Interview transkribieren lassen und fachlich auswerten
Interview transkribieren lassen
Ein Interview transkribieren zu lassen lohnt sich, wenn du weißt, wofür du den Text brauchst. Dieser Leitfaden zeigt dir, wie du den Auftrag aufbaust, vorgehst, ein Beispiel durchspielst und das Ergebnis prüfst.
Vom Interviewmaterial zur klaren Frage
Wenn du ein Interview transkribieren lassen möchtest, behandle die Vergabe wie einen klaren Auftrag. Benenne zuerst die Aufnahme oder den Ausschnitt, den du übergibst, und überlege, wofür du den Text später brauchst. Lege auch fest, was du zurückerwartest: etwa eine Textdatei zu einem bezeichneten Ausschnitt, getrennte Sprecherbezeichnungen und Kennzeichnungen, die du bestimmst. So hältst du Ausgangsmaterial, Lieferung und dein späteres Ergebnis auseinander.
Schreibe die Vorgaben konkret auf, bevor du die Aufnahme weitergibst. Du kannst die zu bearbeitende Datei, den Beginn und das Ende des Ausschnitts, die Bezeichnungen für Sprechende, gewünschte Absätze und die Behandlung unklarer Stellen festlegen. Wenn du Zeitmarken oder ein bestimmtes Dateiformat brauchst, nenne auch diese Punkte im Auftrag. Ergänze nur Vorgaben, die du an der Rückgabe selbst kontrollieren kannst. Als Ergebnis liegt eine Beschreibung vor, die du mit der übergebenen Aufnahme und dem erhaltenen Text vergleichen kannst.
Bestimme außerdem, was nicht Teil der Lieferung sein soll. Eine Transkription kann für deinen Auftrag auf die Übertragung des bezeichneten Ausschnitts begrenzt bleiben; deine spätere Einordnung, Auswahl und Formulierung hältst du getrennt fest. Lege vor der Übergabe einige Stellen fest, die du nach der Rückgabe erneut anhören willst. Notiere bei der Prüfung, wo eine Passage im Text abweicht, eine Sprecherbezeichnung nicht passt oder eine vereinbarte Kennzeichnung fehlt. Das konkrete Prüfergebnis besteht aus deinen auffindbaren Vermerken zu diesen Stellen.
Für die Dokumentation des Materials übernimmst du nur Angaben, die dir tatsächlich vorliegen. Die Citavi-Unterlage zu Interviewmaterial führt unter anderem Interviewer, interviewte Person, Ort der Veröffentlichung und Datum des Zugriffs auf. Wenn eine Angabe für dein Material fehlt, lässt du das Feld offen. Dadurch wird aus einer fehlenden Information keine Ergänzung, die du nicht auf deine Unterlagen zurückführen kannst.
Wenn du wissenschaftliches Schreiben lernen willst, trennst du den erhaltenen Text, deine Kontrollnotizen und deine eigene Einordnung. Für die Bestandteile einer wissenschaftlichen Arbeit entscheidest du anhand deiner Frage, welche Aufgabe das geprüfte Material in deinem Entwurf bekommt. Wenn du eine Hausarbeit schreiben oder eine Masterarbeit schreiben willst, beschreibst du nur Angaben und Schritte, die du an Aufnahme, Auftrag oder Unterlagen wiederfinden kannst. Am Ende steht ein kontrollierter Text zu dem Material, das du festgelegt hast.

Die Bestandteile in nachvollziehbarer Reihenfolge
Am Anfang steht deine Frage an das Interview. Formuliere einen Auftrag, der Aufnahme oder Gespräch, den Ausschnitt und das gewünschte Ergebnis nennt. Wenn du eine Forschungsfrage formulieren willst, kannst du festhalten, welche Passage oder welches Thema du mit dem Transkript bearbeiten möchtest. Dann kannst du den Auftrag mit deinem Material abgleichen.
Danach klärst du die Grundlage für den Auftrag. Prüfe deine Unterlagen, welche Angaben du übernehmen kannst, und notiere nur diese. Für Interviewmaterial nennt die Citavi-Unterlage beispielsweise Felder für Interviewer, interviewte Person, Ort der Veröffentlichung und Datum des Zugriffs. Halte für jede Angabe fest, aus welcher Unterlage sie stammt. So bekommst du eine getrennte Liste aus vorhandenen Angaben und offenen Punkten.
Dann ordnest du das Material für die Übergabe. Benenne die Datei oder den Ausschnitt, lege Bezeichnungen für die Sprechenden fest und schreibe auf, welche Stellen besonders eindeutig übertragen werden sollen. Entscheide außerdem selbst, ob du Zeitmarken, Absatzwechsel, Kennzeichnungen für unklare Stellen oder ein bestimmtes Dateiformat verlangst. So beschreibst du die gewünschte Lieferung genau, ohne Angaben zu ergänzen, die dir nicht vorliegen.
Der vierte Teil ist die Kontrolle nach der Rückgabe. Lege vorab fest, welche Stellen des Textes du mit der Aufnahme vergleichst und wie du Abweichungen notierst. Wenn du eine wissenschaftliche Argumentation aufbauen willst, kannst du das geprüfte Transkript von deinen eigenen Notizen und deiner Einordnung trennen. So siehst du genau, was Aufnahme, Liefertext und deine Korrekturen verbindet.
Zum Schluss begrenzt du das Ergebnis. Die Gliederung einer Hausarbeit kann als Stelle dienen, an der du den überprüften Text in deinem eigenen Entwurf einordnest. Ob du ein Literaturverzeichnis erstellen möchtest, bestimmst du anhand deiner Unterlagen und des vorgesehenen Textes. Wenn du Quellenangaben richtig zitieren willst, hältst du fest, welche Unterlage du tatsächlich verwendet hast. Welche Zitierweisen, etwa deutsche Zitierweise oder Harvard-Zitierweise, für deinen Text passen, klärst du mit den für deine Arbeit vorliegenden Vorgaben. Das Ergebnis bleibt auf den geprüften Auftrag und das bezeichnete Material beschränkt.
Schritt für Schritt zu deinem Ergebnis
- Frage festlegen: Benenne das Interview oder den Ausschnitt und schreibe auf, wofür du den Text verwenden möchtest.
- Unterlagen und Kriterien sichten: Sieh deine Unterlagen durch und notiere die Angaben, die du für Auftrag und Dokumentation übernehmen kannst. Typische Angaben sind Interviewer, interviewte Person, Ort der Veröffentlichung und Datum des Zugriffs.
- Material ordnen: Lege die zu übergebende Datei, den bearbeiteten Abschnitt und deine Bezeichnungen für Sprechende getrennt ab. Bestimme selbst, ob der Auftrag Absätze, Zeitmarken, ein Dateiformat oder eine Kennzeichnung unklarer Stellen enthalten soll.
- Transkription umsetzen: Übergib den bezeichneten Ausschnitt mit deinen festgelegten Vorgaben und prüfe nach der Rückgabe, ob der Text den vereinbarten Lieferbestandteilen entspricht.
- Ergebnis prüfen und begrenzen: Vergleiche ausgewählte Passagen des Textes mit der Aufnahme und notiere nachvollziehbar, was du korrigierst oder als unklar lässt. Halte fest, dass dein Ergebnis nur den bezeichneten Ausschnitt und die geprüften Punkte umfasst.
Wenn du Citavi verwendest, kannst du vorhandene Angaben zu Interviewmaterial in den dort benannten Feldern festhalten. Die Methoden wissenschaftlicher Arbeiten und qualitative und quantitative Forschung verwendest du in deinem eigenen Text nur, wenn deine Unterlagen diese Begriffe für deine konkrete Aufgabe enthalten.
Kurzes Beispiel für die eigene Anwendung
Eine Studentin möchte ein aufgezeichnetes Gespräch für ihre eigene Untersuchung bearbeiten und lässt das Interview transkribieren. Sie erstellt einen Auftrag für einen klar benannten Ausschnitt der Aufnahme. Darin bezeichnet sie die Datei, legt zwei Sprecherbezeichnungen fest und verlangt einen Text mit Absatzwechseln. Für schwer verständliche Stellen soll der Liefertext eine von ihr vorgegebene Kennzeichnung enthalten. Als Lieferung erwartet sie eine Textdatei mit den beiden Sprecherbezeichnungen und den vereinbarten Kennzeichnungen.
Vor der Übergabe ordnet sie ihr Material. Sie hält getrennt fest, welche Datei sie übergibt, welche Passage sie später kontrolliert und welche Angaben sie selbst aus den Unterlagen übernehmen kann. Für ihre Materialnotiz trägt sie den Interviewer und die interviewte Person nur ein, soweit diese Angaben vorliegen. Einen fehlenden Wert ergänzt sie nicht. So ist für sie erkennbar, welche Angaben aus ihren Unterlagen stammen und welche Vorgaben nur ihren Transkriptionsauftrag betreffen.
Nach der Rückgabe erhält sie einen Text mit den beiden Sprecherbezeichnungen, Absätzen und markierten unklaren Stellen. Sie vergleicht drei vorher ausgewählte Passagen mit der Aufnahme. Bei einer abweichenden Stelle notiert sie die Passage und die gewünschte Korrektur; bei einer markierten unklaren Stelle entscheidet sie nach erneutem Anhören, ob die Markierung bleiben soll. Ihr Ergebnis ist ein kontrollierter Transkripttext zu dem von ihr bezeichneten Ausschnitt, keine Auswertung des gesamten Gesprächs.
Damit sie ein Plagiat vermeiden kann, trennt sie den Liefertext, ihre Kontrollnotizen und ihre spätere eigene Formulierung. Erst danach verwendet sie das kontrollierte Material für ihre Untersuchung. In ihrem Arbeitsstand markiert sie, was aus der Aufnahme stammt und was ihre eigene Einordnung ist.

Qualitätsprüfung: Abgrenzung und Form getrennt prüfen
Inhaltliche Abgrenzung: Prüfe zuerst deine Frage. Ist klar, welcher Aspekt untersucht wird? Ist das erwartete Ergebnis nachprüfbar beschrieben? Prüfe danach die Quelle: Trägt sie die verwendete Angabe oder Aussage unmittelbar? Wenn nicht, vermute nichts, sondern such eine passende Quelle.
Prüfe anschließend Kriterien, Material und Vorgehen. Hast du die Kriterien ausdrücklich ausgewertet? Ist erkennbar, welches Interviewmaterial du verwendet hast? Lässt sich nachvollziehen, wie du Aussagen ausgewählt, geordnet oder ausgewertet hast? Sind Ergebnis und Grenzen deiner Aussage getrennt? Deine Auswertung darf nicht mehr behaupten, als Quelle und Material tragen.
Formale Prüfung: Kontrolliere die Dokumentation des Interviewmaterials. Wenn Citavi als Dokumentationswerkzeug eingesetzt wird, gleiche die verwendeten Angaben mit der beschriebenen Dokumentenart ab. Prüfe insbesondere die Bezeichnungen für Interviewer, interviewte Person, Ort der Veröffentlichung und Datum des Zugriffs. Entscheide anhand der geltenden Unterlagen, welche Quellenangabe und welche Zitierweisen verlangt werden. Eine bloße Präferenz für die deutsche Zitierweise oder die Harvard-Zitierweise ersetzt diese Prüfung nicht.
Zum Schluss lies den Text auf Nachvollziehbarkeit. Eine außenstehende lesende Person sollte unterscheiden können, was im Interviewmaterial steht, welche Ordnung du vorgenommen hast und welche begrenzte Antwort daraus entsteht. Prüfe außerdem, ob der Text keine unbelegten Zusatzbehauptungen über Personen, Stellen, Orte, Mengen, Wirkungen, Fristen oder Folgen enthält. Wenn eine solche Aussage nicht direkt getragen ist, entferne sie oder ersetze sie durch eine gesicherte Aussage.
