Perfekt mit haben oder sein: die Regel mit Beispielen
Drei Regeln, die Zweifelsfälle und die regionalen Unterschiede
Perfekt mit haben oder sein ist der häufigste Zweifelsfall der deutschen Verbbeugung. Warum heißt es ich habe geschlafen, aber ich bin eingeschlafen? Warum ich habe gearbeitet, aber ich bin gegangen? Die Entscheidung hängt nicht von der Form des Verbs ab, sondern von seiner Bedeutung, und drei Regeln decken fast alle Fälle ab. Der Rest sind Verben, die beides können, und dort ändert sich mit dem Hilfsverb der Sinn.
Die drei Regeln für sein
Erstens: Verben der Ortsveränderung. Wer sich von A nach B bewegt, bildet das Perfekt mit sein. Gehen, kommen, fahren, fliegen, laufen, reisen, steigen, fallen, springen.
Zweitens: Verben der Zustandsänderung. Wer oder was in einen anderen Zustand übergeht, nimmt ebenfalls sein. Einschlafen, aufwachen, wachsen, sterben, aufblühen, gefrieren, verschwinden, geschehen.
Drittens: die drei Einzelfälle sein, werden und bleiben. Ich bin gewesen, ich bin geworden, ich bin geblieben. Diese drei folgen keiner Bedeutungsregel, sondern sind schlicht zu merken.
Alle übrigen Verben nehmen haben, insbesondere alle mit Akkusativobjekt und alle reflexiven Verben: Ich habe das Buch gelesen. Ich habe mich geirrt.

Verben, die beides können
Bei einigen Verben entscheidet die Bedeutung. Fahren: Ich bin nach Köln gefahren (Ortsveränderung) gegenüber ich habe den Wagen gefahren (mit Objekt).
Schwimmen: Ich bin ans Ufer geschwommen (Strecke) gegenüber ich habe eine Stunde geschwommen (Tätigkeit).
Fliegen: Sie ist nach Rom geflogen gegenüber sie hat die Maschine geflogen. Ebenso bei reiten, segeln, tanzen und joggen.
Die Faustregel dazu: Steht ein Ziel im Satz, nimm sein. Steht ein Objekt, nimm haben. Steht weder noch, sind meist beide Formen zulässig.
Regionale Unterschiede
Bei liegen, sitzen und stehen gibt es zwei Gebrauchsräume. Norddeutsch und standardsprachlich heißt es ich habe gelegen, ich habe gesessen, ich habe gestanden.
Süddeutsch, österreichisch und schweizerisch heißt es ich bin gelegen, ich bin gesessen, ich bin gestanden. Beide Varianten gelten als korrekt, und Wörterbücher führen sie nebeneinander.
Für Texte gilt: Beide Formen sind zulässig, aber innerhalb eines Dokuments sollte nur eine vorkommen. In wissenschaftlichen Arbeiten ist die norddeutsche Form die unauffälligere Wahl.
Häufige Fehler und Zweifelsfälle
Der häufigste Fehler betrifft bleiben. Trotz fehlender Bewegung heißt es ich bin geblieben. Wer nach der Ortsveränderungsregel sucht, findet keine, und genau deshalb gehört das Verb zu den drei Einzelfällen.
Der zweite Punkt ist anfangen und beginnen. Beide nehmen haben, obwohl eine Zustandsänderung naheliegt: Der Kurs hat begonnen, nicht ist begonnen. Die Regel greift hier nicht, weil beide Verben ein Objekt tragen können.
Ein dritter Punkt sind die Modalverben. Sie nehmen immer haben, unabhängig vom Vollverb: Ich habe gehen müssen, nicht ich bin gehen müssen. Das Hilfsverb richtet sich hier nach dem Modalverb, nicht nach dem zweiten Verb.
Der vierte Punkt betrifft das Passiv. Im Zustandspassiv steht sein: Die Tür ist geöffnet. Im Vorgangspassiv steht werden: Die Tür wird geöffnet. Beides mit dem Perfekt zu verwechseln, ist ein verbreiteter Fehler.
Ein letzter Punkt: Fremdsprachige Sprecher übertragen oft die Regel ihrer Erstsprache. Im Englischen gibt es nur have, im Französischen und Italienischen gilt eine ähnliche, aber nicht identische Verteilung. Wer Deutsch als Zweitsprache schreibt, sollte diese Stelle gezielt prüfen.

Liste zum Nachschlagen
Immer mit sein: gehen, kommen, fahren, fliegen, laufen, rennen, reisen, steigen, sinken, fallen, springen, einschlafen, aufwachen, wachsen, sterben, geschehen, passieren, gelingen, misslingen, begegnen, folgen, bleiben, sein, werden.
Immer mit haben: arbeiten, lesen, schreiben, sagen, machen, denken, wissen, kennen, essen, trinken, schlafen, warten, helfen, danken, antworten, beginnen, anfangen, aufhören, alle Modalverben, alle reflexiven Verben.
Je nach Bedeutung beides: fahren, fliegen, schwimmen, reiten, segeln, tanzen, joggen, klettern, ziehen, treten, stoßen.
Fazit: Perfekt mit haben oder sein
Mit sein stehen Verben der Ortsveränderung, Verben der Zustandsänderung und die drei Einzelfälle sein, werden und bleiben. Alle anderen nehmen haben.
Bei Verben mit beiden Formen entscheidet die Bedeutung: Ziel im Satz spricht für sein, Objekt im Satz für haben. Bei liegen, sitzen und stehen gilt beides, je nach Region.
Die Einordnung „Perfekt mit haben oder sein: die Regel mit Beispielen“ fasst den vollständigen Zusammenhang zusammen.
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