Woher stammt das Wort Kanone?
Kanone: Herkunft und Wortgeschichte im Überblick
Kanone bezeichnet heute das große Geschütz, doch der Weg des Wortes beginnt bei einem schlichten Rohr. Im 16. Jahrhundert kam es aus dem Italienischen ins Deutsche, wo es ältere Bezeichnungen für Geschütze verdrängte.
Kurze Antwort: Vom Rohr zum Geschütz
Kanone geht auf italienisch cannone zurück, eigentlich großes Rohr, und über lateinisch canna auf ein Wort für Rohr oder Schilfrohr. Das DWDS nennt nach Pfeifer die Entlehnung im 16. Jahrhundert aus italienisch cannone, einer Vergrößerungsform zu canna, Röhre, Rohr, aus lateinisch canna, kleines Schilfrohr. Der Duden nennt italienisch cannone, eigentlich großes Rohr, zu canna aus lateinisch canna, das dort mit Kanal übersetzt wird. Das Wiktionary geht einen Schritt weiter zurück und nennt zusätzlich griechisch kánna sowie ein ursprüngliches Lehnwort aus dem Hebräischen.
Der Kern dieser Herkunft beginnt bei einem dünnen Rohr oder Schilfrohr. Aus diesem schmalen Gegenstand wurde im Italienischen durch eine Vergrößerungsform ein großes Rohr, cannone. Dieses große Rohr war zugleich die Bezeichnung für das neue Kriegsgerät, das im 16. Jahrhundert in Gebrauch kam, und so wanderte das Wort als Bezeichnung für das Geschütz ins Deutsche. Wie viele Fremdwörter aus dem Griechischen hat auch Kanone eine alte Wurzel, die beim Rohr beginnt, wie das Wiktionary darlegt.
Der Bedeutungssprung vom dünnen Rohr zum schweren Geschütz bildet den eigentlichen Kern der Geschichte dieses Wortes. Er erklärt, warum ein scheinbar harmloser Gegenstand wie ein Schilfrohr am Ende ein Kriegsgerät benennt, und zeigt, wie stark sich die Bedeutung eines Wortes im Lauf der Jahrhunderte verschieben kann, ohne dass die ursprüngliche Rohr-Form ganz verschwindet. Diese Entwicklung lässt sich an den belegten Zwischenstufen vom Schilfrohr über das große Rohr bis zum Geschütz Schritt für Schritt nachvollziehen. Die Grundbewegung vom schmalen Naturstoff zum schweren Kriegsgerät bleibt dabei über alle Jahrhunderte hinweg erkennbar und macht den Namen bis heute nachvollziehbar.

Der Weg ins Deutsche: Stufe für Stufe
Wie bei der Herkunft von Kompass trifft man auch bei Kanone auf eine Kette aus mehreren Sprachen, die sich über Jahrhunderte zieht. Jede Stufe markiert eine eigene Bedeutungsschicht auf dem Weg zum heutigen Geschütznamen.
| Stufe | Form | Sprache | Zeit |
|---|---|---|---|
| 1 | Wurzel | hebräisch, nach Wiktionary | ohne Datierung |
| 2 | kánna, Rohr | griechisch, nach Wiktionary | ohne Datierung |
| 3 | canna, kleines Schilfrohr | lateinisch | ohne Datierung |
| 4 | cannone, großes Rohr, Geschütz | italienisch | 16. Jahrhundert, so DWDS |
| 5 | Kanone, Femininum | deutsch | Dreißigjähriger Krieg, so DWDS |
Aus dem Wort für ein dünnes Schilfrohr wurde im Italienischen durch die Vergrößerungsform cannone ein Wort für ein großes Rohr. Dieses große Rohr bezeichnete bald das neue Geschütz, und so verband sich mit dem Wort ein völlig neuer Gegenstand aus dem Kriegswesen. Nach Angabe des DWDS wurde Kanone im Dreißigjährigen Krieg als Femininum fest und verdrängte damals ältere Bezeichnungen wie Kartaune, Feldschlange, Stück und Donnerbüchse, die bis dahin für ähnliche Geschütze standen. Neben der Form Kanone kennt das DWDS auch die Form Canon, die im 16. Jahrhundert wohl über französisch canon ins Deutsche kam, eine Herleitung, die das DWDS selbst nur als Vermutung kennzeichnet.
Was gesichert ist und was offenbleibt
Die Herleitung aus italienisch cannone ist eine zentrale Sachaussage zur Herkunft von Kanone. Laut DWDS und Duden führt die italienische Form zu lateinisch canna zurück, einem Wort für Schilfrohr beziehungsweise für einen Kanal. Das Wiktionary nennt dieselbe Form cannone ebenfalls als Ausgangspunkt. Auch die Herkunft von Pirat zeigt, wie ein Wort aus dem Süden in das Heer- und Seewesen gelangte, und bei Kanone verläuft der Weg ganz ähnlich über das Italienische in den militärischen Wortschatz. Diese Form bildet zugleich den Ausgangspunkt für mehrere abgeleitete Begriffe im militärischen Wortschatz der frühen Neuzeit, etwa Kanonade und Kanonier.
Ein Unterschied liegt in der Tiefe der Herleitung. DWDS und Duden enden bei lateinisch canna. Das Wiktionary nennt zusätzlich griechisch kánna als Zwischenstufe und führt die Wurzel ursprünglich auf ein hebräisches Wort zurück. Diese Rückführung auf das Hebräische steht ausschließlich beim Wiktionary. Ein weiterer Vorbehalt betrifft die Form Canon: Das DWDS bezeichnet die Herleitung über französisch canon selbst nur als wohl zutreffend, also als Vermutung und nicht als gesicherte Angabe.
- italienisch cannone (DWDS, Duden, Wiktionary)
- italienisch canna (DWDS, Duden)
- lateinisch canna (DWDS, Duden, Wiktionary)
- griechisch kánna (nur Wiktionary)
- Hebräisch als Ursprung (nur Wiktionary)
- französisch canon für die Form Canon (nur DWDS, als Vermutung mit wohl)
Der Weg vom Rohr zum Geschütz über das Italienische bildet den gesicherten Kern der Wortgeschichte. Die weiteren Stufen ins Griechische und Hebräische sowie die Herleitung der Form Canon über das Französische stammen jeweils nur aus einem einzelnen Nachschlagewerk. Die Frage, wie die Form cannone letztlich mit dem Griechischen und dem Hebräischen zusammenhängt, bleibt zwischen den Nachschlagewerken ungeklärt, weil nur das Wiktionary diese weiteren Stufen überhaupt nennt.
Verwandte Wörter und Varianten
Kanone zählt zu den Wörtern, die in der Übersicht der Lehnwörter im Deutschen stehen und ein Werkzeug über ein Alltagswort für Rohr benennen. Rund um das Wort sind im Laufe der Zeit weitere Begriffe entstanden, die das DWDS in seinem Eintrag aufführt.
- Kanonade (DWDS, 17. Jahrhundert)
- Kanonier (DWDS, 17. Jahrhundert)
- Kanonenfutter (DWDS, 19. Jahrhundert, nach englisch food for powder, einer Formulierung bei Shakespeare)
- Canon (DWDS, wohl aus französisch canon, 16. Jahrhundert)
- Kartaune (DWDS, ältere Bezeichnung für ein Geschütz)
- Feldschlange (DWDS, ältere Bezeichnung für ein Geschütz)
Nach Angabe des DWDS entstanden im 17. Jahrhundert die Wörter Kanonade für den Geschützbeschuss und Kanonier für den Mann an der Kanone. Im 19. Jahrhundert kam Kanonenfutter hinzu, eine Lehnübersetzung nach englisch food for powder, einer Wendung, die auf Shakespeare zurückgeht und Soldaten bezeichnet, die im Krieg geopfert werden. Daneben nennt das DWDS die älteren Geschützbezeichnungen Kartaune, Feldschlange, Stück und Donnerbüchse, die durch Kanone im Dreißigjährigen Krieg verdrängt wurden. Diese Wörter zeigen, wie sich um ein zentrales Wort herum im Lauf der Jahrhunderte ein ganzes Feld an Begriffen für Geschütz, Mannschaft und Kriegsfolgen bildete, jeweils zu unterschiedlichen Zeiten und mit eigenen Quellen für die Entstehung.
Gebrauch heute: Geschütz und Könner
Kanone ist nach DWDS und Duden ein Substantiv, feminin, mit der Grundbedeutung Geschütz. Das DWDS nennt zusätzlich eine Übertragung des Wortes im 20. Jahrhundert auf eine Sportgröße oder einen Könner. In der Wortherkunft ist Kanone ein Beispiel für ein Wort, das aus einem Alltagswort ein Kriegsgerät macht, und das später noch eine weitere, bildliche Bedeutung erhält.
Im Gebrauch zeigt sich diese Spannbreite in unterschiedlichen Sätzen. Für das Geschütz lässt sich etwa formulieren: Die Kanone stand auf der alten Festungsmauer. Für die Mehrzahl Kanonen passt ein Satz wie: Mehrere Kanonen waren auf dem Schiff aufgestellt. Für die übertragene Bedeutung als Könner eignet sich ein Satz wie: Der Torschütze gilt im Verein als echte Kanone.
Am Anfang stand ein Wort für ein dünnes Rohr, im 16. Jahrhundert wurde daraus die Bezeichnung für ein schweres Geschütz, und im 20. Jahrhundert trat eine bildliche Verwendung für besonders fähige Personen hinzu. Der ursprüngliche Bezug zum Rohr ist im heutigen Gebrauch des Wortes kaum noch erkennbar, bleibt aber in der Herleitung über cannone und canna erhalten. Das Wort Kanone trägt damit zwei Hauptbedeutungen: die wörtliche für das Geschütz und die übertragene für den Könner, beide beim DWDS belegt.

Offene Fragen zur Herkunft
Nicht jede Stufe der Wortgeschichte ist gleich gut belegt. Einige Punkte stützen sich nur auf eine einzelne Quelle oder bleiben als Vermutung gekennzeichnet.
- Ob die Wurzel des Wortes im Hebräischen liegt, sagt nur das Wiktionary.
- Ob die Form Canon über das Französische ins Deutsche kam, ist beim DWDS nur als wohl zutreffend angegeben.
- Wann genau das Femininum Kanone fest wurde, nennt das DWDS nur mit dem Zeitraum des Dreißigjährigen Krieges, ohne genauere Jahresangabe.
- Wie die Stufe griechisch kánna zu lateinisch canna im Einzelnen passt, ist nicht geklärt, da DWDS und Duden bei der lateinischen Form enden.
Als Merksatz lässt sich die Geschichte des Wortes so zusammenfassen: von lateinisch canna über italienisch cannone zu Kanone, im 16. Jahrhundert aus dem Italienischen entlehnt. Alles, was davor liegt, also die Stufen griechisch kánna und eine hebräische Wurzel, trägt allein das Wiktionary. Die Hauptlinie vom Lateinischen über das Italienische ins Deutsche ist damit klar belegt, die weiter zurückreichenden Stufen nicht.
Quellen und Stand
- DWDS: Kanone, Etymologie nach Pfeifer: www.dwds.de (geprüft am 2026-10-09)
- Duden: Kanone, Herkunft, Grammatik: www.duden.de (geprüft am 2026-10-09)
- Wiktionary: Kanone, Herkunft: de.wiktionary.org (geprüft am 2026-10-09)