Mit der Abschlussarbeit Geld verdienen
Mit der Abschlussarbeit Geld verdienen: die echte Rechnung
Wer nach Möglichkeiten sucht, die eigene Hausarbeit oder Bachelorarbeit zu veröffentlichen, findet verschiedene Publikationsplattformen. Dieser Text erläutert die bei GRIN genannten Vertrags- und Honorarmodelle.
Kurz gesagt: Eine Veröffentlichung kann Vergütung bringen, deren Höhe und Zeitpunkt aber von Vertragsmodell und Verkäufen abhängen. Als planbare Einkommensquelle eignet sie sich daher kaum; für Sichtbarkeit kann sie dennoch sinnvoll sein.
Zwei sehr verschiedene Suchanfragen
Hinter dem Begriff "Hausarbeit verkaufen" stehen zwei verschiedene Motive. Zum einen geht es um die Veröffentlichung: Dein Text kann unter deinem Namen erscheinen, und je nach Vertrag erhältst du eine Beteiligung. Ob eine Veröffentlichung zulässig ist, richtet sich auch nach der Prüfungsordnung und den Rechten am Text.
Zum anderen meint dies den Weiterverkauf an Studierende, die den Inhalt als persönliche Leistung einreichen. Hier ist strikt davon abzusehen, wobei der Grund nicht ethischer Natur ist. Die abgebende Partei begibt sich in Gefahr, da ein Täuschungsversuch bekanntermaßen Konsequenzen bis hin zur Exmatrikulation nach sich ziehen kann. Als verkaufender Autor laufen Sie zudem einem zweiten Risiko ins offene Messer: Der Text gerät in fremden Besitz, taucht künftig in Plagiatsprüfern auf und könnte Ihnen bei künftigen Eigenleistungen als mutmaßliches Plagiat vorgeworfen werden.
Zwei Modelle, und du entscheidest dich zu früh
Bei GRIN gibt es drei Optionen: eine Umsatzbeteiligung, ein Einmalhonorar oder eine für Leserinnen und Leser kostenlose Veröffentlichung. Das Einmalhonorar beträgt für Texte ab 50 Seiten 10 Euro und wird nach der Veröffentlichung mit der quartalsweisen Abrechnung ausgezahlt.
Der Haken steckt im Zeitpunkt: Laut Autorenvertrag kannst du das Einmalhonorar nur beim Hochladen wählen, nicht später. Und es hat eine Nebenwirkung, die kaum jemand liest. Beim Modell mit Umsatzbeteiligung endet der Vertrag frühestens nach fünf Jahren und ist danach kündbar. Beim Einmalhonorar endet er nach dem Vertragstext gar nicht.

Die Prozentzahl ist nicht das Problem, die Bezugsgröße ist es
Die auf der GRIN-Seite als seit dem 17. April 2025 geltende Honorartabelle nennt für E-Books über GRIN 50 Prozent und über die aufgeführten Drittplattformen 30 Prozent. Für Buchverkäufe nennt sie 50 Prozent über GRIN und 30 Prozent über den Buchhandel. Die Quoten beziehen sich auf den Verlagsabgabepreis, nicht auf den Endverkaufspreis.
Grundlage ist nicht der Endverkaufspreis, sondern der Verlagsabgabepreis: der Listenpreis abzüglich Mehrwertsteuer, Handelsrabatt sowie Herstellungs- und Transportkosten. Von den 16,99 Euro, die Kundinnen zahlen, ist der Betrag, auf den deine Quote angewendet wird, daher wesentlich geringer. Da der Anbieter nicht veröffentlicht, wie viel genau übrig bleibt, ist eine fundierte Vorausplanung faktisch nicht möglich. Diese Einschränkung solltest du kennen, bevor du mit Zahlen planst.
Der Posten, den fast niemand kennt
Im Autorenvertrag steht eine Klausel, die in keinem Werbetext auftaucht: Die Kosten der Buchproduktion werden dir zwar nicht in Rechnung gestellt, aber ein Anteil von 50 Euro wird mit deinem Buchhonorar verrechnet. Erst wenn deine Druckverkäufe diese 50 Euro überschritten haben, kommt beim Buch überhaupt Geld bei dir an. Für das E-Book gilt die Verrechnung nicht, und wenn nie ein gedrucktes Exemplar verkauft wird, entfällt sie ersatzlos.
Der Einbehalt betrifft nur Buchhonorare. Ob und wann er erreicht wird, hängt von den Verkaufserlösen ab; E-Book-Honorare werden damit nicht verrechnet.
Wann das Geld fließt
Die Abrechnung erfolgt laut Vertrag zum 30. Juni und zum 31. Dezember, jeweils innerhalb von drei Monaten nach dem Stichtag. Die Auszahlung wird innerhalb eines weiteren Monats fällig. Zwischen einem Verkauf im Januar und dem Geldeingang können daher bis zu zehn Monate liegen. Bei Konten außerhalb der Eurozone bleiben Beträge unter 50 Euro bis zur Überschreitung der Schwelle zum Quartalsende oder bis zur Vertragsbeendigung auf dem Kundenkonto.

Was das Finanzamt dazu sagt
Honorare aus einer Veröffentlichung können steuerlich relevante Einnahmen sein. Ob du eine Einkommensteuererklärung abgeben musst und ob Einkommensteuer anfällt, hängt von deiner gesamten steuerlichen Situation ab. Die Kleinunternehmerregelung setzt umsatzsteuerliche Voraussetzungen voraus. Das ist keine Steuerberatung: Bei regelmäßigen Veröffentlichungen oder anderer selbstständiger Tätigkeit solltest du die Einordnung mit einem Steuerbüro klären.
Die Alternative, die oft mehr bringt
Für online verfügbare Texte und E-Books bietet die Verwertungsgesellschaft Wort Verfahren mit eigenen Voraussetzungen. Je nach Verfahren sind etwa Format, Umfang, fehlender technischer Kopierschutz, Nutzung oder Verbreitung sowie eine fristgerechte Meldung entscheidend. Ob eine Veröffentlichung gemeldet werden kann und wie eine Verlagsbeteiligung berücksichtigt wird, ergibt sich aus dem konkreten Verfahren und Vertrag. Den Meldeweg und die Voraussetzungen erläutert die VG Wort für Wissenschaftler.
Wenn dir verlässliches Einkommen wichtig ist, vergleiche den erwartbaren Erlös mit dem Zeitaufwand und möglichen Alternativen wie einer Werkstudentenstelle oder einem Tutorium. Eine Veröffentlichung kann sich vor allem für Sichtbarkeit lohnen.
Wofür sich die Veröffentlichung rechnet
- Wenn deine Veröffentlichung eine ISBN erhält, kannst du sie im Lebenslauf angeben.
- Dein Thema kann über Suchmaschinen unter deinem Namen auffindbar sein, solange die Veröffentlichung online verfügbar ist.
- Fachlicher Austausch kann entstehen, wenn jemand zu deinem Nischenthema recherchiert.
- Bei mehreren Texten kann sich die Beteiligung zu einem kleinen Nebenverdienst summieren.
- Eine Vergütung durch die Verwertungsgesellschaft kommt in Betracht, wenn die Voraussetzungen des jeweiligen Verfahrens erfüllt sind.
Maßgeblich sind der bei Vertragsschluss geltende Autorenvertrag und die aktuelle Honorartabelle des Anbieters. Weiter zu den Wegen der Veröffentlichung und zum Urheberrecht an deiner Arbeit.