Konjugation brauchen: alle Formen mit Tabelle
Stammformen, die Regel mit zu und die Nähe zu den Modalverben
Die Konjugation brauchen ist vollständig regelmäßig: brauchen, brauchte, gebraucht. Bekannt ist das Verb trotzdem für einen Zweifelsfall, der nichts mit den Formen zu tun hat, sondern mit dem Satzbau. Standardsprachlich heißt es du brauchst nicht zu kommen, mit zu. Umgangssprachlich fällt dieses zu weg, weil das Verb sich wie ein Modalverb verhält. Der Merksatz dazu ist bekannt: Wer brauchen ohne zu gebraucht, braucht brauchen gar nicht zu gebrauchen.
Konjugation brauchen: die Stammformen
Die drei Stammformen lauten brauchen, brauchte, gebraucht. Das Verb ist regelmäßig und ändert den Stammvokal in keiner Form.
Das Perfekt wird mit haben gebildet: ich habe gebraucht. Das Verb verlangt ein Objekt, deshalb kommt sein nicht in Frage.
Steht ein zweites Verb daneben, tritt umgangssprachlich der Ersatzinfinitiv ein: Ich habe nicht kommen brauchen. Standardsprachlich ist die Form mit Partizip und zu üblich, meist wird der Satz jedoch anders formuliert.
Zusammensetzungen sind selten. Gebräuchlich sind verbrauchen und aufbrauchen, beide mit derselben regelmäßigen Beugung.
Präsens und Imperativ
Präsens: ich brauche, du brauchst, er braucht, wir brauchen, ihr braucht, sie brauchen.
Umgangssprachlich begegnet die Form er brauch ohne t, in Anlehnung an die Modalverben, bei denen die dritte Person keine Endung trägt. Diese Form ist nicht korrekt.
Imperativ: brauch oder brauche, braucht, brauchen Sie. Die Formen sind möglich, im Gebrauch aber ungewöhnlich, weil sich ein Bedürfnis schlecht anordnen lässt.

Präteritum, Perfekt und Plusquamperfekt
Präteritum: ich brauchte, du brauchtest, er brauchte, wir brauchten, ihr brauchtet, sie brauchten.
Perfekt: ich habe gebraucht, du hast gebraucht, er hat gebraucht, wir haben gebraucht, ihr habt gebraucht, sie haben gebraucht.
Plusquamperfekt: ich hatte gebraucht, du hattest gebraucht, er hatte gebraucht und so weiter.
Mit zweitem Verb lautet die umgangssprachliche Form ich habe nicht kommen brauchen. In geschriebenen Texten ist die Formulierung ich musste nicht kommen die bessere Wahl.
Futur und Konjunktiv
Futur I: ich werde brauchen, du wirst brauchen, er wird brauchen, wir werden brauchen, ihr werdet brauchen, sie werden brauchen.
Futur II: ich werde gebraucht haben, du wirst gebraucht haben, er wird gebraucht haben.
Konjunktiv I: ich brauche, du brauchest, er brauche. Diese Formen gehören in die indirekte Rede: Er sagt, er brauche mehr Zeit.
Konjunktiv II: ich brauchte, du brauchtest, er brauchte. Bei regelmäßigen Verben ist der Konjunktiv II mit dem Präteritum identisch, deshalb weicht man auf ich würde brauchen aus.
Häufige Fehler und Zweifelsfälle
Brauchen mit zu: Standardsprachlich heißt es du brauchst nicht zu kommen. Das zu fällt umgangssprachlich weg, gilt in geschriebenen Texten aber als Pflicht.
Nur mit Verneinung oder Einschränkung: Die Konstruktion mit zu steht nur mit nicht, nur, kaum oder erst. Ein Satz wie du brauchst zu kommen ist ungrammatisch, richtig wäre du musst kommen.
Er braucht, nicht er brauch: Die dritte Person Singular trägt ein t. Die endungslose Form entsteht durch Angleichung an die Modalverben und ist falsch.
Brauchen und gebrauchen: Brauchen heißt benötigen, gebrauchen heißt verwenden. Ein Werkzeug, das man gebraucht hat, ist benutzt worden; eines, das man gebraucht hat, wurde benötigt. Der Unterschied liegt allein in der Vorsilbe.
Gebraucht als Adjektiv: Ein gebrauchtes Auto ist benutzt, nicht benötigt. Diese Bedeutung gehört zu gebrauchen und hat sich als eigenes Wort verselbstständigt.

Wortfamilie und Verwendung
Zur Wortfamilie gehören der Brauch, der Verbrauch, der Gebrauch, brauchbar und gebräuchlich. Der Brauch im Sinne einer Sitte gehört ebenfalls dazu, über die alte Bedeutung des regelmäßigen Gebrauchs.
In Geschäftstexten ist brauchen oft zu direkt. Wir brauchen die Unterlagen bis Freitag klingt fordernd, wir bitten um die Unterlagen bis Freitag wirkt angemessener und sagt dasselbe.
In wissenschaftlichen Arbeiten ist das Verb selten. Statt man braucht dafür ist eine sachliche Formulierung üblich: Dafür ist erforderlich. Diese Ersetzung entfernt zugleich das unpersönliche man, das in Gutachten regelmäßig beanstandet wird.
Fazit: Konjugation brauchen auf einen Blick
Die Stammformen lauten brauchen, brauchte, gebraucht. Das Verb ist vollständig regelmäßig und ändert den Stammvokal nicht.
Mit einem zweiten Verb ist das zu standardsprachlich Pflicht: du brauchst nicht zu kommen. Die Konstruktion steht nur mit Verneinung oder Einschränkung.
Die Einordnung „Konjugation brauchen: alle Formen mit Tabelle“ fasst den vollständigen Zusammenhang zusammen.
Zur selben Gruppe gehören Modalverben, Konjugation mögen und Übersicht aller Verbformen.