Validität, Reliabilität, Objektivität
Validität, Reliabilität, Objektivität im Detail
Die drei klassischen Gütekriterien quantitativer Forschung: Validität, Reliabilität, Objektivität. Sie hängen zusammen und beschreiben verschiedene Aspekte der Messqualität. Wir gehen jedes Kriterium im Detail durch – mit Erklärung, Subkategorien und konkreten Maßen.
Objektivität
Objektivität bedeutet: Das Ergebnis hängt nicht von der Person des Forschenden ab. Drei Subkategorien:
- Durchführungsobjektivität: Standardisierte Erhebung, alle Probandinnen werden gleich behandelt. Online-Befragungen sind hier sehr objektiv – das System reagiert immer gleich.
- Auswertungsobjektivität: Bei standardisierten Verfahren (Multiple Choice, Likert-Skalen) hoch. Bei offenen Antworten sinkt sie – Interpretation ist subjektiv.
- Interpretationsobjektivität: Verschiedene Forschende kommen zur gleichen Interpretation. Sehr schwer zu sichern, vor allem bei komplexen Daten.
Reliabilität
Reliabilität bedeutet: Das Instrument liefert bei wiederholter Anwendung dasselbe Ergebnis. Vier wichtige Maße:
- Test-Retest-Reliabilität: Korrelation zwischen zwei Messungen mit Abstand. Wert > 0.80 ist gut.
- Paralleltestreliabilität: Korrelation zwischen zwei verschiedenen Versionen desselben Tests.
- Interne Konsistenz (Cronbachs Alpha): Wie sehr messen die Items einer Skala dasselbe? Wert > 0.70 akzeptabel, > 0.80 gut, > 0.90 sehr gut.
- Intercoder-Reliabilität: Wie sehr stimmen verschiedene Codierende überein? Cohen's Kappa > 0.60 akzeptabel, > 0.80 sehr gut.
Validität
Validität bedeutet: Das Instrument misst tatsächlich, was es messen soll. Mehrere Subkategorien:
- Inhaltsvalidität: Decken die Items das Konzept inhaltlich ab? Prüfung durch Expertenrating und theoretische Begründung.
- Konstruktvalidität: Misst das Instrument das theoretische Konstrukt? Prüfung durch Faktorenanalyse, Konvergenz mit ähnlichen Tests, Divergenz von anderen.
- Kriteriumsvalidität: Korreliert das Maß mit einem externen Kriterium? Z. B. Korrelation zwischen einem neuen Persönlichkeitstest und einem etablierten.
- Interne Validität: Lassen sich beobachtete Effekte tatsächlich auf die UV zurückführen? Hoch bei Experimenten, niedriger bei Korrelationsstudien.
- Externe Validität: Lassen sich Befunde verallgemeinern (auf andere Personen, Situationen)? Hoch bei großen, repräsentativen Stichproben.
Zusammenhang der Kriterien
Reliabilität ist Voraussetzung für Validität – ein unzuverlässiges Instrument kann nicht valide sein. Aber Reliabilität allein reicht nicht: Du kannst zuverlässig das Falsche messen. Objektivität ist Voraussetzung für Reliabilität – wenn jeder Forschende anders misst, kann das Ergebnis nicht zuverlässig sein.
Beispiel
Objektivität: „Die Erhebung erfolgte online über ein standardisiertes Tool, alle Teilnehmenden bekamen identische Items. Die Auswertung mit SPSS ist nachvollziehbar."
Reliabilität: „Cronbachs Alpha für die Hauptskala liegt bei α = 0.84, was als gut zu bewerten ist."
Inhaltsvalidität: „Die Items wurden aus dem etablierten WLEIS abgeleitet und in einem Pretest mit 8 Personen auf Verständlichkeit geprüft."
Externe Validität: „Die Stichprobe ist auf eine deutsche Universität beschränkt – Aussagen für andere Hochschulen oder Länder sind eingeschränkt."
Häufige Fehler
- Reliabilität nicht berichtet, obwohl messbar.
- Objektivität pauschal behauptet, ohne Beleg.
- Validität nur erwähnt, nicht differenziert nach Subkategorien.
- Limitationen der Validität ausgelassen.
Mehr typische Stolperfallen findest du in unserem Beitrag zu häufigen Fehlern in Bachelorarbeit und Masterarbeit. Im professionellen Lektorat wird die Konsistenz der Gütekriterien geprüft.