Nominativ: der erste Fall mit Fragen und Beispielen
Der Wer-Fall als Grundform, seine Rolle im Satz und die Formen
Der Nominativ ist der erste der vier deutschen Fälle. Ein Wort kann im Satz als Subjekt im Nominativ stehen; bei nominalen Prädikativen nach sein, werden und bleiben ist diese Form ebenfalls möglich. Die folgenden Fragen und Beispiele helfen bei der Bestimmung mit wer oder was.
Der Nominativ: Definition sowie zugehörige Frage
Im Deutschen kennt man den Nominativ auch als Wer-Fall oder ersten Fall. Zur Überprüfung dient die Frage: Wer oder was?
Zum Beispiel: Der Student schreibt eine Arbeit. Wer schreibt? Der Student. Damit steht der Student im Nominativ und ist das Subjekt des Satzes.
Jeder vollständige Satz braucht ein Subjekt, und dieses steht immer im Nominativ. Die einzige Ausnahme sind unpersönliche Konstruktionen wie mir ist kalt, in denen das Subjekt fehlt oder nur formal vorhanden ist.

Formen durch Kombination von Artikel und Pronomen
Definiter Artikel: der Student, die Studentin, das Seminar, die Studenten.
Indefiniter Artikel: ein Student, eine Studentin, ein Seminar; im Plural entfällt der Artikel: Studenten.
Personalpronomen: ich, du, er, sie, es, wir, ihr, sie. Alle acht stehen im Nominativ und verändern sich in den übrigen Fällen deutlich.
Das Substantiv kann im Nominativ Singular je nach Wort unterschiedliche Endungen haben. Nur bei schwachen Maskulina ist der Nominativ die einzige Form ohne die Endung (e)n: der Student, aber den Studenten.
Zweite Aufgabe: Das Prädikativ erkennen
Bei Verwendung der Verben sein, werden und bleiben können nominale Ergänzungen im Nominativ stehen. Ein solcher Bestandteil wird als Prädikativ beziehungsweise Gleichsetzungsnominativ bezeichnet.
Beispiel: Er ist ein guter Redner. Sowohl das Subjekt als auch das Prädikativ stehen im Nominativ, weil sie auf dieselbe Person verweisen. Ebenso: Sie wird Ärztin. Das bleibt ein Problem.
Eine häufige Verwechslung betrifft Ergänzungen nach Verben, die sonst den Akkusativ verlangen. Der Satz „Er ist einen guten Redner“ ist jedoch falsch; nach sein steht hier ein nominales Prädikativ im Nominativ.
Häufige Fehler und Zweifelsfälle
Nach sein, werden und bleiben: Ein nominales Prädikativ steht im Nominativ. Es heißt „Er ist ein guter Redner“, nicht „Er ist einen guten Redner“. Auch heißen und scheinen können ein solches Prädikativ haben, etwa: „Er heißt der Alte“.
Wie und als: Der Fall richtet sich nicht allein nach diesen Wörtern, sondern nach der Satzkonstruktion. Bei Rollenangaben mit als übernimmt die Wortgruppe in der Regel den Fall des Bezugsworts: Er arbeitet als Lehrer, aber ich kenne ihn als Lehrer.
Apposition: Ein nachgestellter Zusatz stimmt meist im Fall mit seinem Bezugswort überein. Im Satz „Herr Meier, der Vorsitzende, eröffnet die Sitzung.“ stehen Herr Meier und der Vorsitzende im Nominativ.
Unpersönliche Sätze: In „Mir ist kalt“ steht kein Nominativsubjekt. In „Es regnet“ erfüllt es die Funktion eines formalen Subjekts, verweist aber auf keine bestimmte Sache.
Zeitangaben: Sie stehen im Akkusativ, nicht im Nominativ: Er arbeitete den ganzen Tag. Diese Verwechslung ist selten, aber hartnäckig, weil kein Verb den Fall verlangt.

Der Fall in wissenschaftlichen Arbeiten
In Abschlussarbeiten kann der Gleichsetzungsnominativ in Definitionen auftreten: Validität ist ein Gütekriterium. Beide Nominalgruppen stehen im Nominativ, weil das Verb sein sie gleichsetzt.
Bei langen Definitionen kann diese Übereinstimmung besonders dann schwerer erkennbar sein, wenn zwischen beiden Teilen ein Einschub steht. Wer den Satz auf sein Grundgerüst kürzt, kann prüfen, ob die Fälle passen.
Ein zweiter Prüfpunkt sind Aufzählungen mit als: bezeichnet als, verstanden als, definiert als. Der Fall nach als richtet sich nach dem Bezugswort; bei Passivkonstruktionen ist die Bezugskonstruktion oft nicht auf den ersten Blick erkennbar.
Ein dritter Prüfpunkt betrifft Aufzählungen. Wenn mehrere Substantive nebeneinanderstehen, muss jedes für sich im richtigen Fall stehen. Das gedankliche Zerlegen der Reihe in Einzelsätze kann die Kontrolle erleichtern.
Fazit: Nominativ auf einen Blick
Der Nominativ ist der erste Fall. Er wird meist mit „wer oder was?“ erfragt und kennzeichnet häufig das Subjekt; auch nominale Prädikative können im Nominativ stehen.
Nach sein, werden und bleiben können nominale Ergänzungen im ersten Fall stehen. Der Satz „Er ist ein guter Redner“ ist deshalb richtig, „Er ist einen guten Redner“ falsch.
Die Einordnung „Nominativ: der erste Fall mit Fragen und Beispielen“ fasst den vollständigen Zusammenhang zusammen.
Weitere Informationen zu den restlichen Kasusklassen und Satzkomponenten finden sich unter Die vier Fälle, Dativ oder Akkusativ sowie Satzglieder.
