Welche Forschungsarten gibt es und welche passt zu deiner Arbeit?
Forschungsart wählen: Die Arten im Überblick und wie du entscheidest
Forschung lässt sich nach Daten und Methode einteilen, also empirisch oder theoretisch, qualitativ oder quantitativ, und nach dem Ziel, also Grundlagen oder angewandt. Die folgenden Abschnitte ordnen die Begriffe und zeigen, wie du eine Forschungsart für deine Arbeit begründest.
Empirische oder theoretische Arbeit: der erste Unterschied
Eine grundlegende Unterscheidung trennt literaturbasierte von empirischen Arbeiten. Empirie bedeutet Erfahrung, empirische Arbeiten stützen sich also auf eigene Beobachtungen oder Erhebungen. Wer eigene Daten erhebt, betreibt empirische Forschung, die sich auf Erfahrung stützt, anstatt sich allein auf vorhandene Texte zu verlassen. Diese Trennung ist eine erste Orientierung, bevor du dich mit konkreten Methoden beschäftigst.
Ein Leitfaden eines Lehrstuhls nennt als mögliche Formen einer Bachelorarbeit die empirische Arbeit mit selbst erhobenen Daten, die Mitarbeit in einem laufenden Projekt, die Auswertung eines bereits vorhandenen Datensatzes und die theoretische Arbeit, etwa einen Review vorhandener Literatur. Ob eine dieser vier Formen für deine Fragestellung infrage kommt, prüfst du anhand der Vorgaben deines Fachbereichs. Eine theoretische Arbeit stützt sich dagegen auf vorhandene Literatur statt auf eigene Erhebungen.
Welche dieser Formen dein Fach überhaupt zulässt und welche davon für deine konkrete Fragestellung sinnvoll erscheint, klärst du am besten direkt mit der betreuenden Person oder anhand des Leitfadens deines Fachbereichs. Die genannten Formen stammen aus einem bestimmten fachlichen Kontext und lassen sich nicht automatisch auf jede Disziplin übertragen. Prüfe dazu die konkreten Vorgaben deines Instituts, bevor du dich für eine Form entscheidest. Erst wenn diese Rahmenbedingungen klar sind, lässt sich sinnvoll über die konkrete Methode nachdenken, die du im nächsten Schritt wählst.

Qualitativ oder quantitativ: Daten, Ablauf und Ziel
Innerhalb der empirischen Forschung lässt sich weiter unterscheiden zwischen qualitativer und quantitativer Forschung. Die beiden Ansätze unterscheiden sich nach Ziel, Methode, Ablauf, Art der Daten und nach der Logik der Auswertung. Beim Ablauf wird zwischen einem zirkulären und einem linearen Vorgehen unterschieden, bei der Auswertung zwischen Induktion und Deduktion. Diese Merkmale hängen eng zusammen und prägen, wie eine Studie insgesamt organisiert ist.
Quantitative Daten lassen sich zahlenmäßig darstellen und sind damit abstrakt, qualitative Daten tragen dagegen konkrete Bedeutungen und bestehen meist aus Texten, manchmal auch aus Bildern oder Filmen. Beim linearen Vorgehen steht ein umfassender Plan am Anfang, die Phasen folgen einer festen Reihenfolge und ändern sich während der Durchführung nicht, damit die Ergebnisse vergleichbar bleiben. Beim zirkulären Vorgehen werden Schritte dagegen mehrfach durchlaufen, und der jeweils nächste Schritt hängt vom vorherigen Ergebnis ab. Das Ziel einer Studie muss bei quantitativen Vorhaben bereits zu Beginn klar formuliert sein, bei qualitativen Vorhaben ergibt es sich erst im Verlauf der Untersuchung.
| Merkmal | qualitativ | quantitativ |
|---|---|---|
| Daten | Texte, manchmal Bilder oder Filme, mit konkreter Bedeutung | zahlenmäßig darstellbar, abstrakt |
| Ablauf | zirkulär, Schritte wiederholen sich | linear, feste Phasenfolge |
| Ziel am Anfang | ergibt sich im Verlauf | steht zu Beginn fest |
| Auswertung | Induktion | Deduktion |
Die ausführliche Gegenüberstellung findest du im Beitrag qualitative und quantitative Forschung, mit weiteren Beispielen zu den einzelnen Merkmalen. Beide Ansätze lassen sich zudem kombinieren, worauf ein späterer Abschnitt noch eingeht. Welche Datenart und welches Vorgehen zu deiner Fragestellung passt, ergibt sich aus dem, was du eigentlich wissen willst, nicht aus einer persönlichen Vorliebe für Zahlen oder Texte.
Grundlagenforschung oder angewandte Forschung: eine Frage des Ziels
Neben der Unterscheidung nach Daten und Methode gibt es noch eine zweite, unabhängige Einteilung: die nach dem Ziel der Forschung. Angewandte Forschung zielt auf ein bestimmtes praktisches Ziel. Sie entsteht also mit Blick auf eine konkrete Anwendung oder ein konkretes Problem, das gelöst werden soll. Grundlagenforschung dagegen sucht vor allem neues Wissen; eine bestimmte Anwendung steht dabei nicht im Vordergrund. Hier geht es primär darum, einen Zusammenhang zu verstehen, nicht darum, ihn unmittelbar zu nutzen.
Wer das Wissen um seiner selbst willen sucht, betreibt Forschung; Grundlagenforschung verstehen heißt, das Ziel von der Methode zu trennen. Diese Trennung ist wichtig, weil die Unterscheidung nach dem Ziel etwas anderes beschreibt als die Unterscheidung nach der Methode, also etwa qualitativ oder quantitativ. Eine Studie kann demnach grundlagenorientiert und qualitativ sein, oder angewandt und quantitativ, oder jede andere Kombination aus beiden Einteilungen. Stell dir zum Beispiel vor, du entwickelst ein Verfahren, ohne dabei an eine konkrete Anwendung zu denken, oder du nutzt ein bestehendes Verfahren, um ein praktisches Problem zu bearbeiten: Beide Handlungen lassen sich der jeweiligen Zielrichtung zuordnen, unabhängig davon, ob dabei mit Zahlen oder mit Texten gearbeitet wird.
Für eine Bachelorarbeit bedeutet das: Du musst dich nicht zwingend für eine der beiden Zielrichtungen entscheiden, bevor du mit der Arbeit beginnst. Ob deine Fragestellung eher grundlagenorientiert oder eher anwendungsbezogen ausgerichtet sein soll, klärst du am besten mit der betreuenden Person, da diese Einordnung dein Fach und Thema betrifft. Wichtig ist vor allem, dass du dir über das eigentliche Erkenntnisinteresse deiner Arbeit im Klaren bist, bevor du die Methode festlegst, und dass du diese Einordnung mit der betreuenden Person abstimmst.

Wie du die passende Forschungsart für deine Arbeit findest
Die Wahl der Methode sollte sich aus der Fragestellung ergeben, nicht aus einer persönlichen Vorliebe für eine bestimmte Vorgehensweise. Die Fragestellung begründet die Wahl der Methode, und beide Ansätze, qualitativ und quantitativ, lassen sich dabei auch kombinieren. Eine klare Fragestellung ist damit der Ausgangspunkt für alle weiteren Entscheidungen zur Forschungsart.
Praktisch lässt sich dieser Weg in mehreren Schritten durchlaufen.
- Fragestellung klären
- Art der Daten bestimmen
- Vorgehen wählen
- Wahl in der Methodik begründen
- Mit der betreuenden Person abstimmen
Zuerst formulierst du also, was du eigentlich herausfinden willst. Daraus leitest du ab, welche Art von Daten dafür notwendig ist, und wählst anschließend ein passendes Vorgehen, linear oder zirkulär, deduktiv oder induktiv. Diese Entscheidung trägst du dann im Methodikteil deiner Arbeit nachvollziehbar vor, sodass klar wird, warum genau dieser Weg zur Fragestellung passt.
Wenn beide Ansätze zusammenkommen, spricht man von Mixed Methods, die du gezielt begründen solltest, etwa wenn eine Fragestellung sowohl zahlenbasierte als auch textbasierte Daten erfordert. Eine solche Kombination ist möglich, braucht aber eine klare Begründung und ist nicht automatisch für jede Arbeit die naheliegende Wahl. Wie du das Vorgehen festlegst, zeigt das Forschungsdesign Bachelorarbeit mit konkreten Schritten zur Planung und Umsetzung. Stimme deine Entscheidung in jedem Fall mit der betreuenden Person ab, bevor du mit der Umsetzung beginnst.
Quellen und Stand
- Fraunhofer ISI: Diskussionspapier zum Frascati-Handbuch (PDF): www.isi.fraunhofer.de (geprüft am 2026-10-09)
- ASH Berlin: Qualitative versus quantitative Forschung (PDF): ash-berlin.eu (geprüft am 2026-10-09)
- Universität Potsdam: Leitfaden Bachelorarbeiten Klinische Psychologie (PDF): www.uni-potsdam.de (geprüft am 2026-10-09)
- FQS: Forschungsstrategien bei quantitativer und qualitativer Sozialforschung: qualitative-research.net (geprüft am 2026-10-09)