalb, außerhalb, aufgrund, anhand, mittels, hinsichtlich und bezüglich.
Beispiele: während der Sitzung, trotz des Regens, innerhalb der Frist, aufgrund der Ergebnisse, hinsichtlich der Kosten.
Bei einigen ist umgangssprachlich der Dativ verbreitet: wegen dem Wetter. In geschriebenen Texten gilt der Genitiv als richtig, und in wissenschaftlichen Arbeiten fällt der Dativ auf.
Eine Ausnahme betrifft alleinstehende Substantive ohne Artikel: wegen Umbau, trotz Nebel. Hier ist der Genitiv nicht erkennbar, und die Form ist trotzdem korrekt.
Häufige Fehler und Zweifelsfälle
Wegen dem oder wegen des: In geschriebenen Texten heißt es wegen des Wetters. Der Dativ ist umgangssprachlich und in Wörterbüchern als solcher gekennzeichnet.
Der Apostroph: Bei Namen auf s, ß, x oder z steht ein Apostroph: Andreas' Buch, Marx' Werk. Bei allen anderen Namen steht das s ohne Apostroph: Peters Buch, nicht Peter's Buch.
Zwei Genitive hintereinander: Die Auswertung der Daten der Studie ist grammatisch richtig und schwer lesbar. Besser ist eine Auflösung: die Auswertung der Daten aus der Studie.
Verben mit Genitiv: Einige verlangen ihn weiterhin: gedenken, bedürfen, sich enthalten, sich erfreuen, sich bedienen. Wir gedenken der Opfer ist richtig, wir gedenken den Opfern falsch.
Der Genitiv nach von: Die Konstruktion mit von ist der übliche Ersatz und in gesprochener Sprache die Normalform. In Schriftsprache ist sie zulässig, wo der Genitiv unklar wäre, etwa bei artikellosen Substantiven: die Auswertung von Daten.
Der Fall in festen Wendungen
Eine Reihe fester Wendungen trägt den zweiten Fall, ohne dass eine Präposition im Spiel wäre: eines Tages, meines Erachtens, guten Mutes, schweren Herzens, letzten Endes.
Diese Formen sind Reste eines früheren, weiteren Gebrauchs. Sie lassen sich nicht abwandeln und sind als Ganzes zu lernen, denn ein Satz wie eines Abends folgt keiner Regel, die sich heute noch ableiten ließe.
In der Schriftsprache wirken sie gehoben und passen gut in Berichte und Gutachten. In Gebrauchstexten sollten sie sparsam eingesetzt werden, weil eine Häufung schnell altertümlich klingt.

Der zweite Fall in wissenschaftlichen Arbeiten
In Abschlussarbeiten ist dieser Fall die Normalform für Zugehörigkeit: die Ergebnisse der Studie, der Umfang der Stichprobe, die Struktur des Fragebogens.
Der Ersatz durch von wirkt dort umgangssprachlich und wird in Gutachten regelmäßig angestrichen. Ausgenommen sind Fälle ohne Artikel, in denen der Fall nicht erkennbar wäre.
Ein zweiter Punkt betrifft die Kettenbildung. Drei oder mehr Genitive hintereinander sind grammatisch korrekt und praktisch unlesbar. Wer die Kette an einer Stelle mit einer Präposition auflöst, gewinnt Verständlichkeit ohne Registerverlust.
Fazit: Genitiv auf einen Blick
Der Genitiv ist der zweite Fall und wird mit wessen erfragt. Er drückt Zugehörigkeit aus und steht nach vielen Präpositionen.
Maskuline und neutrale Substantive tragen im Singular ein s oder es, feminine bleiben unverändert. In der Schriftsprache ist er die Normalform, nicht der Ersatz mit von.
Im Zusammenhang „Genitiv: der zweite Fall mit Fragen und Beispielen“ werden die zentralen Punkte gebündelt.
Passend dazu diese Seiten Die vier Fälle, Präpositionen und ihre Fälle und Nominativ.