Das deutsche Passiv: Vom Vorgang zum Zustand
Passiv: in allen Zeitformen bilden
Das Vorgangspassiv wird mit werden gebildet, das Zustandspassiv mit sein. Dieser Leitfaden erklärt anhand belegter Sprachquellen die Passivformen in den verschiedenen Zeitformen.
Vorgang versus Zustand: Die Grundunterscheidung
Das Vorgangspassiv wird mit werden gebildet, das Zustandspassiv mit sein. Beide Formen richten den Blick auf das Geschehen statt auf die handelnde Person. Welche Form passt, hängt davon ab, ob ein Vorgang oder ein daraus hervorgehender Zustand gemeint ist.
Der Duden-Sprachratgeber verdeutlicht den Unterschied mit zwei Formen: „das Pferd wird gesattelt“ steht für das Vorgangspassiv, „das Pferd ist gesattelt“ für das Zustandspassiv. Die erste Form beschreibt das Satteln als Geschehen. Die zweite Form bezeichnet den Zustand nach diesem Geschehen.
Auch grammis ordnet das sein-Passiv einem Zustand zu, der aus einem Vorgang hervorgehen kann. Dort erscheint als Beispiel „das Haar ist implantiert“. Damit ist kein Ablauf beschrieben, sondern ein Zustand, der mit einem Ereignis zusammenhängt.
Grammis unterscheidet die beiden Formen außerdem danach, ob transformative oder nicht-transformative Verben beziehungsweise Verbgruppen vorliegen; eine einfache Alltagsregel dafür bietet die Quelle nicht. Die Wahl lässt sich daher am gemeinten Sachverhalt prüfen: Soll ein Vorgang dargestellt werden oder ein Zustand, der mit ihm verbunden ist?
Aktiv in Passiv umwandeln heißt deshalb nicht nur, eine Verbform auszutauschen. Prüfen Sie zunächst, worauf der Satz den Fokus legen soll. Anschließend lässt sich entscheiden, ob die Form mit werden das Geschehen oder die Form mit sein einen Zustand ausdrückt. Diese Unterscheidung verhindert, dass beide Formen trotz unterschiedlicher Bedeutung gleich behandelt werden.

Präsens und Präteritum im Detail
Präsens und Präteritum zeigen beim werden-Passiv, dass sich die Personalform verändert, während das Partizip II des Vollverbs gleich bleibt. Das Lernmodul von grammis verwendet dafür das Verb „wecken“.
| Zeitform | Beispielform |
|---|---|
| Präsens | ich werde geweckt |
| Präteritum | ich wurde geweckt |
In beiden Formen bleibt „geweckt“ als Partizip II stehen. Nur die Personalform von werden wechselt: im Präsens „werde“, im Präteritum „wurde“. Die Tabelle zeigt damit die Veränderung am Hilfsverb, ohne die Form des Vollverbs zu ändern.
Grammis nennt für das Präteritum mit Modalverb den Satz „das Heu sollte je nach Güte getrennt aufbewahrt werden“. Das Beispiel zeigt eine Passivform mit Modalverb. Dabei stehen das Partizip II des Vollverbs und der Infinitiv werden am Satzende.
Ein werden-Passiv mit Subjekt ist laut grammis an Verben gebunden, bei denen im Aktiv ein Akkusativkomplement möglich ist. Diese Bedingung betrifft die Passivform mit Subjekt; sie ist keine Aussage darüber, welche andere Konstruktion im Einzelfall folgt.
Zeitformen im Deutschen im Überblick können helfen, die Personalformen von werden gezielt zu vergleichen. Prüfen Sie bei eigenen Sätzen zuerst die Zeitform und anschließend, ob das Partizip II des Vollverbs unverändert geblieben ist. So bleibt die jeweilige Form nachvollziehbar und der Satz lässt sich am Aufbau kontrollieren.
Perfekt und Plusquamperfekt: Die Falle mit ‚worden‘
Beim Perfekt des werden-Passivs wird nicht „geworden“, sondern „worden“ verwendet. Grammis erläutert, dass für Präsensperfekt und Präteritumperfekt ausschließlich das Hilfsverb sein eingesetzt wird. Dieses Hilfsverb verlangt dabei die besondere Partizipform worden von werden.
Die Quelle führt „er ist gerufen worden“ und „er sei gerufen worden“ als Beispiele an. Dagegen ist „er ist gerufen geworden“ dort ausdrücklich als ungrammatisch gekennzeichnet. Entscheidend ist somit die Form worden, wenn werden als Hilfsverb im Passiv auftritt.
Das Lernmodul von grammis nennt außerdem einen Korpusbeleg: Jemand sei von einer installierten Videokamera aufgenommen worden. Auch in diesem Satz steht am Ende worden. Das Beispiel zeigt die Perfektform des werden-Passivs mit dem Partizip II des Vollverbs.
Für das Plusquamperfekt lässt sich das gleiche Muster mit war anstelle von ist bilden; eine eigene wörtliche Beispielform dafür enthalten die geprüften Quellen nicht. Diese Angabe beschreibt nur die strukturelle Analogie und ersetzt kein zusätzliches Quellenbeispiel.
Perfekt mit haben oder sein bilden wird im Aktiv behandelt. Beim Passiv ist für die hier genannte Konstruktion wichtig, dass sein als Hilfsverb dient und worden die verlangte Form von werden ist. Vergleichen Sie deshalb bei eigenen Sätzen die Hilfsverbform mit der Zeitform und prüfen Sie anschließend, ob am Satzende worden steht. So lässt sich die ungrammatische Variante mit geworden erkennen, ohne eine zusätzliche Regel über andere Verbformen abzuleiten.
Futur und seine Besonderheiten
Für Futur und Futurperfekt dient werden in einer anderen Verwendung als im Perfekt. Für diese Formen regiert werden den Infinitiv von werden; dies gilt auch für die konjunktivische würde-Form.
Als Futur-I-Beispiel führt grammis „Das Mädchen wird gerufen werden“ an. Die Personalform steht dabei vorn, während die übrigen Verbteile am Satzende stehen. So lässt sich die Form als werden-Passiv erkennen.
Eine vollständige Futur-II-Passiv-Form wie „wird gebaut worden sein“ ist in keiner der geprüften Quellen wörtlich belegt. Daher wird sie hier nicht als fertige Form gezeigt. Für eine eigene Analyse kann man stattdessen prüfen, welche Verbformen im vorliegenden Satz tatsächlich stehen.
Ein Modalverb kann im Passivsatz außerdem im Partizip II stehen. Als Beleg nennt grammis „Das wird immer gewollt“. Das Beispiel zeigt eine Passivkonstruktion, in der ein Modalverb als Partizip II erscheint.
Aktiv und Passiv im wissenschaftlichen Schreiben können anhand der Verbform untersucht werden. Bei einem werden-Passiv bleibt das Partizip II des Vollverbs erhalten; die Form von werden trägt die Zeitangabe. Für Futurformen ist daher die Stellung aller Verbteile im Satz ein sinnvoller Ausgangspunkt der Beschreibung.

Checkliste für modale Passivsätze
Im eigenen Text hilft die Frage, welches Verb im Aktiv ein Akkusativobjekt haben kann. Damit lässt sich prüfen, ob die Voraussetzung für ein werden-Passiv mit Subjekt erfüllt ist. Der Duden nennt besonders transitive Handlungsverben als geeignet für die Passivbildung.
Als Kurzcheck können Sie Verben wie geben, bringen, zeigen, schicken und schreiben mit einem Akkusativobjekt im Aktiv betrachten. Diese Verben nennt der Duden als Beispiele für transitive Handlungsverben. Die Prüfung bezieht sich auf die Möglichkeit eines werden-Passivs mit Subjekt und trifft keine Aussage über jede denkbare Verbform.
Daneben beschreibt der Duden das unpersönliche Passiv ohne grammatisches Subjekt. Als Beispiel steht dort „hier wird gearbeitet“. Diese Form ist von der Frage nach einem Passiv mit Subjekt zu unterscheiden.
Passivformen mit werden können laut grammis auch mit Modalverben gebildet werden. In solchen Sätzen stehen das Partizip II des Vollverbs und der Infinitiv werden am Satzende. Grammis belegt dies unter anderem mit einer Form, in der ein Problem gelöst werden musste. Prüfen Sie daher bei einem eigenen Satz, ob beide Verbformen am Satzende stehen.
Konjugation und Zeitformen im Überblick bietet einen Einstieg in verwandte Themen. Dort können Sie die Formen von werden und die Zeitformen nebeneinander betrachten. Für einen eigenen Satz ist es sinnvoll, zuerst die Zeitform zu bestimmen, danach die Passivform mit oder ohne Subjekt zu unterscheiden und bei Modalverben die Verbformen am Satzende zu kontrollieren.
Quellen und Stand
- Duden Sprachwissen: Sprachratgeber Das Passiv: www.duden.de (geprüft am 2026-09-18)
- grammis (IDS Mannheim): Werden-Passiv mit Subjekt: grammis.ids-mannheim.de (geprüft am 2026-09-18)
- grammis (IDS Mannheim): Sein-Passiv: grammis.ids-mannheim.de (geprüft am 2026-09-18)
- grammis (IDS Mannheim): Rektion und Funktion der Hilfsverben: grammis.ids-mannheim.de (geprüft am 2026-09-18)
- grammis (IDS Mannheim): Lernmodul Aktiv und Passiv: grammis.ids-mannheim.de (geprüft am 2026-09-18)
„Das deutsche Passiv: Vom Vorgang zum Zustand“ erscheint auf dieser Seite unter dem Titel „Passivbildung im Deutschen: Regeln und Zeitformen erklärt“.