Imperativ: Bildung, Formen und Beispiele

Aufforderungsform im Singular und Plural, Sonderfälle

Lesezeit ca. 6 Min. · aktualisiert: 14. Juni 2026 · zurück zum Blog

Der Imperativ ist die Aufforderungsform des Verbs: Komm her. Kommt her. Kommen Sie her. Er hat nur drei Formen, und trotzdem gehört er zu den Stellen, an denen im Deutschen regelmäßig gestockt wird. Heißt es gib oder gebe, iss oder esse, fahr oder fahre? Die Antwort hängt davon ab, ob das Verb seinen Stammvokal ändert, und dieser eine Punkt entscheidet über fast alle Zweifelsfälle.

Imperativ: die drei Formen

Der Imperativ kennt eine Form für den Singular, eine für den Plural und eine für die Höflichkeitsanrede.

Singular (du): Der Imperativ leitet sich vom Verbstamm ab, das Pronomen entfällt. Frag! Komm! Lies!

Plural (ihr): Die Form ist identisch mit der zweiten Person Plural Präsens, ohne Pronomen. Fragt! Kommt! Lest!

Höflichkeitsform (Sie): Hier steht der Infinitiv mit nachgestelltem Sie. Fragen Sie! Kommen Sie! Lesen Sie!

Imperativ
Imperativ im Überblick.

Das End-e: wann es steht und wann nicht

Bei regelmäßigen Verben ist das End-e im Singular heute freigestellt: frag oder frage, sag oder sage. Die kurze Form ist die üblichere, die lange wirkt gehoben oder altertümlich.

Pflicht ist das e nach bestimmten Endungen. Verben auf -d, -t, -ig sowie auf Konsonant plus -m oder -n behalten es: rede, arbeite, entschuldige, atme, rechne.

Ausgeschlossen ist das e bei Verben mit Vokalwechsel. Wer im Präsens den Stammvokal ändert, bildet den Imperativ ohne e: gib, nimm, iss, lies, sprich, hilf, sieh.

Unregelmäßige Verben und Sonderfälle

Die wichtigste Gruppe sind die Verben mit e zu i oder ie: geben wird zu gib, nehmen zu nimm, essen zu iss, lesen zu lies, sehen zu sieh, sprechen zu sprich, helfen zu hilf, treffen zu triff.

Verben mit a zu ä verhalten sich anders: Der Umlaut verschwindet im Imperativ. Fahren wird zu fahr, laufen zu lauf, schlafen zu schlaf, tragen zu trag. Die Form fähr ist falsch.

Eigene Formen haben sein und werden: sei, seid, seien Sie sowie werde, werdet, werden Sie. Bei haben lautet der Imperativ hab oder habe, habt, haben Sie.

Häufige Fehler und Zweifelsfälle

Der bekannteste Zweifelsfall ist gib oder gebe. Richtig ist gib, weil geben den Stammvokal ändert. Dasselbe gilt für iss statt esse, lies statt lese und nimm statt nehme.

Der zweite Fehler betrifft den Umlaut. Es heißt fahr vorsichtig, nicht fähr vorsichtig. Der Umlaut gehört in die Präsensformen du fährst und er fährt, nicht in die Aufforderung.

Ein dritter Punkt ist das Pronomen. Im Singular und Plural entfällt es: Komm her, nicht du komm her. Steht es doch, wirkt der Satz vorwurfsvoll, und genau dafür wird er umgangssprachlich auch eingesetzt.

Bei trennbaren Verben rutscht die Vorsilbe ans Ende: Räum bitte auf. Ruf mich an. Bring das mit. Diese Trennung wird beim schnellen Schreiben oft vergessen.

Ein letzter Punkt betrifft das Ausrufezeichen. Es ist nicht zwingend. Bei ruhigen Aufforderungen genügt der Punkt: Beachten Sie bitte die Frist. Das Ausrufezeichen verstärkt und wirkt in Geschäftstexten schnell scharf.

Imperativ

Aufforderungen in Anleitungen und Gebrauchstexten

In Anleitungen ist der Imperativ die Standardform, weil er kurz ist und keine Person nennt. Bewährt hat sich die Sie-Form in Handbüchern für Kundinnen und Kunden und die du-Form in Software für Endnutzer.

Wichtig ist die Einheitlichkeit: Wer im ersten Schritt siezt und im dritten duzt, verliert den Ton. In langen Anleitungen lohnt eine kurze Festlegung am Anfang, an der sich alle Beteiligten orientieren.

In wissenschaftlichen Arbeiten hat der Imperativ dagegen keinen Platz. Anweisungen an Lesende sind dort unüblich, und statt beachte man hier gilt eine sachliche Formulierung im Präsens als angemessen.

Fazit: Imperativ auf den Punkt gebracht

Der Imperativ hat drei Formen: du, ihr und Sie. Im Singular steht der Verbstamm ohne Pronomen, im Plural die Präsensform, in der Höflichkeitsanrede der Infinitiv mit Sie.

Das End-e ist bei regelmäßigen Verben freigestellt, nach -d, -t und -ig Pflicht und bei Verben mit Vokalwechsel ausgeschlossen. Der Umlaut bei a entfällt: fahr, nicht fähr.

Das Thema „Imperativ: Bildung, Formen und Beispiele“ wird hier als Gesamtzusammenhang aufgegriffen.

Passend dazu die Zweifelsfälle Konjunktiv I und II, gib oder gebe und nimm oder nehme.

Anleitungen mit einheitlicher Ansprache: Unser Lektorat prüft Ton, Form und Verständlichkeit.

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Häufige Fragen zum Imperativ

Wie wird der Imperativ gebildet?

Im Singular aus dem Verbstamm ohne Pronomen (komm), im Plural aus der Präsensform (kommt), in der Höflichkeitsform aus dem Infinitiv mit Sie (kommen Sie).

Heißt es gib oder gebe?

Gib. Verben, die im Präsens den Stammvokal von e zu i ändern, bilden den Imperativ ohne End-e.

Wann muss das End-e stehen?

Nach den Endungen -d, -t und -ig sowie nach Konsonant plus -m oder -n: rede, arbeite, entschuldige, atme, rechne.

Heißt es fahr oder fähr?

Fahr. Der Umlaut aus du fährst gehört nicht in den Imperativ.

Wie lautet der Imperativ von sein?

Sei, seid, seien Sie. Das Verb hat eigene Formen, die sich nicht ableiten lassen.

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