Welche Nachschlagewerke darfst du im Studium nutzen und zitieren?
Nachschlagewerke: Was du im Studium zitieren darfst
Nachschlagewerke dienen der schnellen Orientierung, sind aber nicht automatisch zitierfähig. Wer im Studium mit Lexika, Fachwörterbüchern, Enzyklopädien oder Handbüchern arbeitet, klärt zuerst, welche Regeln das eigene Fach für Zitate setzt.
Arten von Nachschlagewerken im Überblick
Nachschlagewerke dienen der schnellen Orientierung, und genau darin liegt der Nutzen für dich, wenn du zu Beginn einer Arbeit einen Überblick gewinnen willst. Laut Duden ist ein Nachschlagewerk ein Buch, zum Beispiel ein Lexikon oder ein Wörterbuch, dessen Aufbau meist alphabetisch ist und das einer raschen Orientierung dient. Als Synonyme nennt der Duden außerdem Enzyklopädie, Handbuch und Leitfaden. Dass ein Werk zum schnellen Nachschlagen taugt, macht es jedoch noch nicht automatisch zitierfähig.
Eine Enzyklopädie stellt den Wissensstoff entweder aller Disziplinen oder nur eines Fachgebiets dar, und zwar in alphabetischer oder systematischer Anordnung. Ein Fachwörterbuch erklärt die Fachausdrücke eines bestimmten Gebiets, während ein Handbuch ein handliches Buch ist, das ein Wissensgebiet systematisch und in lexikalischer Form aufbereitet. Die Erklärungen des Duden beschreiben Wortbedeutungen und keine Regeln für deine Hochschule. Daraus folgt nicht, dass eine Enzyklopädie wissenschaftlich geprüfte Artikel enthält, und auch bei einem Handbuch prüfst du Autorschaft und Fachlichkeit im Einzelfall.
Welche Art zu deiner Frage passt, hängt davon ab, ob du einen Begriff, ein Fachgebiet oder einen Überblick brauchst. Prüfe bei jeder Art anhand des Eintrags, ob sie deinen Begriff, dein Fachgebiet oder deinen Überblick abdeckt. Wenn du mit einem Lexikon einsteigst, vergiss nicht: Wie du einen Lexikonartikel zitieren kannst, hängt vom Werk und vom Fach ab. Das klärst du mit der Betreuung oder im Leitfaden deines Faches, bevor du den Artikel in deine Arbeit übernimmst.

Wann ein Lexikonartikel zitierfähig ist
Nach dem Merkblatt der Universität Rostock für das Fach Geschichtswissenschaft gelten wissenschaftliche Texte grundsätzlich als zitierfähig, wenn sie etwa in der Universitätsbibliothek vorgehalten werden. Dazu zählen Monografien, Handbücher, Aufsätze aus wissenschaftlichen Zeitschriften, Sammelbände und Artikel aus Fach-Lexika. Dieses Beispiel stammt aus dem Merkblatt einer Hochschule und gilt nicht automatisch für dein Fach.
Bei Lexika ohne genannte Autorschaft ist Vorsicht geboten. Das Merkblatt hält fest, dass die Argumentation einer Hausarbeit nicht auf Texten beruhen darf, deren Verfasserin oder Verfasser nicht genannt wird. Das betrifft nach dem Merkblatt auch Lexika, zum Beispiel große Standard-Lexika oder Schüler-Lexika. Bei wissenschaftlichen Lexika stellt das Merkblatt höhere Ansprüche an die Artikel und an das Wissen der Verfassenden. Ob im Artikel eine Autorin oder ein Autor angegeben ist, prüfst du deshalb, bevor du ihn für deine Argumentation nutzt.
Nicht alle Hochschulen und Fächer wenden dieselben Regeln an, deshalb ist der Leitfaden deines Faches maßgeblich. Im Zweifel fragst du zusätzlich deine Betreuung, bevor du einen Artikel einreichst.
Die folgende Übersicht stellt die vier Werkarten nebeneinander und zeigt, welche Frage du dem Fach jeweils stellen kannst.
| Nachschlagewerk | Typische Verwendung | Zitieren in der Hausarbeit |
|---|---|---|
| Lexikon | Schnelle Orientierung zu einem Stichwort | Frage an das Fach: Wird dieses Lexikon als wissenschaftlicher Text anerkannt? |
| Fachwörterbuch | Erklärung der Fachausdrücke eines Gebiets | Frage an das Fach: Passt ein Wörterbuch zu meiner Argumentation? |
| Enzyklopädie | Wissen aus allen Disziplinen oder aus einem Fachgebiet | Frage an das Fach: Sind die Verfassenden der Artikel genannt? |
| Handbuch | Systematische Darstellung eines Wissensgebiets | Frage an das Fach: Ist die Autorschaft erkennbar und fachlich ausgewiesen? |
Die Übersicht ersetzt keine Prüfung. Die Übersicht zeigt nur, welche Fragen du dem Fach stellen kannst, bevor du ein Werk übernimmst. Sobald du einen Artikel ins Verzeichnis aufnimmst, prüfe, welche Form der Quellenangabe in der Hausarbeit dein Fach verlangt. Die Entscheidung darüber trifft der Leitfaden deines Faches.
Wikipedia als Einstieg nutzen
Wikipedia kann dir als Einstieg dienen, wenn ein Begriff neu für dich ist. Die Universität Rostock hält in ihrem Merkblatt zur Zitierfähigkeit fest, dass Wikipedia nicht als Nachweis in einer wissenschaftlichen Hausarbeit dient. Begründet wird das damit, dass Nutzerinnen und Nutzer Artikel erstellen oder bearbeiten können, während fachliche Qualifikation und Identität der Verfassenden nicht sichergestellt sind. Auch wenn viele Artikel eine hohe Qualität haben, reicht das nach dem Merkblatt dafür nicht aus.
Ein weiteres Beispiel: Der Leitfaden für Hausarbeiten der Universität Potsdam am Institut für Künste und Medien, dass bestimmte Netzlexika, zu denen auch Wikipedia gehört, wegen ihrer Unzuverlässigkeit nicht zitierfähig sind. Daraus folgt aber nicht, dass Wikipedia für den Einstieg ungeeignet ist. Wikipedia kann dir Begriffe und Stichwörter für deine Suche liefern. Was du davon verwendest, prüfst du in zitierfähiger Fachliteratur nach.
Wenn du doch eine Wikipedia-Stelle brauchst, ist wichtig: Wie du Wikipedia zitieren würdest, wenn es ausnahmsweise erlaubt ist, steht in den Vorgaben deines Faches. Frag im Zweifel deine Betreuung, bevor du die Stelle übernimmst. Ein Vorgehen ohne Wikipedia als Nachweis sieht in fünf Schritten so aus:
- Begriff in Wikipedia nachschlagen
- Stichwörter und Fachbegriffe notieren
- Im Fach-Lexikon oder Handbuch nachlesen
- Fachliteratur suchen
- Nur die geprüfte Literatur zitieren
Ein erfundenes Beispiel zeigt den Ablauf: Lea liest bei Wikipedia den Begriff Hegemonie, notiert sich verwandte Stichwörter und findet im Handbuch ihres Faches eine ausführlichere Erklärung. Erst danach entscheidet sie, welche Fachliteratur sie tatsächlich zitiert.

Wo du Nachschlagewerke findest
Prüfe zuerst die Bibliothek deiner eigenen Hochschule. Auf der Website deiner Hochschule kannst du klären, welche Bibliothek für dein Fach zuständig ist. Ob dort ein Lesesaal, eine Fachbibliothek und ein Katalog angeboten werden, ist ebenfalls auf dieser Seite zu prüfen, statt es vorauszusetzen. Prüfe außerdem, ob deine Hochschule Datenbanken bereitstellt und welche Schritte der Zugang verlangt. Diese Angaben notierst du dir, bevor du mit der Suche beginnst.
Für die Suche nach Fachliteratur nutzt du die Literaturrecherche in Datenbanken und prüfst die Trefferliste Schritt für Schritt. Vergleiche dabei Titel, Erscheinungsjahr und die Art des Beitrags. Ob ein Treffer aus einem Lexikon stammt, zeigt dir die Angabe zur Art des Beitrags, sofern sie vorliegt. Notiere die Angaben zu jedem Treffer vollständig, damit du den Beitrag später wiederfindest.
Falls deine Bibliothek einen Katalog anbietet, suchst du darin nach Büchern, die sie im Bestand hat. Handbücher und Lexika prüfst du dort mit den Suchbegriffen deines Themas. Hilft dir die Literaturrecherche in Datenbanken weiter, kombinierst du sie mit der Katalogsuche und notierst beide Suchwege getrennt, damit du später nachvollziehst, woher ein Titel stammt.
Wer sich einen ersten Überblick über Bücher wünscht, sollte verschiedene Arten von Büchern und Beiträgen aus den Literaturquellen vergleichen, die dafür zur Verfügung stehen. Nutzt du verschiedene Literaturquellen, kommen Handbücher und Sammelbände dazu, die du nebeneinander lesen kannst.
Notiere dir die Suchbegriffe, mit denen du in der Trefferliste ein Lexikon oder Handbuch gefunden hast. Falls der Katalog Signatur und Standort anzeigt, übernimmst du beide und vermerkst, ob der Titel als Präsenzbestand im Lesesaal steht oder ausleihbar ist. So unterscheidest du beim Aufsuchen, ob du vor Ort lesen oder ausleihen willst.
Notiere dir vorab eine konkrete Frage zu deinem Thema und grenze sie auf einen Satz ein. Eine kurze Rückfrage in der Bibliothek kann vor einer langen Suche hilfreich sein. Welche Stelle die richtige Ansprechperson ist, prüfst du auf der Website deiner Hochschule. Offene Punkte zu Zitierregeln klärst du mit der betreuenden Person oder dem Prüfungsamt, bevor du ein Nachschlagewerk in deiner Arbeit angibst.
Quellen und Stand
- Duden: Nachschlagewerk: www.duden.de (geprüft am 2026-10-06)
- Duden: Enzyklopädie: www.duden.de (geprüft am 2026-10-06)
- Duden: Handbuch: www.duden.de (geprüft am 2026-10-06)
- Universität Rostock, Geschichtswissenschaft: Merkblatt Zitierfähigkeit (PDF): www.geschichte.uni-rostock.de (geprüft am 2026-10-06)
- Universität Potsdam, Institut für Künste und Medien: Leitfaden für Hausarbeiten (PDF): www.uni-potsdam.de (geprüft am 2026-10-06)