Partizip 1: Bildung, Beispiele und Verwendung
Die Form auf -end, ihre Rolle im Satz und die Regeln
Das Partizip 1 entsteht aus dem Infinitiv plus -d: lesend, laufend, singend, wartend. Es beschreibt etwas, das gleichzeitig zur Haupthandlung geschieht, und tritt fast immer als Adjektiv oder Adverb auf. Anders als das Partizip 2 bildet es keine Zeitform, und genau deshalb wird es leicht übersehen. In wissenschaftlichen Texten hat es einen zweifelhaften Ruf, weil Partizipialkonstruktionen Sätze verdichten und dabei oft unklar lassen, wer eigentlich handelt.
Partizip 1: die Bildung in einem Satz
Die Bildung ist bei allen Verben gleich: Infinitiv plus -d. Lesen wird zu lesend, laufen zu laufend, arbeiten zu arbeitend, sein zu seiend.
Es gibt keine unregelmäßigen Formen und keine Ausnahmen. Auch Verben, die im Präteritum und im Partizip 2 den Stamm ändern, bleiben hier unverändert: singen wird zu singend, nicht sangend.
Steht die Form vor einem Substantiv, bekommt sie zusätzlich eine Adjektivendung: das lesende Kind, ein laufender Motor, mit wachsender Sorge.

Die drei Verwendungen im Satz
Erstens als Adjektiv vor dem Substantiv: die steigenden Preise, ein überzeugendes Argument, das kommende Semester. Diese Verwendung ist die häufigste und völlig unauffällig.
Zweitens als Adverb: Sie ging singend über den Hof. Hier beschreibt die Form, wie die Haupthandlung abläuft, und bleibt endungslos.
Drittens in einer Partizipialgruppe: Auf die Antwort wartend, las er die Zeitung. Diese Konstruktion ist knapp und in Gebrauchstexten mit Vorsicht zu behandeln.
Häufige Fehler und Zweifelsfälle
Der wichtigste Punkt ist der Bezug. In einer Partizipialgruppe muss die handelnde Person dieselbe sein wie im Hauptsatz. In dem Satz Auf dem Tisch liegend, fand er den Brief liegt grammatisch er auf dem Tisch, nicht der Brief. Solche Fälle heißen falsch bezogene Partizipien und gehören zu den auffälligsten Stilfehlern.
Der zweite Punkt ist die Kommasetzung. Eine Partizipialgruppe wird durch Komma abgetrennt, wenn sie mehr als das bloße Partizip umfasst: Laut lachend, verließ sie den Raum. Steht das Partizip allein, ist das Komma freigestellt.
Ein dritter Punkt betrifft die Gleichzeitigkeit. Das Partizip 1 beschreibt etwas, das parallel zur Haupthandlung läuft. Für Vorzeitigkeit ist es falsch: Den Text abgebend, verließ sie das Büro setzt zwei Handlungen gleich, die nacheinander geschehen.
Der vierte Punkt ist der Nominalstil. Die Häufung von Partizipien verdichtet Sätze so stark, dass sie schwer lesbar werden. Ein Nebensatz mit während oder weil ist fast immer verständlicher und kostet nur wenige Wörter mehr.
Ein letzter Punkt betrifft das Gerundivum, also die Form mit zu: die zu prüfenden Anträge, das zu lösende Problem. Diese Konstruktion drückt eine Notwendigkeit aus und gehört formal zum Partizip 1, unterscheidet sich in der Bedeutung aber deutlich.
Abgrenzung zur zweiten Form
Das Partizip 2 beschreibt Abgeschlossenes und bildet Perfekt, Plusquamperfekt und Passiv: gelesen, gefahren, geprüft. Das Partizip 1 beschreibt Gleichzeitiges und bildet keine Zeitform.
Als Adjektiv unterscheiden sich beide in der Richtung: die lesende Person liest selbst, das gelesene Buch wird gelesen. Die erste Form ist aktivisch, die zweite passivisch.
Beide lassen sich im selben Satz verwenden, und dann sollte der Unterschied hörbar bleiben: Der prüfende Blick fiel auf den geprüften Antrag. Wo das nicht gelingt, ist eine Umformulierung meist die bessere Lösung.

Gebrauch in wissenschaftlichen Arbeiten
In Abschlussarbeiten sind Partizipien als Adjektiv völlig üblich: die untersuchten Fälle, die vorliegenden Daten, steigende Werte. Diese Verwendung fällt niemandem auf und ist sprachlich unproblematisch.
Kritisch werden die Partizipialgruppen. Sie sparen Wörter und verlieren dabei die Angabe, wer handelt, und genau diese Angabe ist in methodischen Abschnitten wichtig. Wer schreibt, dass die Daten, mehrfach kontrolliert, ausgewertet wurden, verschweigt, wer kontrolliert hat.
Bewährt hat sich eine einfache Prüfung: Lässt sich die Partizipialgruppe ohne Verlust in einen Nebensatz umwandeln, dann tu es. Bleibt sie danach umständlicher, war sie berechtigt. In der Mehrzahl der Fälle gewinnt der Nebensatz.
Fazit: Partizip 1 auf den Punkt gebracht
Das Partizip 1 entsteht aus dem Infinitiv plus -d und beschreibt Gleichzeitiges. Es bildet keine Zeitform, sondern tritt als Adjektiv, Adverb oder in einer Partizipialgruppe auf.
Der häufigste Fehler ist der falsche Bezug: Die handelnde Person muss in Gruppe und Hauptsatz dieselbe sein. Im Zweifel ist ein Nebensatz die verständlichere Lösung.
Im Zusammenhang „Partizip 1: Bildung, Beispiele und Verwendung“ werden die zentralen Punkte gebündelt.
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