Mit der Abschlussarbeit Geld verdienen

Mit der Abschlussarbeit Geld verdienen: die echte Rechnung

Lesezeit ca. 7 Min. · aktualisiert: 5. August 2026 · zur Übersicht Veröffentlichen

Wer nach dem Verkauf der eigenen Hausarbeit oder Bachelorarbeit sucht, landet innerhalb von zwei Klicks bei denselben Portalen: kostenlos hochladen, Beteiligung kassieren, fertig. Was dabei nirgends steht, ist die Rechnung dahinter. Dieser Text macht sie auf, mit den Zahlen aus Honorartabelle und Autorenvertrag.

Vorweg die Kurzfassung: Es fliesst Geld, aber es ist wenig, und es kommt spät. Wer die Veröffentlichung als Einnahmequelle plant, wird enttäuscht. Wer sie als Sichtbarkeit mit kleinem Nebeneffekt versteht, liegt richtig.

Zwei sehr verschiedene Suchanfragen

Hinter "Hausarbeit verkaufen" stecken zwei Absichten, die nichts miteinander zu tun haben. Die eine ist die Veröffentlichung: Dein Text erscheint unter deinem Namen, wird gelesen und zitiert, und du bekommst einen Anteil am Erlös. Das ist der Fall, um den es hier geht, und er ist völlig legal.

Die andere Absicht ist der Verkauf an Kommilitonen, die den Text als eigene Prüfungsleistung einreichen. Davon ist dringend abzuraten, und zwar nicht aus moralischen Gründen. Die abgebende Person begeht einen Täuschungsversuch mit den bekannten Folgen bis zur Exmatrikulation. Für dich als Verkäuferin oder Verkäufer bleibt ein zweites Risiko: Der Text ist dann in fremder Hand, taucht später in Prüfungssoftware auf und kann dir bei deiner nächsten eigenen Arbeit als vermeintliche Übernahme entgegengehalten werden.

Zwei Modelle, und du entscheidest dich zu früh

Publikationsdienste bieten in der Regel zwei Wege. Entweder du nimmst eine laufende Umsatzbeteiligung an jedem verkauften Exemplar, oder du nimmst ein einmaliges Pauschalhonorar und bist damit abgefunden. Bei GRIN sind das zehn Euro, gezahlt bei Veröffentlichung, möglich ab einem Umfang von 50 Seiten.

Der Haken steckt im Zeitpunkt: Laut Autorenvertrag kannst du das Einmalhonorar nur beim Hochladen wählen, nicht später. Und es hat eine Nebenwirkung, die kaum jemand liest. Beim Modell mit Umsatzbeteiligung endet der Vertrag frühestens nach fünf Jahren und ist danach kündbar. Beim Einmalhonorar endet er nach dem Vertragstext gar nicht.

Mit der Abschlussarbeit Geld verdienen
Mit der Abschlussarbeit Geld verdienen im Überblick.

Die Prozentzahl ist nicht das Problem, die Bezugsgrösse ist es

Die Honorartabelle nennt für E-Books über die eigenen Portale bis zu 40 Prozent und über fremde Händler wie Amazon, Apple oder Google 15 Prozent. Bei gedruckten Büchern sind es bis zu 20 beziehungsweise 15 Prozent, dazu ein Bonus von 5 Prozent für Verkäufe über deinen eigenen Partnerlink. Das klingt ordentlich, bis man liest, wovon gerechnet wird.

Bemessungsgrundlage ist nicht der Ladenpreis, sondern der Verlagsabgabepreis: der Preis abzüglich Mehrwertsteuer, Handelsrabatt sowie Herstellungs- und Versandkosten. Von den 16,99 Euro, die eine Käuferin bezahlt, ist der Betrag, auf den dein Prozentsatz angewendet wird, also deutlich kleiner. Wie viel genau übrig bleibt, veröffentlicht der Anbieter nicht, weshalb sich eine belastbare Vorabrechnung schlicht nicht aufstellen lässt. Genau das solltest du wissen, bevor du mit Zahlen planst.

Der Posten, den fast niemand kennt

Im Autorenvertrag steht eine Klausel, die in keinem Werbetext auftaucht: Die Kosten der Buchproduktion werden dir zwar nicht in Rechnung gestellt, aber ein Anteil von 50 Euro wird mit deinem Buchhonorar verrechnet. Erst wenn deine Druckverkäufe diese 50 Euro überschritten haben, kommt beim Buch überhaupt Geld bei dir an. Für das E-Book gilt die Verrechnung nicht, und wenn nie ein gedrucktes Exemplar verkauft wird, entfällt sie ersatzlos.

In der Praxis heisst das: Beim gedruckten Buch verdienst du bei einer normal nachgefragten Studienarbeit meist gar nichts, weil die Schwelle nie fällt. Was ankommt, kommt fast immer aus E-Book-Verkäufen.

Wann das Geld fliesst

Abgerechnet wird laut Vertrag zum 30. Juni und zum 31. Dezember, und zwar innerhalb von drei Monaten nach dem jeweiligen Stichtag. Fällig ist die Zahlung dann innerhalb eines weiteren Monats. Zwischen dem Verkauf im Januar und dem Geld auf deinem Konto können also gut zehn Monate liegen. Bei Konten ausserhalb der Eurozone bleiben Beträge unter 50 Euro sogar liegen, bis die Schwelle überschritten ist.

Mit der Abschlussarbeit Geld verdienen

Was das Finanzamt dazu sagt

Honorare aus einer Veröffentlichung sind steuerpflichtige Einkünfte und gehören in die Steuererklärung, auch wenn es um kleine Beträge geht. Für die meisten Studierenden bleibt es folgenlos, weil der Grundfreibetrag nicht ausgeschöpft wird. Umsatzsteuerlich greift bei diesen Grössenordnungen normalerweise die Kleinunternehmerregelung. Das ist ein Hinweis und keine Steuerberatung: Wenn du regelmässig veröffentlichst oder daneben selbstständig arbeitest, kläre die Einordnung mit einem Steuerbüro.

Die Alternative, die oft mehr bringt

Für wissenschaftliche Texte gibt es eine zweite Geldquelle, die viele übersehen: die Verwertungsgesellschaft Wort. Sie schüttet Tantiemen für Texte aus, die öffentlich zugänglich sind, und die Beträge liegen je nach Kategorie über dem, was ein einzelnes verkauftes E-Book abwirft. Der Meldeweg und die Voraussetzungen stehen unter VG Wort für Wissenschaftler. Wichtig ist, dass die Rechteeinräumung an einen Verlag diese Meldung nicht verhindert, sondern nur den Verlagsanteil regelt.

Die ehrlichste Alternative bleibt aber: Wenn es dir wirklich um Einkommen geht, bringt eine Werkstudentenstelle oder ein Tutorium in derselben Zeit ein Vielfaches. Die Veröffentlichung lohnt sich, wenn du Sichtbarkeit willst, nicht wenn du Umsatz willst.

Wofür sich die Veröffentlichung rechnet

  • Du kannst im Lebenslauf eine Publikation mit ISBN führen
  • Dein Thema wird über Suchmaschinen auffindbar, dauerhaft und unter deinem Namen
  • Fachlicher Kontakt entsteht, wenn jemand zu deinem Nischenthema recherchiert
  • Bei mehreren Texten summiert sich die Beteiligung zu einem kleinen Nebenbetrag
  • Über die Verwertungsgesellschaft kommt ein zweiter, oft grösserer Posten dazu

Alle Angaben nach Autorenvertrag und Honorartabelle des Anbieters, geprüft am 5. August 2026. Weiter zu den Wegen der Veröffentlichung und zum Urheberrecht an deiner Arbeit.

Wenn dein Text dauerhaft unter deinem Namen im Netz steht, sollte er fehlerfrei sein. Ein Korrektorat vor der Veröffentlichung kostet weniger als ein einziges Honorarjahr einbringt.

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Häufig gestellte Fragen

Kann ich meine Hausarbeit einfach verkaufen?

Verkaufen im Sinn von veröffentlichen und am Erlös beteiligt werden: ja, über einen Publikationsdienst. Verkaufen im Sinn von an Kommilitonen weitergeben, damit sie den Text als eigene Leistung einreichen: nein. Das ist Beihilfe zum Prüfungsbetrug und kann für beide Seiten prüfungsrechtliche Folgen haben.

Wie viel bringt eine einzelne Arbeit im Jahr?

Bei einer normal nachgefragten Studienarbeit liegt der Ertrag im niedrigen zweistelligen Bereich pro Jahr, oft darunter. Ausreisser nach oben gibt es bei Nischenthemen mit dauerhafter Nachfrage, etwa bei Prüfungsliteratur oder seltenen Fachgebieten.

Lohnt sich das Einmalhonorar?

Rechnerisch oft ja, weil viele Arbeiten die zehn Euro über Verkäufe nie erreichen. Vertraglich ist es die härtere Variante: Nach dem Vertragstext endet der Vertrag bei diesem Modell nicht, und die Wahl lässt sich nachträglich nicht mehr ändern.

Muss ich die Einnahmen versteuern?

Ja, Honorare sind steuerpflichtige Einkünfte und gehören in die Erklärung. Bei den üblichen Beträgen bleibt es meist ohne Auswirkung, weil der Grundfreibetrag nicht überschritten wird. Bei regelmässigen Veröffentlichungen oder anderer selbstständiger Tätigkeit solltest du das steuerlich klären lassen.

Gibt es Geld auch ohne Verkauf?

Ja, über die Verwertungsgesellschaft Wort. Sie zahlt Tantiemen für öffentlich zugängliche Texte unabhängig davon, ob jemand ein Exemplar kauft. Für wissenschaftliche Arbeiten ist das häufig die grössere Position.

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