Fallstudie als Forschungsmethode erklärt

Fallstudie – tiefe Untersuchung eines Einzelfalls

Lesezeit ca. 5 Min. · zuletzt aktualisiert: 26. April 2026 · alle Methoden

Die Fallstudie (Case Study) untersucht einen einzelnen Fall in großer Tiefe – ein Unternehmen, eine Organisation, eine Person, ein Ereignis. Sie ist besonders verbreitet in BWL, Pädagogik, Psychologie und Politikwissenschaft. Im Gegensatz zu großen Stichproben in der quantitativen Forschung steht hier ein Fall im Mittelpunkt – mit dem Ziel, ihn so umfassend wie möglich zu verstehen. Diese Anleitung führt dich durch alle Phasen einer Fallstudie mit Beispielen.

Wann passt eine Fallstudie?

Wenn du ein komplexes Phänomen in seinem Kontext untersuchen willst – „Wie hat Unternehmen X die digitale Transformation gemeistert?". Wenn du eine seltene oder besonders aufschlussreiche Konstellation analysierst. Wenn du Hypothesen aus einem Einzelfall ableiten willst, die später quantitativ getestet werden können.

Drei Typen von Fallstudien nach Yin

Datensammlung in der Fallstudie

Fallstudien arbeiten meist mit mehreren Datenquellen – das ist Daten-Triangulation:

Beispiel: Vergleichende Fallstudie

Forschungsfrage: „Welche Strategien zur Implementierung von Lerngruppen wenden deutsche Hochschulen an?"

Fälle: Drei Universitäten unterschiedlicher Größe (klein, mittel, groß).

Datenquellen pro Fall: Interviews mit Lehrenden, Studierenden-Befragung, Analyse interner Dokumente.

Vergleich: Welche Strategien haben Erfolg? Welche Faktoren begünstigen oder behindern die Implementierung?

Auswertung

Innerhalb jedes Falls: Beschreibung des Falls, Identifikation von Mustern. Bei vergleichenden Fallstudien zusätzlich: Cross-Case-Analysis – welche Befunde wiederholen sich, welche sind fall-spezifisch?

Generalisierbarkeit

Die größte Schwäche der Fallstudie ist die begrenzte Generalisierbarkeit – ein Fall ist ein Fall. Yin spricht von „analytischer Generalisierung": Du verallgemeinerst nicht statistisch (auf eine Population), sondern theoretisch (auf eine Theorie). Beispiel: Die Fallstudie zeigt, dass Theorie X bei diesem Fall passt – das stützt die Theorie, beweist sie aber nicht für alle Fälle.

Häufige Fehler

Mehr typische Stolperfallen findest du in unserem Beitrag zu häufigen Fehlern in Bachelorarbeit und Masterarbeit. Bei der Endkorrektur prüfen wir im professionellen Lektorat auch die Konsistenz zwischen Fall und theoretischer Einbettung.

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Häufige Fragen zur Fallstudie

Wie wähle ich den richtigen Fall aus?

Drei Auswahlstrategien: typischer Fall (gut für Generalisierung), extremer Fall (gut für Theoriebildung), kontrastierende Fälle (gut für vergleichende Studien). Wichtig: die Auswahl muss begründet sein – nicht „weil ich Zugang hatte".

Wie viele Fälle bei einer vergleichenden Studie?

Bei einer Bachelorarbeit 2–3, bei einer Masterarbeit 3–5. Mehr wird unhandlich, weniger erlaubt keinen sinnvollen Vergleich.

Brauche ich Zugang zu internen Dokumenten?

Ist hilfreich, aber nicht zwingend. Öffentliche Quellen (Geschäftsberichte, Pressemitteilungen, Websites) reichen oft. Bei tieferen Einblicken brauchst du Kooperation mit dem Fall – das verlangt einen Sperrvermerk und Vertraulichkeitsabsprachen.

Wie zitiere ich einen anonymisierten Fall?

Bei Anonymisierung schreibst du „Unternehmen A" oder ein Pseudonym. Im Anhang steht (für die Gutachter) eine Erklärung der Anonymisierung. Die Anonymisierung muss konsequent sein – auch im Literaturverzeichnis und in zitierten Dokumenten.

Kann ich öffentliche Daten als Fallstudie nutzen?

Ja, das ist üblich. Eine Fallstudie zu Tesla, BMW oder einer Universität auf Basis öffentlicher Quellen ist legitim. Du brauchst dann keine Vertraulichkeitsvereinbarungen und auch keinen Sperrvermerk.