Nutella Artikel: der, die oder das Nutella?
Warum es keine amtliche Antwort gibt und was in Texten zu empfehlen
Der Nutella Artikel ist der bekannteste Streitfall der deutschen Sprache, und er hat eine ungewöhnliche Auflösung: Es gibt keine amtliche Antwort. Der Hersteller selbst legt sich nicht fest und schreibt den Markennamen bewusst ohne Artikel. Im Sprachgebrauch begegnen alle drei Formen, und jede lässt sich begründen. Wer eine Entscheidung braucht, findet sie am ehesten über die Frage, welches deutsche Wort er sich beim Sprechen dazudenkt.
Die kurze Antwort
Es gibt keine verbindliche Regel. Der Hersteller Ferrero erklärt ausdrücklich, dass er sich nicht festlegt, und verwendet den Namen ohne Artikel.
Im Gebrauch sind alle drei Formen belegt: das Nutella ist am weitesten verbreitet, die Nutella folgt, und der Nutella ist am seltensten.
Der Duden verzeichnet den Markennamen und nennt kein Geschlecht. Damit ist keine Form falsch, und jede Wahl bleibt eine persönliche Entscheidung.
Warum sich alle drei begründen lassen
Das Nutella: Wer an das Brotaufstrichprodukt oder schlicht an das Nutella als Sache denkt, kommt zum Neutrum. Auch Markennamen ohne erkennbares Grundwort tendieren im Deutschen zum Neutrum.
Die Nutella: Wer die Creme oder die Nuss-Nougat-Creme als Entsprechung nimmt, kommt zum Femininum. Die Endung auf -a stützt diese Zuordnung zusätzlich, denn viele Wörter auf -a sind feminin.
Der Nutella: Wer den Aufstrich als Entsprechung nimmt, kommt zum Maskulinum. Diese Form ist regional begrenzt und am seltensten.
Genau weil drei Entsprechungswörter gleich nahe liegen, hat sich keine Form durchgesetzt. Bei anderen Marken war das anders: Das Tempo folgt dem Taschentuch, der Duden folgt dem Namen seines Herausgebers.

Markennamen und ihre Artikel
Markennamen bekommen im Deutschen ihr Geschlecht meist vom Gattungsbegriff: der Golf (der Wagen), die Coca-Cola (die Cola oder die Limonade), das iPhone (das Telefon).
Wo dieser Begriff nicht eindeutig ist, entsteht Schwanken. Der oder das Twix, der oder das Snickers, die oder das Fanta: In all diesen Fällen gilt dasselbe wie bei Nutella.
Hersteller schreiben Markennamen oft bewusst ohne Artikel, um sich nicht festzulegen. In der Werbung heißt es dann Nutella schmeckt, nicht das Nutella schmeckt.
Für Texte lässt sich dieser Weg übernehmen: Wer den Artikel weglässt, umgeht die Frage vollständig, und in Produkttexten ist das die übliche Lösung.
Der Name und seine Bildung
Der Name setzt sich zusammen aus dem englischen nut für Nuss und der italienischen Verkleinerungsendung -ella. Er entstand 1964 in Italien.
Die Endung -ella ist im Italienischen feminin, und das ist ein weiteres Argument für die Nutella. Im Deutschen wirkt diese Herkunft allerdings nur mittelbar, weil die Endung hier kein bekanntes Muster bildet.
Der Vorgänger hieß Supercrema und war eindeutig feminin. Nach der Umbenennung ging diese Eindeutigkeit verloren, und das Schwanken begann.
Verwandte Aufstriche und ihre Artikel
Maskulin: der Aufstrich, der Honig, der Sirup, der Quark, der Käse.
Feminin: die Marmelade, die Konfitüre, die Butter, die Creme, die Paste, die Margarine.
Neutral: das Gelee, das Mus, das Erdnussmus, das Schokoladenaufstrich ist dagegen maskulin, weil der Aufstrich maskulin ist.
Auffällig ist, dass die Gattungsbegriffe selbst uneinheitlich sind. Genau deshalb hilft die Frage nach dem Entsprechungswort bei Nutella nicht weiter, denn je nach gewähltem Begriff kommt ein anderes Ergebnis heraus.

Häufige Fehler und Zweifelsfälle
Es gibt kein Falsch: Alle drei Formen sind belegt und werden von Wörterbüchern nicht beanstandet. Wer eine als falsch bezeichnet, geht über den Sprachstand hinaus.
Der Wechsel im Text: Was zählt, ist die Einheitlichkeit. Wer im ersten Absatz das Nutella und im dritten die Nutella schreibt, wirkt unaufmerksam.
Die Schreibung: Der Markenname wird kleingeschrieben, weil der Hersteller ihn so führt. In Fließtexten ist die Großschreibung am Satzanfang trotzdem üblich.
Zusammensetzungen: Das letzte Glied entscheidet. Das Nutellabrot (das Brot), das Nutellaglas (das Glas), der Nutellalöffel (der Löffel).
In Werbetexten: Dort ist die artikellose Form die sichere Wahl. Sie vermeidet die Diskussion und entspricht der Vorgabe des Herstellers.
Fazit: Nutella Artikel auf einen Blick
Es gibt keine verbindliche Regel. Das Nutella ist am weitesten verbreitet, die Nutella folgt, der Nutella ist am seltensten.
Der Hersteller schreibt den Namen ohne Artikel, und diese Lösung lässt sich in Texten übernehmen. Wichtig ist allein die Einheitlichkeit innerhalb eines Dokuments.
Weitere schwankende Fälle Eigennamen Deklination, Artikel der die das und Joghurt Artikel.