Wie vorsichtig darfst du Aussagen in der Arbeit formulieren?
Vorsichtig formulieren: So bleibt deine Aussage belegbar und klar
Hedging hilft dir, die Sicherheit einer Aussage sichtbar zu machen, und genau dafür setzt du es gezielt ein. Hier findest du die Gründe, die sprachlichen Mittel, die Grenzen der Abschwächung und eine Schrittfolge für die Überarbeitung.
Wozu vorsichtig formulieren dient
Vorsichtiges Formulieren heißt in der Wissenschaft Hedging. Gemeint sind Wendungen, mit denen sich die Aussagekraft einer Behauptung einschränken lässt. Das Learning Center der Hochschule Osnabrück spricht von Heckenausdrücken, im Englischen hedges, und beschreibt sie als Mittel für zurückhaltendes Formulieren. Nach Osnabrück zählen Heckenausdrücke zu den wichtigen Kennzeichen wissenschaftlicher Texte und lassen sich im Studium gezielt üben.
Osnabrück nennt zwei Gründe für diesen Stil. Erstens können wissenschaftliche Fragestellungen so komplex sein, dass sie sich nicht mit vollständiger Gewissheit beantworten lassen. Zweitens erlauben Heckenausdrücke Kritik an fremden Positionen, ohne gegen die Regeln der Höflichkeit im Diskurs zu verstoßen. Das Schreibzentrum der Ruhr-Universität Bochum ergänzt, dass Aussagen selten unter allen Bedingungen gelten. Hedges schränken demnach die Aussagekraft einer These ein und machen Kritik an anderen vorsichtiger.
Ob eine Wendung bewusst gesetzt wurde, lässt sich beim Überarbeiten prüfen. Daraus lässt sich vorsichtig folgern, dass Hedging zeigt, wie weit eine Aussage trägt. Es ersetzt jedoch keinen Beleg: Eine abgeschwächte Behauptung bleibt ohne Nachweis offen.
Zur Frage, wie du dich im Text nennst und damit deine Aussagen einordnest, passt der Blick auf Ich oder man in der wissenschaftlichen Arbeit. Die Gründe helfen dir, Zurückhaltung bewusst zu setzen, statt sie aus Gewohnheit zu verteilen.

Sprachliche Mittel im Überblick
Das Learning Center der Hochschule Osnabrück nennt mehrere Kategorien: abgemilderte Verbalkonstruktionen, die etwas andeuten, statt es zu belegen, abmildernde Adjektive, Einschränkungen der Verallgemeinerung sowie die Modalverben sollen und können. Das Schreibzentrum der Ruhr-Universität Bochum listet Wendungen wie es scheint, es ist nicht auszuschließen, möglicherweise, vermutlich, grundsätzlich und könnte.
Die Sowi-Schreibberatung der Universität Göttingen nennt in ihrer Präsentation von Juli 2021 für die Wissenschaftssprache regelmäßigen Einsatz des Konjunktivs im Hedging. Für sozialwissenschaftliche Texte hält sie fest, dass überwiegend im Indikativ paraphrasiert wird. Der Konjunktiv erfüllt laut dieser Präsentation rhetorische Funktionen, etwa die Distanzierung von fremden Ideen.
| Mittel | Beispielformulierung | Beleg |
|---|---|---|
| Modalverb | erfundenes Beispiel: Die Befunde können einen Zusammenhang stützen. | Osnabrück nennt die Modalverben sollen und können |
| Konjunktiv | erfundenes Beispiel: Die Stichprobe ließe einen Zusammenhang vermuten. | Göttingen nennt den Konjunktiv als Mittel des Hedgings |
| Adverb | erfundenes Beispiel: Der Zusammenhang ist möglicherweise schwächer. | Bochum listet möglicherweise |
| Verb mit Abschwächung | erfundenes Beispiel: Die Daten deuten auf einen Zusammenhang hin. | Osnabrück nennt abgemilderte Verbalkonstruktionen |
Beim Auswählen orientierst du dich an den getrennt genannten Kategorien. Prüfe danach, welches Mittel zu deiner Unsicherheit passt und ob es die Aussage unnötig schwächt. Wenn du ein Hedge in einen Satz mit anderer Satzform setzt, prüfe zusätzlich, wie Passiv und Aktiv in der Arbeit den Satz verändern.
Gehe beim Überarbeiten die Kategorien einzeln durch: Verbalkonstruktionen, Adjektive, Einschränkungen der Verallgemeinerung und Modalverben. Notiere dabei, welche Form du gewählt hast, und frage dich, welche Unsicherheit sie anzeigt.
Wann Vorsicht sinnvoll ist
Vorsicht lohnt sich dort, wo deine Belege eine Aussage nicht voll tragen. Das Learning Center der Hochschule Osnabrück hält Hedging nur bei entsprechender Notwendigkeit für sinnvoll. Wer Heckenausdrücke auch dort einsetzt, wo klarer formuliert werden könnte, läuft laut Osnabrück Gefahr, die Aussagekraft des Textes zu verringern.
Beim Überarbeiten rät das Schreibzentrum der Ruhr-Universität Bochum, zu prüfen, ob eine genauere Formulierung möglich ist. Ebenso lohnt die Frage, ob eine Aussage eingeschränkt werden sollte, weil sie nicht uneingeschränkt gilt.
Ein erfundenes Beispiel zeigt die Grenze: Es scheint möglicherweise, dass die Ergebnisse vermutlich womöglich auf einen Zusammenhang hindeuten könnten. Der Satz ist kaum lesbar, weil fünf Abschwächungen dieselbe Unsicherheit mehrfach markieren. Gestraffte Fassung (erfundenes Beispiel): Die Ergebnisse deuten auf einen Zusammenhang hin, den diese Stichprobe allein nicht trägt.
Eine ähnliche Abwägung betrifft den Konjunktiv beim Zitieren, denn Göttingen beschreibt für ihn rhetorische Funktionen, etwa die Distanzierung von fremden Ideen.
Daraus lässt sich vorsichtig folgern, dass Abschwächung kein Selbstzweck ist: Jede Abschwächung steht für eine konkrete Unsicherheit. Nach Osnabrück besteht bei unnötigem Einsatz die Gefahr, die Aussagekraft zu verringern.
Prüfe bei jeder Abschwächung, auf welchen Beleg sie sich bezieht und welcher Teil der Aussage offen bleibt.
Konjunktiv und Fachkultur
Das Arbeitsblatt Wissenschaftssprache des Schreibzentrums der Goethe-Universität Frankfurt am Main rät, im eigenen Fach zu klären, ob und wann der Konjunktiv I gebraucht werden darf. Je nach Fach wird der Konjunktiv I in Paraphrasen und indirekten Zitaten verwendet oder nicht. In manchen Fächern, etwa den Geschichtswissenschaften, steht bei Paraphrasen und indirekten Zitaten der Konjunktiv I, zum Beispiel sage, sei oder werde. In anderen Fächern, wie den Sprachwissenschaften, bleibt es beim normalen Präsens.
Das Learning Center der Hochschule Osnabrück hält fest, dass fremde Aussagen zumindest nicht durchgehend im Konjunktiv wiedergegeben werden sollten. Die Sowi-Schreibberatung der Universität Göttingen hält für sozialwissenschaftliche Texte fest, dass überwiegend im Indikativ paraphrasiert wird. Beim Kontrollieren der Verbform prüfe zusätzlich, wie Nominalstil und Verbalstil die Satzstruktur prägen.
Daraus lässt sich vorsichtig folgern, dass die Praxis fachabhängig ist. Frage deshalb bei deiner Betreuung nach, welche Regel im eigenen Fach gilt und ob sie schriftlich festgehalten ist. Fragen zur indirekten Rede kläre ebenfalls mit deiner Betreuung.
Das Arbeitsblatt nennt als Anlaufstellen das eigene Fach und die Dozierenden. Für andere Fächer als die genannten ist die Nachfrage bei der Betreuung der nächste Schritt.

So überarbeitest du deine Formulierungen
Für das Überarbeiten bietet sich eine feste Reihenfolge an, die du Schritt für Schritt durchgehst. Die Schritte lassen sich auf einzelne Absätze anwenden. Das Schreibzentrum der Ruhr-Universität Bochum nennt als Weg, unsichere Passagen durch weitere Literatur zu stützen oder mit Hedges abzuschwächen. Stand ist Oktober 2026, und Erwartungen einzelner Fachrichtungen können sich unterscheiden, deshalb sprich die Schritte mit deiner Betreuung ab. Du kannst die Reihenfolge an deinen Text anpassen.
- Markiere Aussagen, die du nicht voll belegen kannst.
- Prüfe, ob ein weiterer Beleg möglich ist.
- Schwäche nur dort ab, wo es nötig ist.
- Streiche Häufungen von Abschwächungen.
- Formuliere die übrigen Aussagen klar.
- Lies den Text laut.
Zu Schritt drei: Osnabrück hält Heckenausdrücke nur bei entsprechender Notwendigkeit für sinnvoll. Beim lauten Lesen prüfst du, ob die Sätze noch klar bleiben. Prüfe außerdem, ob eine Häufung von Abschwächungen einen Satz kaum noch lesbar macht. Wenn du zusätzlich ein Lektorat für wissenschaftlichen Schreibstil in Betracht ziehst, kannst du ihm die markierten Passagen zur Prüfung geben.
Die Schritte ersetzen keinen Beleg. Sie helfen dir, Stellen zu finden, an denen noch Recherche fehlt. Halte die Antworten schriftlich fest, bevor du neue Formulierungen einsetzt. Für das Gespräch mit deiner Betreuung kannst du die markierten Stellen mitbringen und nachfragen, welche Formulierungen im eigenen Fach erwartet werden.
Quellen und Stand
- Hochschule Osnabrück, Learning Center: Wissenschaftliches Formulieren, Heckenausdrücke (Autor Henning Czech, ca. 2021): www.hs-osnabrueck.de (geprüft am 2026-10-06)
- Hochschule Osnabrück, Learning Center: Wissenschaftliches Formulieren, Heckenausdrücke (Autor Henning Czech, ca. 2021): www.hs-osnabrueck.de (PDF) (geprüft am 2026-10-06)
- Ruhr-Universität Bochum, Schreibzentrum (ZfW): Überarbeiten ganz konkret (2024): zfw.rub.de (geprüft am 2026-10-06)
- Universität Göttingen, Sowi-Schreibberatung: Richtig zitieren und paraphrasieren (Juli 2021): uni-goettingen.de (geprüft am 2026-10-06)
- Goethe-Universität Frankfurt, Schreibzentrum: Wissenschaftssprache, Arbeitsblatt: www.starkerstart.uni-frankfurt.de (geprüft am 2026-10-06)