Woher stammt das Wort Pille?

Pille: Herkunft und Wortgeschichte im Überblick

Lesezeit ca. 7 Min. · zuletzt aktualisiert: 9. Oktober 2026 · Wortherkunft

Ein kleines Wort mit langer Geschichte: Pille führt über das Mittellatein zu einem lateinischen Wort für Ball oder Kugel.

Woher kommt das Wort Pille?

Pille geht auf mittellateinisch pilla oder pila zurück und damit auf lateinisch pila (Ball, Kugel) und wurde im 14. Jahrhundert ins Deutsche entlehnt. Die Form, die ins Deutsche kam, lautete spätmittelhochdeutsch pille und bezeichnete von Anfang an ein kleines, rundes Gebilde. Aus der Kugelform entwickelte sich die heutige Bedeutung: ein Arzneimittel, das in Kügelchenform zum Einnehmen gedacht ist, auch mit einem Überzug versehen.

Pille ist eines der Fremdwörter aus dem Lateinischen: ein Wort, das vom Ball zum Medikament wurde. Die Bedeutungsverschiebung lässt sich gut nachvollziehen: Ein Ball ist rund, ein Arzneikügelchen ist rund, und so übertrug sich die Form auf den Gegenstand der Medizin. Im 14. Jahrhundert erscheint die Form pille im Deutschen und bildet die Grundlage für die heutige Schreibung.

Für den Alltag reicht die Feststellung: Das Wort Pille stammt aus dem Lateinischen, wanderte über das Mittellatein ins Deutsche und meint seit dem 14. Jahrhundert ein Arzneimittel in Kugelform. Die runde Form war also namengebend, nicht die Wirkung oder der Inhalt des Mittels. Das zeigt sich auch daran, dass das Wort ursprünglich ganz allgemein für kleine, runde Gegenstände stehen konnte und erst im medizinischen Zusammenhang die heute bekannte, engere Bedeutung erhielt. Aus dem Ball wurde das Kügelchen, aus dem Kügelchen wurde die Pille, wie sie heute in Apotheken und Arztpraxen gemeint ist. Diese Entwicklung von einer allgemeinen Form zu einem spezialisierten Begriff der Medizin zeigt sich bei Wörtern, die aus dem Lateinischen ins Deutsche kamen und dort eine engere Fachbedeutung annahmen.

Pille: Herkunft und Wortgeschichte: der Ablauf in drei Schritten

Welche Stufen führen zu Pille?

Der Weg des Wortes lässt sich in mehreren Stufen nachzeichnen, von der lateinischen Ausgangsform bis zur heutigen deutschen Form. Das Wort steht für Lehnwörter, die aus der Sprache der Medizin ins Deutsche kamen.

Tabelle: Stufe, Form, Sprache, Zeit
StufeFormSpracheZeit
1pilalateinischohne Datierung
2pilulalateinischohne Datierung
3pilla, pilamittellateinischohne Datierung
4pillespätmittelhochdeutsch14. Jahrhundert
5pillule, pillel(e)frühneuhochdeutsch, mittelhochdeutsch (Nebenformen)bis ins 17. Jahrhundert

Am Anfang stand ein lateinisches Wort für Ball oder Kugel. Daraus entstand eine Verkleinerungsform, die ein kleines Kügelchen bezeichnete, wie es als Arzneimittel verwendet wurde. Über das Mittellatein gelangte diese Form ins Deutsche, wo sie im 14. Jahrhundert als pille erscheint und von dort aus die Grundlage für die heutige Schreibung Pille bildet.

Neben dieser Hauptlinie gab es über einen längeren Zeitraum Nebenformen, die auf dem lateinischen Verkleinerungswort beruhten. Diese Nebenformen, etwa pillule und pillel(e), bestanden bis ins 17. Jahrhundert fort, bevor sich die Schreibung Pille durchsetzte. Der Weg vom Lateinischen ins Deutsche verlief also nicht geradlinig, sondern über mehrere parallele Formen, die alle auf dieselbe Grundidee zurückgingen: einen kleinen, runden Gegenstand, der als Arzneimittel diente. Wie aus einem allgemeinen Wort für eine runde Form ein spezifischer Begriff der Medizin wurde, der sich über Jahrhunderte im Deutschen hielt, zeigt sich an diesen Stationen besonders deutlich.

Was ist gesichert, was bleibt offen?

Alle Herleitungen führen auf ein lateinisches Wort für Ball oder Kügelchen zurück. Diese gemeinsame Wurzel verbindet die verschiedenen Deutungen, auch wenn sie im Detail unterschiedliche Zwischenstufen nennen. Wie bei der Herkunft von Kaffee lässt sich ein Wort über mehrere Sprachen zurückverfolgen, bis man bei einer Ursprungsform ankommt, die den Kern der Bedeutung trägt.

Ein Vorbehalt bleibt bestehen: Ob pila oder pilula die unmittelbare Vorlage war, ist nicht eindeutig. Das Deminutiv pilula ist als Nebenform bis ins 17. Jahrhundert bezeugt und zeigt, dass beide Formen über lange Zeit parallel existierten, bevor sich eine Schreibung im Deutschen durchsetzte.

Für das Verständnis der Wortgeschichte sind folgende Punkte gesichert:

  • lateinisch pila (Ball)
  • lateinisch pilula (Kügelchen)
  • mittellateinisch pilla (Kügelchen)
  • 14. Jahrhundert für das Deutsche

Diese vier Punkte bilden das Grundgerüst der Herkunft. Die genaue Reihenfolge und das Verhältnis der einzelnen lateinischen Formen zueinander sind nicht in jedem Detail geklärt, doch der Kern der Bedeutung, ein kleiner, runder Gegenstand, zieht sich durch alle Stufen hindurch. Die Übertragung auf ein Arzneimittel in Kugelform war naheliegend, weil die Form selbst namengebend wurde, nicht die Wirkung oder der Zweck des Gegenstands. So entstand ein Wort, das bis heute in der Alltagssprache für Medikamente in fester, runder Form steht und dessen Ursprung sich klar bis in die lateinische Sprache zurückverfolgen lässt.

Welche verwandten Wörter und Formen gibt es?

Das Wort Pille gehört zu einer Gruppe von Begriffen, die alle etwas über Arzneimittel in kleiner, runder Form aussagen. Grammatisch bildet Pille den Genitiv der Pille und den Plural die Pillen. Neben der heutigen Form bestanden historisch Nebenformen wie pillule und pillel(e), die über einen längeren Zeitraum neben der heutigen Schreibung existierten.

Bedeutungsverwandt sind Wörter wie Antibabypille, Tablette, Dragée und Kapsel, die alle ein Arzneimittel in fester Form bezeichnen, wenn auch mit unterschiedlichen Formen und Herstellungsweisen. Auch Zucker war einst ein Heilmittel, die Herkunft von Zucker führt in dieselbe Welt der Arzneien, in der Formen und Zubereitungen von Medikamenten eine wichtige Rolle spielten.

Als Unterbegriffe zu Pille lassen sich unter anderem Abführpille, Schlafpille, Giftpille, Glückspille, Wunderpille, Minipille und Pille danach nennen. Diese Zusammensetzungen zeigen, wie produktiv das Wort im Deutschen geworden ist, indem es mit unterschiedlichen Bestimmungswörtern kombiniert wird, um jeweils eine spezifische Art von Arzneimittel oder deren Wirkung zu benennen.

Darüber hinaus hat sich das Wort in festen Redewendungen etabliert: eine bittere Pille sein, die bittere Pille schlucken und die bittere Pille versüßen. Diese Wendungen beschreiben eine unangenehme Erfahrung oder Nachricht im übertragenen Sinn.

  • Antibabypille (DWDS)
  • Tablette (DWDS)
  • Dragee (DWDS)
  • Schlafpille (Wiktionary)
  • Minipille (Wiktionary)
  • bittere Pille (Duden)

Diese Vielfalt an verwandten Wörtern und festen Wendungen zeigt, wie tief das Wort Pille im deutschen Wortschatz verwurzelt ist und wie unterschiedliche Facetten der ursprünglichen Bedeutung, dem kleinen runden Gegenstand, bis heute erhalten geblieben sind.

Wie wird Pille heute verwendet?

Pille ist ein weibliches Substantiv: die Pille, der Pille, die Pillen. Die Bedeutung bezeichnet ein Arzneimittel in Form eines Kügelchens zum Einnehmen, das auch mit einem Überzug versehen sein kann. Die Wortherkunft von Pille erklärt, warum ein Arzneimittel nach einem Ball benannt ist: Die runde Form stand von Anfang an im Zentrum der Bedeutung, nicht der Inhalt oder die Wirkung des Mittels.

Im heutigen Sprachgebrauch lässt sich Pille in verschiedenen Zusammenhängen verwenden. Ein Beispielsatz zum Einnehmen eines Arzneimittels könnte lauten: Sie nahm die Pille morgens zum Frühstück ein. Ein Beispielsatz mit der Redewendung eine bittere Pille lautet: Die Absage war für ihn eine bittere Pille. Laut einem Wörterbuch kann Pille eine Kürzung von Antibabypille sein, etwa im Satz: Sie nimmt die Pille seit einigen Jahren.

Ursprünglich meinte das Wort ausschließlich die Kugelform selbst, unabhängig vom Inhalt oder der Wirkung. Erst im Lauf der Zeit verengte sich die Bedeutung auf Arzneimittel, die in dieser Form hergestellt wurden. Diese Entwicklung zeigt, wie ein Wort, das ursprünglich eine geometrische Form beschrieb, durch den praktischen Gebrauch in der Medizin eine neue, speziellere Bedeutung erhielt, die sich von der reinen Formbeschreibung löste und zum festen Begriff für ein bestimmtes Arzneimittel wurde.

Die Verbindung zwischen Form und Bedeutung lässt sich am Wortursprung ablesen: Die Bezeichnung entstand aus einem Wort für Kugel oder Kügelchen und wurde auf Arzneimittel in dieser Form übertragen.

Pille: Herkunft und Wortgeschichte: Prüfliste mit vier Punkten

Was bleibt bei der Herkunft offen?

Bei der Herkunft des Wortes Pille bleiben einige Punkte ungeklärt.

  • Ob pila oder pilula die unmittelbare Vorlage war, ist nicht eindeutig.
  • Wann genau im 14. Jahrhundert das Wort aufkam, ist nicht bekannt.
  • Wann Pille zur Kurzform für die Antibabypille wurde, ist nicht geklärt.

Die genaue lateinische Ausgangsform, ob es sich um das einfache Wort für Ball oder um dessen Verkleinerungsform für Kügelchen handelte, lässt sich nicht abschließend bestimmen, da beide Formen über lange Zeit parallel existierten und beide auf dieselbe Grundidee eines kleinen, runden Gegenstands zurückgehen.

Auch der genaue Zeitpunkt innerhalb des 14. Jahrhunderts, zu dem das Wort erstmals im Deutschen auftaucht, lässt sich nicht genauer bestimmen, als dass es in diesem Jahrhundert geschah. Ebenso bleibt offen, wann sich dieser Gebrauch als Kurzform für ein bestimmtes hormonelles Verhütungsmittel durchsetzte.

Aus lateinisch pila, Ball, führt der Weg über mittellateinisch pilla zum deutschen Pille im 14. Jahrhundert. Diese Grundlinie bleibt gesichert, auch wenn einzelne Details nicht abschließend geklärt sind.

Quellen und Stand

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Häufige Fragen zur Herkunft von Pille

Bedeutet Pille ursprünglich etwas anderes als heute?

Ja, ursprünglich bezeichnete das zugrundeliegende lateinische Wort einen Ball oder eine Kugel. Erst später verengte sich die Bedeutung auf ein kleines rundes Arzneimittel zum Einnehmen.

Gab es im Deutschen frühere Schreibweisen von Pille?

Neben der heutigen Form bestanden über einen längeren Zeitraum Nebenformen wie pillule und pillel(e), die bis ins 17. Jahrhundert neben der späteren Schreibung Pille gebraucht wurden.

Welche Wörter sind mit Pille bedeutungsverwandt?

Bedeutungsverwandt sind unter anderem Antibabypille, Tablette, Dragée und Kapsel, die alle ein Arzneimittel in fester Form bezeichnen.

Welche Redewendungen gibt es mit dem Wort Pille?

Zu den Redewendungen gehören eine bittere Pille sein, die bittere Pille schlucken und die bittere Pille versüßen, die alle eine unangenehme Erfahrung beschreiben.

Welche Unterbegriffe bildet die deutsche Sprache zu Pille?

Unterbegriffe sind unter anderem Abführpille, Schlafpille, Giftpille, Glückspille, Wunderpille, Minipille und Pille danach, die jeweils eine spezifische Art von Arzneimittel benennen.

Welche grammatischen Formen hat das Wort Pille?

Pille ist ein weibliches Substantiv mit dem Genitiv der Pille und dem Plural die Pillen.

Kann Pille für ein bestimmtes Verhütungsmittel stehen?

Laut einem Wörterbuch kann Pille eine Kürzung von Antibabypille sein, ohne dass eine genaue Zeit für diesen Gebrauch angegeben wird.

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