Prädikativ: Definition, Formen und Beispiele

Die Gleichsetzung nach sein, werden und bleiben mit ihren Regeln

Lesezeit ca. 6 Min. · aktualisiert: 14. Juni 2026 · zurück zum Blog

Ein Prädikativ ist die Ergänzung nach den Verben sein, werden und bleiben: Er ist Lehrer. Sie wird Ärztin. Das bleibt ein Problem. Anders als ein Objekt bezeichnet es keine zweite Größe, sondern dieselbe wie das Subjekt. Genau daraus folgt seine wichtigste Eigenschaft: Es steht im ersten Fall, nicht im vierten. Der Satz er ist einen guten Redner ist deshalb falsch, obwohl die Stelle nach dem Verb sonst den vierten Fall trägt.

Prädikativ: die Definition in einem Satz

Ein Prädikativ ergänzt ein Verb, das allein keine vollständige Aussage bildet. Es sagt aus, was oder wie das Subjekt ist.

Die drei Verben, die es verlangen, heißen Kopulaverben: sein, werden, bleiben. Dazu kommen heißen und scheinen mit derselben Konstruktion.

Zwei Formen sind möglich: ein Substantiv (er ist Lehrer) oder ein Adjektiv (er ist müde). Das Substantiv steht im ersten Fall, das Adjektiv bleibt endungslos.

Prädikativ
Prädikativ im Überblick.

Die zwei Formen im Detail

Substantiv im ersten Fall: Er ist ein guter Redner. Sie wird eine erfahrene Ärztin. Das bleibt ein offenes Problem. Beide Teile bezeichnen dieselbe Person oder Sache.

Adjektiv ohne Endung: Der Text ist lang. Die Frage bleibt offen. Das Adjektiv wird hier nicht gebeugt, weil es nicht vor einem Substantiv steht.

Der Unterschied zur Stellung vor dem Substantiv ist deutlich: der lange Text trägt eine Endung, der Text ist lang nicht. Beide Male ist dasselbe Wort im Spiel, aber in verschiedener Funktion.

Die Fallregel bei wie und als

Nach als und wie steht derselbe Fall wie beim Bezugswort. Er arbeitet als Lehrer steht im ersten Fall, weil er im ersten Fall steht.

Bezieht sich die Angabe auf ein Objekt, steht sie im vierten Fall: Ich kenne ihn als Lehrer. Hier richtet sie sich nach ihn.

Dieselbe Regel gilt in Passivsätzen: Er wurde als Zeuge geladen. Weil er das Subjekt ist, steht auch die Angabe im ersten Fall.

Die Probe ist einfach: Das Bezugswort suchen und dessen Fall übernehmen. Wer stattdessen nach dem Verb geht, wählt regelmäßig falsch.

Häufige Fehler und Zweifelsfälle

Der vierte Fall nach sein: Er ist ein guter Redner ist richtig, er ist einen guten Redner falsch. Der häufigste Fehler bei dieser Konstruktion.

Adjektiv mit Endung: Der Text ist lang, nicht der Text ist langer. Das Prädikativ bleibt endungslos, auch im Plural: Die Texte sind lang.

Wie oder als: Beim Vergleich steht wie bei Gleichheit und als bei Ungleichheit: so lang wie, länger als. Die Form größer wie ist umgangssprachlich.

Prädikativ oder Adverb: In er ist gut sagt das Wort etwas über ihn aus, in er arbeitet gut über die Tätigkeit. Im ersten Fall liegt ein Prädikativ vor, im zweiten eine adverbiale Bestimmung.

Bei bleiben mit Adjektiv: Die Frage bleibt offen ist richtig, die Frage bleibt offene falsch. Auch nach bleiben ist die endungslose Form die einzige.

Prädikativ

Die Ergänzung in wissenschaftlichen Arbeiten

In Definitionen ist diese Konstruktion die Grundform: Validität ist ein Gütekriterium. Beide Seiten stehen im ersten Fall, weil sein sie gleichsetzt.

Bei langen Definitionen geht diese Übereinstimmung leicht verloren, besonders wenn zwischen beiden Teilen ein Einschub steht. Wer den Satz auf sein Grundgerüst kürzt, sieht sofort, ob die Fälle passen.

Ein zweiter Prüfpunkt sind Formulierungen mit gelten als, bezeichnet als und verstanden als. Der Fall nach als richtet sich nach dem Bezugswort, und in Passivsätzen ist das der erste.

Ein dritter Punkt betrifft die Häufung von Definitionssätzen. Fünf Sätze nacheinander mit ist wirken schematisch, und ein Wechsel zu bezeichnet, umfasst oder meint bringt Bewegung, ohne an Genauigkeit zu verlieren.

Ein vierter Prüfpunkt betrifft die Reihenfolge in Definitionen. Der zu definierende Begriff steht vorn, die Erklärung folgt: Reliabilität ist die Zuverlässigkeit einer Messung. Die umgekehrte Reihenfolge wirkt wie eine Umschreibung und nicht wie eine Festlegung.

Fazit: Prädikativ auf einen Blick

Ein Prädikativ ergänzt sein, werden und bleiben und bezeichnet dieselbe Größe wie das Subjekt. Als Substantiv steht es im ersten Fall, als Adjektiv bleibt es endungslos.

Nach wie und als gilt der Fall des Bezugsworts. Der häufigste Fehler ist der vierte Fall nach sein: Er ist ein guter Redner, nicht einen guten Redner.

Im Zusammenhang „Prädikativ: Definition, Formen und Beispiele“ werden die zentralen Punkte gebündelt.

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Häufige Fragen zum Prädikativ

Was ist ein Prädikativ?

Die Ergänzung nach sein, werden und bleiben. Sie bezeichnet dieselbe Größe wie das Subjekt.

In welchem Fall steht das Prädikativ?

Im ersten Fall, nicht im vierten. Er ist ein guter Redner ist richtig, einen guten Redner falsch.

Welche Verben verlangen ein Prädikativ?

Sein, werden und bleiben, dazu heißen und scheinen. Sie heißen Kopulaverben.

Bekommt das Adjektiv eine Endung?

Nein. Der Text ist lang, auch im Plural: Die Texte sind lang.

Welchen Fall verlangt als?

Denselben wie das Bezugswort. Er arbeitet als Lehrer steht im ersten Fall, ich kenne ihn als Lehrer im vierten.

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