Perfekt mit haben oder sein: die Regel mit Beispielen
Drei Regeln, die Zweifelsfälle und die regionalen Unterschiede
Perfekt mit haben oder sein richtet sich nach dem Verbgebrauch. Meist steht haben, während sein vor allem bei bestimmten intransitiven Bewegungs- und Veränderungsverben vorkommt. Warum heißt es ich habe geschlafen, aber ich bin eingeschlafen? Warum ich habe gearbeitet, aber ich bin gegangen? Bei einigen Verben können beide Hilfsverben möglich sein; dann beeinflusst der Gebrauch die Wahl.
Die drei Regeln für sein
Zu den Verben der Ortsveränderung zählen viele intransitive Bewegungsverben. Steht eine Richtungs- oder Ortsangabe dabei, bildet man ihr Perfekt gewöhnlich mit sein. Beispiele sind: Ich bin gegangen, gekommen, nach Köln gefahren oder nach Rom geflogen.
Zu den Verben der Zustandsänderung zählen intransitive Verben, bei denen sich der Zustand einer Person oder Sache verändert. Ihr Perfekt bildet man in der Regel mit sein, etwa bei einschlafen, aufwachen, wachsen, sterben, aufblühen, gefrieren und verschwinden. Auch geschehen steht mit sein.
Als weiteren Fall nennt man die Einzelfälle sein, werden und bleiben. Beispiele dafür lauten: Ich bin gewesen, ich bin geworden, ich bin geblieben. Diese drei Verben werden bei der Perfektbildung gesondert behandelt und sind am besten mit ihren Formen zu lernen.
Die meisten übrigen Verben verbinden sich mit haben. Das gilt insbesondere für Verben mit Akkusativobjekt und für reflexive Verben. Beispiele dafür sind: Ich habe das Buch gelesen beziehungsweise Ich habe mich geirrt.

Verben, die beides können
Bei fahren entscheidet der Gebrauch: Ich bin nach Köln gefahren, aber ich habe den Wagen gefahren.
Schwimmen: Beide Hilfsverben sind möglich. Ich bin ans Ufer geschwommen und ich habe eine Stunde geschwommen zeigen typische Verwendungen, keine feste Zuordnung.
Fliegen: Sie ist nach Rom geflogen, aber sie hat die Maschine geflogen. Auch bei reiten, segeln, tanzen und joggen kann die Wahl des Hilfsverbs vom jeweiligen Gebrauch abhängen.
Faustregel: Bei Bewegungsverben mit Richtungs- oder Ortsangabe steht sein. Ein Akkusativobjekt verlangt haben. Fehlen beide Elemente, kann die Wahl bei manchen Bewegungsverben vom Gebrauch und von der regionalen Varietät abhängen.
Regionale Unterschiede
Bei liegen, sitzen und stehen gibt es regionale Unterschiede. Im norddeutschen Sprachraum ist ich habe gelegen, ich habe gesessen und ich habe gestanden üblich; die haben-Form ist auch die allgemeinere Variante.
In Süddeutschland, Österreich und der Schweiz kommt bei liegen, sitzen und stehen auch die Bildung mit sein vor: ich bin gelegen, ich bin gesessen und ich bin gestanden. Diese regionalen Varianten sind korrekt, aber nicht in allen Verwendungsweisen und Regionen gleich verbreitet.
Für Texte gilt: Wer eine regionale Variante verwendet, sollte innerhalb eines Dokuments bei einer Form bleiben. Welche Form passt, hängt auch von Zielgruppe und Sprachraum ab.
Häufige Fehler und Zweifelsfälle
Ein häufiger Zweifelsfall ist bleiben. Trotz fehlender Bewegung heißt es ich bin geblieben. Das Verb gehört neben sein und werden zu den Verben, die das Perfekt mit sein bilden.
Der zweite Punkt ist anfangen und beginnen. Beide bilden das Perfekt mit haben, obwohl eine Zustandsänderung naheliegt: Der Kurs hat begonnen, nicht: Der Kurs ist begonnen. Dass die Verben ein Objekt tragen können, erklärt diese Wahl nicht; sie sind als Fälle mit haben zu lernen.
Ein dritter Punkt sind die Modalverben. Sie nehmen immer haben, unabhängig vom Vollverb: Ich habe gehen müssen, nicht ich bin gehen müssen. Das Hilfsverb richtet sich hier nach dem Modalverb, nicht nach dem zweiten Verb.
Das Passiv stellt eine eigene Kategorie dar. Im Zustandspassiv verwendet man sein („Die Tür ist geöffnet“), während im Vorgangspassiv werden steht („Die Tür wird geöffnet“). Beides mit dem Perfekt zu verwechseln, ist ein gängiges Missverständnis.
Ein letzter Punkt: Fremdsprachige Sprecher übertragen oft die Regel ihrer Erstsprache. Im Englischen gibt es nur have, im Französischen und Italienischen gilt eine ähnliche, aber nicht identische Verteilung. Wer Deutsch als Zweitsprache schreibt, sollte diese Stelle gezielt prüfen.

Liste zum Nachschlagen
Im intransitiven Gebrauch stehen diese Verben mit sein: gehen, kommen, einschlafen, aufwachen, wachsen, sterben, geschehen, passieren, gelingen, misslingen, begegnen, folgen, bleiben, sein, werden.
Verben, die konsequent haben verwenden, sind: arbeiten, lesen, schreiben, sagen, machen, denken, wissen, kennen, essen, trinken, schlafen, warten, helfen, danken, antworten, beginnen, anfangen, aufhören sowie sämtliche Modal- und Reflexivverben.
Verben, die je nach Gebrauch beides verwenden können, sind: fahren, fliegen, schwimmen, reiten, segeln, tanzen, joggen, klettern, ziehen, treten, stoßen.
Fazit: Perfekt mit haben oder sein
Mit sein stehen vor allem bestimmte intransitive Bewegungs- und Zustandsveränderungsverben sowie sein, werden und bleiben. Viele andere Verben bilden das Perfekt mit haben.
Bei Verben mit beiden Formen entscheidet der Gebrauch: Eine Richtungs- oder Ortsangabe bei einem Bewegungsverb spricht für sein, ein Akkusativobjekt für haben. Bei liegen, sitzen und stehen gibt es zudem regionale Varianten.
An den Beispielen wird deutlich, wann im Perfekt haben oder sein steht und welche regionalen Varianten zu beachten sind.
Weitere Informationen finden sich unter Perfekt, Plusquamperfekt und Unregelmäßige Verben.