Kiefer Artikel: heißt es der oder die Kiefer?

Benjamin LohrerFachlich geprüft von Benjamin Lohrer, Lektor bei korrektur.de · Stand: 4. Oktober 2026

Zwei Formen mit zwei Bedeutungen und ihre Herkunft

Lesezeit ca. 6 Min. · aktualisiert: 14. Juni 2026 · zurück zum Blog

Kiefer Artikel: Hier treffen zwei korrekte Formen mit unterschiedlichen Bedeutungen aufeinander. Der Kiefer bezeichnet den Knochen am Kopf, ob oben oder unten. Die Kiefer hingegen ist ein Baum im Wald. Schriftbild und Lautfolge gleichen sich, die Herkunft unterscheidet sich jedoch grundlegend. Diese sprachhistorische Koinzidenz führt dazu, dass es keine Merkhilfe jenseits der konkreten Bedeutung gibt.

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Die zwei Bedeutungen

Der Kiefer bezeichnet standardsprachlich den Knochen, in dem die Zähne sitzen, etwa im Ober- oder Unterkiefer. Der Plural lautet die Kiefer.

Die Kiefer bezeichnet den Nadelbaum innerhalb der Kieferngewächse, beispielsweise die Waldkiefer oder deren Holz. Im Plural heißt es die Kiefern.

Die Pluralformen helfen bei der Unterscheidung: Kiefer kann die Mehrzahl von Kieferknochen sein, Kiefern bezeichnet die Mehrzahl der Bäume.

Die Formen im Vergleich

Tabelle: Bedeutung, Singular, Genitiv, Plural
BedeutungSingularGenitivPlural
Knochen, standardsprachlichder Kieferdes Kiefersdie Kiefer
Baumdie Kieferder Kieferdie Kiefern
Kiefer Artikel
Kiefer Artikel im Überblick.

Kiefer in Fachtexten

In zahnmedizinischen Texten ist für den Knochen standardsprachlich die maskuline Form üblich. Dazu gehören Oberkiefer, Unterkiefer, Kiefergelenk und Kieferhöhle.

Die Kieferhöhle wird ohne Fugen-n geschrieben. Sie ist ein anatomischer Fachbegriff; die Schreibung Kiefernhöhle passt nicht zu dieser Bedeutung.

In forstlichen Zusammensetzungen kommen Formen mit Fugen-n vor, etwa Kiefernbestand, Kiefernwald und Kiefernholz.

Zwei verschiedene Herkünfte

Der Knochen leitet sich von einem altgermanischen Begriff für den Kinnbacken ab und ist mit dem englischen jowl sowie mit dem deutschen Wort Kiefe für Kieme verwandt.

Die Baumbezeichnung wird etymologisch auf Kien und Föhre zurückgeführt. Kien bezeichnet harzreiches Holz; Föhre ist eine weitere Bezeichnung für die Kiefer, besonders für die Waldkiefer.

Die unterschiedlichen Herleitungen sprechen gegen einen gemeinsamen Ursprung. Gleich lautende Wörter mit verschiedenen Bedeutungen werden in der Sprachwissenschaft als Homonyme bezeichnet.

Ebenfalls bekannt sind der Ball, gemeint als Sportutensil oder Fest, die Bank als Sitzplatz oder Kreditanstalt sowie der Strauß als Vogel oder gebundene Blüten.

Der Kiefer in der Medizin

In der Zahnmedizin ist für den Knochen standardsprachlich die maskuline Form üblich. Zu den Fachbegriffen gehören Kieferorthopädie, Kieferchirurgie, Kiefergelenk und Kieferfehlstellung.

In medizinischen Zusammensetzungen steht häufig der Stamm Kiefer ohne Fugen-n, etwa in Kieferorthopädie, Kieferchirurgie und Kiefergelenk.

In Zusammensetzungen mit Baumbezug ist Kiefern häufig, etwa in Kiefernholz, Kiefernwald und Kiefernzapfen. Daneben gibt es Baumbezeichnungen ohne Fugen-n, etwa Waldkiefer.

Kiefernholz weist auf den botanischen Bezug, Kieferknochen auf den anatomischen. Das Fugen-n kann ein Hinweis sein; die Bedeutung ergibt sich aus dem jeweiligen Wort.

Kiefer Artikel

Kiefer in der Botanik

Die Waldkiefer trägt den botanischen Namen Pinus sylvestris. Föhre ist eine weitere Bezeichnung für diese Baumart.

Verwandte Nadelgehölze nutzen fast durchweg den weiblichen Artikel: die Fichte, die Tanne, die Lärche, die Zeder, die Eibe sowie der Wacholder. Dies liegt daran, dass Baumbezeichnungen im Deutschen zumeist feminin gebildet werden.

Zu den maskulinen Baumnamen zählen Ahorn, Holunder, Wacholder und Flieder.

Bei Kiefernholz, Eichenholz und Buchenholz bestimmt das Grundwort Holz das Neutrum.

Als Merkhilfe kann die Bedeutung helfen: Bezieht sich das Wort auf den Baum, steht die feminine Form; beim Kieferknochen die maskuline Standardform.

Häufige Fehler sowie typische Zweifelsfälle

Die Kiefer für den Knochen: Standardsprachlich unzutreffend. Der Kieferknochen ist maskulin; im Plural heißt es die Kiefer.

Der Kiefer für den Baum: Unzutreffend. Bei der Baum-Bedeutung ist die Kiefer feminin; der Plural lautet die Kiefern.

Das Fugen-n: In Kiefernholz weist es auf den Baumbezug hin, in Kieferknochen fehlt es. Als alleiniges Kriterium reicht es jedoch nicht aus.

Kiefer oder Föhre: Beide bezeichnen dasselbe Gehölz. Föhre ist besonders in Österreich und sonst landschaftlich, insbesondere in Süddeutschland, gebräuchlich.

Rechtschreibprogramme helfen nicht: Bei Zweifeln entscheidet die Bedeutung im Satz. Ein Wörterbuch kann Genus und Plural der gemeinten Bedeutung klären.

Fazit: Kiefer Artikel auf einen Blick

Standardsprachlich bezeichnet der Kiefer den Skelettteil, die Kiefer den Nadelbaum. Regional kann der anatomische Begriff auch das Kiefer heißen.

Die Plurale unterscheiden sich: die Kiefer für Knochen, die Kiefern für Bäume. In Zusammensetzungen erscheint beim Baumbezug häufig ein Fugen-n.

Ergänzende Begriffe mit Doppelcharakter finden sich unter Leiter Artikel, See Artikel sowie Komposita.

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Stand: 4. Oktober 2026

korrektur.de. (2026, 4. Oktober). Kiefer Artikel: heißt es der oder die Kiefer? korrektur.de. https://korrektur.de/der-die-das-kiefer

Prüfen Sie in Fachtexten Genus und Bedeutung immer im jeweiligen Kontext.

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Häufige Fragen zum Artikel von Kiefer

Heißt es der oder die Kiefer?

Je nach Kontext trifft jeweils eines zu: Standardsprachlich bezeichnet der Kiefer den anatomischen Teil, die Kiefer den Nadelbaum. Regional kommt für den Knochen auch das Kiefer vor.

Wie lauten die Plurale?

Bäume heißen die Kiefern, Knochen dagegen die Kiefer.

Wie unterscheide ich die Zusammensetzungen?

In Kiefernholz weist das Fugen-n auf den Baumbezug hin, in Kieferknochen fehlt es. Entscheidend bleibt die Bedeutung des ganzen Wortes.

Sind beide Wörter verwandt?

Nein. Wörterbücher führen unterschiedliche Herkünfte an: Der anatomische Begriff geht auf mittelhochdeutsch kiver zurück, die Baumbezeichnung wird auf Kien und Föhre zurückgeführt.

Was ist eine Föhre?

Föhre ist eine besonders österreichische und sonst landschaftliche, insbesondere süddeutsche Bezeichnung für die Kiefer, besonders für die Waldkiefer.

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