Woher stammt das Wort Kajüte?
Kajüte: Herkunft und Wortgeschichte im Überblick
Kajüte bezeichnet den Wohnraum an Bord eines Schiffes oder Bootes. DWDS, Duden und Wiktionary nennen dazu mehrere sprachliche Stufen.
Kurze Antwort
Kajüte ist ein niederdeutsches Seemannswort und geht auf mittelniederdeutsch kajüte zurück; die weitere Herkunft ist nicht sicher geklärt. Das DWDS beschreibt Kajüte nach Pfeifer als niederdeutsches Seemannswort, das in der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts in die Literatursprache aufgenommen wurde. Für den Anfang des 15. Jahrhunderts lässt sich mittelniederdeutsch kajüte nachweisen, das dem 1455 bezeugten mittelniederländischen kayhute entspricht. Dieses ist nach Angabe des DWDS wohl aus mittelfranzösisch cahute (kleine Hütte) entlehnt. Kajüte ist nach dem DWDS nur wohl über das Niederländische von einer französischen Form abzuleiten (zur Wortgruppe siehe Fremdwörter aus dem Französischen). Der Duden stellt die Sache knapper dar: Er nennt als Herkunft nur das Niederdeutsche, konkret mittelniederdeutsch kajüte, und bezeichnet die weitere Herkunft ausdrücklich als ungeklärt. Das Wiktionary beschreibt den Weg ähnlich wie das DWDS: Im 15. Jahrhundert sei das Wort von mittelniederdeutsch kajüte übernommen worden, das selbst aus mittelniederländisch kayhute stamme, welches wiederum wohl aus mittelfranzösisch cahute entlehnt worden sei. Alle drei Quellen stimmen darin überein, dass die niederdeutsche Stufe kajüte den unmittelbaren Ausgangspunkt für das deutsche Wort bildet. DWDS und Wiktionary ziehen eine Linie ins Mittelniederländische und von dort ins Mittelfranzösische, während der Duden auf diesen Schritt verzichtet und bei der Formel Herkunft ungeklärt bleibt. In der Bedeutung stimmen die Nachschlagewerke überein: Nach dem Duden meint Kajüte den Wohn- und Schlafraum auf Booten und Schiffen, das DWDS spricht vom Wohnraum an Bord eines Schiffes. Das Wort stammt aus dem Niederdeutschen mit einer vermuteten, aber nicht gesicherten Spur ins Niederländische und Französische.

Welche Stufen führen zu Kajüte
Die Nachschlagewerke zeichnen mehrere Stufen nach, auf denen sich das Wort von einer möglichen französischen Form bis zum heutigen deutschen Kajüte entwickelt haben soll. Wie die Herkunft von Matrose gehört auch Kajüte zu den Wörtern, die an Bord eines Schiffes zu Hause sind.
| Stufe | Form | Sprache | Zeit |
|---|---|---|---|
| 1 | cahute | mittelfranzösisch | ohne Datierung |
| 2 | kayhute | mittelniederländisch | 1455 bezeugt |
| 3 | kajüte | mittelniederdeutsch | Anfang des 15. Jahrhunderts nachzuweisen |
| 4 | Kajüte | deutsch (Literatursprache) | 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts aufgenommen, im 15. Jahrhundert übernommen nach Wiktionary |
| 5 | Kajüte | neuhochdeutsch | ohne Datierung |
DWDS und Wiktionary nennen übereinstimmend die Linie vom Mittelniederländischen über das Mittelniederdeutsche zum heutigen Deutsch, jeweils mit dem Zusatz wohl bei der französischen Stufe cahute. Der Duden geht diesen Weg nicht mit; er nennt nur die mittelniederdeutsche Stufe kajüte und bezeichnet die Herkunft als ungeklärt. Das DWDS geht an der französischen Stufe noch einen Schritt weiter und erklärt cahute als wahrscheinliche Mischung aus altfranzösisch hute, das nur in der Sonderbedeutung Teil einer Bewässerungsanlage belegt sei, und mittelfranzösisch hutte (Hütte). Die einzelnen Stufen zeigen damit zwei verschiedene Sichtweisen auf dasselbe Wort: eine knappe Version beim Duden, die bei der niederdeutschen Stufe endet, und eine ausführlichere Version bei DWDS und Wiktionary, die eine mögliche Linie bis ins Mittelfranzösische zieht, diese aber durchgehend mit dem Wort wohl kennzeichnet.
Gesichert und ungeklärt
DWDS und Wiktionary nennen die Linie über mittelniederländisch kayhute zu mittelfranzösisch cahute, jeweils mit dem Zusatz wohl. Der Duden nennt dagegen die Herkunft ungeklärt und verzichtet auf eine Aussage zur französischen oder niederländischen Stufe. Eine durchgängig gesicherte Linie ergibt sich daraus nicht. Auch die Herkunft von Kompass führt wie bei Kajüte zu einem Wort aus der Welt der Seefahrt.
Sicher ist nur, dass das Wort aus dem Mittelniederdeutschen stammt, wo es bereits am Anfang des 15. Jahrhunderts vorkommt. Die französische Stufe nennen DWDS und Wiktionary nur mit der Einschränkung wohl, und das DWDS versieht auch die Mischform aus hute und hutte nur mit dem Wort wahrscheinlich. Der Duden spricht insgesamt von ungeklärter Herkunft.
- Mittelniederdeutsch kajüte: von allen drei Quellen genannt
- Mittelniederländisch kayhute: von DWDS und Wiktionary genannt
- Mittelfranzösisch cahute: von DWDS und Wiktionary genannt, jeweils mit wohl
- Mischung aus hute und hutte: nur vom DWDS genannt, mit wahrscheinlich
- Herkunft ungeklärt: so die Formulierung des Duden
Die Herkunftsangaben verlieren an Sicherheit, je weiter sie zurückreichen. Die mittelniederdeutsche Stufe nennen DWDS, Wiktionary und Duden. Je weiter der Blick in die Vergangenheit reicht, desto mehr Vorbehalte treten hinzu, bis beim Duden am Ende nur die Feststellung bleibt, dass die Herkunft nicht geklärt ist.
Verwandte Wörter und Bildungen
Neben der eigentlichen Herkunft nennen DWDS und Wiktionary auch Wörter, die mit Kajüte in Verbindung stehen oder aus ihm gebildet wurden. Zur Einordnung siehe Lehnwörter im Deutschen.
Das DWDS nennt als bedeutungsverwandte Wörter mittelfranzösisch cabane (Hütte) und altfranzösisch caverne (Höhle). Außerdem führt es die niederländische Entsprechung kajuit an, die als Vergleichswort neben dem deutschen Kajüte steht. Das Wiktionary nennt Kabine als Synonym und Raum als Oberbegriff. Als Unterbegriffe stehen dort Achterkajüte, Hauptkajüte, Kapitänskajüte, Offizierskajüte, Schlupfkajüte und Vorderkajüte. Als Wortbildungen nennt das Wiktionary zudem Kajütboot, Kajütdeck, Kajütenfenster und Kajütentür.
- Kabine (Wiktionary)
- Kapitänskajüte (Wiktionary)
- Hauptkajüte (Wiktionary)
- Kajütboot (Wiktionary)
- cabane (DWDS)
- kajuit (DWDS)
Kabine ist ein Synonym, die zusammengesetzten Formen wie Kapitänskajüte oder Hauptkajüte bezeichnen besondere Räume an Bord, und Kajütboot nennt einen Bootstyp mit einer solchen Kajüte. Die französischen und niederländischen Formen cabane und kajuit stehen nicht als Bildungen aus dem deutschen Wort, sondern als eigenständige, bedeutungsnahe beziehungsweise entsprechende Wörter in anderen Sprachen. Das Grundwort Kajüte verbindet sich im Deutschen mit verschiedenen Vor- und Zusätzen, ohne dass sich daraus etwas über die ursprüngliche Herkunft des Wortes selbst ableiten ließe.
Kajüte im heutigen Sprachgebrauch
Kajüte ist ein Substantiv, feminin, mit dem Genitiv der Kajüte und dem Plural die Kajüten. Nach dem DWDS bezeichnet es den Wohnraum an Bord eines Schiffes, nach dem Duden den Wohn- und Schlafraum auf Booten und Schiffen. In der Wortherkunft ist Kajüte ein Beispiel für ein Seemannswort, dessen letzter Ursprung offenbleibt.
Das Wort lässt sich auf unterschiedliche Wasserfahrzeuge anwenden. Ein Beispiel für ein Schiff: Die Besatzung zog sich in die Kajüte zurück, um den Sturm abzuwarten. Ein Beispiel für ein Boot: Das kleine Segelboot hatte eine schmale Kajüte mit zwei Kojen. Ein Beispiel für den Plural: Alle Kajüten des Schiffes lagen unter dem Hauptdeck.
Die Herkunft des Wortes liegt in der niederdeutschen Seemannssprache, wie das DWDS unter Berufung auf Pfeifer darlegt. Von dort fand das Wort den Weg in die hochdeutsche Literatursprache, ohne dass sich die weitere Herkunft, etwa die vermutete Verbindung zum Französischen, sicher belegen lässt. Diese Unsicherheit betrifft nicht die heutige Bedeutung des Wortes, die in beiden Nachschlagewerken übereinstimmend den Wohnraum auf einem Wasserfahrzeug meint, sondern nur die Frage, auf welchem Weg das Wort ursprünglich entstanden ist. Die Verwendung als feminines Substantiv mit regelmäßiger Pluralbildung auf -n bleibt davon unberührt und entspricht den grammatischen Angaben, die DWDS und Duden übereinstimmend nennen.

Was an der Herkunft offenbleibt
Mehrere Punkte in der Herkunftsgeschichte von Kajüte lassen sich den Quellen zufolge nicht abschließend klären.
- Woher mittelniederdeutsch kajüte letztlich stammt, nennt der Duden ausdrücklich ungeklärt.
- Ob mittelfranzösisch cahute die Quelle von mittelniederländisch kayhute ist, sagen DWDS und Wiktionary nur mit wohl.
- Ob die Mischung aus hute und hutte stimmt, nennt das DWDS nur mit wahrscheinlich.
- Wann genau das Wort ins Deutsche kam, ist nur als 15. Jahrhundert angegeben.
Als Merksatz lässt sich festhalten: Von mittelfranzösisch cahute, wohl, über mittelniederländisch kayhute und mittelniederdeutsch kajüte zu Kajüte, im 15. Jahrhundert, so stellen es DWDS und Wiktionary dar. Der Duden geht diesen Weg nicht mit und belässt es bei der Feststellung, dass die Herkunft ungeklärt ist. Diese Lücken betreffen vor allem die Stufen vor dem Mittelniederdeutschen: Je weiter der Blick in die Vergangenheit reicht, desto vorsichtiger formulieren die Nachschlagewerke ihre Angaben, bis am äußersten Punkt der Kette, bei der mittelfranzösischen Form cahute und ihrer vermuteten Entstehung aus hute und hutte, nur noch von einer wahrscheinlichen Erklärung die Rede ist. Für die niederdeutsche und die deutsche Stufe selbst besteht dagegen eine breitere Übereinstimmung zwischen den Quellen.
Quellen und Stand
- DWDS: Kajüte, Etymologie nach Pfeifer: www.dwds.de (geprüft am 2026-10-09)
- Duden: Kajüte, Herkunft, Grammatik: www.duden.de (geprüft am 2026-10-09)
- Wiktionary: Kajüte, Herkunft: de.wiktionary.org (geprüft am 2026-10-09)