Interviewformen für wissenschaftliche Arbeiten passend auswählen

Forschungsfrage, Offenheit und Auswertung zusammen denken

Lesezeit ca. 8 Min. · aktualisiert: 24. Juli 2026 · zur Akademie

Die passende Interviewform ergibt sich nicht aus persönlicher Vorliebe, sondern aus Forschungsfrage, Vorwissen und geplanter Auswertung. Ein standardisiertes Interview erzeugt gut vergleichbare Antworten, ein narratives Interview öffnet Raum für längere Erzählungen. Dazwischen liegen leitfadengestützte, problemzentrierte und fokussierte Formen. Dieser Vergleich hilft dir, die Varianten begründet auszuwählen und methodisch sauber zu kombinieren.

Begriff und Erkenntnisziel

Interviewformen lassen sich nach Standardisierung, Steuerung und Erkenntnisziel unterscheiden. Strukturierte Interviews folgen festen Fragen und Reihenfolgen. Halbstrukturierte Interviews nutzen einen Leitfaden, erlauben aber Nachfragen. Offene beziehungsweise narrative Formen arbeiten mit breiten Erzählaufforderungen. Das Experteninterview definiert vor allem die Rolle der befragten Person, nicht automatisch eine eigene Frageform. In der Praxis existieren Mischformen, die im Methodenkapitel präzise beschrieben werden müssen.

Vorbereitung und Abgrenzung

Kläre, ob du vergleichbare Aussagen zu festgelegten Themen, subjektive Deutungen, biografische Verläufe oder spezialisiertes Handlungswissen suchst. Prüfe danach Zugang zur Zielgruppe, Gesprächsdauer, Aufnahme, Transkription und Auswertungsmethode. Je offener das Interview, desto weniger lässt sich der Gesprächsverlauf vorab standardisieren. Je stärker du standardisierst, desto geringer ist der Raum für unerwartete Themen.

Interviewformen für wissenschaftliche Arbeiten passend auswählen: Überblick
Interviewformen für wissenschaftliche Arbeiten passend auswählen im Überblick.

Vorgehen Schritt für Schritt

  1. Erkenntnisziel und benötigte Antworttiefe festlegen
  2. Grad der Standardisierung bestimmen
  3. Zielgruppe und Auswahlstrategie begründen
  4. Leitfaden oder Erzählstimulus testen
  5. Auswertung schon vor der Erhebung planen

Halte Entscheidungen, Änderungen und begründete Ausnahmen während des gesamten Prozesses in einem Arbeitsprotokoll fest. Dadurch lässt sich das Methodenkapitel später aus tatsächlichen Arbeitsschritten statt aus Erinnerung schreiben.

Durchgehendes Beispiel

Für die Frage, wie Pflegekräfte eine neue Dokumentationssoftware erleben, kann ein leitfadengestütztes Interview zentrale Themen vergleichbar abfragen. Soll dagegen rekonstruiert werden, wie eine Person ihren Berufswechsel über mehrere Jahre erlebt hat, ist ein narrativer Zugang geeigneter. Bei der Untersuchung konkreter Konflikte in einem bekannten Arbeitsprozess kann ein problemzentriertes Interview den offenen Bericht mit gezielten Nachfragen verbinden.

Häufige Fehler vermeiden

  • Interviewtyp nur nach einem Muster aus einer anderen Arbeit wählen
  • Expertenstatus nicht begründen
  • offene Interviews mit einem starren Fragenkatalog blockieren
  • Erhebungsform und Auswertungsmethode getrennt planen

Begründe die Form anhand deiner Forschungsfrage und nenne, welche Freiheitsgrade Interviewende und Befragte hatten. Dokumentiere Leitfadenentwicklung, Pretest, Sampling, Gesprächssituation, Aufzeichnung und Transkription. Eine klare Einwilligung und ein realistischer Datenschutzplan gehören vor das erste Gespräch. Im Methodenkapitel sollte außerdem stehen, wie Nachfragen eingesetzt und Abweichungen vom Leitfaden behandelt wurden.

Interviewformen für wissenschaftliche Arbeiten passend auswählen: Schritte

Dokumentation im Methodik- oder Hauptkapitel

Interviewformen in wissenschaftlichen Arbeiten vergleichen sollte in der fertigen Arbeit nicht nur als Methodenname oder Überschrift auftauchen. Erkläre zuerst, weshalb das Vorgehen zur Forschungsfrage passt, welches Material einbezogen wird und nach welchen Regeln du Entscheidungen triffst. Danach beschreibst du die tatsächliche Durchführung in der Reihenfolge, in der sie für das Verständnis nötig ist. Abweichungen vom ursprünglichen Plan gehören ebenfalls in die Dokumentation, besonders wenn sie Auswahl oder Ergebnis beeinflussen können.

Trenne Verfahrensbeschreibung, Ergebnis und Bewertung. Die Beschreibung beantwortet, wie du bei Interviewformen in wissenschaftlichen Arbeiten vergleichen vorgegangen bist. Der Ergebnisteil zeigt, was dabei herauskam. Erst die Diskussion ordnet Aussagekraft, Alternativen und Grenzen ein. Diese Trennung verhindert, dass nachträgliche Deutungen wie vorher festgelegte Regeln wirken. Tabellen, Protokolle oder Anhänge können Details aufnehmen, müssen aber im Fließtext eingeführt und an der passenden Stelle ausgewertet werden.

Prüffragen vor der Abgabe

Kontrolliere die Seite oder das Kapitel nicht nur sprachlich, sondern als prüfbaren Arbeitsweg. Die folgenden Fragen übersetzen die zentralen Schritte von Interviewformen in wissenschaftlichen Arbeiten vergleichen in einen Abgabecheck:

  • Ist der Arbeitsschritt „Erkenntnisziel und benötigte Antworttiefe festlegen“ im Text so erklärt, dass eine fachkundige Person die Entscheidung nachvollziehen kann?
  • Ist der Arbeitsschritt „Grad der Standardisierung bestimmen“ im Text so erklärt, dass eine fachkundige Person die Entscheidung nachvollziehen kann?
  • Ist der Arbeitsschritt „Zielgruppe und Auswahlstrategie begründen“ im Text so erklärt, dass eine fachkundige Person die Entscheidung nachvollziehen kann?
  • Ist der Arbeitsschritt „Leitfaden oder Erzählstimulus testen“ im Text so erklärt, dass eine fachkundige Person die Entscheidung nachvollziehen kann?
  • Ist der Arbeitsschritt „Auswertung schon vor der Erhebung planen“ im Text so erklärt, dass eine fachkundige Person die Entscheidung nachvollziehen kann?
  • Hast du geprüft und dokumentiert, wie du „Interviewtyp nur nach einem Muster aus einer anderen Arbeit wählen“ vermeidest?
  • Hast du geprüft und dokumentiert, wie du „Expertenstatus nicht begründen“ vermeidest?
  • Hast du geprüft und dokumentiert, wie du „offene Interviews mit einem starren Fragenkatalog blockieren“ vermeidest?
  • Hast du geprüft und dokumentiert, wie du „Erhebungsform und Auswertungsmethode getrennt planen“ vermeidest?

Wenn du eine Frage nicht eindeutig mit einer Textstelle beantworten kannst, fehlt meist eine Begründung, Definition oder Quellenangabe. Ergänze diese Information dort, wo die Entscheidung erstmals relevant wird. Ein später Sammelhinweis im Fazit kann eine Lücke im Methodik- oder Analyseteil nicht vollständig reparieren.

Quellen und passende Vertiefungen

Vertiefend helfen die Anleitungen zum problemzentrierten und narrativen Interview sowie unser Vergleich von Fragebogen und Interview. Für Datenschutzfragen ist der Wortlaut von Artikel 7 der Datenschutz-Grundverordnung maßgeblich.

Passende Ratgeber: problemzentrierten Interview, narrativen Interview, Experteninterview, Leitfadeninterview, Einwilligungserklärung.

Lass deine wissenschaftliche Arbeit vor der Abgabe sprachlich und formal prüfen. Unser wissenschaftliches Lektorat ist transparent kalkuliert.

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Häufige Fragen zu Interviewformen für

Welche Interviewform ist die beste?

Keine Form ist allgemein überlegen. Entscheidend sind Forschungsfrage, gewünschte Offenheit, Zielgruppe und Auswertung.

Ist ein Experteninterview immer leitfadengestützt?

Häufig wird ein Leitfaden genutzt, zwingend ist das aber nicht. Der Expertenbegriff beschreibt vor allem die Wissensrolle der Person.

Darf ich Interviewformen kombinieren?

Ja, wenn die Kombination methodisch begründet, im Leitfaden umgesetzt und bei der Auswertung berücksichtigt wird.

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