Futur II: Verwendung und Formen im Satz
Die vollendete Zukunft, die Vermutung über Vergangenes und ihre Formen
Das Futur II kann die vollendete Zukunft ausdrücken: Bis Freitag werde ich den Text abgegeben haben. Es beschreibt dann etwas, das zu einem künftigen Zeitpunkt bereits abgeschlossen sein wird. Es wird aus werden, dem Partizip II und haben oder sein gebildet. Im Alltag steht es in dieser Bedeutung eher selten, häufiger dient es als Vermutung über Vergangenes: Er wird es vergessen haben.
Futur II: die Bildung in einem Satz
Drei Bestandteile bilden das Futur II: die Präsensform von werden, das Partizip II des Vollverbs sowie der Infinitiv von haben beziehungsweise sein.
Mit haben lautet die Reihe: ich werde gefragt haben, du wirst gefragt haben, er wird gefragt haben. Mit sein heißt sie: ich werde gefahren sein, du wirst gefahren sein, sie wird gefahren sein.
Für die Wahl zwischen den beiden Hilfsverben am Schluss gilt grundsätzlich dieselbe Regel wie beim Perfekt: Im Normalfall steht haben; sein steht bei bestimmten intransitiven Verben der Fortbewegung oder Zustandsveränderung sowie bei sein, werden und bleiben.

Die zwei Bedeutungen der Zeitform
Primär dient die Konstruktion der vollendeten Zukunft: Bis zum Semesterende werde ich alle Prüfungen abgelegt haben. Dabei greifen zwei Zeitschichten ineinander: ein zukünftiger Referenzmoment und eine vorher beendete Aktion.
Sekundär und weit verbreitet ist die Vermutung über Vergangenes: Sie wird den Zug verpasst haben. Gemeint ist hier nichts Zukünftiges, sondern lediglich eine Einschätzung bezüglich eines bereits eingetretenen Ereignisses.
Man unterscheidet beide Interpretationen anhand des Kontexts. Eine Zeitangabe für die Zukunft wie bis morgen, nächste Woche oder am Jahresende weist auf die vollendete Zukunft hin. Fehlt eine ausdrückliche Angabe, können Kontext und Situation dennoch eine Zukunftslesart ermöglichen; die Form kann aber auch eine Vermutung ausdrücken.
Durchkonjugiert in allen Personen
Mit haben: ich werde gelesen haben, du wirst gelesen haben, er wird gelesen haben, wir werden gelesen haben, ihr werdet gelesen haben, sie werden gelesen haben.
Mit sein: ich werde angekommen sein, du wirst angekommen sein, es wird angekommen sein, wir werden angekommen sein, ihr werdet angekommen sein, sie werden angekommen sein.
Im Passiv fügt sich ein zusätzliches Element hinzu: Der Antrag wird bis Freitag geprüft worden sein. Diese Struktur ist grammatisch korrekt, wirkt wegen der mehreren Verbformen jedoch oft sperrig.
Häufige Fehler und typische Zweifelsfälle
Ein häufiger Fehler betrifft das Hilfsverb am Ende. Richtig ist „er wird gegangen sein“, nicht „er wird gegangen haben“. Wer beim Perfekt das richtige Hilfsverb wählt, hat auch hier Erfolg, denn die Regel ist dieselbe.
Weiterhin problematisch ist die Verwechslung mit dem Futur I. „Er wird kommen“ beschreibt eine bevorstehende Handlung, während „er wird gekommen sein“ deren Vollendung signalisiert. Fehlt das Partizip II, entsteht kein Futur II.
Drittens spielt der Bezugspunkt eine Rolle. Für die Lesart der vollendeten Zukunft muss sich aus Satz oder Kontext ein künftiger Zeitpunkt ergeben, zu dem die Handlung bereits abgeschlossen ist. Fehlt ein solcher Bezugspunkt, kann die Form als Vermutung über Vergangenes verstanden werden.
Innerhalb des Nebensatzes verschiebt sich die Stellung: Ich hoffe, dass er bis dahin geantwortet haben wird. Die Häufung von drei Verbformen am Satzende ist grammatisch korrekt, kann die Lesbarkeit aber beeinträchtigen.
Je nach Kontext lässt sich das Futur II durch eine andere Zeitform ersetzen. Statt „Bis Freitag werde ich den Bericht abgegeben haben“ kann „Ich reiche den Bericht am Freitag ein“ stehen, wenn der Abschluss bis zu diesem Termin nicht ausdrücklich betont werden muss. Das ist kein vollständiger Ersatz, wenn gerade die Vorzeitigkeit betont werden soll.

Verwendung in Texten und Arbeiten
Auch in akademischen Texten kann das Futur II vorkommen, etwa wenn ein Abschluss zu einem künftigen Zeitpunkt beschrieben wird. Welche Zeitform im Übrigen passt, hängt vom Inhalt und gegebenenfalls von institutionellen Vorgaben ab.
In Projektplänen und Zeitplänen kann das Futur II einen Abschluss zu einem bestimmten Meilenstein ausdrücken: Zum Meilenstein im März werden die Interviews ausgewertet sein. Dieser feste Bezugspunkt macht deutlich, dass ein Zwischenstand gemeint ist, kein Vorhaben.
Im täglichen Sprachgebrauch kann die Vermutungslesart so im Vordergrund stehen, dass die eigentliche Bedeutung der vollendeten Zukunft kaum auffällt. Das ist keine Nachlässigkeit, sondern eine mögliche Verwendung des Futur II.
Fazit: Futur II klar auf den Punkt gebracht
Das Futur II besteht aus werden, dem Partizip II und dem Infinitiv von haben oder sein. Es beschreibt, dass etwas zu einem künftigen Zeitpunkt abgeschlossen sein wird.
Häufiger ist die zweite Lesart: eine Vermutung über Vergangenes. In Gebrauchstexten ist daher oft eine einfachere Formulierung sinnvoll.
Die verwandten Formen erklären wir hier Futur I, Plusquamperfekt und Übersicht aller Zeitformen.