Wettbewerbsanalyse durchführen: Schritte erklärt
Wettbewerbsanalyse – Mitbewerber systematisch analysieren
Wer im Markt erfolgreich sein will, muss die Konkurrenz kennen. Die Wettbewerbsanalyse ist kein einzelnes Modell, sondern ein Prozess mit verschiedenen Werkzeugen. Wir zeigen die wichtigsten Methoden.
Schritte der Wettbewerbsanalyse
- Wettbewerber identifizieren: Direkte (gleiche Produkte), indirekte (Substitute), potenzielle (mögliche Marktneueintreten).
- Daten sammeln: Geschäftsberichte, Websites, Pressemitteilungen, Bewertungsplattformen, Mystery-Shopping.
- Analyse-Dimensionen wählen: Produkte, Preise, Vertrieb, Marketing, Personal, Strategie.
- Bewerten und vergleichen: Eigene Position vs. Wettbewerber.
- Strategische Schlüsse ziehen: Wo sind eigene Stärken? Wo Lücken im Markt?
Werkzeuge
- Konkurrenten-Steckbrief: Pro Wettbewerber strukturiertes Profil.
- Benchmarking: Eigene Kennzahlen mit Wettbewerbern vergleichen.
- Positionierungs-Matrix: Eigene Position auf zwei Dimensionen (z. B. Preis vs. Qualität) gegen Wettbewerber.
- SWOT-Analyse: Pro Wettbewerber eine eigene SWOT.
- Porter's Five Forces: Branchenstruktur.
Beispiel: Streaming-Markt
Direkte Wettbewerber: Netflix, Amazon Prime, Disney+, Apple TV+, HBO Max.
Indirekte: YouTube, TikTok, Gaming, Kino.
Analyse-Dimensionen: Content-Bibliothek, Originalproduktionen, Preis, Plattform-Verfügbarkeit, UX, Werbe-Modell.
Positionierung: Netflix dominiert bei Originalproduktionen, Disney+ bei Familien-Content, Amazon Prime bei Bündel-Angeboten.
Datenquellen
- Geschäftsberichte (öffentliche Unternehmen).
- Marktstudien (Statista, Branchenverbände).
- Bewertungsplattformen (Trustpilot, Google Reviews).
- Social-Media-Analyse.
- Web-Tools (SimilarWeb für Traffic, SEMrush für SEO).
Anwendung in der Bachelorarbeit
Wettbewerbsanalyse passt zu BWL-/Marketing-Themen. Pro Wettbewerber 1–2 Seiten Profil, dann zusammenfassende Analyse mit Positionierungsmatrix.
Limitationen
- Daten oft öffentlich, aber nicht vollständig.
- Strategische Pläne der Wettbewerber meist unbekannt.
- Schnelle Marktveränderungen machen Analyse schnell veraltet.
Häufige Fehler
- Nur direkte Wettbewerber betrachtet, indirekte vergessen.
- Daten ohne Quellenangabe.
- Keine eigene Position als Vergleich.
- Analyse rein deskriptiv, ohne Schlussfolgerungen.
Mehr im Hub BWL-Modelle.
Datenquellen für eine Wettbewerbsanalyse
Eine seriöse Wettbewerbsanalyse steht und fällt mit den Datenquellen. In Bachelorarbeiten und Praxisprojekten wird häufig zu sehr auf öffentliche Pressemitteilungen oder Unternehmenswebsites verlassen – das liefert ein einseitiges Bild. Belastbarere Quellen sind Geschäftsberichte (für börsennotierte Unternehmen verpflichtend zu veröffentlichen), Marktforschungsberichte von Statista, Euromonitor oder GfK, Branchenverbands-Publikationen sowie Datenbanken wie Bloomberg, S&P Capital IQ oder Bisnode/Dun & Bradstreet für Unternehmensdaten. Über Suchmaschinen-Alerts und Google Trends lassen sich aktuelle Aktivitäten der Wettbewerber günstig nachverfolgen.
Achte bei der Datenauswertung auf Aktualität: Eine Wettbewerbsanalyse mit drei Jahre alten Zahlen ist in dynamischen Märkten wie SaaS, E-Commerce oder Erneuerbaren Energien nahezu wertlos. Mindestens jährliche Aktualisierungen sind Pflicht, in volatilen Branchen sogar quartalsweise. Methodisch lohnt sich eine Triangulation – also der Abgleich mehrerer unabhängiger Quellen, um Verzerrungen einzelner Anbieter zu reduzieren. Strukturieren kannst du die Wettbewerbsanalyse über Porters Five Forces, eine SWOT-Matrix der Wettbewerber oder ein Stärken-Schwächen-Profil mit gewichteten Kriterien. Sinnvoll ergänzen lässt sich die Analyse durch eine PESTEL-Analyse für die externen Rahmenbedingungen und eine SWOT-Analyse des eigenen Unternehmens. Erst die Verbindung dieser drei Bausteine liefert ein strategisch belastbares Bild und nicht nur eine Aufzählung von Mitbewerbern. Wer eine Wettbewerbsanalyse für eine empirische Bachelorarbeit nutzt, ergänzt sinnvollerweise Experteninterviews oder strukturierte Beobachtungen. Sekundärdaten allein liefern selten ein vollständiges Bild, vor allem bei privaten Unternehmen oder in Nischenmärkten.