Wie recherchierst du im Netz wissenschaftlich?

Internetrecherche wissenschaftlich: Suchwörter, Operatoren und Quellenbewertung

Lesezeit ca. 7 Min. · zuletzt aktualisiert: 9. Oktober 2026 · Methodik und Forschung im Überblick

Wissenschaftliche Internetrecherche umfasst nicht nur eine Suchmaschine, sondern auch Kataloge und Fachdatenbanken. Du sammelst Suchwörter, nutzt Operatoren, wählst eine passende Datenbank und bewertest gefundene Internetquellen. In genau dieser Reihenfolge gehst du die Abschnitte unten durch. Die Planung einer vollständigen Literatursuche und die Beurteilung der Vertrauenswürdigkeit von Quellen sind eigene Themen, die über die Internetrecherche hinausgehen.

Suchwörter sammeln: Vorwissen und Liste

Bevor du eine Datenbank oder einen Katalog öffnest, lohnt sich ein Blick in ein Fachlexikon. Vorwissen aus Fachlexika erleichtert dir, passende Suchanfragen zu formulieren, weil du die gängigen Fachbegriffe deines Themas kennst, statt nur mit Alltagssprache zu suchen. Auf dieser Grundlage kannst du eine Suchwortliste oder eine Tabelle anlegen, in der du Synonyme, Oberbegriffe und Teilaspekte deines Themas sammelst. Du kannst diese Liste bei Bedarf jederzeit erweitern.

Die Liste hilft dir besonders dann, wenn eine Suche nicht das gewünschte Ergebnis bringt. Wer den Suchprozess planen will, braucht Strategien für beide Richtungen: Wer systematisch recherchieren will, hält die Suchwörter in einer Liste fest und greift bei zu wenigen Treffern auf Synonyme und Oberbegriffe zurück. Bei zu vielen Treffern helfen umgekehrt Teilaspekte und Unterbegriffe, mit denen du die Suche enger fassen kannst. So steuerst du die Treffermenge gezielt in beide Richtungen, statt nur eine Anfrage zu wiederholen.

Für die Formulierung der Anfrage selbst gilt: Stichworte und Autorennamen funktionieren besser als ganze Sätze, denn Datenbanken und Kataloge werten einzelne Begriffe aus und keine grammatisch vollständigen Fragen. Halte dich deshalb kurz und präzise, wenn du eine Anfrage eingibst. Beachte dabei, dass diese Hinweise ursprünglich aus einem Tutorium für die Geschichtswissenschaft stammen. Welche Begriffe, Fachlexika und Hilfsmittel in deinem eigenen Fach gebräuchlich sind, kannst du mit der betreuenden Person oder dem Leitfaden deines Fachbereichs abklären, denn andere Fächer nutzen möglicherweise andere Nachschlagewerke und Terminologien.

Wissenschaftlich im Netz recherchieren: der Ablauf in drei Schritten

Operatoren und Phrasen gezielt einsetzen

Operatoren verändern, wie eine Datenbank mehrere Suchbegriffe miteinander verknüpft, und sie wirken dabei anders als Wörter der Alltagssprache. AND, auf Deutsch und, bildet eine Schnittmenge und verkleinert dadurch die Treffermenge, weil nur Ergebnisse angezeigt werden, die alle verknüpften Begriffe enthalten. OR, auf Deutsch oder, bildet dagegen eine Vereinigungsmenge und vergrößert die Trefferzahl, weil schon ein Begriff für einen Treffer ausreicht. NOT, auf Deutsch nicht, schließt Begriffe aus der Ergebnismenge aus. Zusätzlich kannst du eine Phrase in Anführungszeichen setzen, wenn du nach einer exakten Wortfolge suchst; Nachbarschaftsoperatoren, die die Nähe von Begriffen zueinander regeln, gibt es allerdings nicht in jeder Datenbank.

Die folgende Tabelle fasst die vier Grundformen mit erfundenen Beispielsuchen zusammen, die nur zur Veranschaulichung dienen:

Tabelle: Operator, Wirkung, Beispielsuche
OperatorWirkungBeispielsuche
ANDverkleinert die Treffermenge auf Ergebnisse mit beiden BegriffenKlima AND Anpassung
ORvergrößert die Treffermenge auf Ergebnisse mit mindestens einem BegriffKlima OR Witterung
NOTschließt einen Begriff aus der Treffermenge ausKlima NOT Werbung
Phrasesucht eine exakte Wortfolge in Anführungszeichen"globale Erwärmung"

In Suchoberflächen ist AND oft bereits voreingestellt, während NOT aktiv zum Ausschließen von Begriffen eingesetzt wird; Anführungszeichen suchen dort ebenfalls nach einer exakten Wortfolge. Manche dieser Grundregeln wirken in Fachdatenbanken ähnlich wie in allgemeinen Suchmaschinen. Trotzdem unterscheiden sich Schreibweise und Unterstützung der einzelnen Operatoren je Datenbank, deshalb lohnt sich vor der Suche ein Blick in den Hilfetext der jeweiligen Datenbank, um zu prüfen, welche Zeichen und Befehle dort tatsächlich funktionieren.

Katalog, Datenbank oder Suchmaschine wählen

Nicht jede Suchumgebung passt zu jedem Rechercheziel. Umfang und Art der gesuchten Veröffentlichung bestimmen, welche Datenbank für deine Suche geeignet ist. Welche Veröffentlichungsarten eine Datenbank jeweils abdeckt, prüfst du vorab in ihrer Beschreibung oder Hilfeseite. Datenbanken für die Recherche unterscheiden sich nach Fach, Umfang und Publikationsart, weshalb ein Vergleich der jeweiligen Abdeckung vor der eigentlichen Suche sinnvoll ist. Boolesche Operatoren, Phrasensuche, Trunkierung und Nachbarschaftsoperatoren stehen grundsätzlich zur Verfügung, werden aber nicht von jeder Datenbank unterstützt.

Suchst du dagegen im Bibliotheksportal, gilt eine andere Logik für die einfache Suche: Hier genügen sinntragende Begriffe, Artikel und Präpositionen bleiben weg, weil das System sie für die Auswertung nicht benötigt. Bis zu vier eingegebene Begriffe müssen dabei im Titel des gesuchten Werks vorkommen, zugleich stehen auch dort Phrasensuche, boolesche Operatoren und Platzhalter zur Verfügung. Formuliere deine Anfrage im Portal also knapp und konzentriere dich auf die inhaltlich tragenden Wörter.

Für den Einstieg in ein Thema empfiehlt es sich, Suchanfragen breit anzulegen und die dabei entstehenden großen Treffermengen anschließend gezielt zu filtern, statt von Anfang an zu eng zu suchen und möglicherweise relevante Treffer zu verpassen. Wer zusätzlich eine Suchmaschine für Fachtexte nutzen möchte, findet darin eine Ergänzung zu Katalog und Datenbank. Wer Google Scholar richtig nutzen will, prüft die Treffer immer gegen den Katalog, bevor er sie in die eigene Arbeit einbezieht. Welche Datenbanken für dein Fach tatsächlich einschlägig sind, klärst du am besten mit der Bibliothek deiner Hochschule oder mit der betreuenden Person, denn das Angebot unterscheidet sich zwischen den Fachbereichen.

Wissenschaftlich im Netz recherchieren: Prüfliste mit vier Punkten

Internetquellen bewerten: Schritt für Schritt

Nicht jede Internetseite, die zu deinem Thema passt, taugt auch als Quelle für eine wissenschaftliche Arbeit. Ein wichtiger Prüfpunkt ist die Aktualität einer Seite, wobei ein angezeigtes Aktualisierungsdatum verfälscht sein kann und deshalb allein nicht ausreicht. Ebenso lohnt sich ein Blick auf veraltete externe Links auf der Seite. Auch das Zielpublikum einer Seite verdient Aufmerksamkeit: Es zeigt sich an Sprachniveau, Umfang und verwendeten Fachbegriffen, und externe Links sollen auf weiterführende Quellen führen, die das Thema vertiefen.

Für die Prüfung einer Internetquelle bietet sich folgende Schrittfolge an:

  1. Absender der Seite klären
  2. Datum und Aktualisierung der Seite prüfen
  3. Zielpublikum anhand von Sprachniveau, Umfang und Fachbegriffen einschätzen
  4. Verweise und externe Links auf der Seite ansehen
  5. Die Aussage mit einer zweiten Quelle abgleichen

Quellen kritisch prüfen heißt, Absender, Datum und Zweck der Seite zu klären, bevor du sie in deine Argumentation einbaust. Auch Nutzerkommentare unter einem Beitrag können dabei hilfreich sein, weil sie entweder Fehler aufdecken oder eine Aussage bestätigen können. Wer die Glaubwürdigkeit einer Seite beurteilt, sollte sich nicht allein auf ein aktuelles Datum verlassen, sondern mehrere der genannten Kriterien gemeinsam prüfen. Wer die Seite am Ende in der eigenen Arbeit nennt, braucht dafür vollständige Angaben. Für Internetquellen angeben brauchst du Autor, Titel, Adresse und Abrufdatum, damit die Angabe nachvollziehbar bleibt.

Quellen und Stand

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Häufige Fragen zur Internetrecherche

Reicht eine einzelne Suchanfrage für die Recherche aus?

Nein. Eine Suchwortliste mit Synonymen, Oberbegriffen und Teilaspekten hilft dir, die Anfrage je nach Treffermenge anzupassen: bei zu wenigen Treffern mit Synonymen und Oberbegriffen, bei zu vielen mit Teilaspekten und Unterbegriffen.

Soll ich bei der Suche ganze Sätze eingeben?

Nein. Stichworte und Autorennamen funktionieren besser als ganze Sätze, weil Kataloge und Datenbanken einzelne Begriffe und keine vollständigen Fragen auswerten.

Funktionieren Operatoren in jeder Datenbank gleich?

Die Schreibweise und Unterstützung von Operatoren wie AND, OR, NOT und Phrasensuche unterscheiden sich je Datenbank. Der Hilfetext der jeweiligen Datenbank gibt Auskunft, welche Operatoren dort tatsächlich funktionieren.

Wie suche ich im Bibliotheksportal am besten?

Im Bibliotheksportal genügen bei der einfachen Suche sinntragende Begriffe, Artikel und Präpositionen bleiben weg. Bis zu vier eingegebene Begriffe müssen im Titel des gesuchten Werks vorkommen.

Reicht ein aktuelles Datum, um eine Internetquelle als zuverlässig einzuschätzen?

Nein. Ein angezeigtes Aktualisierungsdatum kann verfälscht sein. Prüfe deshalb zusätzlich Absender, Zielpublikum, Verweise und externe Links und gleiche die Aussage mit einer zweiten Quelle ab.

Woran erkenne ich das Zielpublikum einer Internetseite?

Das Zielpublikum einer Seite zeigt sich an Sprachniveau, Umfang und verwendeten Fachbegriffen. Externe Links auf der Seite sollen zudem auf weiterführende Quellen führen.

Welche Datenbank passt zu meinem Rechercheziel?

Umfang und Art der gesuchten Veröffentlichung bestimmen, welche Datenbank passt. Welche Datenbanken für dein Fach einschlägig sind, klärst du mit der Bibliothek deiner Hochschule oder mit der betreuenden Person.

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