Erschrak oder erschreckte: Die richtige Form
Ein Verb, zwei Vergangenheitsformen, ein Bedeutungsunterschied
Erschrak oder erschreckte: Beide Formen sind richtig, allerdings nicht beliebig austauschbar, denn sie hängen von der Bedeutung des Verbs erschrecken ab. Wer selbst einen Schreck bekommt, erschrak, das Partizip lautet erschrocken, weil erschrecken in dieser Bedeutung stark gebeugt wird. Wer dagegen eine andere Person in Schreck versetzt, erschreckte sie, mit dem Partizip erschreckt, denn hier wird erschrecken schwach konjugiert. Die Unterscheidung wirkt zunächst kompliziert, folgt aber einer klaren Regel, die sich mit wenig Übung sicher anwenden lässt.
Erschrak oder erschreckte: Die kurze Antwort
Beide Formen existieren im Deutschen und sind korrekt, allerdings mit unterschiedlicher Bedeutung. Erschrak ist die Präteritumform von erschrecken, wenn es intransitiv verwendet wird, also wenn eine Person selbst einen Schreck bekommt: Ich erschrak, als das Telefon klingelte. Erschreckte ist dagegen die Präteritumform, wenn erschrecken transitiv verwendet wird, also wenn jemand oder etwas eine andere Person in Schreck versetzt: Der laute Knall erschreckte die Kinder.
Wer unsicher ist, welche Form richtig ist, sollte einfach prüfen, ob im Satz jemand einen Schreck bekommt oder ob jemand einen Schreck auslöst. Diese einfache Testfrage führt fast immer zur passenden Form.

Regel und Herkunft: Warum es zwei Formen gibt
Der Unterschied zwischen erschrak oder erschreckte geht auf zwei Bedeutungen des Verbs erschrecken zurück. In der intransitiven Bedeutung, einen Schreck bekommen, ist erschrecken ein starkes Verb: erschrecken, erschrak, ist erschrocken. In der transitiven Bedeutung, jemanden in Schreck versetzen, ist erschrecken dagegen ein schwaches Verb: erschrecken, erschreckte, hat erschreckt. Nach Duden sind beide Formen standardsprachlich korrekt, solange sie zur jeweiligen Bedeutung passen.
Auch am Hilfsverb im Perfekt lässt sich die Bedeutung ablesen: ist erschrocken steht für den eigenen Schreck, hat erschreckt für die Wirkung auf andere. Wer die Grundregeln der deutschen Grammatik auffrischen möchte, findet eine gute Übersicht in unseren Rechtschreibregeln.
Beispielsätze für erschrak und erschreckte
Die folgenden Sätze zeigen den Unterschied deutlich. Intransitiv, mit erschrak: Sie erschrak, als der Hund plötzlich bellte. Wir erschraken über die hohe Rechnung. Er erschrak vor seinem eigenen Spiegelbild. In all diesen Sätzen erlebt die genannte Person den Schreck ganz allein, ohne dass jemand anderes ihn auslöst.
Transitiv, mit erschreckte: Die Nachricht erschreckte die ganze Familie. Er erschreckte seine Schwester mit einer Gruselmaske. Das plötzliche Feuerwerk erschreckte die Tiere im Stall. In allen Beispielen mit erschreckte folgt ein Akkusativobjekt, also die Person oder das Tier, das erschreckt wird. Bei den Sätzen mit erschrak fehlt dagegen ein solches Objekt, weil die Person selbst den Schreck erlebt und niemand von außen die Ursache dafür ist.
Häufige Fehler rund um erschrak und erschreckte
Ein häufiger Rechtschreibfehler ist die Schreibweise erschrack mit zusätzlichem c, richtig ist ausschließlich erschrak. Ein zweiter typischer Fehler ist die Verwechslung der Bedeutungen, etwa wenn jemand schreibt Ich erschreckte, als das Licht ausging, obwohl hier die eigene Reaktion gemeint ist und daher erschrak stehen müsste.
Auch bei der reflexiven Form sich erschrecken herrscht Unsicherheit. Der Duden empfiehlt hier traditionell die starke Form er erschrak sich, weil dieselbe Bedeutung wie beim intransitiven Verb gemeint ist. Umgangssprachlich wird zunehmend auch er erschreckte sich verwendet, standardsprachlich gilt jedoch die starke Form weiterhin als sicherer.

Merksatz: So behalten Sie den Unterschied
Eine einfache Eselsbrücke hilft im Alltag: Steht im Satz kein Akkusativobjekt und erlebt die handelnde Person den Schreck selbst, gehört die starke Form erschrak dazu, mit ist erschrocken im Perfekt. Steht dagegen ein Akkusativobjekt im Satz, also eine Person oder Sache, die erschreckt wird, gehört die schwache Form erschreckte dazu, mit hat erschreckt im Perfekt.
Kurz gesagt: Ich erschrak beschreibt, was mit mir passiert, Ich erschreckte jemanden beschreibt, was ich bei jemand anderem auslöse. Wer diese Eselsbrücke einmal verinnerlicht hat, wählt erschrak oder erschreckte künftig ohne langes Nachdenken und ohne Nachschlagen richtig aus.
Fazit: Beide Formen sind richtig, aber bedeutungsabhängig
Die Frage erschrak oder erschreckte lässt sich nicht pauschal mit nur einer Antwort lösen, weil beide Formen im Deutschen ihre Berechtigung haben und keine davon veraltet oder falsch ist. Entscheidend ist immer die Bedeutung: Erschrak passt zum eigenen, unwillkürlichen Schreck, erschreckte passt, wenn eine Person oder Sache diesen Schreck bei jemand anderem auslöst.
In Prüfungen, Bewerbungen oder Fachtexten lohnt sich ein zweiter Blick auf solche unregelmäßigen Verben, denn kleine Verwechslungen fallen aufmerksamen Lesern schnell auf und wirken schnell unsicher. Wer ganz sichergehen möchte, liest den eigenen Text noch einmal laut vor oder lässt ihn professionell gegenlesen, bevor er ihn abschickt.
Weitere sprachliche Zweifelsfälle: gib oder gebe, nimm oder nehme und alle Rechtschreibregeln.