Vor der Veröffentlichung prüfen
Abschlussarbeit vor der Veröffentlichung prüfen lassen
Eine Prüfungsarbeit und eine Publikation sind zwei verschiedene Textsorten, auch wenn die Datei dieselbe ist. Die eine liest eine Handvoll Menschen einmal, die andere steht jahrelang unter deinem Namen im Netz und im Buchhandel. Deshalb lohnt sich vor der Veröffentlichung ein Durchgang, den vor der Abgabe niemand verlangt hat.
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Word-Formatvorlage für die Abschlussarbeit
Deckblatt, Verzeichnisse, Kapitelgerüst und eidesstattliche Erklärung, fertig eingerichtet: Überschriften als echte Formatvorlagen, ein Inhaltsverzeichnis, das sich selbst füllt, und Seitenzahlen in zwei Nummernkreisen, römisch für die Verzeichnisse und arabisch ab der Einleitung. Kein fertiger Text, sondern das Gerüst. Keine Anmeldung.
Drei Motive sprechen dafür, und keiner beruht auf Perfektionismus.
Erstens: Niemand liest gegen Fehler
Viele Publikationsdienste bieten kein Lektorat an. Welche Prüfungen sie übernehmen, hängt vom jeweiligen Angebot ab und kann etwa Layout, Lesbarkeit oder Druckdaten betreffen. Auch bei Hochschulrepositorien und Verlagen sollte vorab geklärt werden, ob eine sprachliche oder inhaltliche Bearbeitung vorgesehen ist. Verlass dich nicht darauf, dass im Veröffentlichungsprozess noch jemand Kommas oder Formulierungen korrigiert.
Zweitens: Die Fassung wirkt endgültig
Bei einer Prüfungsarbeit endet die Bewertung mit der Benotung. Bei einer Publikation können Fehler dagegen langfristig sichtbar bleiben. Gedruckte Exemplare, Katalogeinträge und bereits ausgelieferte Dateien lassen sich je nach Veröffentlichungsweg nicht oder nur eingeschränkt nachträglich ändern. Prüfe deshalb Quellenangaben und Text vor der Veröffentlichung besonders sorgfältig.

Drittens: Text kann indexiert werden
Bei öffentlich zugänglichen Arbeiten können Suchmaschinen oder Ähnlichkeitsdienste den Text indexieren. Übernimmst du später in der Masterarbeit Passagen aus deiner Bachelorarbeit, können Tools Treffer melden. Diese müssen transparent gekennzeichnet, korrekt selbst zitiert und nach den geltenden Hochschulregeln behandelt werden, um den Vorwurf des Selbstplagiats zu vermeiden. Anleitung dazu bietet Eigenplagiat vermeiden.
Der zweite Effekt trifft den Inhalt: Wenn Passagen zu dicht an Quellen kleben, können sie nach der Veröffentlichung leichter auffallen und in Ähnlichkeitsprüfungen Treffer erzeugen. Vorher war das eine Korrektur, jetzt ist es öffentlich. Eine schnelle Plagiatsprüfung kann Hinweise liefern, die fachlich eingeordnet werden müssen.
Geprüft gehört konkret
- Orthografie, Interpunktion und Syntax inklusive aller tabellarischen Darstellungen und Fußnotentexte
- Vollständigkeit der Quellenangaben sowie eine einheitliche Umsetzung nach Zitierstil und Fachvorgabe, einschließlich Literaturverzeichnis
- Fremde Abbildungen und Tabellen: Nutzungsrechte geklärt, ersetzt oder entfernt
- Personenbezogene Daten aus Interviews und Erhebungen: Anonymisierung, Pseudonymisierung oder Einwilligung prüfen
- Unternehmensdaten und Sperrvermerk: Freigabe, Vertraulichkeit und mögliche Fristen prüfen
- Optisches Erscheinungsbild: Paginierungswechsel, Headerstrukturen, Inhaltsübersicht, Deckseite
- Reste aus der Prüfungsfassung: Eigenständigkeitserklärung, Matrikelnummer, Betreuungsvermerk
Der letzte Punkt wird leicht übersehen. Eine veröffentlichte Arbeit, in der noch die Matrikelnummer und die Erklärung zur eigenständigen Anfertigung stehen, wirkt unfertig und kann persönliche Daten offenlegen, die dort nicht erforderlich sind.
Was sich in einer schon bewerteten Arbeit noch findet
Die naheliegende Frage lautet: Wenn die Arbeit eine gute Note bekommen hat, kann doch nicht mehr viel drin sein. Doch auch eine bewertete Arbeit kann sprachliche oder formale Fehler enthalten. Welche Aspekte in die Bewertung einfließen und wie genau Gutachten Sprachfehler ausweisen, hängt von Prüfungsordnung, Fach und Begutachtung ab.
Typisch sind vier Muster: uneinheitliche Zitierweise, weil zwischendurch das Belegformat gewechselt wurde; Verzeichniseinträge, die im Text nicht vorkommen, und umgekehrt; Abbildungsbeschriftungen ohne Quellenangabe; sowie Formulierungsreste aus früheren Fassungen, etwa doppelte Halbsätze nach einer Umstellung. Solche Punkte können die Bewertung beeinflussen und fallen in einer Publikation besonders auf.

Wann welche Prüfung sinnvoll ist
Ein Korrektorat beseitigt Fehler in Rechtschreibung, Grammatik und Zeichensetzung. Das ist die Mindestausstattung für jeden Text, der veröffentlicht wird. Ein Lektorat geht darüber hinaus und arbeitet an Verständlichkeit, Aufbau und Stil, was sich lohnt, wenn die Arbeit ein Publikum außerhalb des eigenen Seminars finden soll. Für Abschlussarbeiten gibt es den spezifischen Service Bachelorarbeit korrekturlesen lassen.
Was das kostet und wogegen du es rechnest
Der Preis richtet sich nach Umfang und Leistungstiefe; die aktuellen Sätze stehen unter Lektoratspreise. Ob sich die Ausgabe für dich lohnt, solltest du nicht allein an möglichen Veröffentlichungserlösen messen. Hinweise zu möglichen Einnahmen bietet Geld verdienen mit der Abschlussarbeit.
Eine Veröffentlichung kann als Referenz in Bewerbungsunterlagen dienen und unter deinem Namen auffindbar bleiben. Wer dein Projekt später findet, kennt jedoch meist weder Note noch Entstehungskontext. Mit der Prüfung bereitest du daher auch eine mögliche berufliche Visitenkarte vor.
Der Zeitplan
Kläre den Veröffentlichungszeitpunkt mit Prüfungsordnung, Fachbereich und betreuender Person. Solange das Prüfungsverfahren läuft, können dafür besondere Vorgaben gelten. Nach der offiziellen Notenvergabe kannst du die Veröffentlichung in Ruhe vorbereiten und Zeit für die Bereinigung einplanen.
Plane die Prüfung vor die Vertragsunterschrift. Prüfe vor Upload und Vertrag die Bedingungen für Veröffentlichung und Dateiaustausch, denn nach Beginn des Veröffentlichungsprozesses können Änderungen aufwendig sein. Sinnvoll ist diese Reihenfolge: Rechte und Sperrvermerk klären, fremdes Material bereinigen, Text prüfen lassen, Prüfungsreste entfernen, dann veröffentlichen. Die Rechtefragen stehen unter Nutzungsrechte bei der Veröffentlichung.