Zwei Wege zur Publikation: So arbeiten Wiley und SAGE
Wiley oder SAGE: Portal, Begutachtung, Open Access und Kennzahlen
Die Entscheidung fällt auf der Ebene der einzelnen Zeitschrift, nicht auf Verlagsebene. Dieser Leitfaden stellt die belegten Mechanismen gegenüber, damit du die richtigen Fragen stellen kannst.
Einreichsysteme und technische Grundlagen
Wiley und SAGE trennen sich schon beim Zugang zum Manuskript. Während bei Wiley die Abläufe über das zentrale Portal Wiley Authors laufen, setzen viele Titel bei SAGE auf SAGE Track. Beide Systeme führen die Kommunikation zwischen Einreichenden und Redaktion zusammen, doch die Kontoverwaltung funktioniert anders. Bei Wiley benötigen Forschende zunächst ein Nutzerkonto für das Portal. Dort wählen sie die passende Zeitschrift aus und laden die Dokumente hoch. Das System akzeptiert verschiedene Dateiformate, darunter Word-Dokumente oder LaTeX-Archive. Die technischen Limits gelten verbindlich, denn ausführbare Dateien werden abgewiesen.
| Frage | Wiley | SAGE |
|---|---|---|
| Einreichsystem | Portal Wiley Authors | SAGE Track (ScholarOne) |
| Anschreiben | in den Author Guidelines der Zeitschrift geregelt | Cover Letter möglich |
| Begutachtungsarten | Einfach/doppelt anonymisiert, offen | Vier Typen inkl. dreifach anonymisiert |
| Hybridoption | Gegen APC verfügbar | Sage Choice nach Akzeptanz |
| Kennzahl Erste Entscheidung | Median bis zur ersten Entscheidung | Median bis redaktionelle Reaktion |
| Ablehnungsweg | Editor Referral / Transfer Desk | Sage Path Service |
Das Konzept der Konten zeigt deutliche Differenzen. Bei SAGE erfordert jede einzelne Zeitschrift ein eigenes Login im System SAGE Track. Dieses basiert auf der Technologie ScholarOne Manuscripts. Ein bestehendes Profil lässt sich daher nicht auf den nächsten Titel übertragen. Um diesen Aufwand zu minimieren, empfiehlt der Verlag die Registrierung über ORCID. Dadurch vereint man die Identitäten, benötigt aber weiterhin titelspezifische Zugänge. Wer die Wissenschaftsverlage im Vergleich betrachtet, stellt fest, dass die technische Infrastruktur pro Titel gedacht ist. Zudem legen beide Häuser die Formatvorgaben individuell fest. Bei Wiley dürfen beispielsweise mehrere LaTeX-Dateien in einem Archiv gesendet werden, solange die Hauptdatei oben liegt. Da die Regeln je nach Titel variieren, gehört die Klärung der Systemfragen vor dem ersten Upload zur Grundvorbereitung.

Unterlagen und Schutz der Identität
Die Art der Begutachtung bestimmt maßgeblich, welche Dokumente erstellt werden müssen. SAGE liefert hierfür detaillierte Vorbereitungsleitfäden. Für doppelt anonyme Prozesse müssen Namen, Adressen und Zugehörigkeiten vollständig entfernt werden. Auch die Danksagungen gehören in diesen Fällen nicht ins Hauptmanuskript. Stattdessen wandern diese Daten auf ein separates Titelblatt, das die Gutachter nicht sehen. Selbstzitate sollen in der dritten Person formuliert werden, um Rückschlüsse zu vermeiden. Zusätzlich kann ein Anschreiben erforderlich sein, in dem die Eignung des Manuskripts dargelegt wird. Sollte Unterstützung durch Dritte erfolgt sein, muss dies hier und in der Danksagung transparent gemacht werden.
Bei Wiley steht die Integrität der Autorschaft im Mittelpunkt. Generative Künstliche Intelligenz darf nicht als Autor oder Autorin genannt werden. Wird ein solches Werkzeug bei der Manuskripterstellung eingesetzt, ist dies im Methoden- oder Danksagungsteil zu beschreiben. Die Verantwortung für sämtliche Aussagen bleibt bei den menschlichen Autorinnen und Autoren. Dies führt dazu, dass die Dokumentation der Entstehungsgeschichte präzise sein muss. Ein Pre-Submission-Check hilft dabei, alle offenen Punkte zu identifizieren, bevor das Paket versandt wird. Die Trennung von anonymem Kernstück und metadatenträgendem Titelblatt ist kein formales Detail, sondern eine inhaltliche Notwendigkeit.
In der Praxis bedeutet dies, dass die Dateistruktur variabel ist. Je nachdem, ob die Zeitschrift blind oder offen prüft, ändert sich die Anzahl der hochzuladenden Elemente. Bei SAGE kann das bedeuten, dass zwei separate Dokumente vorbereitet werden müssen. Diese Aufteilung steht vor dem Schreiben des Briefes an die Redaktion fest. So vermeidet man Widersprüche zwischen dem, was im Text steht, und dem, was im separaten Blatt dokumentiert ist. Letztlich geht es darum, die Privatsphäre der Beteiligten zu schützen, während gleichzeitig alle relevanten Fakten für die Bewertung bereitliegen. Genauigkeit in dieser Phase erleichtert die Kommunikation mit der Redaktion.
Modelle der Qualitätskontrolle
Peer Review ist kein monolithischer Prozess, sondern besteht aus verschiedenen Varianten. Wiley listet klassische Formen wie einfache und doppelte Anonymisierung auf. Darüber hinaus beschreiben die Materialien moderne Ansätze wie offene oder transparente Reviews. Dabei können Kommentare öffentlich zugänglich sein oder sogar transferierbar gestaltet werden. Entscheidend ist jedoch, dass jedes Magazin seinen eigenen Pfad wählt. Es gibt keine universelle Regelung, die für alle Titel gleich gilt. Daher rät der Verlag, die lokale Redaktion zu kontaktieren oder die speziellen Seiten zu studieren. Hier findet man heraus, ob die Namen bekannt gegeben werden oder streng geheim bleiben.
SAGE differenziert feinere Abstufungen. Neben einfachen und doppelten Maskierungen gibt es hier die Dreifach-Anonymisierung. In diesem Fall weiß auch die redaktionelle Leitung nicht, wer schreibt und wer urteilt. Außerdem bietet SAGE ein Programm für transparentes Peer Review an. Dort erscheinen die Berichte parallel zum Artikel. Als seltenste Form wird das Post-Publication-Review genannt, bei dem die Debatte nach dem Erscheinen weiterläuft. Diese Vielfalt macht es notwendig, sehr genau hinzusehen. Die Zeitschriften definieren letztlich das Regime. Ob man nun anonym bleibt oder sich outet, hängt davon ab, welchen Titel man ansteuert. Der Vergleich der Modelle zeigt, dass beide Anbieter Flexibilität besitzen, aber unterschiedliche Terminologien verwenden.
Für die Planung ist wichtig, dass die Erwartungshaltung angepasst werden muss. Bei offenen Verfahren ist Kritik direkter adressiert. Bei blinden Verfahren schützt die Maske vor unbewusster Beeinflussung. Die Wahl des Modells beeinflusst den Tonfall der Korrespondenz erheblich. Da die Antworten stets aus den Hinweisen des jeweiligen Magazins stammen, lohnt sich ein genauer Blick in die Instructions for Authors. Die Hinweise zu Dauer und Beteiligung stehen auf den redaktionellen Seiten der jeweiligen Zeitschrift. Diese Transparenz hilft, realistische Zeitpläne zu erstellen. Man sollte nicht annehmen, dass ein bestimmter Stil überall vorherrscht. Vielmehr dominiert die individuelle Kultur des Journals. Wer verstehen will, wie sein Beitrag geprüft wird, muss diese spezifischen Merkmale berücksichtigen.
Finanzierungswege und Zugänglichkeit
Offener Zugang wird bei beiden Anbietern über verschiedene Kanäle ermöglicht. Bei Wiley gibt es Zeitschriften, die komplett frei erreichbar sind. Dort sind alle Forschungsartikel sofort lesbar, herunterladbar und teilbar. Die Kosten übernehmen Autorinnen und Autoren, ihre Einrichtungen oder die Fördermittelgeber. Alternativ existieren Abonnementzeitschriften, die eine Mischform anbieten. Gegen Zahlung einer Article Publication Charge wird der Einzelbeitrag freigeschaltet. Diese sogenannte Hybridlösung erweitert das Angebot flexibel. Die Höhe der Gebühr richtet sich nach dem jeweiligen Titel. Einen Pauschalpreis, der für alle gilt, gibt es nicht.
Bei SAGE finanzieren sich Gold-Open-Access-Titel über Article Processing Charges. Dafür können institutionelle Open-Access-Vereinbarungen herangezogen werden. Manchmal existiert bereits ein vorab bezahltes Open-Access-Konto der Institution. Auch institutionell bedingte Rabatte sind möglich. Besonders interessant ist das Programm Sage Choice. Hier öffnet sich die Möglichkeit zur hybriden Freigabe erst nach positiver Beurteilung. Damit soll verhindert werden, dass finanzielle Entscheidungen den fachlichen Urteilsspruch beeinflussen. Fast alle Titel beteiligen sich daran, wenngleich einzelne Titel ausgenommen sind und eigene Gebühren erheben können. Zudem erlaubt SAGE das Teilen der eingereichten oder angenommenen Fassung nach der Annahme, sofern der Zugang kostenlos bleibt und die Zeitschrift vollständig zitiert wird.
Der sichtbarste Unterschied liegt im Zeitpunkt der Hybridentscheidung. SAGE hält die Option Sage Choice bewusst bis nach der Annahme zurück, damit die Finanzierungswahl die Begutachtung nicht beeinflusst. Gleichzeitig darf man nicht schlussfolgern, dass der Verlagsname die Gebührenhöhe vorgibt. Die Beträge hängen immer vom konkreten Titel ab. Wer Open Access publizieren möchte, sollte daher prüfen, welche Finanzierungswege die Zielzeitschrift und die eigene Institution konkret bieten. Die verfügbaren Optionen stehen auf den Verlagsseiten der jeweiligen Zeitschrift.
Messgrößen und statistische Werte
Zahlen liefern Orientierung, bergen aber Interpretationsrisiken. Wiley misst die Spanne vom Eingang bis zur ersten Feststellung. Gemeint ist die Differenz in Kalendertagen seit dem Starttermin. Dazu zählen auch schnelle Absagen ohne Expertenprüfung. Der angezeigte Wert bildet den mittleren Punkt der Verteilung. Es handelt sich also um einen Zentralwert, nicht um den Durchschnitt. Diese Unterscheidung ist mathematisch fundamental. Extreme Ausreißer ziehen den Schnitt nach oben, während der Median stabil bleibt. Deshalb sollte man die Definition sorgfältig lesen, bevor man Vergleiche zieht. Die Berechnung erfolgt separat für jedes Heft, basierend auf zeitgestempelten Ereignissen.
SAGE nutzt eine verwandte Logik, nennt aber zusätzliche Parameter. Die Zeit bis zur ersten Reaktion wird ebenfalls als Mediane dargestellt. Allerdings fasst der Begriff breiter: Darunter fallen auch Überweisungen an andere Blätter oder die Bitte um Prüfer. Ergänzend veröffentlicht der Verlag die mittlere Dauer der ersten Runde. Ebenso erscheint die Gesamtzeit bis zur Zustimmung. Und schließlich gibt es die Quote der erfolgreichen Fälle aus dem Vorjahr. Diese Bündelung erlaubt einen umfassenderen Einblick in die Effizienz. Dennoch bleibt die Einschränkung bestehen, dass keine global gültige Zahl existiert. Jedes Magazin berichtet isoliert. Wer schnell gehen will, sucht nach kurzen Intervallen. Wer Tiefe bevorzugt, analysiert die Durchlaufzeiten der Prüfphasen.
Es ist essenziell, die Semantik der Labels zu entschlüsseln. Zwei ähnlichere Benennungen können völlig andere Algorithmen implizieren. Ein Mittelwert reagiert empfindlich auf Verzögerungen, ein Median ignoriert Extremfälle weitgehend. Daher verrutscht das Bild, wenn man die Metriken durcheinanderwirft. Die genaue Analyse erfordert, die Fußnoten zu konsultieren. Dort steckt die Wahrheit über die Gewichtung. Forscher profitieren davon, wenn sie diese Nuancen erkennen. Statt bloßer Ranglisten entstehen fundierte Urteile. Die Statistik dient hier als Werkzeug, nicht als Dogma. Indem man die Herkunft der Daten versteht, gewinnt man Sicherheit in der Prognose. Das reduziert Frustration während langer Wartephasen. Geduld bleibt gefragt, aber informiert geduldig wirkt produktiver.

Vorabdrucke, Technik und Alternativen
Die Handhabung von Vorversionen weicht subtil ab. Wiley duldet die öffentliche Präsentation vor dem Versand oder zeitgleich damit. Ein solcher Schritt disqualifiziert niemanden. Wiley erwartet dabei, dass möglichst keine Lizenzen mit Weiternutzungsrecht vergeben werden. Nach der finalen Genehmigung wird der Preprint mit der Verlagsversion verknüpft. Bei SAGE verlangt man hingegen die aktive Meldung jeder früheren Streuung gegenüber der Redaktion. Grundsätzlich unterstützt man frühe Sichtbarkeit, weist aber darauf hin, dass manche Zeitschriften Einreichungen mit vorherigem Preprint nicht berücksichtigen. Gerade bei doppelt anonymer Begutachtung kann ein öffentlich zugänglicher Preprint die Anonymität gefährden. Diese Spannung zwischen Transparenz und Geheimhaltung muss gelöst werden, bevor man das Paper einreichen plant.
Im Bereich künstlicher Intelligenz zeigen sich klare Linien. SAGE trennt assistive Helfer von kreativen Generatoren. Werkzeuge zur Verbesserung von Sprache, Grammatik oder Struktur brauchen keine Offenlegung. Sobald Maschinen eigenständig Texte, Referenzen oder Bilder erschaffen, ist die Offenlegung gegenüber der Redaktion Pflicht. Ähnliches gilt bei Wiley, wo KI nie als Signatar fungieren darf. Wird ein generatives Werkzeug bei der Manuskripterstellung eingesetzt, muss dies im Methoden- oder Danksagungsteil beschrieben werden. Die Kontrolle bleibt beim Menschen. Korrekturlesen deines wissenschaftlichen Artikels verbessert die sprachliche Qualität, ersetzt aber keine fachliche Begutachtung und garantiert keine Annahme. Diese Grenze ist für die Einschätzung des Gesamtprozesses wichtig.
Wenn ein Beitrag scheitert, öffnen sich weitere Wege. Wiley schlägt via Editor Referral alternative Ziele aus dem eigenen Netzwerk vor, ohne dass daraus eine Annahme folgt. Zusätzlich ermittelt der Transfer-Assistent passende Zeitschriften und überträgt eingereichte Dateien sowie vorliegende Gutachten automatisch. Bei SAGE leitet der kostenfreie Dienst Sage Path das Manuskript an vorab ausgewählte Zeitschriften weiter. Einzelne teilnehmende Titel können vorübergehend pausiert sein und nehmen dann trotz Anzeige keine neuen Transfers an. Jede Zielredaktion entscheidet eigenständig und kann das Manuskript erneut ablehnen. Die Entscheidung über eine Weiterleitung liegt allein bei den Autorinnen und Autoren.
Quellen und Stand
- Wiley Author Services: Submitting your manuscript: authors.wiley.com (geprüft am 2026-09-27)
- Wiley Author Services: Submitting your manuscript: authors.wiley.com (weitere Quelle) (geprüft am 2026-09-27)
- Wiley Author Services: Peer Review Process: authors.wiley.com (geprüft am 2026-09-27)
- Wiley Author Services: Peer Review Process: authors.wiley.com (weitere Quelle) (geprüft am 2026-09-27)
- Wiley Author Services: Open Access Policy: authors.wiley.com (geprüft am 2026-09-27)
- Wiley Author Services: Hybrid open access: authors.wiley.com (geprüft am 2026-09-27)
- Wiley Author Services: Journal and Article Metrics Guide: authors.wiley.com (geprüft am 2026-09-27)
- Wiley Author Services: Preprints Policy: authors.wiley.com (geprüft am 2026-09-27)
- Wiley: Generative Artificial Intelligence Guidelines for Authors: onlinelibrary.wiley.com (geprüft am 2026-09-27)
- Wiley Author Services: Refer and Transfer: authors.wiley.com (geprüft am 2026-09-27)
- SAGE Publishing: Using Sage Track: www.sagepub.com (geprüft am 2026-09-27)
- SAGE Publishing: Preparing your manuscript: www.sagepub.com (geprüft am 2026-09-27)
- SAGE Publishing: What is peer review: www.sagepub.com (geprüft am 2026-09-27)
- SAGE Publishing: Manuscript preparation for double-anonymized journals: www.sagepub.com (geprüft am 2026-09-27)
- SAGE Publishing: Open Access: www.sagepub.com (geprüft am 2026-09-27)
- SAGE Publishing: Hybrid subscription journals (Sage Choice): www.sagepub.com (geprüft am 2026-09-27)
- SAGE Publishing: Sage's author archiving and re-use guidelines: www.sagepub.com (geprüft am 2026-09-27)
- SAGE Publishing: Understanding journal metrics: www.sagepub.com (geprüft am 2026-09-27)
- SAGE Publishing: Prior publication: www.sagepub.com (geprüft am 2026-09-27)
- SAGE Publishing: Artificial intelligence policy: www.sagepub.com (geprüft am 2026-09-27)
- SAGE Publishing: Sage Path FAQs: www.sagepub.com (geprüft am 2026-09-27)
Der Beitrag „Zwei Wege zur Publikation: So arbeiten Wiley und SAGE“ trägt den vollständigen Titel „Wiley oder SAGE: Einreichung, Begutachtung und OA“.