Wie fängst du als Gutachterin oder Gutachter für Zeitschriften an?

Gutachter werden: So gehst du die erste Anfrage an

Lesezeit ca. 7 Min. · zuletzt aktualisiert: 6. Oktober 2026 · Wissenschaftlich publizieren

Wer eine Gutachter-Anfrage erhält, beurteilt sie nach Fachkenntnis, Interessenkonflikt und Zeit. Hier erfährst du, was du vor der Zusage prüfst, welche Regeln während der Begutachtung gelten, wie ein Gutachten aufgebaut ist und wie du die Anerkennung über ORCID nutzt.

Anfrage prüfen, bevor du zusagst

Wenn eine Zeitschrift dich als Peer-Reviewer um ein Gutachten bittet, prüfst du die Anfrage zuerst nach drei Punkten: Fachkenntnis, Interessenkonflikt und Zeit. Elsevier nennt auf seiner Reviewer-Seite „How to review“ genau diese drei Prüfpunkte vor der Annahme einer Anfrage. Prüfe also, ob das Fachgebiet zu deiner Arbeit passt, melde einen Interessenkonflikt, sobald du einen erkennst, und kläre, ob du bis zum Abgabetermin genug Zeit hast.

Auch bei einer Absage gilt: Antworte schnell. Elsevier empfiehlt, bei einer Absage zügig zu reagieren und Alternativen vorzuschlagen. Schlage dann eine andere Person vor, die zum Thema passt. Diese Hinweise beziehen sich auf Elsevier, deshalb übertrage sie nicht ungeprüft auf andere Verlage.

Bei Springer Nature gibt es eigene Reviewer-Richtlinien für Buch- und Proceedings-Gutachten, nicht für Zeitschriften. Dort sind vor der Annahme Expertise, Zeit und Interessenkonflikte zu prüfen. Für Zeitschriftenanfragen gilt dieser Beleg nicht, deshalb liest du die Vorgaben der jeweiligen Redaktion nach, statt die Buchregeln zu übertragen.

Wer die Fachrichtung beurteilt, bringt dasselbe Urteil mit, das gebraucht wird, um eine passende Zeitschrift auswählen zu können, und wer selbst als Autorin oder Autor eine Auswahl treffen musste, kennt die Gepflogenheiten der Redaktion schon. Genau diese Erfahrung hilft dir, eine Anfrage sachlich einzuordnen, bevor du zusagst.

Peer-Reviewer werden: der Ablauf in drei Schritten

Vertraulichkeit und Regeln während der Begutachtung

Während der Begutachtung behandelst du das Manuskript als vertraulich. Elsevier beschreibt das auf der Seite How to review genau so: Du teilst das Manuskript nicht ohne Erlaubnis, und du lädst es nicht in KI-Werkzeuge hoch. Wenn du eine Kollegin um Rat bitten willst, brauchst du dafür eine Erlaubnis, denn ohne sie teilst du das Manuskript nicht. Diese Angaben beziehen sich auf Elsevier.

Drei Situationen zeigen, wie diese Regeln in der Begutachtungspraxis wirken. Für jede Situation nennt die Tabelle das Verhalten, das sich aus der Elsevier-Anleitung ergibt.

Tabelle: Situation, Verhalten, Beleg
SituationVerhaltenBeleg
Manuskript weitergebenNicht ohne Erlaubnis teilen und nicht in KI-Werkzeuge hochladenElsevier, How to review
PlagiatsverdachtVerdacht an die Redaktion der Zeitschrift gebenElsevier, How to review
ZitierwunschPrüfen, ob ein Sachgrund genannt wird, denn Zitierforderungen eigener Arbeiten brauchen einen SachgrundElsevier, How to review

Ein Plagiatsverdacht geht an die Redaktion der Zeitschrift. Eine Forderung, eigene Arbeiten zu zitieren, braucht nach dieser Anleitung einen Sachgrund, deshalb prüfst du, ob dafür ein Grund genannt wird. Im Gutachten selbst bleibt die Schilderung sachlich, wie es die Elsevier-Anleitung für das Gutachten verlangt. Fragen zur Vertraulichkeit klärst du mit der Redaktion der Zeitschrift.

Ob die Regeln auch in Leitlinien stehen, prüfst du beim Thema gute wissenschaftliche Praxis der DFG, und zwar auf Aussagen zum Umgang mit fremden Texten. Offene Punkte klärst du mit deiner betreuenden Person oder dem Leitfaden deines Fachbereichs.

Gutachten aufbauen: Gliederung, Ton und Ablauf

Ein Gutachten besteht bei Elsevier aus einer kurzen Zusammenfassung, einem Gesamteindruck und spezifischen Kommentaren. Der Ton bleibt sachlich, ohne persönliche Angriffe. Am Ende steht eine Empfehlung zur Entscheidung. Diese Gliederung beschreibt Elsevier auf der Seite „How to review“, deshalb prüfst du, ob die Zeitschrift ein eigenes Gutachtenformat vorgibt.

Die Seite der Autoren kennst du aus eigenen Texten; wer den Ablauf des Peer-Review verfolgt, sieht, dass du als Gutachter am Ende eine begründete Empfehlung abgibst. Gehe beim Schreiben in dieser Reihenfolge vor:

  1. Manuskript lesen, bevor du etwas formulierst
  2. Zusammenfassung schreiben, in eigenen Worten
  3. Gesamteindruck formulieren, sachlich und knapp
  4. Einzelkommentare ordnen, nach Stelle im Text
  5. Empfehlung begründen, mit Verweis auf deine Kommentare

Sprachliche Mängel nimmst du nur als Empfehlung zum Lektorat in das Gutachten auf. Korrigiere sie nicht selbst im Text, denn Elsevier nennt genau diesen Weg. Schlage dazu ein Lektorat vor, ohne die Stellen eigenständig zu überarbeiten.

Formuliere Kommentare so, dass sie sich auf eine konkrete Stelle im Manuskript beziehen. Ordne die Punkte nach Gewicht, bevor du die Empfehlung schreibst, damit du beim Überarbeiten den roten Faden siehst. Prüfe am Ende, ob jede Aussage im Gutachten sachlich begründet ist und keine persönliche Wertung enthält.

Peer-Reviewer werden: Prüfliste mit vier Punkten

Anerkennung und Nachweis über ORCID nutzen

Wiley beschreibt für die Anerkennung von Gutachten die Web of Science Reviewer Recognition Services, die früher Publons hießen. Die Teilnahme erfolgt auf freiwilliger Basis, also per Opt-in. Gutachten lassen sich zu ORCID exportieren, und dabei bleibt die Anonymität der Gutachten gewahrt. Zusätzlich nennt Wiley Zertifikate und CME-Credits als Nachweise. Für dich heißt das, dass du die Anerkennung aktiv einrichtest und sie nicht automatisch erhältst. Lies die Angaben des Anbieters genau durch und prüfe, welche Informationen du selbst freigibst, bevor du dich anmeldest.

Verknüpfe deine Gutachten mit deiner Kennung, und prüfe vorher, ob du das ORCID-Profil einrichten möchtest, bevor du den Export nutzt. Ein erfundenes Beispiel: Eine Doktorandin prüft nach ihrem ersten Gutachten, welche Nachweise sie exportieren möchte. Dazu liest sie zuerst die Angaben des Anbieters und entscheidet dann selbst über die Teilnahme. Ein gepflegtes Profil hilft dir, Namen und Schreibweise einheitlich anzugeben. Führe außerdem eine eigene Liste mit Datum, Zeitschrift und Thema jeder Begutachtung. Notiere darin keine Inhalte des Manuskripts, denn nach der Elsevier-Anleitung bleibt das Manuskript vertraulich.

Ob Gremien oder Arbeitgeber solche Nachweise werten, ist nicht bekannt. Diese Frage klärst du mit deiner betreuenden Person, bevor du dich darauf verlässt. Wenn du den Nachweis in einer Bewerbung erwähnst, beschreibe ihn nüchtern als Angabe zu deiner Gutachtertätigkeit und nenne die Quelle, aus der er stammt.

Gutachten ersetzen keine Prüfung der Zeitschrift, und wer schon einmal eine Antwort an Reviewer geschrieben hat, weiß, wie viel ein klares Gutachten zählt. Elsevier beschreibt für sein Gutachten einen Aufbau aus kurzer Zusammenfassung, Gesamteindruck und spezifischen Kommentaren, der sachlich bleiben soll. Ob deine Zeitschrift eine eigene Gliederung vorgibt, prüfst du in den Hinweisen für Gutachtende der Zeitschrift.

Lege für jede Begutachtung einen kurzen Eintrag an, sobald die Zusage erfolgt ist. Ein Blick auf Datum, Zeitschrift und Thema genügt, damit deine Liste vollständig bleibt. Bevor du Nachweise freigibst, vergleichst du die Angaben in deinem Profil mit den Angaben, die der Anbieter zu Gutachten und Anonymität nennt, so erkennst du Abweichungen früh. Prüfe außerdem, ob dir Zertifikate und CME-Credits für deinen Zweck wichtig sind; das entscheidest du selbst. Wenn du unsicher bist, welche Angaben in einem Export landen, frage die Redaktion oder den Anbieter, bevor du diesen Schritt gehst.

Quellen und Stand

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Häufige Fragen zum Peer-Reviewer-Werden

Was prüfst du zuerst, wenn eine Anfrage eintrifft?

Elsevier nennt auf der Seite „How to review“ drei Prüfpunkte vor der Annahme einer Anfrage: Das Fachgebiet passt, ein Interessenkonflikt ist zu melden, und Zeit bis zum Abgabetermin ist vorhanden. Diese Angaben stammen aus den Elsevier-Hinweisen für Reviewer und gelten für Elsevier.

Was tust du, wenn du nicht zusagen kannst?

Elsevier empfiehlt, auch bei einer Absage schnell zu antworten und Alternativen vorzuschlagen. Diese Aussage bezieht sich auf Elsevier und lässt sich nicht ohne Prüfung auf andere Verlage übertragen.

Gelten die Regeln von Springer Nature auch für Zeitschriften?

Der belegte Hinweis von Springer Nature betrifft Buch- und Proceedings-Gutachten, nicht Zeitschriften. Für Zeitschriftengutachten liest du die Vorgaben der jeweiligen Redaktion nach.

Darfst du ein Manuskript mit einem KI-Werkzeug prüfen?

Elsevier erlaubt laut seiner Reviewer-Anleitung nicht, Manuskripte in KI-Werkzeuge hochzuladen, und ein Teilen braucht eine Erlaubnis. Diese Regel betrifft Elsevier und gilt nicht automatisch für andere Zeitschriften.

Wohin gehört ein Verdacht auf Plagiat oder Fälschung?

Laut Elsevier geht ein Verdacht auf Plagiat oder Fälschung an die Redaktion. Eine Forderung, eigene Arbeiten zu zitieren, braucht einen Sachgrund, den du prüfst, bevor du dem Wunsch folgst.

Zählen Nachweise der Gutachtertätigkeit bei Gremien oder Arbeitgebern?

Wiley beschreibt Web of Science Reviewer Recognition Services mit Opt-in, Export zu ORCID, bleibender Anonymität sowie Zertifikaten und CME-Credits. Ob Gremien oder Arbeitgeber solche Nachweise werten, ist nicht bekannt und sollte mit deiner betreuenden Person geklärt werden.

Wer beantwortet Fragen zu Vertraulichkeit und Haftung?

Für Fragen zu Vertraulichkeit und Haftung wendest du dich an die Redaktion der Zeitschrift, die das Manuskript zur Begutachtung geschickt hat.

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