Imperativ: Bildung, Formen und Beispiele
Aufforderungsform im Singular und Plural, Sonderfälle
Der Imperativ ist die Aufforderungsform des Verbs: Komm her. Kommt her. Kommen Sie her. Für die Anrede mit du, ihr und Sie gibt es drei Grundformen. Daneben kann „Gehen wir!“ als Aufforderung mit wir stehen. Heißt es gib oder gebe, iss oder esse, fahr oder fahre? Die Antwort hängt davon ab, ob das Verb seinen Stammvokal ändert und welche Endung es hat.
Imperativ: die drei Formen
Für den Singular, den Plural und die Höflichkeitsanrede besitzt der Imperativ jeweils eine eigene Form.
Singular (du): Beim Imperativ nutzt man den reinen Verbstamm, da das Pronomen fehlt. Frag! Komm! Lies!
Plural (ihr): Die Form ist identisch mit der zweiten Person Plural Präsens, lediglich das Pronomen entfällt. Fragt! Kommt! Lest!
Höflichkeitsform (Sie): Hier steht die Kombination aus Infinitiv und nachgestelltem Sie. Fragen Sie! Kommen Sie! Lesen Sie!

Das End-e: wann es steht und wann nicht
Für normale Verben gilt im Singular beim End-e freie Wahl: frag statt frage, sag statt sage. Die kürzere Form wirkt alltäglicher, die längere gehoben oder altmodisch.
Bei Stämmen auf -d oder -t ist das End-e im Allgemeinen üblich, aber nicht immer verbindlich: end oder ende. Der e-zu-i-Wechsel hat Vorrang: treten wird zu tritt. Bei Stämmen auf Konsonant plus -m oder -n steht das End-e nur nach bestimmten Konsonantenverbindungen, etwa in atme und rechne; nach Nasalen oder Liquiden ist es nicht stets erforderlich. Bei Verben auf -ig steht es meist: entschuldige. Bei -eln und -ern kann das e der Bildungssilbe entfallen: handle, traure.
Bei Verben mit Vokalwechsel von e zu i oder ie steht im Singular i beziehungsweise ie ohne Endungs-e: gib, nimm, iss, lies, sprich, hilf, sieh.
Unregelmäßige Verben und Sonderfälle
Eine wichtige Gruppe sind die Fälle mit e zu i oder ie: geben → gib, nehmen → nimm, essen → iss, lesen → lies, sehen → sieh, sprechen → sprich, helfen → hilf, treffen → triff.
Starkverben mit a zu ä bilden den Imperativ anders: Der Umlaut entfällt. So wird fahren zu fahr, laufen zu lauf, schlafen zu schlaf, tragen zu trag. Die Schreibweise fähr ist zu vermeiden.
Die Befehlsformen von sein und werden sind eigenständig: sei, seid, seien Sie sowie werde, werdet, werden Sie. Der Imperativ von haben lautet dagegen hab oder habe, habt, haben Sie.
Häufige Fehler und Zweifelsfälle
Ein Zweifelsfall ist gib oder gebe. Korrekt ist „gib“, da sich der Stammvokal ändert. Dasselbe gilt für iss statt esse, lies statt lese und nimm statt nehme.
Ein weiterer Stolperstein ist der Umlaut. Korrekt geschrieben wird fahr vorsichtig, nicht fähr vorsichtig. Das umgelautete Zeichen findet sich in den Präsensformen du fährst und er fährt, aber nicht in der direkten Ansprache.
Drittens geht es um das Pronomen. Im Singular und Plural entfällt es: „Komm her“, also nicht „du komm her“. Steht es doch, wirkt der Satz vorwurfsvoll; genau für diesen Effekt wird das Pronomen im Umgangston bewusst eingesetzt.
Bei trennbaren Verben rückt die Vorsilbe ans Ende: Räum bitte auf. Ruf mich an. Bring das mit. Diese Trennung wird beim schnellen Schreiben oft vergessen.
Ein letzter Punkt betrifft das Ausrufezeichen. Es ist nicht zwingend. Bei ruhigen Aufforderungen genügt der Punkt: Beachten Sie bitte die Frist. Das Ausrufezeichen verstärkt und wirkt in Geschäftstexten schnell scharf.

Aufforderungen in Anleitungen sowie Gebrauchstexten
Für Handlungsanweisungen kommen verschiedene Formen infrage. Der Imperativ ist eine klare Möglichkeit; in offiziellen Aufforderungen wird auch der Infinitiv verwendet, etwa in „Ruhe bewahren“. Welche Anrede passt, hängt von Zielgruppe, Medium und redaktionellen Vorgaben ab.
Wichtig ist die Einheitlichkeit: Wer im ersten Schritt siezt und im dritten duzt, verliert den Ton. In langen Anleitungen lohnt eine kurze Festlegung am Anfang, an der sich alle Beteiligten orientieren.
In wissenschaftlichen Arbeiten stehen im argumentierenden Fließtext meist sachliche Aussagen statt direkter Anweisungen an Lesende. Für Arbeitsanweisungen, Fragebögen oder Leitfäden können andere Konventionen gelten; maßgeblich sind Textsorte, Fach und institutionelle Vorgaben.
Fazit: Imperativ auf den Punkt gebracht
Für die Anrede mit du, ihr und Sie hat der Imperativ jeweils eine Grundform. Im Singular steht der Verbstamm ohne Pronomen, im Plural die Präsensform, in der Höflichkeitsanrede der Infinitiv mit Sie. Auch „Gehen wir!“ kann als Aufforderung mit wir stehen.
Bei Stämmen auf -d oder -t ist das End-e im Allgemeinen üblich, aber nicht immer verbindlich: end oder ende. Nach Konsonant plus -m oder -n steht es nur bei bestimmten Verbindungen, etwa in atme und rechne; nach Nasalen oder Liquiden nicht stets. Der e-zu-i- oder e-zu-ie-Wechsel hat Vorrang: treten wird zu tritt, geben zu gib. Bei -ig steht es meist. Der Umlaut bei a entfällt: fahr, nicht fähr.
Die Beispiele zur Bildung der Formen zeigen den Imperativ im Zusammenhang: Entscheidend sind Anrede, Vokalwechsel und die Wahl des End-e.
Konjunktiv I und II gehören nicht zu den hier behandelten Zweifelsfällen; diese betreffen die Wahl zwischen gib oder gebe sowie nimm oder nehme.