Woher das Wort Pistole wirklich stammt
Pistole: Herkunft und Wortgeschichte im Überblick
Das Wort Pistole hat einen weiten Weg hinter sich, der im Tschechischen beginnt und über das Französische zurück ins Deutsche führt.
Kurze Antwort
Pistole geht auf altschechisch píšťala (Pfeife, Röhre) zurück, die Handwaffe bekam den Namen vermutlich wegen des hellen Knalls. Das DWDS nennt dafür nach Pfeifer die Form píšťala, zu pískati (pfeifen), und sieht den Grund der Übertragung im hellen Knall der Waffe. Die Entlehnung ins Deutsche erfolgte im Zuge der Hussitenkriege, also am Anfang des 15. Jahrhunderts, als ostmitteldeutsch pisschullen und pyscheln auftauchen. Aus diesen Formen entstand im Französischen die Form pistole, und am Ende des 16. Jahrhunderts wurde das Wort aus dem Französischen zurück ins Deutsche entlehnt. Der Duden nennt eine etwas andere Zwischenstufe: spätmittelhochdeutsch pitschal und pischulle, ebenfalls aus tschechisch píšťala im Sinn von Rohr oder Pfeife, und bezeichnet das Wort als ursprünglich lautmalend. Das Wiktionary wiederum hält eine andere, oft gehörte Herleitung für unbelegt: dass Pistole von der italienischen Stadt Pistoia stamme. Für diese Verbindung fehlen nach Angabe des Wiktionary sprachliche und sachliche Belege.
Erzählt man die Geschichte des Wortes einfach, beginnt sie bei einem Pfeifen: Ein Rohr oder eine Pfeife im Tschechischen gibt einer Handfeuerwaffe aus den Hussitenkriegen ihren Namen, weil der Klang beim Abfeuern an ein Pfeifen oder einen hellen Knall erinnert haben soll. Das Wort wandert mit der Waffe ins Deutsche, dann weiter ins Französische, wo es die Form pistole annimmt, und kehrt von dort als Pistole wieder zurück. Wie viele Fremdwörter aus dem Französischen hat Pistole eine zweite Heimat, denn sie kam über pistole zurück ins Deutsche. Diese Hin- und Rückwanderung macht Pistole zu einem Wort mit doppelter Entlehnungsgeschichte: einmal aus dem Tschechischen ins Deutsche, dann über das Französische wieder zurück. Am Anfang steht ein tschechisches Wort für ein Hohles, sei es Pfeife oder Rohr, und daraus wurde über mehrere Zwischenstufen die heutige Waffe.

Der Weg ins Deutsche
Der Weg von Pistole lässt sich in mehreren Stufen nachzeichnen, von der tschechischen Pfeife bis zur deutschen Handfeuerwaffe. Wie bei der Herkunft von Pirat geht es bei Pistole um ein Wort, dessen Weg sich in mehreren Sprachen verfolgen lässt.
| Stufe | Form | Sprache | Zeit |
|---|---|---|---|
| 1 | píšťala | Altschechisch | ohne Datierung |
| 2 | pisschullen, pyscheln | Ostmitteldeutsch | Anfang des 15. Jahrhunderts |
| 2b | pitschal, pischulle | Spätmittelhochdeutsch | ohne Datierung |
| 3 | pistole | Mittelfranzösisch | Mitte des 16. Jahrhunderts |
| 4 | Pistole | Deutsch (Rückentlehnung) | Ende des 16. Jahrhunderts |
Im Zuge der Hussitenkriege kam das Wort am Anfang des 15. Jahrhunderts ins Deutsche, zunächst in Formen wie pisschullen und pyscheln. Von dort wanderte es weiter und nahm im Mittelfranzösischen die Form pistole an, die sich zur Mitte des 16. Jahrhunderts etablierte. Am Ende des 16. Jahrhunderts wurde diese französische Form dann wieder ins Deutsche zurückentlehnt und ergab die heutige Pistole. Laut DWDS wurde die Waffe wegen des hellen Knalls so benannt. Das Wiktionary nennt dazu einen eigenen Gedanken: Als Vergleichsgrundlage dient Pfeife oder Rohr, also das Hohle an sich, und die Vorstellung pfeifender Kugeln oder eines hellen Knalls könnte bei der Benennung mitgewirkt haben. Das Wiktionary stellt dies ausdrücklich als Vermutung dar. Zusammengenommen zeigt der Weg von Pistole, wie ein einfaches Wort für ein hohles Werkzeug über mehrere Sprachstufen zu einer Waffenbezeichnung wurde, wobei Klang und Form des Gegenstands jeweils eine Rolle gespielt haben könnten.
Deutungen und Vorbehalte
Das Wort Pistole geht auf altschechisch píšťala zurück, das Rohr oder Pfeife bedeutet. Das DWDS stellt píšťala zu pískati (pfeifen) und sieht in dem hellen Knall der Waffe den Grund für die Übertragung. Der Duden bezeichnet das tschechische Ausgangswort als ursprünglich lautmalend. Neben dieser Deutung steht die Herleitung von der italienischen Stadt Pistoia, die das Wiktionary ausdrücklich ohne sprachliche und sachliche Belege sieht. Auch die Herkunft von Kompass zeigt, wie ein Wort viele Sprachen durchläuft, bevor es im Deutschen steht. Das DWDS führt daneben eine zweite Bedeutung von Pistole, eine historische Goldmünze, deren Herkunft es ausdrücklich als unsicher bezeichnet.
Mehrere Punkte bleiben als Vorbehalt bestehen. Die Herleitung von Pistoia ist unsicher. Die Mitwirkung von Knall und pfeifenden Kugeln bei der Benennung ist beim Wiktionary nur eine Vermutung. Die Herkunft der Goldmünze Pistole ist unsicher. Das grammatische Geschlecht des Wortes schwankte nach Angabe des Wiktionary bis ins 19. Jahrhundert.
- altschechisch píšťala, Pfeife oder Röhre (DWDS, Duden)
- pískati, pfeifen (nur DWDS)
- ostmitteldeutsch pisschullen, pyscheln (nur DWDS)
- spätmittelhochdeutsch pitschal, pischulle (nur Duden)
- mittelfranzösisch pistole (nur DWDS)
- Pistoia als unbelegte Herleitung (nur Wiktionary)
Gesichert ist die tschechische Herkunft des Wortes: ein Pfeifen oder Röhren wurde zum Namen einer Handwaffe. Die Übertragung lief über mehrere Sprachstufen und führte vom Tschechischen über das Ostmitteldeutsche und das Mittelfranzösische bis zum heutigen deutschen Wort. Woher genau die Goldmünze ihren Namen bekam, ist nicht geklärt, und ob ein Knall oder ein Pfeifen bei der Benennung der Waffe den Ausschlag gab, bleibt offen.
Verwandtes und Varianten
Neben der heute gebräuchlichen Form Pistole für die Handfeuerwaffe gibt es im Umfeld des Wortes weitere Formen und eine zweite Bedeutung. Das DWDS nennt die Goldmünze Pistole als zweite Bedeutung des Wortes, mit dem ausdrücklichen Vermerk, dass ihre Herkunft unsicher ist. Das Wiktionary ergänzt dazu, dass das grammatische Geschlecht des Wortes bis ins 19. Jahrhundert schwankte, bevor sich die feminine Form festigte. Pistole zählt zu den Wörtern, die in der Übersicht der Lehnwörter im Deutschen stehen und aus dem Tschechischen stammen.
- Pistole als Goldmünze (DWDS, Herkunft unsicher)
- pitschal (Duden)
- pischulle (Duden)
- pisschullen (DWDS)
- pyscheln (DWDS)
- pískati (DWDS)
Diese Formen zeigen, wie unterschiedlich das Wort in seiner Geschichte geschrieben und ausgesprochen wurde, je nach Sprachstufe und Region. Die Formen pitschal und pischulle beim Duden stehen für die spätmittelhochdeutsche Zwischenstufe, während pisschullen und pyscheln beim DWDS die ostmitteldeutsche Stufe aus der Zeit der Hussitenkriege markieren. Das tschechische pískati schließlich steht für das Verb pfeifen, von dem die Pfeife und damit letztlich auch die Waffe ihren Namen ableiten. Die Goldmünze Pistole bildet demgegenüber einen eigenen Zweig der Wortgeschichte, der mit der Waffe nur den Namen teilt, nicht aber eine gesicherte gemeinsame Herkunft. Das schwankende grammatische Geschlecht bis ins 19. Jahrhundert deutet darauf hin, dass sich die Form des Wortes im Deutschen erst über längere Zeit gefestigt hat, bevor sich die heute bekannte feminine Form die Pistole durchsetzte.
Gebrauch heute
Pistole ist heute ein Substantiv, feminin, mit dem Plural die Pistolen. Die Hauptbedeutung des Wortes ist die kurze Handfeuerwaffe, die man mit einer Hand führen kann. Das DWDS führt daneben die zweite, historische Bedeutung der Goldmünze auf.
Ein Beispielsatz für die Handfeuerwaffe könnte lauten: Der Sammler bewahrte die alte Pistole in einem verschlossenen Schrank auf. Für die Mehrzahl lässt sich formulieren: In der Ausstellung lagen mehrere Pistolen aus unterschiedlichen Jahrhunderten nebeneinander. Für die historische Goldmünze passt ein Satz wie: In alten Handelsbüchern wird der Preis manchmal in Pistolen angegeben, der früheren Goldmünze gleichen Namens.
In der Wortherkunft ist Pistole ein Beispiel für ein Wort, das seinen Namen von einem Geräusch bekam, nämlich von einem Pfeifen oder einem hellen Knall, der mit der Pfeife oder dem Rohr der tschechischen Ausgangsform verbunden wurde. Aus diesem lautlichen Bild wurde über mehrere Sprachstufen eine Bezeichnung für die Handfeuerwaffe. Die zweite Bedeutung als Goldmünze hat nach Angabe des DWDS eine eigene Herkunft, die das DWDS ausdrücklich als unsicher bezeichnet. Das Femininum die Pistole ist heute die einzige gebräuchliche Genusform, nachdem das grammatische Geschlecht des Wortes nach Angabe des Wiktionary bis ins 19. Jahrhundert schwankte.

Offene Fragen
Mehrere Punkte in der Geschichte von Pistole sind nicht abschließend geklärt und bleiben als offene Fragen stehen.
- Ob die Handwaffe wirklich wegen des hellen Knalls benannt wurde, sagt das DWDS so, das Wiktionary hält es für möglich.
- Ob die Stadt Pistoia irgendeine Rolle bei der Namensgebung spielt, ist unklar.
- Woher die Goldmünze Pistole ihren Namen hat, ist nach Angabe des DWDS unsicher.
- Wann genau sich das grammatische Geschlecht des Wortes festigte, ist nur als Schwanken bis ins 19. Jahrhundert angegeben.
Von altschechisch píšťala über ostmitteldeutsch pisschullen und französisch pistole entstand die deutsche Pistole, am Ende des 16. Jahrhunderts aus dem Französischen zurückentlehnt. Das tschechische Ausgangswort und der Weg über das Mittelfranzösische gelten als gesichert. Die Gründe für die Übertragung auf die Waffe sind nicht abschließend gesichert, die Herkunft der Goldmünze ist unsicher, und die Frage nach der Rolle von Pistoia ist ungeklärt.
Quellen und Stand
- DWDS: Pistole, Etymologie nach Pfeifer: www.dwds.de (geprüft am 2026-10-09)
- Duden: Pistole, Herkunft, Grammatik: www.duden.de (geprüft am 2026-10-09)
- Wiktionary: Pistole, Herkunft: de.wiktionary.org (geprüft am 2026-10-09)