Wie baust du eine Gap-Analyse in deiner Arbeit auf?
Gap-Analyse sauber belegen: Ist, Soll und Lücke
Eine Gap-Analyse zeigt den Abstand zwischen dem, was heute ist, und dem, was du als Ziel festlegst. Ist-Zustand, Soll-Zustand und die daraus abgeleitete Lücke sind die drei Bezugspunkte, an denen du dich für deine Bachelor- oder Masterarbeit entlanghangelst. Wie du die Methode richtig einsetzt, zeigen die Abschnitte unten.
Was zeigt eine Gap-Analyse in deiner Arbeit?
Eine Gap-Analyse zeigt dir den Abstand zwischen zwei Entwicklungslinien, die auf unterschiedlichen Annahmen beruhen. Das Gabler Wirtschaftslexikon führt sie als Instrument des strategischen Managements, das diesen Abstand darstellt, die Lücke deutet und Vorschläge macht, sie zu schließen. Für deine Arbeit bedeutet das: Du nimmst zwei Linien, zum Beispiel die Fortschreibung des bisherigen Zustands und eine Linie, die ein angestrebtes Potenzial unterstellt, und machst den Abstand dazwischen sichtbar.
Nach der Haufe Akademie ist die Gap-Analyse eine Methode, mit der sich die Lücke zwischen dem aktuellen Zustand und einem gewünschten Zielzustand erkennen lässt. Diese Formulierung passt gut zu einer Abschlussarbeit, weil sie zwei klar benennbare Punkte verlangt: einen Ist-Zustand, den du erheben kannst, und einen Soll-Zustand, den du begründen musst. Ohne diese beiden Punkte lässt sich keine Lücke benennen, und genau darin liegt die Aufgabe, bevor du mit der eigentlichen Untersuchung beginnst.
Die Gap-Analyse steht in einer Abschlussarbeit nicht zwingend allein. Sie ergänzt andere Werkzeuge, etwa die SWOT-Analyse, wenn es um den Weg vom Ist zum Soll geht, denn beide Werkzeuge fragen nach dem aktuellen Zustand eines Unternehmens oder eines Prozesses. Während die Gap-Analyse den Abstand zwischen zwei Linien misst, liefert eine Stärken-Schwächen-Betrachtung zusätzliche Hinweise darauf, warum dieser Abstand entsteht. Prüfe am Anfang deiner Arbeit, ob dein Fachbereich eine Kombination aus mehreren Analysewerkzeugen erwartet oder ob die Gap-Analyse allein als zentrales Werkzeug reicht. Die Vorgaben der Fachbereiche sind hierzu unterschiedlich, deshalb klärst du die passende Kombination am besten mit deiner betreuenden Person.

Wie läuft eine Gap-Analyse Schritt für Schritt?
Der Ablauf einer Gap-Analyse folgt nach der Haufe Akademie einer festen Reihenfolge von Schritten, die du nacheinander abarbeitest: Zuerst erfasst du den Ist-Zustand, dann legst du einen messbaren Soll-Zustand fest, anschließend vergleichst du beide, klärst die Ursachen der Abweichung und planst Maßnahmen samt Verantwortlichkeiten. Für eine Abschlussarbeit lässt sich das in fünf Schritte übersetzen, die sich im Methodenteil festhalten lassen.
- Ist-Zustand erfassen
- Soll-Zustand festlegen
- Lücken benennen
- Ursachen klären
- Maßnahmen ableiten
Der Ausgangspunkt liegt schon beim Forschungsfrage formulieren, denn dort steht, was verglichen wird. Deine Forschungsfrage legt implizit fest, welcher Ausschnitt der Realität als Ist-Zustand gilt und welcher Zielzustand als Soll-Zustand gemeint ist. Wenn du diesen Zusammenhang nicht explizit machst, droht die Gefahr, dass Ist und Soll im Verlauf der Arbeit verschwimmen und die Lücke am Ende nicht mehr klar benennbar ist.
Jeder der fünf Schritte braucht eine eigene Dokumentation. Beim Ist-Zustand hältst du fest, welche Daten du verwendet hast und woher sie stammen. Beim Soll-Zustand begründest du, warum genau dieser Zielwert gilt und nicht ein anderer. Die Lücke selbst ist dann nur noch die rechnerische oder inhaltliche Differenz, aber die Ursachenklärung verlangt eine eigene Argumentation, die du nicht aus der reinen Gegenüberstellung von Zahlen ableiten kannst. Maßnahmen leitest du erst ab, wenn die Ursachen soweit geklärt sind, dass sich daraus sinnvolle Schritte ergeben. Wie detailliert dein Fachbereich diese fünf Schritte in der Arbeit erwartet, klärst du am besten anhand des Leitfadens deines Fachbereichs oder im Gespräch mit der betreuenden Person.
Welche Arten von Lücken gibt es?
Das Gabler Wirtschaftslexikon unterscheidet innerhalb der Gesamtlücke zwei Arten, die sich in Bedeutung und Konsequenz deutlich unterscheiden. Die Gesamtlücke lässt sich in eine operative und eine strategische Lücke unterteilen, wobei beide Teile unterschiedliche Reaktionen erfordern. Diese Unterscheidung lohnt sich für deine Arbeit, weil sie dir hilft, die gefundene Lücke präziser einzuordnen, statt sie nur als einen pauschalen Abstand zu behandeln.
Die strategische Lücke ist die Differenz zwischen der möglichen Entwicklung und der Entwicklung, die eintritt, wenn das heutige strategische Instrumentarium unverändert bleibt. Anders als die operative Lücke lässt sie sich nicht durch kleinere Anpassungen schließen, sondern braucht neue Produkte, Technologien oder Märkte. Das unterscheidet sie deutlich von einer operativen Lücke, die sich eher durch Verbesserungen innerhalb bestehender Strukturen angehen lässt.
| Lücke | Bedeutung | Folge |
|---|---|---|
| Operativ | Abweichung innerhalb bestehender Strukturen und Instrumente | Anpassung bestehender Maßnahmen |
| Strategisch | Differenz zwischen möglicher Entwicklung und Entwicklung bei gleichem Instrumentarium | Neue Produkte, Technologien oder Märkte notwendig |
Für deine Argumentation bedeutet die strategische Lücke mehr als nur eine Zahl. Das Lexikon sieht die Lücke als Anlass, über Veränderungen in den Wertschöpfungsstrategien nachzudenken, etwa über neue Produkte im bestehenden Markt. Wenn du also in deiner Arbeit eine Lücke identifizierst, lohnt es sich, nicht nur die Größe der Lücke zu nennen, sondern auch zu prüfen, ob sie eher operativer oder strategischer Natur ist. Diese Einordnung entscheidet mit darüber, welche Art von Maßnahmen du im weiteren Verlauf deiner Arbeit diskutierst, und sie gibt deiner Argumentation eine klare Struktur, die über eine reine Zahlenabweichung hinausgeht.
Wie hilft das Ansoff-Raster bei der Deutung der Lücke?
Wenn deine Lücke in Richtung Wachstum zeigt, kann ein zusätzliches Raster helfen, die möglichen Wege zu sortieren. Das Produkt-Markt-Expansionsraster von Ansoff kombiniert bestehende und neue Produkte mit bestehenden und neuen Märkten, wie es das Gabler Wirtschaftslexikon beschreibt. Daraus ergeben sich vier Felder, die unterschiedliche Wachstumswege darstellen und die du nutzen kannst, um die strategische Lücke genauer zu deuten.
Die Überlegungen innerhalb dieses Rasters laufen nach der Quelle in einer bestimmten Reihenfolge ab: zuerst Marktdurchdringung, dann Marktentwicklung, dann Produktentwicklung. Diese Reihenfolge gibt dir eine Orientierung, in welcher Abfolge du mögliche Wachstumsoptionen in deiner Arbeit diskutieren kannst, wenn die Lücke, die du gefunden hast, auf fehlendes Wachstum hinweist. Du beginnst demnach mit der naheliegendsten Option, bevor du aufwendigere Schritte wie eine vollständige Produktentwicklung in Betracht ziehst.
Das Ansoff-Raster passt aber nicht zu jeder Gap-Analyse in einer Abschlussarbeit. Es eignet sich vor allem dann, wenn deine Arbeit tatsächlich Wachstumsoptionen behandelt und die gefundene Lücke eine strategische Lücke ist, die neue Produkte oder Märkte verlangt. Geht es in deiner Arbeit eher um operative Verbesserungen innerhalb bestehender Strukturen, bringt das Raster möglicherweise keinen zusätzlichen Erkenntnisgewinn. Sprich daher am besten mit deiner betreuenden Person ab, ob der Einsatz dieses Rasters zu deiner konkreten Fragestellung passt, bevor du es als festen Bestandteil deiner Methodik einplanst.

Wie belegst und dokumentierst du Ist- und Soll-Werte?
Für eine Gap-Analyse ist die Qualität der Daten wichtig, die du für Ist- und Soll-Zustand verwendest. Als Datengrundlage nennt die Haufe Akademie Kennzahlen, Prozessdaten, Kosten, Qualität und Kundenfeedback. Diese Kategorien geben dir eine Orientierung, welche Art von Daten du für deinen Ist-Zustand sammeln kannst, egal ob es um ein Unternehmen, einen Prozess oder ein anderes Untersuchungsobjekt in deiner Arbeit geht.
Für eine saubere Dokumentation reicht die bloße Nennung einer Zahl nicht aus. Halte zu jedem Wert fest, aus welcher Quelle er stammt, zu welchem Zeitpunkt er erhoben wurde und mit welcher Messweise du ihn ermittelt hast. Eigene Befragungen lassen sich über das Umfrage auswerten in belastbare Ist-Werte übersetzen, wenn du die Rohdaten systematisch aufbereitest und die Ergebnisse nachvollziehbar darstellst. Diese Dokumentation macht später nachprüfbar, wie du von den Rohdaten zu den Werten gekommen bist, die du in deiner Gap-Analyse verwendest.
Genauso wichtig wie die Dokumentation der Ist-Werte ist die Begründung des Soll-Zustands. Dort gehört die Begründung hin, die du aus der Methodik der Bachelorarbeit kennst, denn jede Annahme hinter einem Zielwert muss nachvollziehbar sein, sonst wirkt die gesamte Lücke willkürlich. Der Blick auf Konkurrenten steht in der Wettbewerbsanalyse und liefert Soll-Werte, wenn du dich an Marktstandards oder an Werten anderer Akteure orientierst, statt einen Zielwert frei zu setzen. Als Beispiel kannst du dir ein gedachtes Unternehmen vorstellen, für das du drei Kennzahlen festlegst, etwa einen Wert zur Kundenzufriedenheit: Du trägst den Ist-Wert, den Soll-Wert und die daraus resultierende Lücke in eine Tabelle ein und notierst daneben Quelle und Messzeitpunkt. So bleibt nachvollziehbar, wie jede einzelne Zahl in deiner Gap-Analyse entstanden ist.
Quellen und Stand
- Gabler Wirtschaftslexikon: Gap-Analyse: wirtschaftslexikon.gabler.de (geprüft am 2026-10-09)
- Gabler Wirtschaftslexikon: strategische Lücke: wirtschaftslexikon.gabler.de (geprüft am 2026-10-09)
- Gabler Wirtschaftslexikon: Produkt-Markt-Expansionsraster: wirtschaftslexikon.gabler.de (geprüft am 2026-10-09)
- Haufe Akademie: Gap-Analyse (Glossar eines Weiterbildungsanbieters): www.haufe-akademie.de (geprüft am 2026-10-09)