Konjugation scheinen: alle Formen mit Tabelle
Stammformen, die zwei Bedeutungen und die Konstruktion mit zu
Die Konjugation scheinen ist unregelmäßig und folgt der Reihe ei, ie, ie: scheinen, schien, geschienen. Grammatisch interessant ist weniger die Formenbildung als der Satzbau. In der Bedeutung den Anschein haben verlangt das Verb ein zweites Verb mit zu: Er scheint zu schlafen. Wer das zu weglässt, bildet einen Satz, den viele für richtig halten und der es nicht ist. Diese Tabellen zeigen alle Formen, der letzte Abschnitt ordnet die Zweifelsfälle.
Konjugation scheinen: die Stammformen
Die drei Stammformen lauten scheinen, schien, geschienen. Das Verb gehört zur Ablautreihe ei, ie, ie, zu der auch bleiben, schreiben, steigen und schweigen gehören.
Im Präsens bleibt der Vokal unverändert: ich scheine, du scheinst, er scheint. Es gibt weder Umlaut noch Vokalwechsel im Singular.
Das Perfekt wird mit haben gebildet: ich habe geschienen. Diese Form ist allerdings selten, weil das Verb in der Anscheinsbedeutung meist im Präsens steht.
Zusammensetzungen sind selten. Gebräuchlich ist erscheinen, das eine eigene Bedeutung trägt und das Perfekt mit sein bildet: ich bin erschienen.
Präsens und Imperativ
Präsens: ich scheine, du scheinst, er scheint, wir scheinen, ihr scheint, sie scheinen.
Alle Formen sind im Präsens regelmäßig gebildet. Das Verb gehört zu den unregelmäßigen Verben, deren Präsens keinerlei Besonderheit zeigt.
Imperativ: schein oder scheine, scheint, scheinen Sie. Die Formen sind grammatisch möglich, im Gebrauch aber ungewöhnlich, weil sich das Verb kaum auffordern lässt.

Präteritum, Perfekt und Plusquamperfekt
Präteritum: ich schien, du schienst, er schien, wir schienen, ihr schient, sie schienen.
Perfekt: ich habe geschienen, du hast geschienen, er hat geschienen, wir haben geschienen, ihr habt geschienen, sie haben geschienen.
Plusquamperfekt: ich hatte geschienen, du hattest geschienen, er hatte geschienen und so weiter.
In der Anscheinsbedeutung ist das Perfekt ungebräuchlich. Statt er hat zu schlafen geschienen sagt man er schien zu schlafen, also Präteritum.
Futur und Konjunktiv
Futur I: ich werde scheinen, du wirst scheinen, er wird scheinen, wir werden scheinen, ihr werdet scheinen, sie werden scheinen.
Futur II: ich werde geschienen haben, du wirst geschienen haben, er wird geschienen haben.
Konjunktiv I: ich scheine, du scheinest, er scheine. Diese Formen gehören in die indirekte Rede: Sie sagt, er scheine überzeugt.
Konjunktiv II: ich schiene, du schienest, er schiene. Die Form ist selten und wird meist durch ich würde scheinen ersetzt.
Häufige Fehler und Zweifelsfälle
Das zu ist Pflicht: In der Anscheinsbedeutung verlangt das Verb einen Infinitiv mit zu. Er scheint zu schlafen ist richtig, er scheint schlafen ist falsch. Diese Fügung unterscheidet das Verb von den Modalverben, die ohne zu stehen.
Zwei Bedeutungen: Erstens leuchten (die Sonne scheint), zweitens den Anschein haben (er scheint müde). Nur die zweite Bedeutung verlangt die Konstruktion mit zu.
Scheinbar oder anscheinend: Anscheinend heißt dem Anschein nach und lässt offen, ob es zutrifft. Scheinbar heißt nur zum Schein und sagt, dass es gerade nicht zutrifft. Beide werden regelmäßig vertauscht.
Erscheinen mit sein: Die Zusammensetzung bildet das Perfekt mit sein, weil sie eine Zustandsänderung beschreibt: Das Buch ist erschienen. Das Grundverb dagegen nimmt haben.
Es scheint, dass: Neben der Konstruktion mit zu ist ein dass-Satz möglich: Es scheint, dass er schläft. Diese Variante ist länger und wirkt sachlicher, weshalb sie in wissenschaftlichen Texten häufiger vorkommt.

Wortfamilie und Verwendung
Zur Wortfamilie gehören der Schein, scheinbar, anscheinend, die Erscheinung und das Erscheinungsbild. Der Schein als Geldschein und als Bescheinigung geht ebenfalls auf dieses Verb zurück, über die Bedeutung des Sichtbarmachens.
In wissenschaftlichen Texten ist scheinen ein nützliches Wort, weil es die Sicherheit einer Aussage abstuft. Die Daten scheinen darauf hinzudeuten ist vorsichtiger als die Daten zeigen, und diese Abstufung ist in Diskussionsteilen erwünscht.
Zu viel davon schwächt allerdings. Wer in jedem Absatz relativiert, wirkt unentschlossen, und Gutachten kritisieren das regelmäßig. Bewährt ist, die Einschränkung dort zu setzen, wo sie sachlich begründet ist, und sonst klar zu formulieren.
Fazit: Konjugation scheinen auf einen Blick
Die Stammformen lauten scheinen, schien, geschienen. Im Präsens bleibt der Vokal unverändert, der Wechsel betrifft nur Präteritum und Partizip.
In der Anscheinsbedeutung verlangt das Verb einen Infinitiv mit zu: Er scheint zu schlafen. Die Zusammensetzung erscheinen bildet das Perfekt mit sein.
Im Zusammenhang „Konjugation scheinen: alle Formen mit Tabelle“ werden die zentralen Punkte gebündelt.
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