Perfekt mit haben oder sein: die Regel mit Beispielen

Benjamin LohrerFachlich geprüft von Benjamin Lohrer, Lektor bei korrektur.de · Stand: 13. Oktober 2026

Drei Regeln, die Zweifelsfälle und die regionalen Unterschiede

Lesezeit ca. 6 Min. · aktualisiert: 14. Juni 2026 · zurück zum Blog

Perfekt mit haben oder sein richtet sich nach der Art des Vollverbs. Meist steht haben, während sein vor allem bei bestimmten intransitiven Bewegungs- oder Veränderungsverben vorkommt. Warum sagt man ich habe geschlafen, aber ich bin eingeschlafen? Und warum heißt es ich habe gearbeitet, aber ich bin gegangen? Manche Verben können sowohl mit haben als auch mit sein stehen; dabei entscheidet der jeweilige Sprachgebrauch.

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Die Wahl zwischen haben und sein im Perfekt, dazu zum Herunterladen/Ausdrucken sechs Zeitformen mit Bildung, Beispiel und Gebrauch fürs wissenschaftliche Arbeiten: Präsens, Präteritum, Plusquamperfekt und Vorzeitigkeit.

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Die drei Regeln für sein

Viele intransitive Bewegungsverben gehören zu den Verben der Ortsveränderung. Drückt das Verb einen Ortswechsel aus, bildet es das Perfekt gewöhnlich mit sein. Beispiele sind: Ich bin gegangen, ich bin gekommen, nach Köln gefahren oder nach Rom geflogen.

Zu den Verben der Zustandsänderung zählen intransitive Verben, bei denen sich der Zustand einer Person oder Sache verändert. Ihr Perfekt bildet man in der Regel mit sein, etwa bei einschlafen, aufwachen, wachsen, sterben, aufblühen, gefrieren und verschwinden. Auch geschehen steht mit sein.

Eine Sonderstellung nehmen die Einzelfälle sein, werden und bleiben ein. Beispiele sind: Ich bin gewesen, ich bin geworden, ich bin geblieben. Da diese drei Verben bei der Bildung des Perfekts eigene Wege gehen, empfiehlt es sich, ihre Formen gezielt einzuprägen.

Überwiegend verwenden die übrigen Verben das Hilfsverb haben. Das gilt insbesondere für zwei Gruppen: für Verben mit einem Akkusativobjekt sowie für reflexive Verben. Typische Beispiele sind: Ich habe das Buch gelesen oder Ich habe mich geirrt.

Perfekt mit haben oder sein: Regel mit Beispielen
Perfekt mit haben oder sein im Überblick.

Verben, die beides können

Im Fall von fahren entscheidet der Gebrauch: Ich bin nach Köln gefahren, während ich den Wagen gefahren habe.

Schwimmen: Beide Hilfsverben sind möglich. Ich bin ans Ufer geschwommen und ich habe eine Stunde geschwommen sind typische Verwendungen, stellen aber keine feste Zuordnung dar.

Fliegen: Sie ist nach Rom geflogen, aber sie hat die Maschine geflogen. Bei reiten, segeln, tanzen und joggen kann die Wahl des Hilfsverbs vom jeweiligen Gebrauch abhängen.

Grundregel: Bei manchen Bewegungsverben spricht ein ausgedrückter Ortswechsel für sein. Ein Akkusativobjekt verlangt haben. Fehlen beide Elemente, kann die Wahl bei manchen Verben vom Gebrauch und von der regionalen Varietät abhängen.

Regionale Unterschiede

Bei liegen, sitzen und stehen sind regional unterschiedliche Perfektformen üblich. Im norddeutschen Sprachraum verwendet man für die Grundbedeutungen meist haben: Ich habe gelegen, ich habe gesessen und ich habe gestanden.

In Süddeutschland, Österreich und der Schweiz wird für dieselben Grundbedeutungen regional auch sein verwendet: Ich bin gelegen, ich bin gesessen und ich bin gestanden. Beide Reihen sind regionale Standardvarianten; bei festen Wendungen und anderen Bedeutungen kann die Wahl abweichen.

Für Texte gilt: Wer eine regionale Variante verwendet, sollte innerhalb eines Dokuments bei einer Form bleiben. Welche Form passt, hängt auch von der Zielgruppe und dem Sprachraum ab.

Häufige Fehler und Zweifelsfälle

Besonders problematisch ist bleiben. Auch ohne sichtbaren Ortswechsel bildet es das Perfekt mit sein: Ich bin geblieben. Zusammen mit sein und werden gehört es zu den Verben, deren Perfektform mit sein zu lernen ist.

Als zweiter Fall gelten anfangen und beginnen. Sie bilden das aktivische Perfekt mit haben: Der Kurs hat angefangen, die Sitzung hat begonnen. Die Form ist daher unabhängig davon zu lernen, ob ein Zustandswechsel gemeint ist.

Für die Modalverben gilt im Perfekt haben. Steht zusätzlich ein Infinitiv, verwendet man den Ersatzinfinitiv: Ich habe gehen müssen. Ohne weiteren Infinitiv steht gewöhnlich das Partizip II, etwa: Ich habe gemusst.

Das Passiv bildet eine eigenständige Gruppe. Das Zustandspassiv verlangt sein („Die Tür ist geöffnet“), das Vorgangspassiv dagegen werden („Die Tür wird geöffnet“). Beides mit dem Perfekt zu verwechseln, ist ein gängiges Missverständnis.

Fremdsprachige Sprecher übertragen oft Muster ihrer Erstsprache. Andere Sprachen können bei zusammengesetzten Vergangenheitsformen eine ähnliche, aber nicht identische Verteilung von Hilfsverben haben. Wer Deutsch als Zweitsprache schreibt, sollte die Wahl gezielt prüfen.

Perfekt mit haben oder sein: Regeln und Zweifelsfälle

Liste: Verben zum Nachschlagen

Mit sein stehen unter anderem Verben wie gehen, kommen, einschlafen, aufwachen, wachsen, sterben, geschehen, passieren im Sinn von „geschehen“, gelingen, misslingen, begegnen, bleiben, sein und werden. Bei folgen richtet sich die Wahl des Hilfsverbs nach Bedeutung und Sprachgebrauch.

Mit haben stehen unter anderem arbeiten, lesen, schreiben, sagen, machen, denken, wissen, kennen, essen, trinken, schlafen, warten, helfen, danken, antworten, beginnen, anfangen und aufhören. Modalverben bilden ihr Perfekt mit haben; reflexive Verben stehen in der Regel ebenfalls mit haben.

Verben, die je nach Gebrauch beides verwenden können, sind: fahren, fliegen, schwimmen, reiten, segeln, tanzen, joggen, klettern, ziehen, treten, stoßen.

Fazit: Perfekt mit haben oder sein

Bestimmte intransitive Verben für Bewegung und Zustandswechsel sowie sein, werden und bleiben verlangen sein. Die meisten anderen Verben setzen dagegen auf Perfekt mit haben.

Bei Verben, die zwei Optionen bieten, klärt der Kontext die Wahl: Bei manchen Bewegungsverben spricht ein Ortswechsel für sein; ein Akkusativobjekt verlangt haben. Zudem gibt es bei liegen, sitzen und stehen regionale Varianten.

An den Beispielen wird deutlich, wann im Perfekt haben oder sein steht und welche regionalen Varianten zu beachten sind.

Mehr dazu steht unter Perfekt, außerdem unter Plusquamperfekt und Unregelmäßige Verben.

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Stand: 13. Oktober 2026

korrektur.de. (2026, 13. Oktober). Perfekt mit haben oder sein: die Regel mit Beispielen. korrektur.de. https://korrektur.de/perfekt-mit-haben-oder-sein

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Häufige Fragen zum Thema Perfekt mit haben oder sein

Wann steht das Perfekt mit sein?

Vor allem bei intransitiven Verben, die einen Ortswechsel oder Zustandswechsel ausdrücken, sowie bei sein, werden und bleiben steht das Perfekt mit sein.

Heißt es: „Ich habe gelegen“ oder „Ich bin gelegen“?

Bei den Grundbedeutungen von liegen, sitzen und stehen sind beide Formen regional üblich: Im norddeutschen Sprachraum steht meist haben, in Süddeutschland, Österreich und der Schweiz auch sein. Daraus folgt keine freie Wahl bei allen Verben oder Bedeutungen.

Warum heißt es ich bin geblieben?

Bleiben bildet das Perfekt mit sein: Ich bin geblieben. Die Form gehört zu den Fällen, die sich nicht allein über einen sichtbaren Ortswechsel erklären lassen.

Welches Hilfsverb nehmen Modalverben?

Bei Modalverben steht im Perfekt haben, auch wenn der abhängige Infinitiv sein lautet: „Ich habe zu Hause sein müssen“.

Heißt es ich bin geschwommen oder ich habe geschwommen?

Beides ist je nach Gebrauch möglich: „Ich bin ans Ufer geschwommen“ beschreibt einen Ortswechsel, „Ich habe eine Stunde geschwommen“ die Tätigkeit.

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